Dönmez: Red Bull verleiht TV!

Efgani Dönmez, ehemaliger Bundesrat der Grünen,
am 7.5.2016 in den OÖNachrichten:

Zu den schönsten und edelsten Aufgaben eines Wohlhabenden zählt, dass er den Armen keinen Fisch gibt, sondern ihnen das Fischen beibringt.

Nicht wenige Wohlhabende betreiben und finanzieren in armen Gegenden der Welt Waisenhäuser und Schulen, damit Kinder zumindest eine kleine Chance haben, über die Bildungsschiene aus der Armut auszubrechen. Herrn Mateschitz kann man gar nicht genug danken, dass er mit Servus TV einen Privatsender mit knapp 270 Mitarbeitern gegründet hat, welchen er aus eigener Tasche finanziert. Das Team des Senders produziert Beiträge auf hohem Niveau zu Kultur, Sport und Gesellschaftspolitik, wobei man mehr als fünf Minuten ununterbrochen eine Sendung anschauen kann, ohne dass man mit stupider Werbung geistig zugemüllt wird.

Österreich ist im materiellen Sinne absolut kein Entwicklungsland. Sieht man sich die Zuhörer- und Zuseher-Statistik von Qualitätsformaten wie Ö1 und ORF III an, dann darf man schon berechtigte Zweifel hegen, ob es um unseren Bildungsstand gut bestellt ist. Wenn mit Steuergeld und Werbeschaltungen finanzierte Massenverblödung nicht nur im Privatfernsehen, sondern auch im staatlich-rechtlichen Rundfunk bereits Einzug hält, dann sollte uns dies zu denken geben.

Dass Mateschitz der Gewerkschaft, wegen der Bestrebungen einen Betriebsrat zu gründen, die Rute ins Fenster gestellt hat, löste in den sozialen Netzwerken sehr hitzige Diskussionen aus. Eine Begegnung auf Augenhöhe von Arbeitgebern und Arbeitnehmern würde vieles obsolet machen. Historisch berechtigt gewachsene Strukturen der Arbeitnehmerbewegung, welche jedoch im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelt haben, wo sich gegenwärtig viele Arbeitnehmer nicht mehr abgeholt und vertreten fühlen, führen zu einer Erosion der Arbeiterbewegung – einer Hochburg der SPÖ. Wozu dies führt, erkennt man am Erstarken der FPÖ.

Es müsste in den Köpfen der Menschen das Verständnis füreinander wieder mehr Fuß fassen, indem jedem eines klar wird: dass es den Mitarbeitern nur gut gehen kann, wenn es dem Betrieb gut- geht, und dem Betrieb nur gut gehen kann, wenn es den Mitarbeitern gut geht. Die alte Riege der Herren, welche auf das Wohl ihrer Mitarbeiter geschaut hat, war in der Vergangenheit überschaubar, aber mit Mateschitz dürfte sich eine Generation dem Ende zuneigen, bei der die Achtung des Wohles von Mitarbeitern auch ohne Gewerkschaft funktioniert.

Es wäre wichtig, dass die Gewerkschaften aus der Intensivstation erwachen, weil international agierende Unternehmen in vielen Ländern Arbeiter unter widrigsten Bedingungen massiv ausbeuten. Diesem Faktum gehört der Kampf angesagt, denn nicht nur Red Bull verleiht Flügel, sondern auch starke Gewerkschaften!