Anmerkung: angeführt sind in der Regel die österreichischen Ladenpreise
Wahied Wahdat-Hagh, Der islamistische Totalitarismus. Über Antisemitismus,
Anti-Bahaismus, Christenverfolgung und geschlechtsspezifische Apartheid in der
"Islamischen Republik Iran", Peter Lang-Verlag 2012, 334 Seiten,
Euro 51,20 In diesem Band wird die islamistische Diktatur im Iran behandelt,
die ihre eigene Bevölkerung unterdrückt, die iranische Bahai-Gemeinde zerstören
will und eine große Barriere für die Gleichberechtigung der iranischen Frauen
darstellt. Es geht um eine nicht reformierbare totalitäre Diktatur, die eine
antisemitische Ideologie besitzt und den Staat Israel mit Vernichtung bedroht.
In den letzten Jahren wurde in der deutschen Wissenschaft und im Journalismus
oft geleugnet, dass der iranische Präsident mit der Vernichtung Israels droht.
Der Autor weist nach, dass solche Vernichtungsphantasien lange vor der Gründung
der "Islamischen Republik Iran" von islamistischen Ideologen propagiert
wurden. Er beginnt mit der historischen und der genealogischen Entwicklung der
Idee der absoluten Herrschaft des Klerus im 19. Jahrhundert und erklärt, wie
die Machthaber des Iran heute im Namen von Gott, Führer und der islamischen
Ummat ihre totalitäre Macht durchsetzen wollen.
Michael Schmidt-Salomon - Anleitung zum Seligsein - 211 Seiten, Alibri
Verlag 2011, Euro 16,50 Möchten nicht auch Sie seliggesprochen werden
wie Johannes Paul II. oder Mutter Teresa? Michael Schmidt-Salomon gibt in diesem
Buch Ratschläge für Scheinheilige (und solche, die es werden wollen), erklärt,
warum die Verletzung religiöser Gefühle die Denkfähigkeit verbessert, und deckt
auf, weshalb Atheisten nicht notwendigerweise die "besseren Menschen"
sind. Ein Sammelsurium religionskritischer Denkanschläge aus den letzten beiden
Jahrzehnten.
Thomas Junker und Sabine Paul - Der Darwin-Code: Die Evolution erklärt
unser Leben - 224 Seiten, Beck Verlag 2010, Euro 13,30 Wenn Darwin heute
lebte - wie würde er die Rätsel lösen, die unser Verhalten aufgibt? Die Autoren,
renommierte Evolutionsbiologen, führen uns auf verständliche Weise und alltagsnah
die Reichweite der darwinschen Theorie vor Augen: Sie ist der Schlüssel zu den
Problemen unserer modernen Kultur. Warum etwa lieben Menschen fette, süße und
salzige Speisen, und warum fällt es so schwer, sich zugleich gesund und genussvoll
zu ernähren? Steht die moderne sexuelle Selbstbestimmung der Frauen im Gegensatz
zur Evolution oder ist sie Teil der biologischen Natur? Warum und in welchen
Situationen opfern sich Menschen für eine Gemeinschaft auf, wie das vieldiskutierte
Phänomen der Selbstmordattentate im Extrem zeigt? Warum ist die Kunst so wichtig
für das Wohlergehen und Überleben der Menschen - wichtiger vielleicht noch als
die Religion? Sabine Paul und Thomas Junker zeigen uns die darwinsche Revolution
von ihrer brisanten, aber auch menschenfreundlichen und sinnlichen Seite.
Detlev Ganten, Thilo Spahl, Thomas Deichmann - Die Steinzeit steckt uns
in den Knochen: Gesundheit als Erbe der Evolution - 336 Seiten, Piper Taschenbuch,
4. Aufl. 2011, Euro 10,30 Unsere Körper sind Meisterwerke der Natur.
Aber sie sind nicht perfekt. Wir sind der lebende Kompromiss aus unseren evolutionären
Vorgängern, den Affen, Amphibien, Fischen. Seit der Steinzeit hat sich unser
Körper kaum mehr verändert und passt nun nicht mehr so recht zum modernen Leben.
Die Folge sind Einschränkungen und Krankheit. Der Arzt und langjährige Charité-Chef
Detlev Ganten hat mit Thilo Spahl und Thomas Deichmann ein spannendes Buch über
einen der wichtigsten neuen Ansätze für gesunde Lebensführung geschrieben: die
evolutionäre Medizin.
Ulla Wessels - Das Gute: Wohlfahrt, hedonisches Glück und die Erfüllung
von Wünschen - 244 Seiten, Klostermann Verlag 2011, Euro 20,40 Wie gut
oder schlecht ist die Welt? Das hängt allein davon ab, wie gut oder schlecht
es den Individuen in der Welt geht. Die Welt ist umso besser, je besser es den
Individuen geht. Und wie gut oder schlecht geht es den Individuen? Das hängt
allein davon ab, wie wohl sie sich fühlen und in welchem Maße die Wünsche, die
sie hegen, erfüllt sind. Den Individuen geht es umso besser, je wohler sie sich
fühlen und je mehr oder je stärkere ihrer Wünsche erfüllt sind. Die beiden Thesen
bilden den Kern von Ethiken, die als Glück-Wunsch-Ethiken angesprochen werden,
als Glück-Wunsch-Ethiken deshalb, weil sie hedonisches Glück und die Erfüllung
von Wünschen in den Mittelpunkt rücken. Glück-Wunsch-Ethiken gehören zu den
Wohlfahrtsethiken. Dreh- und Angelpunkt ist der Begriff des Wünschens; ihm und
der Rolle, die er in Glück-Wunsch-Ethiken spielt, spürt das Buch im Detail nach.
Dabei setzt es sich unter anderem mit irrationalen, externen, asynchronen und
angepassten Wünschen auseinander und mit Wünschen von Individuen, die es noch
gar nicht gibt. Das Buch spannt den Bogen von der theoretischen zur angewandten
Ethik und kann als eine Einführung in und zugleich als Beitrag zur Erforschung
von Wohlfahrtsethiken gelesen werden.
Christopher Hitchens - The Hitch: Geständnisse eines Unbeugsamen - 672
Seiten, Karl Blessing Verlag, Euro 23,60 The Hitch: das bewegte Leben
eines der einflussreichsten und streitbarsten Denker. Ikonen von ihrem Sockel
zu stürzen ist ein Anliegen, das Christopher Hitchens mit der Nonchalance eines
Salonlöwen und der Unerbittlichkeit eines Rottweilers verfolgt - wie seine Biografien
über Mutter Teresa, Henry Kissinger und Bill Clinton beweisen. Jetzt hinterfragt
der Bestsellerautor, Journalist, Bonvivant und Provokateur seinen eigenen, fast
schon ikonenhaften Status als (laut "Die Welt) "wahrscheinlich klügster
Kopf seiner Generation". "The Hitch" ist die Roadmap für ein
Leben, das nichts, wirklich nichts ausgelassen hat, Christopher Hitchens ist
am 15.12.2011 verstorben.
Klaus Huber - Hätte man Verstand, brauchte man keine Götter: Religionskritik
in Zitaten - 208 Seiten, Books on Demand, 2. Auflage 2011, Euro 14,90 Im
diesem Sammelband kommen zahlreiche Frauen und Männer zum Thema Religionskritik
zu Wort, Menschen aus längst vergangenen Zeiten ebenso wie aus der Gegenwart,
Atheisten und Agnostiker, Wissenschaftler und Schriftsteller, aber auch Päpste,
Kardinäle und andere Zeitgenossen aus den verschiedensten Ländern und Gesellschaftsschichten.
Sie alle haben sich zum Glauben, zur Bibel, zum Atheismus und zum Lebenssinn
geäußert. Ihre Zitate sind hier gesammelt und in neun Themenbereiche gegliedert.
Eine Besonderheit dieses Buches ist die Tatsache, dass es zahlreiche Kernaussagen
aus der aktuellen religionskritischen Literatur wiedergibt. So finden sich unter
anderem wichtige Zitate aus Richard Dawkins Der Gotteswahn , Michael Schmidt-Salomons
Manifest des evolutionären Humanismus, Sam Harris Brief an ein christliches
Land oder Michael Onfrays Wir brauchen keinen Gott . Am Ende wird unter anderem
deutlich: Wer nichts weiß, muss alles glauben. Und natürlich: Hätte man Verstand,
brauchte man keine Götter!
Heinz-Werner Kubitza: Verführte Jugend. Eine Kritik am Jugendkatechismus
Youcat. Vernünftige Antworten auf katholische Fragen. Tectum Verlag 2011, 208
Seiten, Euro 12,95. Der Jugendkatechismus Youcat soll den Nachwuchs der
katholischen Kirche weltweit auf Linie bringen. Und in 25 Sprachen übersetzt
soll er für die katholische Kirche besonders unter Kindern und Jugendlichen
Menschen fischen. Allein zum Weltjugendtag in Madrid wurde er 700.000-mal verteilt.
Was Jugendliche oder Gläubige aber nicht so einfach merken können: Der Youcat
ist unseriös. Er ist unseriös, weil er so tut, als wäre man bei seiner Erstellung
ernsthaft an einem Gespräch mit Jugendlichen interessiert gewesen. Die katholische
Kirche definiert Dogmen, sie diskutiert sie nicht. Er ist unseriös, weil er
den Jugendlichen ein Bild von Jesus und den ersten Christen vermittelt, das
in der neutestamentlichen Wissenschaft und bei Historikern längst als widerlegtes
katholisches Wunschdenken gilt. Und er ist unseriös, weil er offenbar in voller
Absicht diese Erkenntnisse der Forschung verschweigt Diese katholischen Nebel
versucht das Buch von Kubitza zu vertreiben. Zu den 165 katholischen Fragen
des Youcat, die die Grundlagen der katholischen Lehre betreffen, gibt er 165
kritische Antworten. Jugendliche und Erwachsene erfahren, wie fragwürdig und
absurd viele zentrale Aussagen der katholischen Kirche sind. Und sie erkennen,
was ihnen mit dem Youcat wirklich verkauft werden soll: keine Religion, sondern
eine religiöse Ideologie. Dieses Buch wendet sich an alle, die sich für die
katholische Kirche engagieren wollen oder dies bereits tun. Niemand sollte dort
mittun, der nicht auch die kritischen Einwände kennt. Es zeigt aber auch nichtreligiösen
Menschen, mit welchen unlauteren Mitteln und Tricks die katholische Kirche arbeitet,
um Menschen zu fischen. Ohne ein Geleitwort des Papstes.
Rolf Bergmeier - Schatten über Europa - Der Untergang der antiken Kultur,
Alibri-Verlag 2011, 293 Seiten, Euro 20.60 Warum geht mit dem römischen
Reich in Westeuropa auch die antike Kultur unter? Warum verschwinden Bäder und
Bibliotheken, warum kann im Mittelalter fast niemand mehr lesen, warum schrumpfen
bedeutende Städte auf die Größe von Provinznestern? Rolf Bergmeier weist in
seiner Studie nach, dass es die Germanen nicht gewesen sind und dass die zivilisatorischen
Leistungen des 4. Jahrhunderts auch keine Anzeichen von "spätrömischer
Dekadenz" erkennen lassen. Viel wahrscheinlicher erscheint es ihm, dass
Jenseitsorientierung und Bildungsfeindlichkeit des Christentums eine Reihe von
Entwicklungen ausgelöst haben, die letztlich dazu führten, dass Kunst und Kultur,
Bildung und Philosophie die Grundlagen entzogen wurden. Seine Einschätzung belegt
er anhand zahlreicher Beispiele, sei es der Zusammenbruch des Kunstmarktes oder
die Schließung der weltlichen Schulen. Und immer spielt das Christentum eine
Hauptrolle, kämpfen die "Kirchenväter" gegen Bildung und Thermen,
Theater und Akademien.
Axel Meyer: Evolution - Die Entstehung des Lebens - ZEIT Akademie,
2011, 4 DVDs, Euro 149.- Warum haben wir fünf Finger? Warum werden Bakterien
resistent gegen Antibiotika? Und ist Intelligenz wirklich vererbbar? Im ZEIT
Akademie-Seminar Evolution führt der international renommierte Evolutionsbiologe
Prof. Dr. Axel Meyer in die Wissenschaft von der Entstehung des Lebens und der
Arten ein. Er erzählt ihre Geschichte und verdeutlicht ihre Relevanz für unser
heutiges Leben. DVD I Lektion 1: Was ist Evolution? Lektion 2: Wie hat Darwin
unser Weltbild verändert? Lektion 3: Natürliche Selektion - Welche Rolle spielt
der Zufall? Lektion 4: Adaptation - Die Kunst der Anpassung DVD III Lektion
9: Verwandtschaftsselektion - Mit wem teile ich meine Gene? Lektion 10: Stammbäume
und Klassifikation: Eine Zeitreise durch die Evolution. Lektion 11: Artenkonzepte
- Was ist eigentlich eine Art? DVD II Lektion 5: Sexuelle Selektion - Wer
paart sich mit wem? Lektion 6: Paarungssysteme - Warum die Natur Untreue belohnt
Lektion 7: Genetik - Was wird vererbt und was nicht? Lektion 8: Populationsgenetik
- Wie verbreiten sich Anpassungen? DVD IV Lektion 12: Artbildung - Wie entstehen
neue Arten? Lektion 13: Evolution im Alltag - Was Darwin noch nicht wusste.
Lektion 14: Die häufigsten Irrtümer über die Evolution.
Winfried Schröder - Athen und Jerusalem - Die philosophische Kritik am
Christentum in Spätantike und Neuzeit - Frommann-Holzboog Verlag 2011, 291 Seiten,
Euro 69,90 "Athen und Jerusalem" gilt seit jeher als eine identitätstiftende
Besonderheit der abendländischen Kultur. Dieser Vorstellung stehen jedoch die
Konfrontationen zwischen Philosophie und Christentum in der Spätantike (Kelsos,
Porphyrios und Julian Apostata) und in der Neuzeit, insbesondere in der Aufklärung,
entgegen. Ihre vergleichende Analyse macht die Zäsuren sichtbar, die das Christentum
in der Geschichte der Welt- und Menschenbilder gesetzt hat. Gerade in grundlegenden
Fragen der Ethik, Anthropologie und Metaphysik erweist sich jene Vorstellung
einer abendländischen Synthese als unzutreffend. Schröder führt vor Augen: Die
Symbiose von christlicher Religion und griechischer Philosophie ist Fiktion,
er zeigt wie scharf die Kritik der Philosophen bereits in Antike und Spätantike
war, von Kelsos über Porphyros bis Kaiser Julian, deutlich wird auch gemacht,
wie sehr antike und neuzeitliche Philosophen in ihrer Kritik an christlichen
Glaubens- und Wertvorstellungen übereinstimmen.
Michael Amon - Fromme Begierde - Die literarische Aufarbeitung von Missbrauch
und Gewalt In einem Katholischen Internat - Klever Verlag 2011, 218 Seiten,
Euro 19,90 Lakonisch berichtet Michael Amon von seinen Jahren im katholischen
Internat - über Gewalt, Mißbrauch, religiösen Wahn, falsche Frömmigkeit und
hemmungslose Machtausübung. Ein Klerikalfaschist als Internatsleiter, der seine
verklemmte Sexualität beim Verprügeln kleiner Kinder auslebt, sadistische Erzieher,
sinnlose Strafen bis hin zur körperlichen Folter. Die Gründerinnen des Internats
kamen aus dem Bund Neuland, einer katholischen Erneuerungsbewegung, und hatten
die Vision einer neuen Pädagogik und menschennahen Volkskirche. Unter der sichtbaren
Oberfläche läuft vieles schief, aber endgültig bricht die Katastrophe aus, als
die Schulgründerin stirbt. Ohne Selbstmitleid und teils ironisch schildert Amon
die Wiederherstellung der alten Ordnung. Amon geht es nicht um eine undifferenzierte
Aburteilung der Kirche oder einfache Antworten. Aber er beschreibt ein System,
in dem nicht einige Einzelfälle, sondern Tausende noch lebende Menschen zu Opfern
geworden sind. Er gibt ihnen eine Stimme. Und er nennt Täter beim Namen.
Horst Groschopp - Dissidenten, Freidenker und Kultur in Deutschland -
Tectum Verlag - 536 Seiten - Euro 35,90 In Medien und Politik wird in
Deutschland aktuell überreichlich "unsere jüdisch-christliche Kultur"
betont. Der Wunsch bestimmt den Gedanken, denn über 35 Prozent der heutigen
deutschen Bevölkerung ist konfessionsfrei - früher wurde "konfessionslos"
gesagt. In dieser Gruppe finden sich viele Weltanschauungen: Agnostiker, Atheisten,
Evolutionisten, freie Christen, säkulare Juden und Muslime, Freidenker, Humanisten
oder einfach nur Gott- oder Nichtgläubige. Diese Menschen nannte man bis
1936 standesamtlich "Dissidenten". Das vorliegende Buch erzählt ihre
Entstehungsgeschichte als Kulturvorgang, berichtet, warum und in welchen Variationen
sie Glaubensfreiheit forderten, für die Trennung von Staat und Religion sowie
von Schule und Kirche eintraten und was ihre Verbände politisch wollten und
unternahmen. Die alten Überlegungen wirken bis in unsere Gegenwart. Sie gingen
in die Weimarer Verfassung und von dort ins Grundgesetz ein. Auch lebensweltlich
tradieren sie sich, geht es doch auch heute um Ethik-, Lebenskunde- und Religionsunterricht,
Sterbehilfe, "geborene Verbrecher", "kulturelle Vererbung",
"Hooligans" und um Humanismus. Auch jetzt wird gefragt, was die Interessen
der Konfessionsfreien gegenüber den noch mächtigen Kirchen sind und wie sie
sich organisieren sollten, um ihren Ansprüchen Gehör zu verschaffen. Da lohnt
sich ein Blick in die Zeit, als die Konfessionsfreien noch Dissidenten hießen.
Güner Yasemin Balci - ArabQueen: oder Der Geschmack der Freiheit - 319
Seiten - S. Fischer Verlag 2010 - Euro 15,40 Mariam führt ein Doppelleben:
Zu Hause die folgsame Tochter kurdischer Eltern, in der Welt außerhalb die selbstbewusste
"ArabQueen", die mit ihrer deutschen Freundin Lena Tanzen geht und
Jungs trifft, dies aber durch Lügen vor ihrer Familie zu verbergen weiß. Als
der Vater ihr eröffnet, dass ihr Cousin Walid auf dem Weg nach Deutschland ist,
um sie zu heiraten, weiß Mariam, dass sie eine Entscheidung treffen muss, an
der sie zu zerbrechen droht. Die Journalistin Güner Yasemin Balci, die selbst
jahrelang in einem Mädchentreff in Neukölln gearbeitet hat, erzählt eindrucksvoll
am Schicksal Mariams, wie es ist, in zwei unvereinbaren Welten zu leben - für
viele junge muslimische Frauen in Deutschland die bittere Realität - und welchen
Preis die Freiheit hat. Güner Y. Balci, geb. 1975 in Berlin-Neukölln, ihre
Eltern kamen in den 1960er Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland.
Güner Y. Balci studierte Erziehungs- und Literaturwissenschaft und arbeitete
im Modellprojekt 'Kiezorientierte Gewalt- und Kriminalitätsprävention' im sozialen
Brennpunkt Neuköllns, im Rollbergviertel, sowie im Mädchentreff MaDonna mit
Jugendlichen aus türkischen und arabischen Familien.
Güner Y. Balci - Arabboy: Eine Jugend in Deutschland oder Das kurze Leben
des Rashid A. - 288 Seiten - S. Fischer Verlag 2009 (3. Auflage) - Euro 9,30 Rashid,
Sohn einer libanesisch-palästinensischen Familie, ist weder Deutscher noch Libanese
oder Palästinenser, er ist ein "Arabboy", so nennt er sich in den
einschlägigen Chaträumen, die er und seine Kumpel mit selbstgemachten Gewalt-Clips
versorgen. Sie gehorchen dem Gesetz der Straße, auf der sich jeder sein Recht
nehmen muss. Wer das nicht kann, wird zum "Opfer" - er ist dem Lebenskampf
nicht gewachsen. Mit Hilfe von Aabid, der es vom Flüchtlingsjungen zum "Mega-Checker"
im Rotlichtmilieu gebracht hat, macht Rashid kriminelle Karriere, bis er durch
seine Drogensucht die Kontrolle über sein Leben verliert. Ihn rettet seine Verhaftung.
Im Gefängnis wartet er auf seine Abschiebung - und Deutschland, das so verhasste
Land, wird für ihn zum Inbegriff aller Sehnsüchte.
Thore D. Hansen - Die Hand Gottes - 560 Seiten - Scorpio-Verlag
2011 - Euro 23,60 SF-Roman, am Supreme Court in Washington steht der
größte Prozess aller Zeiten vor der Tür. Auf der Anklagebank: der Papst und
der Vatikan. Die Anklage lautet auf Diebstahl geistigen Eigentums vor rund 1700
Jahren - an einem Wissen, das den Menschen einst ein Leben im Einklang mit der
Natur ermöglichte. Welche Geheimnisse sind es, die der Vatikan mit allen Mitteln
versucht, unter Verschluss zu halten? Der amerikanische Richter Ronald MacClary
ist einem ungeheuren Verbrechen auf der Spur: Er glaubt zu wissen, dass die
katholische Kirche vor fast 1700 Jahren die keltischen Druiden nicht nur brutal
ausgerottet, sondern auch deren Wissen geraubt hat. Gemeinsam mit dem Heiler
Adam Shane, der Sprachwissenschaftlerin Deborah Walker und dem Druiden Thomas
Ryan beginnt er zu recherchieren. Es kommt zu einem spektakulären Prozess, in
dem der Vatikan und der Papst an ihre letzte Grenze stoßen werden. Doch die
Mächtigen im Vatikan setzen alle Hebel in Bewegung, um den Prozess zu verhindern.
Thore D. Hansens Thriller ist von einer spannungsgeladenen Wucht, der sich kaum
ein Leser entziehen kann. Der Autor schickt seine Protagonisten quer durch Irland,
Österreich, Italien und die USA, um eines der letzten Tabus unserer Zeit zu
lüften - die Verbrechen, die der Vatikan an der keltischen Elite beging, um
ihre eigene Macht zu sichern.
Daniel Knop - Experiment Mensch - Wird der Sieger über Seuchen und Säbelzahntiger
zum Opfer der Überbevölkerung? - 264 Seiten - Verlag Natur und Tier 2011 - Euro
20,40 Sind wir Menschen der große Wurf der Evolution? Oder eher ein misslungener
Versuch? Über 98 Prozent unserer Entwicklungsgeschichte lebten wir als fellbehangene
Steinzeitmenschen mit Wurfspeeren und Faustkeilen in primitiven Hütten. Plötzlich
aber schufen wir Hochkulturen, entwickelten Maschinen und bauten Fabriken, begannen
Forschung und Medizin zu betreiben. Heute verpflanzen wir Herzen und fliegen
zum Mond. Dabei werden wir immer mehr - inzwischen fast sieben Milliarden. Ist
das alles Teil des Plans? Gibt es einen solchen Plan? Sieht er vor, dass wir
eine gewaltige, fortwährend wachsende Population erzeugen und den Planeten bis
in den letzten Winkel bevölkern? Oder ist unsere explosionsartige Vermehrung
bloß ein evolutionärer Störfall, eine Entgleisung?
Thomas Junker - Evolution. Die 101 wichtigsten Fragen. Beck 2011, 160
Seiten, kartoniert, Euro 10,30 Wie entstand das Leben? - Stammt der Mensch
vom Affen ab? - Warum sterben Arten aus? - Was ist Darwinismus? - Warum gibt
es Männer? - Was sagen die großen christlichen Kirchen zur Evolution? - Sind
die Gene unser Schicksal? - Diese und viele andere Fragen beantwortet Thomas
Junker knapp, kenntnisreich und leicht verständlich. Insgesamt bieten die 101
Fragen und Antworten, die nach Themenbereichen wie "Die Entdeckung der
Evolution", "Was Darwin noch nicht wusste" oder "Die Evolution
der Menschen" gegliedert sind, eine ebenso umfassende wie kurzweilige Einführung
in die Evolution und ihre Erforschung.
Friedrich Pirker - ungläubig - ISBN 978-3-8423-8032-5, Books on Demand
2011, Paperback, 120 Seiten, Euro 8,90 Immer noch trifft man auf Erstaunen
und Ablehnung, wenn man sich als Atheist outet. Im kompromisssüchtigen Österreich
hat man gefälligst höchstens Agnostiker zu sein, wenn man schon nicht der Masse
der raunzend unzufriedenen Taufscheinkatholiken angehört. Vernunft und
eine gesunde Skepsis sind immer noch wenig angesehen, wenn es um religiöse Belange
geht. Aberglauben, dem das Aber fehlt, wird immer noch gehuldigt. Es gibt
heutzutage entgegen früherer Jahrhunderte schon viele Bücher, welche sich gegen
diese geistige Welt stellen. Da jedoch die Auseinandersetzung mit den Religiösen
intensiv ist, wird meistens versucht eine konziliante Haltung mit einer wasserdichten
und einbruchsicheren Argumentation zu kombinieren. Es bleibt nicht aus, dass
diese Vorgangsweise nur den Verstand anspricht. Das emotionelle Zentrum im Gehirn
ist wenig gefordert. Religiöse Inhalte werden gerade anders herum vermittelt.
Mit Zeremonien, Riten und allerlei Psychotricks wird versucht die Gefühle anzusprechen
und den Verstand möglichst auszuschalten. Dieses Buch durchbricht diese Vorgabe
der Strategien. Mittels Anekdoten, Beispielen und Vergleichen bekommt der Leser
eine Einsicht in die Gefühlswelt eines Atheisten während er mit einem breiten
Spektrum an religiösen Ansichten konfrontiert wird. Doch vor allem wird einer
humanistisch-atheistischen Weltanschauung ein menschliches Antlitz gegeben.
Gleichzeitig wird die Gefühlswelt von teilweise Selbsterlebtem mit messerscharfen
Argumenten kombiniert. Die Vermittlung einer menschlichen Seite bedingt jedoch
auch, dass Fritz Pirker so schreibt, wie ihm und seiner Umgebung der Schnabel
gewachsen ist. Es ist keine reine Mundartprosa, welche die Leser und Leserinnen
erwartet, aber ein oberösterreichischer Sprachstil ist ständiger Begleiter. Fritz
Pirker präsentiert das Buch am 12. November 2011 um 19 Uhr in Wien im Amerlinghaus,
Stiftg. 8, 1070 Wien
Ursula Caberta - Schwarzbuch Esoterik, Gütersloher Verlagshaus, 2011,
189 Seiten, 18,50 Euro Die späten achtziger und die neunziger Jahren waren die große Zeit
der „Sekten“- und Esoterikkritik. Sodann ist es ruhiger um das Thema geworden.
Einerseits schien der Buchmarkt vorerst gesättigt, andererseits etablierte sich
die Esoterik in einem Ausmaß in der Gesellschaft, das alle Kritiker als
Ewiggestrige erscheinen ließ. Nur: Die Problemfelder, die mit der Aufnahme
moderner Esoterik verknüpft sind, blieben bestehen. Daher ist es erfreulich,
wenn wieder ein umfassendes, gut lesbares kritisches Buch zur Esoterik erscheint.
Die Autorin geht auf die Wurzeln des Esoterikbooms und seine Gründe ein und
arbeitet aus heutiger Sicht Prozesse und Trends auf, die vor Jahren noch Schlagzeilen
lieferten. Zu einer gelungenen Zusammenfassung vielleicht bekannter Fakten
gesellen sich neue Entwicklungen, neue Namen, neue Schatten, die sich hinter so
manchen Versprechungen von Licht und Liebe verbergen. Caberta geht auch auf den
gewandelten Sektenbegriff ein, nimmt einen problematischen Heilermarkt unter
die Lupe und verschweigt auch fanatische, an magische Weltbilder appellierende
Strömungen im Christentum nicht. Interessant auch ihre Ausführungen zur Theorie
und Praxis der esoterischen Kindererziehung und der damit verbundenen Problematik
des Lebens in Parallelwelten. Die große Sorge der Autorin: So manche Strömungen
der Esoterik fördern autoritäre Geisteshaltungen und bedrohen so – zumindest
indirekt – die Demokratie. Tatsächlich fördern gerade esoterisch verbrämte
Weltverschwörungstheorien einen politischen Irrationalismus. Fazit: Das Buch
bietet einen verständlichen Überblick moderner esoterischer Strömungen und ihrer
Schattenseiten.
Johannes Kandel - Islamismus in Deutschland: Zwischen Panikmache und Naivität
- 224 Seiten, Herder Verlag 2011, Euro 15,40 Spätestens nach der Aufdeckung
der Sauerland-Gruppe ist klar: Islamistischer Terror ist in Deutschland längst
schon angekommen. Höchste Zeit, einige Fragen zu klären: Wie eng sind Islamismus
und Islam verbunden? Wie wahrscheinlich ist die Gefahr terroristischer Anschläge
in Deutschland tatsächlich? Welche islamistischen Gruppen gibt es hierzulande?
Wo liegen Gefahren für unser Gemeinwesen, wie kann man ihnen begegnen? Wie weit
kann und soll der Dialog gehen? Und welche Chancen hat die Integration? Der
deutsche Islamismus-Experte klärt die Fakten zu einem brisanten Thema.
Siegfried Kohlhammer - Islam und Toleranz: Von angenehmen Märchen und
unangenehmen Tatsachen. Essays - 199 Seiten, Zu Klampen Verlag 2011, Euro 20,40 Keine
andere Religion kann sich einer so weitreichenden und passionierten Verteidigung
von staatlicher Seite und in den Medien erfreuen wie der Islam. Weshalb dann
sehen sich so viele ihrer Anhänger neuerdings als Opfer eines westlichen Aufklärungsfundamentalismus?Seit
der Aufklärung gehört die Kritik am Christentum zum intellektuellen Tagesgeschäft.
Einer ähnlich schonungslosen Sicht auf den Islam wird hierzulande jedoch gern
die Legitimation abgesprochen. Besonders seit 9/11 werden Politiker und Kolumnisten
nicht müde, die grundlegende Friedfertigkeit und Toleranzbereitschaft des Islam
zu beschwören. Und sie können sich dabei auf historische Vorbilder berufen,
denn schon vor mehr als zweihundert Jahren schwärmten deutsche Dichter und Denker
von einem vergangenen Goldenen Zeitalter muslimischer Herrschaft, unter der
Christen, Juden und Muslime, einträchtig zusammenlebend, die Gipfel von Kunst
und Wissenschaft erstürmten. Siegfried Kohlhammer stellt in seinen Essays unangenehme
Fragen: Was motiviert die weitgehende Indifferenz gegenüber den Menschenrechtsverletzungen,
die im Namen des Islam begangen werden? Weshalb misslingt insbesondere muslimischen
Einwanderern die Integration selbst in der zweiten und dritten Generation und
dies, obwohl Migranten nie zuvor in der Geschichte einen ähnlich hohen Grad
an Unterstützung erfahren haben? Weil sie unter westlichen Hegemonialansprüchen
und Islamophobie zu leiden haben? Indem Siegfried Kohlhammer nüchtern die Legenden
von den Fakten scheidet und sich gängigen Tendenzen zur Polarisierung verweigert,
beseitigt er einen blinden Fleck im Auge der Aufklärung.
Karl-Heinz Ohlig - Der frühe Islam. Eine historisch-kritische Rekonstruktion
anhand zeitgenössischer Quellen - 666 Seiten, Schiler Verlag, 2. Auflage 2010,
Euro 69,90 Karl-Heinz Ohlig: Licht in das Dunkel der Anfänge des Islam
Volker Popp: Von Ugarit nach Samarra. Eine archäologische Reise auf den Spuren
Ernst Herzfelds Karl-Heinz Ohlig: Hinweise auf eine neue Religion in der christlichen
Literatur "unter islamischer Herrschaft"? Karl-Heinz Ohlig: Vom muhammad
Jesus zum Propheten der Araber. Die Historisierung eines christologischen Prädikats
Christoph Luxenberg: Relikte syrischer Buchstaben in frühen Higasi- und Kufi-Koranhandschriften
Ignaz Goldziher: Neu gelesen: Ignaz Goldziher, Islam und Parsismus (Vortrag
aus dem Jahr 1900 "Islamisme et Parsisme", übertragen von Werner Müller)
Volker Popp: Der Einfluss persischer religiöser Raster auf Vorstellungen im
Koran Markus Groß: Neue Wege der Koranforschung aus vergleichender sprach- und
kultur-wissenschaftlicher Sicht
Hermann Detering - Falsche Zeugen. Außerchristliche Jesuszeugnisse auf
dem Prüfstand - 243 Seiten, Alibri-Verlag, Euro 19,50 Jesus von Nazaret
gilt heute auch selbst vielen Atheisten als historisch belegte Person. Hermann
Detering, promovierter Theologe und Pfarrer im Ruhestand, hingegen ist nicht
dieser Auffassung. In seinem neuen Buch "Falsche Zeugen. Außerchristliche
Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand" zeigt er, dass auf die als Belege für
die Existenz Jesu herangezogenen antiken Quellen kein Verlass ist!
Bernd Harder - 2012 oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben,
Leitfaden für Endzeit-Liebhaber, 197 Seiten, Herder 2011 Euro 15,40 Die
Welt ist ja schon oft untergegangen und im Dezember 2012 wird es wieder mal
ernst. Dann nämlich endet der Maya-Kalender. Oder zumindest ein Zyklus. Und
das bedeutet - naja, da sind sich die Weltuntergangsexperten nicht ganz so einig... Skeptiker-Redakteur
Bernd Harder nimmt die ins Kraut schießenden Spekulationen zum Anlass, die Weltuntergangsszenarien
unter die Lupe zu nehmen. Im Zentrum seiner Untersuchung steht der Maya-Kalender,
doch er wirft auch einen Blick auf das, was selbsternannte Fachleute aus den
Centurien des Nostradamus, den Texten diverser "Volksseher" und der
Bibel herauslesen. Diese Aussagen über angebliche Vorhersagen, über kosmische
Konstellationen und erstaunliche Leistungen der Maya-Kultur kontrastiert Harder
mit dem Kenntnisstand der Wissenschaft. In launigem Tonfall weist er nach, dass
die Weltuntergangsexperten offenbar weit mehr Freude daran haben, Thesen aufzustellen,
als diese auch zu überprüfen. Letztlich stuft er derlei Geschichten als "gut
konsumierbares Produkt aus dem spirituellen Supermarkt" ein. Und deshalb,
so scheint's, können wir uns auch nächstes Jahr auf Weihnachtsferien und Silvesterparty
freuen.
Joachim Wagner - Richter ohne Gesetz: Islamische Paralleljustiz gefährdet
unseren Rechtsstaat - 240 Seiten, Econ Verlag 2011, Euro 18,50 Friedensrichter
klingt nach einem ehrbaren Beruf. Doch unbemerkt von der Öffentlichkeit und
sogar der Justiz hat sich in muslimisch geprägten Einwanderervierteln eine islamische
Paralleljustiz etabliert. In den Verhandlungen zwischen den Täter- und Opferfamilien
geht es oft alles andere als friedlich zu: Um Schulden einzutreiben oder die
Gegenseite einzuschüchtern wird erpresst, geprügelt und geschossen und selbst
mit Mord gedroht. Sind sich Täter und Opfer einig, wird die Strafjustiz massiv
behindert. Richter erleben regelmäßig, dass sich Opfer und Zeugen schlagartig
an nichts mehr erinnern, frühere Aussagen bagatellisieren oder Aussagen vor
Gericht verweigern. Dadurch wird das Strafmonopol des deutschen Rechtsstaates
systematisch unterlaufen. Der ARD-Journalist Joachim Wagner hat intensiv recherchiert.
Er hat Strafakten analysiert und ausführlich Kriminalbeamte, Staatsanwälte,
Richter, Strafverteidiger, Streitschlichter und Islamwissenschaftler interviewt.
Sein Buch ist auch ein Justizkrimi, der in eine verborgene Welt führt: Es schildert
die rätselhaften Rituale von Familien- und Stammesfehden und die Machtkämpfe
von kriminellen arabischen und türkischen Clans.
Gudrun Krämer, Demokratie im Islam. Der Kampf für Toleranz und Freiheit
in der arabischen Welt, C. H. Beck-Verlag 2011, 220 Seiten, 15,40 € In
Tunesien, Ägypten, Libyen und anderen arabischen Ländern kämpfen Bürger für
die Demokratie - aber für welche? Steht am Ende eine "islamische Republik"
oder ein säkularer Staat nach westlichem Muster? Ist ein demokratischer Rechtsstaat
auf der Basis der Scharia überhaupt denkbar? Gudrun Krämer beschreibt eindrucksvoll,
wie Muslime seit Jahren über Demokratie, Toleranz, Menschenrechte und das Verhältnis
von Religion, Recht und Staat debattieren und welche Bedeutung diese Debatten
für die gegenwärtige Entwicklung in den arabischen Ländern haben. Sie zeigt,
welche reformistischen Ansätze es im Islam gibt, und macht mit den aktuellen
islamistischen Strömungen bekannt. Das Buch ist ein "Muss" für alle,
die die Demokratiebewegungen in den arabischen Ländern besser verstehen wollen.
Detlef Pollack - Säkularisierung - ein moderner Mythos?: Studien zum religiösen
Wandel in Deutschland - 333 Seiten Mohr Siebeck Verlag, Neuauflage 2011, Euro
29,80 Lange Zeit ging man bei der Analyse sozialer Entwicklungen in den
westlichen Ländern davon aus, dass es im Rahmen der Modernisierung unweigerlich
zu einem Rückgang der Religionen und zu einer Säkularisierung der Gesellschaft
komme. Dieser Grundposition stellen Zeitbetrachter seit gut zwanzig Jahren eine
andere Auffassung entgegen, wonach von einer Rückkehr der Religionen auszugehen
sei. Dem Autor gelingt es durch die Auswertung empirischer Daten und die Präsentation
theoretischer Reflexionen souverän, die pauschale Verwerfung der Säkularisierungsthese
zu widerlegen. Hierbei geht er ausführlich auf die religionssoziologische Debatte
ein und kritisiert diesbezügliche Argumentationsweisen der Anhänger der These
von der Wiederkehr der Religionen. Dies geschieht aber keineswegs in der mitunter
auch in den Sozialwissenschaften auszumachenden Pauschalität nach dem Motto
"Nur eine Position kann richtig sein". Pollack argumentiert differenziert
und sachlich. Die Auswertung von Umfragen bringt ihn auch zu der Erkenntnis:
"Betrachten wir diese Dimension von Religion, so müssen wir feststellen,
dass die Religion im Laufe der 40-jährigen Entwicklung sowohl im Westen als
auch vor allen Dingen im Osten Deutschlands ihre integrierende und konsensstiftende
Kraft weitgehend verloren hat" (S. 84). Kritikwürdig in diesem Kontext
ist allenfalls, dass sich seine Analysen nur auf Deutschland bzw. Europa konzentrieren.
Detlef Pollack - Rückkehr des Religiösen? Studien zum religiösen Wandel
in Deutschland und Europa 2, 367 Seiten, Mohr Siebeck Vlg 2009, Euro 35.- Angesichts
der bleibenden Relevanz des Religiösen auch unter den Bedingungen der Moderne
mehren sich die Stimmen, die der bislang weithin als gültig anerkannten Säkularisierungsthese
kritisch entgegentreten und den oft behaupteten Zusammenhang zwischen Modernisierung
und Säkularisierung bestreiten. Detlef Pollack untersucht, inwieweit es berechtigt
ist, die klassische Säkularisierungsthese aufzugeben. Er fragt, welche alternativen
Modelle zur Erklärung religiöser Wandlungsprozesse in modernen Gesellschaften
den Sozialwissenschaften zur Verfügung stehen und geht erste Schritte, um die
Gültigkeit unterschiedlicher theoretischer Modelle empirisch zu testen. Dabei
liegt der Schwerpunkt dieser empirischen Analysen auf den gegenwärtig beobachtbaren
religiösen und kirchlichen Veränderungen in Deutschland seit 1945, aber auch
religiöse Wandlungsprozesse in Westeuropa und in Osteuropa werden ins Auge gefasst.
Stefan Bonner & Anne Weiss: Heilige Scheiße. Wären wir ohne Religion
wirklich besser dran? Bastei Lübbe Taschenbuch, 256 Seiten. EUR 9,30 Jule
glaubt an Gott, findet Kirche aber doof. Marc glaubt nicht, dass Dornbüsche
sprechen, liest jedoch täglich sein Horoskop. Und Tobias denkt: Wenn Gott uns
liebt, warum gibt es dann die Flippers? Wir können mit Religion nichts mehr
anfangen und halten ALDI und HOFER für glaubwürdiger als den Papst. Sonntägliche
Gottesanbetung passt nicht mehr zum Lifestyle, und Gott hat bei Facebook nur
137 Freunde. Sind wir von allen guten Geistern verlassen? Anne Weiss und Stefan
Bonner nehmen Ahnungslose und Erleuchtete unter die Lupe und stellen fest: Immer
mehr Menschen finden, dass sie auch als Heidenkinder einen Heidenspaß haben
können. Wären wir denn ohne Religion wirklich besser dran?
John Niven: Gott bewahre - Roman , 400 Seiten, Heyne Verlag, Euro
20,50 "Da kommt Gott - tut so, als wärt ihr beschäftigt." Denn
Gott ist stinksauer. Nachdem Er sich im Himmel eine einwöchige Auszeit für einen
Angelurlaub gegönnt hat, kehrt Er nach etwa vierhundertfünfzig Jahren (ein Tag
im Himmel entspricht siebenundfünfzig Erdenjahren) wieder zurück an Seinen Schreibtisch
und muss mit ansehen, wie die Erde in der Zwischenzeit den Bach runtergegangen
ist. Umweltsünden, Kriege, moralischer Verfall, kirchliche Hassprediger, skrupellose
Kommerzialisierung - die Menschen sind auf dem besten Weg, sich selbst zu zerstören.
Und so bleibt Gott nichts anderes übrig, als Seinen Sohn Jesus Christus, dem
es im Himmel blendend geht und der mit Jimi Hendrix Gitarre spielt und Joints
raucht, wieder auf die Erde zu schicken, um Gutes zu tun und das einzig wahre
Gebot SEID LIEB zu predigen. Widerwillig landet Jesus in New York und versucht,
zunächst erfolglos, als Sänger und Gitarrist in einer Rockband Gehör zu finden.
Derweil schart er seine ersten Jünger um sich - Drogenabhängige, Gescheiterte,
Obdachlose, denen er zu helfen versucht. Als seine Mission, die Massen zu erreichen,
zu scheitern droht, greift er zum letzten Mittel: Er nimmt an einer Castingshow
teil. Damit beginnt eine denkwürdige Odyssee quer durch Amerika. "Das
Buch steckt voller böser, sehr lustiger Ideen, es ist blasphemisch, schamlos,
und es entlarvt mit seiner neuen Passionsgeschichte falsche Propheten, Doppelmoral
und Kapitalismus." (taz )
Thore D. Hansen: Die Hand Gottes. Thriller, 560 Seiten, Scorpio-Verlag
2011, Euro 23,60 Am Supreme Court in Washington steht der größte Prozess
aller Zeiten vor der Tür. Auf der Anklagebank: der Papst und der Vatikan. Die
Anklage lautet auf Diebstahl geistigen Eigentums vor rund 1700 Jahren - an einem
Wissen, das den Menschen einst ein Leben im Einklang mit der Natur ermöglichte.
Welche Geheimnisse sind es, die der Vatikan mit allen Mitteln versucht, unter
Verschluss zu halten? Der amerikanische Richter Ronald MacClary ist einem ungeheuren
Verbrechen auf der Spur: Er glaubt zu wissen, dass die katholische Kirche vor
fast 1700 Jahren die keltischen Druiden nicht nur brutal ausgerottet, sondern
auch deren Wissen geraubt hat. Gemeinsam mit dem Heiler Adam Shane, der Sprachwissenschaftlerin
Deborah Walker und dem Druiden Thomas Ryan beginnt er zu recherchieren. Es kommt
zu einem spektakulären Prozess, in dem der Vatikan und der Papst an ihre letzte
Grenze stoßen werden. Doch die Mächtigen im Vatikan setzen alle Hebel in Bewegung,
um den Prozess zu verhindern. Thore D. Hansens Thriller ist von einer spannungsgeladenen
Wucht, der sich kaum ein Leser entziehen kann. Der Autor schickt seine Protagonisten
quer durch Irland, Österreich, Italien und die USA, um eines der letzten Tabus
unserer Zeit zu lüften - die Verbrechen, die der Vatikan an der keltischen Elite
beging, um ihre eigene Macht zu sichern.
Andreas Altmann - Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner
Mutter und meine eigene Scheißjugend - 256 Seiten, Piper-Verlag 2011, Euro 20,50 Das
Buch beschreibt Altmanns Kinder- und Jugendzeit im Wallfahrtsort Altötting,
einer No-go-Area für jeden von der katholischen Kirche gebeutelten Mitbürger.
In diesem Sperrgebiet ist sein Vater DER Devotionalienhändler am Platz, der
die Familie tyrannisiert und brutal auf alles einschlägt, was sich ihm in den
Weg stellt. Nach außen hin allerdings ist er ein frommer Kirchgänger und angesehener
Bürger. Die Ohnmacht des Kindes wird so brillant beschrieben, dass diese
Hilflosigkeit zu Tränen rührt. Man nimmt aufgrund der intensiven Sprache HAUTNAH
und in 3D am Debakel in diesem Irrenhauses teil. Man fühlt sich mit ihm verbunden,
wenn er als Jungendlicher anfängt sich zu wehren und Strategien fürs Überleben
entwickelt. Man atmet auf, als er das Elternhaus verlässt und die Suche nach
seinem Platz in der Welt beginnt. Er findet ihn und beginnt zu schreiben.
D. Evans / H. Selina, Evolution Ein Sachcomic, Dave Robinson / Judy
Groves, Philosophie. Ein Sachcomic, N. C. Benson, Psychologie Ein Sachcomic, Dave
Robinson / Chris Garratt, Ethik. Ein Sachcomic, Dan Cryan / Sharron Shatil
/ Bill Mayblin, Logik. Ein Sachcomic, Rupert Woodfin / Oscar Zarate,
Marxismus. Ein Sachcomic, Alle u.a.m. TibiaPress-Verlag 2011, jeweils
176 Seiten, Euro 10,30 Sachcomics sind Einführungen in verschiedene wissenschaftliche
Disziplinen und in viel diskutierte Themengebiete. Geschrieben sind sie in leicht
verständlicher Sprache, die ausgiebigen Illustrationen erleichtern das Verständnis.
Wer sich einem der zahlreichen Themen der Reihe informativ nähern will, kann
das schnell und preisgünstig machen, ohne dabei Kopfweh zu bekommen.
Alan Posener - Der gefährliche Papst: Eine Streitschrift gegen Benedikt
XVI - 288 Seiten, Ullstein Taschenbuch 2011, Euro 9,20 Die Konfrontation
mit der 68er-Bewegung und der "Theologie der Befreiung" machte Joseph
Ratzinger zum Hauptvertreter eines kompromisslosen Konservatismus. Seither formuliert
er mit großer Radikalität und Beharrlichkeit die Grundsätze eines intellektuellen
Rollbacks der Moderne. Als Papst Benedikt XVI. bekämpft er den weltlichen Staat
und die Werte der Aufklärung: Pluralismus der Gesellschaft und des Glaubens,
Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frau, Emanzipation der Wissenschaft
von der Religion. Mit seiner Rede in Auschwitz revidierte der Papst die Position
der katholischen Kirche zum Holocaust; der Ton gegenüber den Juden hat sich
ebenfalls verschärft. In ihrem Widerstand gegen die Moderne, so das Fazit dieses
Buches, ist die katholische Kirche dem islamistischen Fundamentalismus bereits
auf paradoxe Weise nahe gerückt.
Philipp Blom - Böse Philosophen: Ein Salon in Paris und das vergessene
Erbe der Aufklärung - 400 Seiten, Carl Hanser Verlag, 2. Auflage 2011, Euro
25,60 Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Revolution: Im Salon des Barons
d'Holbach treffen sich regelmäßig die besten Köpfe Europas. Denis Diderot, David
Hume, Laurence Sterne, Jean-Jacques Rousseau und viele andere Denker des 18.
Jahrhunderts streiten um eine zeitgemäße Philosophie, die die Religion hinter
sich lässt und allein auf die Kraft des Verstandes setzt, aber auch den Leidenschaften
angemessenen Platz einräumt. Philipp Blom erzählt ein Kapitel europäischer Geschichte
und bringt die radikale Variante der Aufklärung wieder in Erinnerung, die eine
Idee von einer wirklich menschlichen Gesellschaft hatte. Ein historisches Meisterstück
und philosophisches Plädoyer zugleich.
Leo Piral - Wer lügt - Gott oder die Kirche? ...oder worüber die Kirche
schweigt! - 193 Seiten, Wagner Verlag 2011, Euro 12,10 Dogmen und Glaubenssätze
der katholischen Kirche - vergleichend, analytisch und menschlich betrachtet.
Dogmen und Glaubenssätze geben den Katholiken vor, was Sie zu denken haben und
nicht denken dürfen. Die Besonderheit dabei, verschiedene Glaubensvorgaben widersprechen
sich diametral... Ist das Fundament der Kirche auf Betrug aufgebaut?
Thomas Meyer - Fundamentalismus: Eine Einführung - 163 Seiten, Vs Verlag,
Euro 20,50 Fundamentalismus ist eines der bedrückendsten Phänomene der
modernen Welt, insbesondere nach dem 11. September 2001. Dieses Buch führt auf
knappem Raum in den ganzen Umfang des Fundamentalismus ein. "Fundamentalismus"
ist eine der großen Herausforderungen der modernen Welt und zugleich einer der
am häufigsten missbrauchten Begriffe. Ein schillerndes Phänomen, aber keine
Schimäre: Höchst real im Geist rücksichtsloser Kollektive, die im Namen ihrer
selbsterkorenen Gewissheiten unterwerfen und herrschen wollen - nicht selten
aber auch ein nach Belieben gehandhabtes Instrument zur vernichtenden Etikettierung
missliebiger Ideen. Das vorliegende Buch leistet grundlegende Beiträge zur Klärung
der Sache und des Begriffs.
Holger Reiners - Psychotherapeuten im Visier, 160 Seiten, Diederichs 2011,
Euro 15,40 20 Jahre lang ließ sich der bekannte Sachbuchautor Holger
Reiners wegen seiner Depression therapieren. Zeit für eine gründliche Abrechnung
mit der deutschen Therapeutenszene. Inkompetenz, Anmaßung, Eitelkeit und auch
Zynismus gegenüber Patienten sind trauriger Alltag in diesem Land. Oft stehen
am Ende nicht nur gedemütigte, sondern auch zermürbte Patienten. Ein aufrüttelnder
Report! Die nüchterne Bilanz einer langen Hilfesuche: Therapeuten arbeiten in
einem völlig unkontrollierten Raum. Man könnte ihn das Schlaraffenland der Selbstverwirklichung
nennen - nur bitte nicht im Umgang mit kranken Menschen. Neben besserer Kontrolle
braucht es endlich ein radikales Umdenken im Umgang mit jenen, die seelisch
leiden.
Thorsten Gerald Schneiders (Herausgeber) - Islamverherrlichung: Wenn die
Kritik zum Tabu wird - 410 Seiten, Vs Verlag 2010, Euro 41,10 Muss sich
unter Muslimen in Deutschland etwas ändern? Viele dürften die Frage mit "Ja"
beantworten. Offenbar gibt es genügend Anlass zu "Islamkritik". Leider
missbrauchen dies viele als Vehikel für pure Ressentiments. Doch das darf nicht
dazu führen, jede Form von Kritik in den Wind zu schlagen und das Bild vom gelebten
Islam schön zu färben. Beide Haltungen sind problematisch und daher Inhalt eines
umfassenden zweibändigen Buchprojekts. Während der bereits erschienene Band
"Islamfeindlichkeit" unterschiedliche Aspekte des europäischen Islamhasses
vergangener Jahrhunderte bis zur heutigen Hetze im Internet dokumentiert, zeigt
das vorliegende Buch "Islamverherrlichung", wie vernünftige Islamkritik
ohne Pauschalisierung, Populismus und Polemik aussehen kann. Ausgewiesene Experten
sprechen dazu offen theologische Herausforderungen an und weisen auf Missstände
in der muslimischen Gesellschaft Deutschlands hin. Es geht sowohl um brisante
Einzelthemen wie Jihad, Antisemitismus oder Kopftuch, als auch um grundlegende
Fragen zum Koran, zum Propheten Muhammad oder zur Scharia. Zudem finden sich
Auseinandersetzungen mit bekannten Einzelpersonen und Islamverbänden. Mit Beiträgen
von Nasr Hamid Abu Zayd, Lamya Kaddor, Ömer Özsoy, Rabeya Müller, Adel Theodor
Khoury, Udo Tworuschka, Katajun Amirpur, Hartmut Bobzin und anderen.
Armin Geus - Die Krankheit des Propheten - Ein pathographischer Essay
- Basilisken-Presse 2011, 219 Seiten, Euro 39.- Eine Art Psychobiographie des Propheten Mohammed versucht Armin Geus
im vorliegenden Buch. Die Glaubwürdigkeit des Islam hängt von der
Glaubwürdigkeit des Propheten ab. Und mit dieser sieht es schlecht aus.
Der Autor geht den zahlreichen Hinweisen nach, die auf eine schwere
psychische Erkrankung des Propheten hindeuten. So sieht sich der Koran
selbst (81,22) genötigt, darauf hinzuweisen, Mohammed sei "nicht
besessen". In Mekka wurde nach der Überlieferung davon gesprochen, dass
Mohammed ein Verrückter war, der ärztlich hätte behandelt werden müssen.
Armin Geus geht diesen Quellen durch die Jahrhunderte nach, in denen
Historiker und andere Forscher über die Krankheit(en) des Propheten
spekulieren. Herausgekommen ist eine interessante Schrift, die das
problematische Potential des Islam beleuchtet.
Allerdings hätte man sich eine mehr quellenkritischere Annäherung an den
Propheten gewünscht. So ist keineswegs sicher, ob Mohammed überhaupt
eine historische Person war. Ähnlich wie bei Judentum und Christentum
steht vielmehr zu vermuten, dass vieles, wenn nicht alles, was wir vom
"Religionsstifter" wissen, Fabrikationen späterer Autoren sind. Von
solchen "Zeugnissen" auf einen realen Menschen zu schließen, ist
letztendlich gewagt. Wenn sich ein psycho-pathogener Kern in den
Schriften und Überlieferungen findet, so reflektiert er eher das
gebrochene Verhältnis dieser späteren gläubigen Autoren zur
Wirklichkeit, als dass eine schizophrene Persönlichkeit eine neu
Variante monotheistischer Religion begründet hat. Armin Geus ist emeritierter Medizinhistoriker.
David Berger - Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen
Kirche - 304 Seiten, Ullstein Verlag 2010, Euro 18,50 David Berger ist
schwul. Führende Kirchenvertreter nutzten seine sexuelle Orientierung, um ihn
auf Spur zu halten. Jetzt deckt der hochrangige Theologe auf, was sich in den
erzkonservativen Kreisen der katholischen Kirche abspielt. Ein Buch, das in
eine Welt voller Lügen führt und einen Schlüssel zu den gegenwärtigen Skandalen
liefert. David Berger outete sich Anfang 2010 und legte sein Amt als Herausgeber
der Zeitschrift Theologisches nieder. Wenige Wochen später wurde ihm wegen dieses
öffentlichen Bekenntnisses die Professur an der Päpstlichen Akademie des heiligen
Thomas von Aquin entzogen. Bis dahin hatte er über Jahre eng mit dem einflussreichen
erzkatholischen Lager zu tun, das den Anspruch der Kirche als höchste moralische
Instanz verteidigt, tatsächlich aber von Doppelmoral geprägt ist. In seinem
sehr persönlichen Buch deckt Berger das perfide Unterdrückungssystem scheinheiliger
Kirchenoberen auf. Er erzählt, warum sich so viele Schwule von einer Institution
angezogen fühlen, die nach außen Homosexualität verteufelt, und warum Gewalt
und Missbrauch in der Kirche so viel Platz einnehmen konnten. Ein Insiderbericht,
der aufrüttelt.
Karlheinz Deschner - Das Kreuz mit der Kirche: Eine Sexualgeschichte des
Christentums, 520 Seiten, Akzente Verlagshaus 2009, Euro 15,40 Aktuelle
Ausgabe des Dauersellers aus den 1970er-Jahren. Karlheinz Deschner geht ausführlich
auf die sakrale Sexualität (z.B. die göttliche Mutter oder kultischer Geschlechtsverkehr)
ein, auf die Askese und Ihre Ursprünge, auf das Leben und die Aussagen Jesu
selbst, auf den Part den die Nonnen und Mönche spielen, den Klerus und seine
Macht, die Unterdrückung der Priesterehe, das Zölibat, die Unterdrückung der
Frau, Abtreibungen und Verhütung, Erbsünde, Homosexualität, die Moraltheologie,
bis zum Lustmord und der Mordlust. Neben der Lektüre der Bibel ist das Lesen
dieses Buch vielleicht der beste Weg, Atheist zu werden.
V. S. Naipaul - Afrikanisches Maskenspiel: Einblicke in die Religionen
Afrikas - 349 Seiten, S.Fischer-Verlag, Euro 23,60 V. S. Naipaul, Romancier
und Nobelpreisträger, ist einer der großen Weltreisenden der Literatur. Auf
seiner Tour von Uganda über Westafrika bis nach Südafrika erkundet Naipaul die
Erscheinungsformen und Auswirkungen des Glaubens. Ob animistische Vorstellungswelten,
fremde Religionen wie Christentum und Islam, okkulte Riten und Mythen sie alle
beeinflussen gesellschaftliche Prozesse, wirken zusammen mit wirtschaftlichen
und politischen Fragen und prägen die Wirklichkeit Afrikas. Überall begegnet
Naipaul das Magische, und immer wieder verblüfft die Macht, mit der es die Gegenwart
durchwirkt.
Necla Kelek - Himmelsreise: Mein Streit mit den Wächtern des Islam - 320
Seiten, Goldmann Verlag 2011, Euro 10,30 Eine Streitschrift gegen Unfreiheit
und Unterdrückung im Namen des Koran. Necla Kelek wendet sich gegen die Verharmlosung
des Islams und weist nach, dass er - trotz regionaler Unterschiede - immer Lebenskonzept,
Ideologie und Politik zugleich ist. Für die Zukunft Europas wird es jedoch von
entscheidender Bedeutung sein, ob es gelingt, die Muslime von der Idee der aufgeklärten
demokratischen Bürgerschaft zu überzeugen. Daher ihr Credo: Der Glaube muss
vom patriarchalischen Missbrauch befreit und spirituell rehabilitiert werden,
damit endlich die Probleme angepackt werden können, die unübersehbar mit Muslimen
verknüpft sind - die verweigerte Gleichberechtigung der Frauen und die mangelnde
Bildung der Kinder.
Alex Boese - Viereckige Bonsai-Katzen - Die weltgrößten modernen Mythen,
Rowohlt 2011, 350 Seiten, Euro 10,30 Vordergründig versammelt das Buch
von Alex Boese Pressemeldungen, Berichte im Internet, kuriose Emails, die zum
Schmunzeln anregen. Gefragt wird immer, stimmen diese Meldungen oder sitzen
wir hier Zeitungsenten auf, womöglich gar einem kriminellen Schwindel. Beispiele:
Stimmt es, dass im Jahr 2002 die Weltgesundheitsorganisation WHO prognostizierte,
dass das Gen für blonde Haare innerhalb der nächsten 200 Jahre aussterben werde?
Ist es wahr oder falsch, dass Microsoft vor einiger Zeit versuchte, die katholische
Kirche zu kaufen? Gibt es tatsächlich ein Computerprogramm, das fliegende Insekten
und andere Plagegeister von Ihrem Computer fernhält, während Sie arbeiten? Unzählige
solche Meldungen bietet das Buch, nebst der Auflösung, ob sie stimmen oder nicht.
Doch das Buch geht über eine kuriose Anekdotensammlung hinaus. Ausführlich wird
gezeigt, anhand welcher Methoden und Kriterien noch vor jeder Recherche festgestellt
werden kann, ob die Meldung wahrscheinlich falsch oder möglicherweise richtig
ist. Wir erfahren von der Leistungsfähigkeit von Bildbearbeitungsprogrammen,
dass jede Information nur so gut ist wie ihre Quelle, dass im wirklichen Leben
niemand über Zauberkräfte verfügt und auch nicht jede Geschichte ein Happy End
hat. Ein Glossar fasst zusammen, worauf man bei der Überprüfung von Nachrichten
achten sollte. Von daher ist das Buch nicht nur kurzweilig, sondern lehrt dabei
gleichsam spielerisch, die Medien kritisch zu betrachten.
Simon Akstinat - Bibel vs. Koran - Sie werden nicht glauben, was in den
heiligen Büchern steht! Eichborn-Verlag, 2011, 117 Seiten, Euro 10,20 "Manche
Bücher kennt jeder, obwohl sie keiner gelesen hat", schreibt Serdar Somuncu
im Vorwort. Über andere Bücher spreche die ganze Welt, obwohl sie nur schwer
verständlich sind, und über andere streitet man sich bis aufs Blut. Bibel und
Koran sind solch facettenreiche Schriften. In einer kommentierten Zitatesammlung
stellt Simon Akstinat Aussagen des Koran denen der Bibel gegenüber. Dabei zeigt
sich, dass vieles, was wir der einen Seite zuordnen, auch für die andere Seite
gilt. Das barbarische Handabhacken und Steinigen für bestimmte Taten fordert
nicht nur der Gott des Koran, sondern auch der Gott der Bibel. Angeordnet sind
die Zitate zu den Themenkomplexen Krieg & Spiele, Sex & Ehe, Vorschriften
& Strafen und Glaube & Irrglaube. Dabei geht der Autor bewusst einseitig
vor, die versammelten Zitate werfen nicht gerade ein freundliches Bild auf Christentum
und Islam.
Rita Breuer - Wird Deutschland islamisch? - 190 Seiten, Schiler Verlag
2011, Euro 24,70 Die Reaktionen und Einschätzungen bezüglich der Entwicklung
des Islams in Deutschland reichen von Panik vor einer vermeintlichen systematischen
Unterwanderung und Islamisierung unserer Gesellschaft auf der einen Seite bis
zu hartnäckiger und geradezu beängstigender Realitätsverweigerung auf der anderen
Seite. Mit dem Islam hat sich in Deutschland eine Religion dauerhaft etabliert,
die ebenso universell und damit missionarisch angelegt ist wie das Christentum.
Heutzutage macht sich das in einer zunehmend selbstbewussten und oftmals fordernden
Interessenvertretung der hier lebenden Muslime bemerkbar, aber auch in gezielten
missionarischen Aktivitäten, die sich an weniger glaubensstrenge Muslime ebenso
richten wie an Nicht-Muslime, die für den wahren Glauben gewonnen werden sollen.
Nach einer BMI-Studie1 sind etwa 50% der hier lebenden Muslime tendenziell der
Ansicht, dass sich der Islam über kurz oder lang weltweit durchsetzen wird.
Fast ebenso viele halten es für die Pflicht des guten Muslims, für seinen Glauben
zu werben. Auch wenn die realen Erfolge bei der Konvertitenwerbung bislang deutlich
hinter der medial inszenierten Massenbewegung der Deutschen zum Islam zurückbleiben,
gilt es aufgrund sachlicher Information und reflektiert mit dem Phänomen des
missionarischen Islam umzugehen und die Interessenvertreter ebenso wie die deutsche
Mehrheitsgesellschaft mit möglichen Konfliktfeldern zwischen der klassischen
islamischen Lehre und hier gültigen Werten, Normen und Grundrechten zu konfrontieren.
Auf dieser Grundlage erfolgt eine kritische Betrachtung der Entwicklungen auf
politischer, religiöser und gesellschaftlicher Ebene, sowie der schleichenden
Veränderungen, die Islam-Verbände hier im Namen des Grundrechts auf Religionsfreiheit
einbringen wollen. Zukunftsfähig ist nach Ansicht der Autorin nur ein reformierter,
mit der Moderne, dem Säkularismus und den Menschenrechten versöhnter Islam,
für den es durchaus Ansätze, derzeit aber wenig Unterstützung gibt.
Michael Weinrich - Religion und Religionskritik: Ein Arbeitsbuch - 336
Seiten, Utb Verlag 2011, Euro 30,70 Das neuzeitliche Religionsverständnis
hat seine Wurzeln im Humanismus der Renaissance und entwickelt sich im 17. Jahrhundert
als ein Mittel zur Befriedung der nachreformatorischen Konfessionen. Im Zuge
der Aufklärung gerät die Religion dann in den Strudel der Kritik. Philosophische,
soziologische und psychologische Religionskritik ergänzen einander und geben
eine vernichtende Prognose: Eine vernünftige Bearbeitung der Defizite werde
zur Überwindung der Religion führen. Das Buch führt in die Fülle der unterschiedlichen
Positionen zu Religion und Religionskritik ein, dokumentiert exemplarische Texte
und stellt durch Interpretationen einen Zusammenhang her, der zu weiterer Vertiefung
anregen will. Neben Klassikern wie Marx, Nietzsche und Freud werden auch weniger
bekannte Positionen von Husserl bis Luhmann vorgestellt. Der Autor ist Professor
für Systematische Theologie am Institut für Evangelische Theologie der Freien
Universität Berlin.
Nicholas Goodrick-Clarke - Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus
- 261 Seiten, Marixverlag 2004, Euro 10,20 Stand der Nationalsozialismus
unter okkulten Einflüssen? Welche Rolle spielten geheimnisvolle Gruppierungen,
wie die "Thule-Gesellschaft", Lanz von Liebenfels´ "Neuer Templer
Orden", die "Edda-Gesellschaft" oder Guido von Lists "Armanen"?
Wer war der seltsame völkische Seher Weisthor, der als "Rasputin Himmlers"
galt? Diese "faszinierende Studie" (The Times) gilt international
als Standartwerk zum Thema Ariosophie. Für die, die sich über die Hintergründe
und Entstehung des Nationalsozialismus informieren möchten: Das Standardwerk
zum Thema Ariosophie.
Franz Wegener - Das atlantidische Weltbild: Nationalsozialismus und Neue
Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis - 158 Seiten, Kulturförderverein
Ruhrgebiet, 2003, Euro 18,30 Der Historiker Franz Wegener arbeitet eine
bislang unbekannte Verbindungslinie zwischen Theosophen, Ariosophen, Anthroposophen,
Vertretern der Konservativen Revolution, Welteislehre-Anhängern, Nationalsozialisten
und Neuen Rechten heraus: Die Suche nach Atlantis im hohen Norden, Heimat einer
rassisch reinen Elite: Die Atlantier. Führende NS-Funktionäre - Hitler, Himmler,
Wirth und Rosenberg - beschäftigte die Suche nach der versunkenen Insel - und
das nicht nur auf SS-Forschungsexpeditionen. Im Effekt entlud sich die suizidale
Ideenkraft des Atlantismythos in einem beispiellosen Vernichtungskampf gegen
andere - und letztendlich gegen sich selbst. Atlantis - war es das, was die
Nationalsozialisten tatsächlich suchten?
Franz Wegener - Heinrich Himmler. Deutscher Spiritismus, französischer
Okkultismus und der Reichsführer SS - 160 Seiten, Kulturfoerderverein Ruhrgebiet,
2004, Euro 18,30 1937 treffen sich in Berlin zwei Männer: Der Reichsführer
SS Heinrich Himmler und der aus Paris kommende Privatgelehrte Gaston de Mengel.
Damit trifft ein Anhänger des deutschen Spiritismus auf einen Eingeweihten des
französischen Okkultismus. Der Historiker Franz Wegener nimmt diese Begegnung
zum Anlass, Himmlers Beschäftigung mit so bizarren Themen wie etwa der "fliegenartigen
Seuchenhexe Nasav" auszuleuchten und Himmlers Ängsten bezüglich einer Verschwörung
schwarzer Magier gegen die Kräfte des Lichts nachzugehen.
Franz Wegener - Weishaar und der Geheimbund der Guoten. Ariosophie und
Kabbala - 164 Seiten, Kulturfoerderverein Ruhrgebiet 2005, Euro 18,30 1925
bekundete der spätere Reichsführer-SS Heinrich Himmler gegenüber einem Münchner
Astrologen, er könne ihm Schriften eines "Bundes der Guten" übersenden,
der von einem Mann mit dem Decknamen "Weishaar" geführt werde. Um
was für eine Organisation handelte es sich bei diesem mehrere tausend Mitglieder
starken "Bund der Guoten", wie er später genannt wurde, und dem ihm
angeschlossenen geheimen "Deutschen Herren-Orden"? Der Historiker
Franz Wegener hat die Geschichte dieses an die Organisation der Freimaurer angelehnten
und nach dem Kriege vollkommen in Vergessenheit geratenen Bundes untersucht
und kommt zu überraschenden Erkenntnissen: Der Geheimbund entwickelte aus der
jüdischen Geheimlehre der Kabbala rassengnostisch motivierte Menschenzuchtvisionen
und begann bereits mit deren praktischer Umsetzung.
Franz Wegener - Der Alchemist Franz Tausend. Alchemie und Nationalsozialismus
- 168 Seiten, Kulturfoerderverein Ruhrgebiet 2006, Euro 18,30 Anfang
der Zwanziger Jahre las ein Drogistenlehrling in Hamburg kabbalistische Schriften.
Er beschloss, die in den Büchern entdeckten Anweisungen über die künstliche
Herstellung von Gold zu befolgen. Sein Name: Franz Tausend. Zahlreiche Investoren
sprangen auf den Zug auf. Unter ihnen der Hitler-Vertraute General Erich Ludendorff
und Industrie-Größen wie Alfred Mannesmann. Die neu gegründeten Tausend-Gesellschaften
konnten schon bald mehrere hunderttausend Goldmark an Ludendorff - und damit
auch an die NSDAP - überweisen. Knapp 80 Jahre später wurden zur Jahrtausendwende
erstmals die Memoiren Adolf Eichmanns unter dem Titel "Götzen" zur
Veröffentlichung freigegeben. Eichmann erinnerte sich auch an einen Alchemisten,
der im Auftrag des Reichsführers-SS Heinrich Himmler experimentierte: "Als
ich um jene Zeit im SD-Hauptamt war, hatte Himmler einem solchen modernen Alchimisten
in dem Park, in dem wir unsere morgendlichen Exerzierübungen absolvierten, ein
kleines Laboratorium eingerichtet. Er sollte darin Gold machen. Angeblich konnte
er es. Dieser Goldmacher hieß merkwürdigerweise Tausend." Diese neue Äußerung
ist für den Historiker Franz Wegener Grund genug, unkonventionellen Versuchen
der Goldgewinnung in Weimar und im Nationalsozialismus nachzugehen.
Franz Wegener - Neu-Vineta: Die Rassesiedlungspläne der Ariosophen für
die Halbinseln Darß und Zingst - 148 Seiten, Kulturfoerderverein Ruhrgebiet
2010, Euro 15,20 1933 verortete der österreichische Ariosoph Jörg Lanz
von Liebenfels als erster Autor die sagenhafte, untergegangene Stadt Vineta
in der Region Barth in Vorpommern. Diese Entdeckung wurde von den zeitgleich
veröffentlichten Plänen zur Gründung einer Rassesiedlung auf den Barth vorgelagerten
Halbinseln Darß und Zingst begleitet: Im Stile der am Mittelmeer 1933/34 von
Mussolinis Architekten erbauten Stadt Sabaudia, die heute als "metaphysische
Stadt" gehandelt wird, sollte an der Ostsee auf 80 Hektar Land "etwas
ganz Neues, noch nicht Dagewesenes" entstehen. Eine Stadt, in der Arier
"künstlich und zielbewußt gezüchtet" werden sollten. Vineta, so der
Plan, sollte aus den Fluten wieder aufsteigen. In der vorliegenden Arbeit hat
sich der Historiker Franz Wegener dieses wahrscheinlich letzten, von privater
Hand betriebenen Realisierungsversuches einer Rassereinzuchtsiedlung angenommen
und das Projekt und seine Akteure in den Zeitkontext eingeordnet.
Michael Schmidt-Salomon, Lea Salomon - Leibniz war kein Butterkeks - Den
großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur, Pendo-Verlag 2011, 288
Seiten, Euro 18,50 Gibt es einen Grund dafür, dass wir existieren? Warum
gibt es so viel Leid in der Welt? Und wie finden wir den Weg zum Glück? Im Gespräch
mit seiner Tochter Lea behandelt Michael Schmidt-Salomon die großen und kleinen
Fragen des Lebens und eröffnet einen faszinierenden Einblick in die Welt der
Philosophie. Philosophie muss weder langweilig noch kompliziert sein - ganz
im Gegenteil: Philosophische Fragen haben viel mit unserem Alltag zu tun. Dass
dies so ist, beweisen der Autor und Philosoph Michael Schmidt-Salomon und seine
20-jährige Tochter Lea in ihrem gemeinsamen Buch. Angefangen bei der Frage nach
dem Sinn des Lebens oder der Existenz eines Gottes erschließen sie im Dialog
die philosophische Gedankenwelt auf höchst unterhaltsame und unkonventionelle
Weise. Dabei werden abstrakte Begriffe wie Vernunft und Weisheit, Gerechtigkeit
und Toleranz ebenso anschaulich erläutert wie die Frage nach dem Traum von einer
besseren Welt. Ein unterhaltsames und lehrreiches Buch, das Lust aufs Philosophieren
macht - für alle, die es wissen wollen und nicht die Neugier verloren haben,
danach zu fragen.
Michael Schmidt-Salomon - Manifest des evolutionären Humanismus: Plädoyer
für eine zeitgemäße Leitkultur - 196 Seiten, Alibri Verlag, 2. Auflage 2006,
Euro 10,30 Wir leben in einer Zeit der Ungleichzeitigkeit: Während wir
technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder mehrheitlich
noch von Jahrtausende alten Mythen geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen
Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben.
Angesichts der Gefahren, die aus der Renaissance unaufgeklärten Denkens in einem
technologisch hoch entwickelten Zeitalter erwachsen, entwirft das Manifest des
Evolutionären Humanismus eine säkulare Gegenposition, die im Einklang mit den
häufig desillusionierenden Ergebnissen der (natur-) wissenschaftlichen Forschung
steht. Das Manifest liefert auf diese Weise nicht nur eine kompakte Zusammenfassung
der Grundpositionen einer "zeitgemäßen Aufklärung", es ist auch ein
entschiedenes Plädoyer für eine "alternative politische Leitkultur",
die auf die besten Traditionen von Wissenschaft, Philosophie und Kunst zurückgreift,
um das unvollendete Projekt der aufgeklärten Gesellschaft gegen seine Feinde
zu verteidigen.
Michael Schmidt-Salomon (Autor), Helge Nyncke (Illustrator) - Die
Geschichte vom frechen Hund: Warum es klug ist, freundlich zu sein - 32 Seiten,
Alibri Verlag 2008, Euro 12,30 Der Freche Hund wird von allen gefürchtet.
Denn vor seinen Frechheiten ist niemand sicher. Aber eines Tages hat der Freche
Hund ein Problem... Nach dem provozierenden Ferkelbuch haben Michael Schmidt-Salomon
und Helge Nyncke nun gemeinsam ein Buch gemacht, das Kindern im Alter von 3
bis 6 Jahren grundlegendes ethisches Verhalten vermitteln soll. Anknüpfend an
die Erkenntnisse über die Evolution der Kooperation wird Kindern gezeigt, daß
ein fairer Umgang mit anderen letztlich auch Vorteile für einen selbst bringt.
Ein Buch für alle Eltern, die ihren Kindern soziales Verhalten vermitteln wollen,
ohne dabei auf Konzepte von Schuld oder schlechtem Gewissen zurückzugreifen.
Christian Lührs - Gut sein ohne Gott: Ethik und Weltanschauung für Kinder
und andere aufgeklärte Menschen - 88 Seiten, August von Goethe Literaturverlag
2007, Euro 8,10 Das Buch "Gut sein ohne Gott" versteht sich
als Ethik und Weltanschauung für Kinder. Es richtet sich auch an "andere
aufgeklärte Menschen". Christian Lührs philosophischer Ansatz ist klar
durch die Aufklärung geprägt und kommt gänzlich ohne Gott aus. "Vertraue
nicht auf einen Gott. Er wird dir nicht helfen." Gefordert wird dagegen:
"Denke selber nach. Mach dir ein Bild. Schreibe deine eigenen Texte."
Wohltuend ungeordnet berührt der Hamburger Autor und Diplomingenieur die großen
und kleinen Dinge des Lebens. Dabei spricht er von seinen Überlegungen und seinen
Anschauungen, wie man ohne Gott verantwortlich den Herausforderungen der Welt
begegnen kann. In kurzen, gut lesbaren Abschnitten entwickelt er in einer einfachen
Sprache eine Anleitung zu einem besseren Leben. Viele dieser Abschnitte beziehen
sich auf das unmittelbare Leben eines Kindes. Sie geben klare Strategien, das
eigene Leben besser zu strukturieren. Immer wieder werden sie in den Zusammenhang
einer Verantwortung für die ganze Welt gesetzt - "Rettet die Welt".
"Gut sein ohne Gott" fordert dazu auf, hinzuschauen, sich eine eigene
Meinung zu bilden, das Leben bewusst und aktiv anzugehen. Es überfordert nicht,
aber eröffnet Möglichkeiten und setzt Impulse. "Gut sein ohne Gott"
ist bestens geeignet mit älteren Kindern ins Gespräch über philosophische Themen
zu kommen. Es macht aber auch Spaß, durch die Brille des Erwachsenen darin zu
stöbern.
Fiona Lorenz - Wozu brauche ich einen Gott?: Gespräche mit Abtrünnigen
und Ungläubigen - 224 Seiten, rororo 2009, Euro 9,20 Für viele Menschen
scheint ein Leben ohne Gott, Religion und Kirche unvorstellbar. Andere glauben
"eigentlich" nicht mehr an Gott, heiraten aber dennoch kirchlich oder
bleiben vorsichtshalber Mitglied der Kirche, um einem eventuellen Schicksal
in der Hölle zu entgehen oder um soziale und ökonomische Nachteile zu vermeiden,
wenn sie in kirchlichen Kindergärten oder Krankenhäusern angestellt sind. Auch
in den Medien erhalten die Vertreter der Kirche viel Raum, obwohl es in Deutschland
mittlerweile mehr Konfessionsfreie als Menschen mit einer Religionszugehörigkeit
gibt. Fiona Lorenz hat sich auf die Spur der Religionskritiker gemacht und zahlreiche
Interviews mit Atheisten, Zweiflern und Agnostikern geführt: mit Prominenten
wie Janosch, Ralf König, Mina Ahadi und Nina Vorbrodt und "normalen"
Menschen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen gegen den Glauben aussprechen.
Das Ergebnis dieser Gespräche ist ein intensiver, persönlicher Blick auf die
Gründe für die Abkehr von Kirche und Religion. Er soll Mut machen, sich zum
eigenen Unglauben zu bekennen, und zeigen, dass es nicht nötig ist, an Gott
zu glauben, um ein sinnerfülltes Leben zu führen.
Barbara Köster - Der missverstandene Koran - Warum der Islam neu begründet
werden muss, Verlag Hans Schiler 2010, 270 Seiten, Euro 34,90 Wer dieses
Buch lesen will, muss nicht Islamwissenschaften studiert haben. Es ist es keine
wissenschaftliche Arbeit, sondern ein Bericht über Wissenschaft. Er stellt Theorien
zum frühen Islam vor, die bisher noch als Außenseiterpositionen gehandelt werden.
Jedoch ist anzunehmen, dass sich dies ändern wird. Experten fordern, dass europäische
Nichtmuslime endlich mehr über den Islam wissen sollten. Zum Lehrplan werden
die Epochen von Mohammeds Geburt über sein Wirken in Mekka und Medina bis mindestens
zu den Kreuzzügen und der Kolonisierung plus deren Folgen gezählt. Neue Theorien
zur Frühzeit des Islams gewinnen an Einfluss. Auslöser dieser Entwicklung sind
Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, die in den letzten Jahren einen völlig
neuen Blickwinkel auf die Frühzeit des Islams eröffneten. Sie stellen den Islam
in einen engen Zusammenhang mit dem Christentum, wobei besonders das frühe syrische
Christentum eine Rolle spielt. Auch das Aushängeschild der Islamwissenschaft,
die Philologie des Arabischen, bekommt Schrammen. Es sieht so aus, als ob man
auch dort Arabisch liest, wo gar kein Arabisch ist. So gilt der Koran als auf
Arabisch geschrieben, ja sogar als das arabische Buch schlechthin! Dies ist
der fundamentale Irrtum, auf dem alle anderen Irrtümer über den Islam aufbauen.
Dieses Buch handelt von einem anderen Blick auf den Islam, der sämtliche herkömmlichen
Vorstellungen vom Islam umkrempelt.
Karl Albrecht Schachtschneider - Grenzen der Religionsfreiheit am Beispiel
des Islam - 140 Seiten, Duncker & Humblot Verlag 2010, Euro 18,50 Muslime
wollen den Islam, ihre Religion, auch in Europa leben. Sie bauen Moscheen und
Minarette, welche die Herrschaft Allahs propagieren. Musliminnen kleiden sich
wie im Orient. Schon ruft der Muezzin zum Gebet. Die Scharia soll möglichst
zur Geltung kommen. Dafür berufen sich die Muslime auf die Religionsfreiheit
und werden darin, soweit irgendwie tragbar, von Politik, Rechtsprechung, Medien
und Wissenschaft unterstützt. Das Grundrecht der Religionsfreiheit hat in
Europa einen hohen Rang gehoben. Nur gegenläufigen verfassungsrangigen Prinzipien
muss das Grundrecht, zu leben und zu handeln, wie es die Religion gebietet,
weichen. Die schicksalhafte Dogmatik ist neu zu bedenken, weil der Islam eine
verbindliche Lebensordnung ist, die mit westlicher Kultur schwerlich vereinbar
ist. Die Säkularität ist ihm fremd. Der aufklärerische Vorrang des Staatlichen
vor dem Religiösen ist religionspluralistisch zwingend. Grundrechte, die freiheitliche
demokratische Ordnung umzuwälzen, kann es wegen des gegenläufigen Widerstandsrechts
nicht geben. Auch die Religionsgrundrechte lassen es nicht zu, dass die Erste
Welt, das Diesseits, von Vorstellungen einer Zweiten Welt, des Jenseits, beherrscht
wird. Die Dogmatik der Religionsgrundrechte wirft Fragen nach Meinen, Wissen
und Glauben, nach politischer Freiheit und religiöser Herrschaft, nach Diesseits
und Jenseits, nach Staat und Religion auf, die Frage nach einer Republik, deren
fundamentales Prinzip die Freiheit der Bürger ist, die demokratisch zum Recht
finden.
Rainer Glagow - Allahs Weltordnung - 222 Seiten, Holzheu Verlag 2010,
Euro 15,20 Die unaufhaltsam scheinende Expansion des Islam wird die Zukunft
Europas schicksalhaft beeinflussen. Nicht seine religiöse Ethik, sondern das
Bestreben, die von Allah vorgeschriebene Lebens- und Weltordnung durchzusetzen,
lässt den Islam zu einer politischen Religion werden, denn der politische Islam
beruft sich ausdrücklich auf die göttlich befohlene Gestaltung der irdischen
Verhältnisse. Somit bildet der politische Islam das Gegenmodell zu den westlichen
Werten, die sich seit der Renaissance und der Aufklärung entwickelt haben. Wenn
die öffentliche Meinung im Westen nur das rein spirituelle Wesen des Islam wahrnehmen
will und die aggressive politisch-ideologische Seite hartnäckig verschweigt,
wird es gefährlich für unsere freiheitliche Demokratie und die Menschenrechte.
Der Autor ist Orientalist und Islamwissenschaftler, er widmet sich den brisantesten
Fragen unserer Zeit: Was ist das eigentliche Wesen dieser im 7. Jahrhundert
in der arabischen Wüste entstandenen Religion? Welche besonderen Charakteristika
unterscheiden den Islam von anderen Religionen? Ist der Islam mit dem Christentum
zu vergleichen? Wie können Unduldsamkeit, Hass und Gewalt religiös geboten erscheinen?
Wie kann Religion zu einer politischen Ideologie, wie zur Ursache für totalitäres
Denken und Handeln werden? Woran scheitert das Konzept der multikulturellen
Gesellschaft?
Thomas Maul - Die Macht der Mullahs: Schmähreden gegen die islamische
Alltagskultur und den Aufklärungsverrat ihrer linken Verteidiger - 205 Seiten,
Ca Ira Verlag 2006, 14,40 Kulturrelativisten sehen nicht, dass sie, indem
sie nichtwestliche Kulturen skrupulös von ihrer Kritik ausnehmen, die Träger
dieser Kulturen in ihrer Rückständigkeit einzementieren. Dies geschieht mit
den besten Absichten, aber wie bekannt ist der Weg zur Hölle mit guten Absichten
gepflastert. Es handelt sich um Rassismus in Reinform. (Hirsi Ali)
Dorothea Weltecke - "Der Narr spricht: Es ist kein Gott": Atheismus,
Unglauben und Glaubenszweifel vom 12. Jahrhundert bis zur Neuzeit - Campus Verlag
2010, 578 Seiten, Euro 51,30 Bis heute gilt das Mittelalter als Zeitalter
des Glaubens, in dem Menschen, die an der Existenz Gottes zweifelten, systematisch
verfolgt wurden. Dorothea Weltecke weist nach, dass diese Annahme ein Mythos
ist, der in der Neuzeit entstand. Sie untersucht die Verwendung der Begriffe
"Unglauben " und "Zweifel" in den zeitgenössischen Schriften
und belegt: Der Gedanke, dass Gott nicht ist, existierte durchaus. Er wurde
in der Beichte geäußert und in der spirituellen Literatur beschrieben. Allerdings
waren es nicht, wie oft angenommen, vorrangig die Intellektuellen, die an der
Existenz Gottes zweifelten. Denn da der Atheismus theologischen und philosophischen
Grundannahmen widersprach, nahmen die Gelehrten ihn lange Zeit nicht ernst.
Diese beiden Befunde - dass der Unglaube schon im Mittelalter existierte, aber
keineswegs eine Sache der Gelehrten war - eröffnen einen gänzlich neuen Blick
auf das Mittelalter wie auf die Geschichte des Atheismus.
Holger Albrecht / Rolf Frankenberger / Siegfried Frech, Autoritäre Regime.
Herrschaftsmechanismen, Legitimationsstrategien, Persistenz und Wandel, Wochenschau-Verlag
2011, 333 Seiten, Euro 17,30 Ein Blick auf die Weltkarte zeigt, dass
autoritäre politische Systeme im 21. Jahrhundert - entgegen der normativen Warte
westlicher Demokratieforschung - eine politische Konstante sind. Mindestens
ein Viertel aller Staaten werden derzeit autoritär regiert. Dazu gesellen sich
Staaten, die einen Transformationsprozess weg vom Autoritarismus zu verzeichnen
haben, aber beständige Defizite hinsichtlich der Etablierung einer liberalen
Demokratie aufweisen. Der Band diskutiert Beispiele autoritärer Staaten außerhalb
der OECD-Welt und analysiert die grundlegenden Herrschaftsmechanismen autoritärer
Herrschaft. Im Vordergrund stehen das politische Institutionengefüge und politische
Legitimationsstrategien genauso wie Elitenmuster oder Wandlungsprozesse autoritärer
Regime.
Frans de Waal - Das Prinzip Empathie: Was wir von der Natur für eine bessere
Gesellschaft lernen können - 351 Seiten, Hanser Verlag 2011, Euro 25,60 In
der Natur tobt ein Kampf ums Überleben, in der Evolution herrscht das Recht
des Stärkeren. Zumindest, wenn man Darwins Theorie verkürzt. Frans de Waal,
ein wichtiger Vertreter der Biologie und Verhaltensforschung, widerlegt diese
These. Seine Beobachtungen an Hunden, Katzen und Schimpansen zeigen: Offenbar
erkennen auch Tiere in ihrem Gegenüber eine verwandte Kreatur und zeigen Empathie
und Solidarität. Auf den Menschen übertragen, heißt das: Kooperation gehört
zu unserer Grundausstattung. Engagiert und anschaulich erklärt de Waal, warum
Stärke allein nichts zählt und warum wir uns im richtigen Moment solidarisch
verhalten sollten.
Adam Hieronymos - Letzte Bekenntnisse eines heiligen Ketzers: Muss er
dennoch in den Himmel oder deswegen? - 136 Seiten, Books on Demand
2010, Euro 9,80 Das Buch kann bei religiösen Fundamentalisten zu schweren
psychischen Störungen führen, bis hin zu bleibenden Bewusstseinsveränderungen
und dem Verlust des Selbstwertgefühls! Kann auch im Falle neurotischer Verlustängste
tödlich verlaufen, im Suizid enden! Denn es droht die Erkenntnis: Das Universum
ist gottfrei! Der Sinn des Lebens liegt nur in ihm selbst! In diesen Aufzeichnungen
eines Überlebenden geht es um die Abrechnung eines Todkranken mit dem Leben,
mit sich selbst, seinen Weggefährten; insbesondere mit Gott und dem Tod. Es
ist ein Plädoyer für Humanität, Aufklärung und Meinungsfreiheit; eine Streitschrift
gegen Fundamentalismus und die Schrecken religiöser und politischer Dogmen.
In diesem Tagebuch einer Reise in die Mönchsrepublik Athos, die gleichermaßen
eine Pilgerreise nach innen ist, gelingt es dem Gottlosen selbstironisch, nachdenklich
und mit beißendem Spott über seine Erlebnisse zu erzählen, mit denen er in der
fremden Welt der Mönche auf Athos konfrontiert wird. Doch abrupte Wechsel in
der literarischen Form sorgen dafür, dass sich keine allzu große Schwermut beim
Leser breit macht, trotz des tragischen Stoffes. Zu schnell verändern sich die
Perspektiven bis hin zu satirischen Zwischenspielen. Erst die Fähigkeit des
Erzählers, Reiseeindrücke, Poesie, Reflexion, Satirisches und Fiktionales miteinander
zu verbinden, lässt dieses Buch zu einem außergewöhnlichen literarischen Ereignis
werden.
Stefan Meining, Eine Moschee in Deutschland. Nazis, Geheimdienste und
der Aufstieg des politischen Islam im Westen, C. H. Beck-Verlag 2011, 316 S.,
Euro 20,50 Stefan Meining deckt auf, wie aus alten Waffenbrüderschaften
zwischen antisowjetischen Muslimen und Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg in München
die erste Keimzelle des politischen Islam im Westen entstand. Bis heute laufen
in einer Münchner Moschee die Fäden des westlichen Islamismus zusammen - eine
atemberaubende Recherche. Und eine unglaubliche Geschichte: Ausgediente
NS-Bürokraten, Vertriebenenfunktionäre, Geheimdienstler und andere Kalte Krieger
päppeln in den fünfziger Jahren in München die Keimzelle des politischen Islam
im Westen auf. Muslime, die im Dienst der Wehrmacht und der SS im Zweiten Weltkrieg
gegen die Sowjetunion gekämpft haben, sollen nun für Unruhe in den islamischen
Sowjetrepubliken sorgen. Aber die Münchner Muslime haben mit dem Kalten Krieg
nichts im Sinn: Sie werden zur wichtigsten Filiale von Anhängern der Muslimbruderschaften
im Westen und zur Schaltzentrale eines globalen Netzwerkes. Seit Jahrzehnten
stehen immer wieder Personen aus diesem Netzwerk unter Terrorverdacht - bis
hin zu den Anschlägen vom 11. September. In der islamischen Welt weiß man längst,
welche Bedeutung die Moschee in München hat. Meinings aufrüttelndes Buch sagt
es nun auch dem Westen.
Ian Johnson - Die vierte Moschee: Nazis, CIA und der islamische Fundamentalismus
- 360 Seiten, Verlag: Klett-Cotta 2011, Euro 23,60
Als der Journalist und Pulitzer-Preisträger Ian Johnson 2003 eine Londoner
Buchhandlung betritt, macht er eine sensationelle und unheimliche Entdeckung:
Als wichtigste Moscheen werden Mekka, Jerusalem, Istanbul und eine Moschee in
München genannt. Warum München? Welche Moschee? Das islamische Zentrum von München
wurde seit dem Dritten Reich und dem Kalten Krieg von Nazis, Agenten, gestrandeten
Muslimen, islamistischen Fanatikern, von Akteuren aller Couleurs zum Bollwerk
gegen die Sowjetunion aufgerüstet. Die CIA und andere Geheimdienste spinnen
Intrigen, steuern Machtkämpfe und unterstützen radikale Islamisten der Moslembruderschaft
- immer hinter dem Rücken der Öffentlichkeit. Das Drama, das sich in München
abspielte, reichte vom politischen Skandal bis zur Schizophrenie der Ideologen
und mündet in der jüngsten Zeitgeschichte: In der vierten Moschee wurde der
Westen zum Paten des 11. September 2001.
Olivier Roy - Der islamische Weg nach Westen: Globalisierung, Entwurzelung
und Radikalisierung - 368 Seiten, Pantheon Verlag 2006, Euro 13,20 "Das
Besondere und Ungewöhnliche an Roys Arbeit besteht in einer spezifischen Perspektive,
die von den bisherigen öffentlichen Diskussionen zum Thema abweicht. Roy erweist
sich auch in diesem Werk als ausgezeichneter Kenner der Materie. Gerade sein
anderer Blick dürfte die öffentliche und wissenschaftliche Debatte beleben und
differenzieren. Gleichwohl bleibt sein Buch ein beachtenswertes und wichtiges
Werk zum Thema, allein schon aufgrund der Ausführungen zum Weg in den Terrorismus
und dem kritischen Blick auf die Entwicklung im Westen selbst." (Zeitschrift
für Politik ) "Roy besticht mit einem Meer von scharfsichtigen Beobachtungen,
die das Neuartige einer Bewegung wahrnehmen. Er fordert den stereotypen und
denkfaulen Islamdiskurs heraus." (Süddeutsche Zeitung ) "Das Klügste,
was derzeit über das Verhältnis zwischen islamischer und westlicher Welt zu
lesen ist. ... Treffender als Olivier Roy kann man das psychologische Moment,
das den einzelnen zum potentiellen Täter macht, nicht beschreiben." (Welt
am Sonntag )
Dan Diner - Versiegelte Zeit: Über den Stillstand in der islamischen Welt
- 287 Seiten, List Verlag 2007, Euro 9,20 Der Autor stellt in seinem
Buch, auf der Suche nach einer Diagnose für die Dekomposition der politische
Ordnung in dem arabischen Teil des islamischen Kontextes, ein Motto von 1930
voran, wo gefragt wird: "Warum sind die Muslime zurück geblieben und warum
sind die anderen voran gekommen, beispielsweise die Europäer"? Und wie
schon aus dem Titel des Buches hervorgeht kommt er zu dem Ergebnis, dass in
der islamischen Welt weitestgehend ökonomisch, finanziell und kulturell Stillstand
herrscht.
Francois Walter - Katastrophen: Eine Kulturgeschichte vom 16. bis ins
21. Jahrhundert - 385 Seiten, Reclam Verlag 2010, Euro 30,80 Naturkatastrophen
- Erdbeben, Vulkanausbrüche, Fluten, Stürme, Erdrutsche - sind das schlechthin
Sinnlose, das dem menschlichen Geist begegnet und immer unfassbar bleibt. Katastrophen
haben keine Geschichte. Unwandelbar, unabwendbar, unberechenbar brechen sie
durch die ganze Naturgeschichte hindurch über die Menschheit herein und bleiben
unbegreiflich. Kann man aus ihnen lernen? Und wenn ja, was? Menschen haben
unter Aufbietung aller intellektuellen Kräfte immer auf das Erlebnis von Naturkatastrophen
reagieren müssen, sie haben immer versucht, doch einen Sinn zu finden: Strafe
Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen oder der Gerechten, Ansporn zur Aufbietung
aller dem Menschen möglichen Entwicklung technischer oder moralischer Art. Eine
Geschichte der Katastrophenbewältigung, wie sie der Genfer Historiker François
Walter schreibt, steht also weit jenseits von modischem Katastrophismus und
schön gruseliger Heraufbeschwörung aller möglichen und unumgänglichen Apokalypsen.
Sie erweist vielmehr, dass die Antworten des 16. oder 18. Jahrhunderts auf das
Unbegreifliche nicht etwa wertlos oder unbedeutend sind, bloß weil die Naturwissenschaft
ein paar Schrittchen weitergekommen ist: Auch der Tsunami zu Weihnachten 2004
bleibt sinnlos. Allein die abgewogene historische Darstellung dieser Kulturgeschichte
lehrt, Naturkatastrophen zu unterscheiden, mit ihnen umzugehen, und vor allem,
von diesen Katastrophen die menschengemachten, keineswegs katastrophenmäßig
unberechenbar hereinbrechenden Risiken ökologischen Wandels z. B. des Weltklimas
im Treibhauseffekt abzugrenzen.
Anselm Neft (Herausgeber) - Götter, Gurus und Gestörte - 184 Seiten, Satyr
Verlag 2009, Euro 12,20 Vom stylishen One God Wonder über praktische
Tipps zur Erleuchtung im Alltag bis hin zu ganz persönlichen Erlebnissen mit
Kulten aller Art: Dieses Buch enthält die Antworten hochkarätiger SatirikerInnen
auf die Frage: Was bedeutet Religion heute? Die einzelnen Stories: Ahne plaudert
mit Gott über das Böse in der Welt. Martin Betz findet Gott unter Bauarbeitern.
Nico Czaja schickt einen listigen brasilianischen Waldgeist in die Großstadt.
Eugen Egner orakelt in einer seiner apokryphen Apokalypsen von Dreck und Kuchen.
Horst Evers versucht sich an einem Gottesbeweis. Christian Gottschalk entwickelt
sich vom Christen zum Agnostiker zum Nihilisten zum Hedonisten und wieder zurück.
Uli Hannemann tut im grimmen Winter ein Werk der Nächstenliebe. Nils Heinrich
errichtet der blasphemischen Bärbel ein Denkmal. Jess Jochimsen erlebt sein
ganz privates Pfingstwunder. Peter Köhler bittet indische Gurus zum Tanz. Thomas
Lienenlüke macht Patchwork-Religiosität zur marktfähigen Geschäftsidee. Sheila
Mysorekar und Philipp Schäfer unterziehen größere und kleinere Religionen einem
Stiftung Warentest. Talita Oliveira unterhält sich mit Allah über den Kauf von
Unterhosen. Jochen Reinecke bastelt Gott. Lea Streisand sucht spirituelle Vorbilder,
erlebt aber nur den Fall der Mauer. Volker Surmann lässt sich vom Tod das Leben
retten. Lino Wirag präsentiert die wiedergefundenen Annalen des mittelalterlichen
Mönches Anselmus.
Michael Hebeis - Schwarzbuch Kirche: Und führe uns nicht in Versuchung
- 288 Seiten, Bastei Lübbe Verlag 2010, Euro 20,50 Seit 2000 Jahren erhebt
die katholische Kirche Anspruch auf moralische Führung und geistliche Kompetenz
- und wird doch immer wieder von Skandalen erschüttert. Die Reaktion der Kirchenoberen
ist stets gleich: Schweigen und Vertuschen. Michael Hebeis zeigt, dass Machtstreben
und die Ignoranz der Opfer in der katholische Kirche System hat. Sein "Schwarzbuch"
stellt zum ersten Mal das gesamte Sündenregister der katholischen Kirche von
Antisemitismus bis Pädophilie dar. Es ist eine schockierende Skandalchronik,
die belegt, dass die Kirche seit Jahrhunderten ihre Machtinteressen skrupellos
verfolgt und Kritiker ignoriert oder mundtot macht. Eine Pflichtlektüre nicht
nur für Kirchenkritiker, sondern für alle enttäuschten Gläubigen.
Hartmut Krauss (Hrsg.) - Feindbild Islamkritik - Wenn die Grenzen zur
Verzerrung und Diffamierung überschritten werden, Hintergrund Verlag 2010, 364
Seiten, Euro 15,40 Parallel zu den zunehmend virulenter werdenden Problemen
in Europa, die ein erstarkender Islam mit sich bringt, ist in den letzten Jahren
ein bemerkenswertes literarisches Genre entstanden: Veröffentlichungen aus dem
akademischen Establishment, in denen ein "Feindbild Islam" heraufbeschworen
wird, das der Westler sozusagen mit der Muttermilch einsauge und das seinen
Blick auf alles Muslimische von vornherein in einem solchen Maße verzerre, dass
seine Sorgen und Bedenken in Bezug auf eine Re-Religiosisierung der Gesellschaft
allenfalls als Symptome einer kollektiven Hysterie betrachtenswert erscheinen.
Stellvertretend für diese Literatur seien die Namen Kay Sokolowsky und Thorsten
G. Schneiders genannt. Das Erfolgsrezept: Der Leser muss sich nicht mit sozialen
Wirklichkeiten auseinandersetzen, die brutal, unschön und desillusionierend
sein können und darf stattdessen weiter Nabelschau betreiben. Nun holt mit
"Feindbild Islamkritik" eine an der gesellschaftlichen Basis an Fahrt
aufnehmende Bewegung zum Gegenschlag aus: Linke, Ex-Muslime, Islamwissenschaftlerinnen,
Soziologen, Politikwissenschaftler, Pädagogen, profilierte Namen wie Ralph Giordano
und Mina Ahadi, vor allem aber Personen aus der Praxis schreiben aus unterschiedlichen
Perspektiven sowohl über den real existierenden Islam als auch über die systematische
und teils mutwillige Ignoranz des Establishments. Herausgekommen ist dabei ein
bunter und durchaus auch heterogener Strauß an intellektuell anspruchsvollen,
emotional-bissigen, sorgfältig recherchierten wie leidenschaftlichen und durchweg
lesenswerten Auseinandersetzungen mit einem Thema, das Europa zunehmend bewegt.
Der gemeinsame Nenner wurde dabei in einem gelungenen Cover "eingefangen":
Das Erbe der Aufklärung und der Einsatz für eine säkulare Gesellschaft und die
Freiheit des Individuums.
Hartmut Krauss - Islam, Islamismus, muslimische Gegengesellschaft - Eine
kritische Bestandsaufnahme, Hintergrund Verlag 2008, 455 Seiten, Euro 24,70 Ist
der Islam eine Religion des Friedens, der Toleranz und des gleichberechtigten
Miteinanders unterschiedlicher weltanschaulicher Bekenntnisse und sich darauf
gründender Lebenskonzepte? Oder verkörpert der Islam in seiner orthodoxen Kerngestalt
und dominanten Auslegungsform das normative und legitimatorische Gesamtgefüge
einer vormodernen Herrschaftsordnung, die den menschenrechtlichen Grundprinzipien
der westlich-europäischen Moderne ablehnend bis feindselig gegenübersteht? Ist
der Islamismus als religiös-totalitäre Herrschaftsideologie und Bewegung eine
perfide Fälschung des "an sich" guten, friedlichen und toleranten
Islam? Oder ist der Islamismus die konsequente, wenn auch 'radikale' Formgebung
des orthodoxen Islam angesichts der unhintergehbaren Konfrontation mit der westlichen
Moderne? Stellt die Masseneinwanderung streng gläubiger Muslime eine Bereicherung
oder eine tendenzielle Gefährdung der säkular-demokratischen Gesellschaftsordnungen
Westeuropas dar? Passt sich im Zuge der herrschenden "Integrationspolitik"
die Masse der zugewanderten Muslime der "kulturellen Moderne" an?
Oder aber begünstigen die westlichen Aufnahmegesellschaften durch einen Mix
aus verfehlten Diskursen und nachgiebigen Praxen die Herausbildung muslimischer
'Gegengesellschaften'? Die islamische Herrschaftskultur ist damit spätestens
seit dem Ende des Kalten Krieges zu einer welt- und gesellschaftspolitischen
Herausforderung geworden. Der Aufklärung dieses brisanten Problemkomplexes dient
die vorliegende Abhandlung.
Sarrazin - Eine Deutsche Debatte, 238 Seiten, Piper Verlag 2010, Euro
10,30 Thilo Sarrazin hat mit seinen Thesen zur Integration eine Debatte
eröffnet, die Deutschland bewegt wie lange keine mehr. Alle wichtigen politischen
Kommentatoren, Politiker, Publizisten haben sich geäußert. Von der kühlen Analyse
bis zur heißen Polemik, von Zustimmung bis zu scharfer Ablehnung reicht die
Palette. Dieser Band vereinigt die wichtigsten Texte und die entscheidenden
Autoren: Wer mitreden will, sollte alle Standpunkte kennen. Eines ist sicher:
Diese Debatte hat Deutschland verändert - und sie wird weitergehen.Hier sind
die wichtigsten Autoren und die entscheidenden Texte versammelt zu einer Debatte,
die Deutschland verändert hat. Kritik wie Unterstützung, abwägende Analyse wie
Polemik: Wer über dieses entscheidende Thema mitreden will, sollte alle Standpunkte
kennen. Texte von: Hamed Abdel-Samad, Götz Aly, Daniel Bax, Mathias Müller von
Blumencron, Henryk M. Broder, Thomas Brussig, Constanze von Bullion, Daniel
Delhaes/Donata Riedel, Klaus von Dohnanyi, Ralph Giordano, Steffen Hebestreit/Jakob
Schlandt, Stephan Hebel, Ulrike Herrmann/Alke Wierth, Hans-Ulrich Jörges, Necla
Kelek, Roger Köppel, Berthold Kohler, Andrian Kreye, Karen Krüger, Ahmet Külahci,
Gesine Lötzsch, Matthias Matussek, Oswald Metzger, Frank A. Meyer, Nils Minkmar,
Robert Misik, Günther Nonnenmacher, Celal Özcan, Stefanie Paul, Gari Pavkovic,
Heribert Prantl, Avi Primor, Evelyn Roll, Frank Schirrmacher, Christoph M. Schmidt,
Peter Schneider, Eberhard Schultz, Rafael Seligmann, Maram Stern, Oliver Stock,
Arno Widmann, Olaf Wilke, Leon de Winter, Feridun Zaimoglu.
Fritz Mauthner - Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande - Hrsg.
von Ludger Lütkehaus, Alibri Verlag 2011, 4 Bände im Pappschuber, zusammen ca.
2.000 Seiten, gebunden,
Euro 179.- Fritz Mauthners monumentale Geschichte des abendländischen
Atheismus spannt einen Bogen von der europäischen Antike über Teufelsfurcht
und Aufklärung im sogenannten Mittelalter, die Entstehung der Wissenschaften
zu Beginn der Neuzeit bis hin zum Materialismus des 19. Jahrhunderts. Geschrieben
in den Jahren 1920 bis 1923, ist Mauthners Werk eine fast einzigartige Kulturgeschichte
des Abendlandes vom Standpunkt der religiösen Befreiung. Fritz Mauthner (1849-1923)
ging insbesondere als radikaler Kritiker der Sprache in die Geistesgeschichte
ein. Bereits sein dreibändiges Werk Beiträge zur Kritik der Sprache (1901/1902)
bediente sich einer antimetaphysischen Grundhaltung, die in seiner Geschichte
des Atheismus noch einmal verschärft wird. Mauthners Ansatz ist dabei die Befreiung
vom Gottesbegriff. Neben den rein negierenden Atheisten werden deshalb auch
die Lehrer der Vernunft- oder Naturreligion, die Deisten und die Pantheisten,
ebenso einige Reformatoren und andere Ketzer dargestellt: kurz, viele, die zur
Befreiung vom "Gotteswahn" beigetragen haben und von anderen Geschichten
des Atheismus nicht oder zu knapp behandelt werden. Dabei besticht die Detailfülle
ebenso wie das weite Panorama, das Mauthner sprachgewaltig und getragen von
souveränem Wissen vor dem Leser ausbreitet.
Kuno Kruse - Der Mann, der sein Gedächtnis verlor - 253 Seiten, Hoffmann
und Campe 2010, Euro 20,50 Wer wissen möchte, was Heimerziehung bedeutet,
was Kinder erlebt haben und wie sich diese Erlebnisse auf das Gehirn eines Menschen
auswirken, muss dieses Buch lesen. Was passiert mit Gehirnleistungen, hier mit
dem Erinnern, unter Stresssituationen. Kuno Kruse setzt sich Jonathan Overfeld
auseinander, dem Mann, der sein Gedächtnis verlor. Er begleitet ihn und schreibt
seine Wieder-Erinnerungen an sein Leben auf.
Rolf Bergmeier Kaiser Konstantin und die wilden Jahre des Christentums:
Die Legende vom ersten christlichen Kaiser - 350 Seiten, Alibri Verlag 2010,
Euro 24,70 Konstantin der Große gilt als der christliche Kaiser, dessen
Regentschaft den Beginn des christlichen Abendlandes definiert. Eine Vision
vor der Schlacht an der Milvischen Brücke soll ihn zum Glauben an den einzig
"wahren" Gott bekehrt haben. Ein ideologisch weniger verklärter Blick
auf das frühe 4. Jahrhundert ergibt jedoch ein ganz anderes Bild. Denn Konstantin
hat sich nie zum Christentum bekannt, antike Bauwerke und Münzen zeigen ihn
als sonnengöttlichen Herrscher. Seine Religionspolitik war in erster Linie geprägt
vom Streben nach der Alleinherrschaft. Christliche Einflüsse auf seine Entscheidungen
sind nicht nachweisbar. Ohnehin stellte das Christentum damals keine einheitliche
geistige Kraft dar, sondern präsentierte sich als ein Bündel sich gegenseitig
heftig bekämpfender Konfessionen. Erst 50 Jahre nach dem Tod Konstantins des
Großen setzt Kaiser Theodosius die neue Staatsreligion durch, indem die Religionsfreiheit
abgeschafft wird.
Edgar Dahl - Wer zur Hölle will schon in den Himmel?: Ein Brevier für
Ungläubige und solche, die es werden wollen - 156 Seiten, Books on Demand, Euro
9,80 Erst kürzlich hat uns Papst Benedikt XVI. noch einmal an die Hölle
gemahnt. Sie existiere wirklich. Und jeder, der seine Augen vor Gottes Liebe
verschließe, werde sich schon bald darin wiederfinden.Mit seiner ebenso charmanten
wie amüsanten Sammlung von Aphorismen zeigt uns Edgar Dahl, dass dies kein Grund
zur Sorge ist. Schließlich würden wir uns in der Hölle in weit besserer Gesellschaft
befinden als im Himmel. Denn wir würden dort auf Sokrates, Platon und Aristoteles,
Holbach, Hume und Schopenhauer, Voltaire, Goethe und Byron, Mozart, Haydn und
Beethoven sowie auf Darwin, Freud und Einstein treffen.Dieses kleine Büchlein
soll auf die uns bevorstehende Begegnung mit einigen der eminentesten Geister
der Menschheitsgeschichte vorbereiten und uns mit deren skeptischen und bisweilen
geradezu blasphemischen Gedanken vertraut machen. In diesem Buch zeigt Edgar
Dahl, dass die Hölle eine weit bessere Adresse als der Himmel ist.
Paul Schulz - Atheistischer Glaube: Eine Lebensphilosophie ohne Gott -
287 Seiten, Marixverlag 2008, Euro 15,40 Für einen bekennenden Atheisten
ist eine ständige Religionskritik nicht abendfüllend, selbst wenn auf die Untiefen
des religiösen Glaubens in Gedanken und Institutionen immer erneut hingewiesen
werden muss. Für einen bekennenden Atheisten ist es dennoch viel wichtiger,
die Kraft des atheistischen Denkens und Lebens überzeugendsichtbar werden zu
lassen für alle, die leichtfertig das Denken und Leben ohne Gott abtun: Ein
deutliches Kontra mit scharfen Rückfragen und Beweisführungen für alle, die
selbst auf dem Weg sind in ein Leben ohne Gott: Eine Hilfe zur Selbstverantwortung
und eigenen Sinnfindung für alle, die in langen Jahren der Auseinandersetzung
mit Gläubigen müde geworden sind: Ein Refreshing an Gedanken und damit eine
Ermutigung zum Durchstarten und Durchhalten für alle, die einfach einmal hören
wollen, was da in der Szene der Ungläubigen so läuft: Ein lockendes Angebot
zum Mit- und Weiterdenken in der Solidarität vieler ehrlich und mutig denkender
Menschen für alle, die der Aufklärung und Befreiung des menschlichen Geistes
immer noch im Wege stehen: Eine Kampfansage gegen jede Bevormundung des mündigen
Ich.
Karlheinz Deschner - Der gefälschte Glaube: Eine kritische Betrachtung
kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe - 279 Seiten, Knesebeck
Verlag; 5. Auflage 2004, Euro 15,40 Einer der führenden Kirchenkritiker
unserer Zeit, Karlheinz Deschner, schildert die Entstehung der christlichen
Glaubenslehren vor dem Hintergrund der allgemeinen historischen Entwicklung.
Dabei zeigt er, dass alles, was den Gläubigen als angeblich geoffenbarte Wahrheit
gepredigt wird, Ausfluss jenes Mischmaschs von Irrtum und Gewalt ist, wie Goethe
die Kirchengeschichte einst charakterisierte. Der Autor belegt, dass alle wichtigen
Glaubensinhalte (selbst die Christuslehre), Lehraussagen und religiösen Rituale
des Christentums - das urchristliche Dogma vom nahen Weltende, die Vergottung
Jesu, die Verkündigung des Paulus, Trinität, Taufe, Abendmahl, Beichte, Buße
und viele mehr - entlehnt worden sind. Sie stammen aus dem Judentum, altorientalischen
Vorstellungen, aus Synkretismen des Hellenismus und anderem antiken Gedankengut.
Diese Quellen wurden jedoch später von der Kirche zu heidnischem Teufelswerk
erklärt und lange Zeit vergessen. Dass dieses zusammengeklaubte Sammelsurium
religiöser Anschauungen zweitausend Jahre überdauern und eine ganze Kultur prägen
konnte, ist das wirkliche Mysterium des Christentums. Ein abschließendes Kapitel
gilt dem umstrittenen Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit von 1870, das im Gegensatz
zu den Lehren aller antiken Kirchenväter steht.
Sam Harris - Brief an ein christliches Land: Eine Abrechnung mit dem religiösen
Fundamentalismus - 128 Seiten, Bertelsmann 2008, Euro 10,20 Entlarvende
Analyse des Missbrauchs von Religion am Beispiel des christlichen Fundamentalismus.
Religion steht manchenorts hoch im Kurs, aber der Glaube und die spirituellen
Bedürfnisse der Menschen werden missbraucht: Weltweit sind die Fundamentalisten
auf dem Vormarsch. Ausgehend von der christlich-fundamentalistischen Renaissance
in den USA beschreibt Sam Harris die Religionen als tickende Zeitbomben. Mit
ihrem Freund-Feind-Denken gefährden sie den inneren Konsens einer Gesellschaft
und bedrohen den Weltfrieden. Harris entlarvt Unfriedlichkeit und Vernunftferne
des Christentums, die aber jeder organisierten Religion immanent sind. Seine
Streitschrift ist von funkelnder sprachlicher Eleganz und bestechend scharfer
Argumentation.
Heinz-Werner Kubitza - Der Jesuswahn - Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung
einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung, Tectum Verlag, 380
Seiten, Hardcover, 20,50 Euro Die Bibel ist das am meisten überschätzte
Buch der Weltliteratur, Jesus von Nazareth die am meisten überschätzte Person
der Weltgeschichte. Mit solchen Thesen hinterfragt der Autor, selbst promovierter
Theologe, die in Europa vorherrschende Weltreligion des Christentums. In gut
lesbarer Form und nicht ohne Ironie wird gefragt, ob die Bibel denn tatsächlich
ein gutes und ethisch wertvolles Buch sei, wie die Kirchen immer wieder behaupten,
oder ob sich im Alten Testament nicht vielmehr ein zorniger Kriegsgott austobt
und das Neue Testament für das Ende der Zeiten die Vernichtung aller Ungläubigen
ankündigt. "Wer da glaubt und getauft wird, der soll selig werden, wer
aber nicht glaubt, der soll verdammt werden." (Mk 16,16). Und es wird gefragt,
ob sich die Kirchen denn zu Recht auf jenen Jesus von Nazareth berufen, den
sie als Gottes Sohn verkündigen. Denn die wissenschaftliche Forschung hat längst
erkannt, dass Jesus ein ganz anderer war und mit dem Jesus der Kirchen fast
nichts gemein hat. Das Christentum bewegt sich in der Weltgeschichte ohne Fahrschein.
Dieses Buch richtet sich sowohl an Gläubige und Anhänger der Kirchen, die sich
nicht scheuen, auch mit unangenehmen Fakten konfrontiert zu werden, als auch
an der Kirche Fernstehende, die immer schon vermutet hatten, dass mit dem Christentum
etwas nicht stimmen kann.
Ralf König - Prototyp, 112 Seiten, rororo (2010), Euro 10,20 Ralf
König ist der König der Schwulencomics. Aber er hat auch sonst noch allerhand
drauf. Sein neuestes Werk behandelt die Schöpfungsgeschichte aus seiner zeichnerisch
und wortpointierten Sicht. Die gehörnte Schlange Luz (Luzifer) im Apfelbaum,
ein stupider Adam und Gott, der nur als Stimme in Frakturschrift von oben spricht.
Das sind die Protagonisten. Im gewohnten zeichnerischen Stil aber ungemein wortwitzig
ist seine teilweise schräge und natürlich sarkastisch ironische Darstellung.
Und der Apfel der Erkenntnis fällt schon vorher vom Baum und sorgt als verzehrtes
Fallobst für Adams - zahlreichen weltbekannten Denkern entliehene - wissenschaftliche
und atheistischen Erkenntnisse, die Luz und Gott zum Verzweifeln bringen. Und
dann sorgt auch noch eine emanzipierte Eva mit Adam dafür, dass schlussendlich
Gott und Luzifer aus dem Garten Eden vertrieben werden. Übrigens: Schwule kommen
hier gar nicht vor.
Ralf König - Archetyp, 144 Seiten, rororo (2010), Euro 10,20 "UND
SIEHE, ES IST SEHR GUT, DENN ES IST LUSTIG." DER SPIEGEL Der Mythos ist
ja altbekannt: Der HERRGOTT flutete das Land, nur Noahs selbstgestrickte Socken
blieben bei der Sintflut trocken! Was man so über Noah weiß, zum Beispiel, dass
sein Bart ganz weiß, dass er ein strammes Mannsbild war im Alter von fünfhundert
Jahr, das kommt von Ölgemälden, Bildern, welche das Geschehne schildern, und
aus dem Testament, dem Alten! Doch was soll man davon halten? Denn was, wenn
Noah eher winzig? und nicht fünfhundert, sondern fünfzig? Wenn fusselig sein
Bart und dunkel, die Nase knollig wie 'ne Runkel? Was, wenn er seine Frau anbrüllte,
wenn die ihr Haar mal nicht verhüllte? Wenn in den Augen Gotteswahn, wie heutzutag'
beim Taliban? Warnung: Ab sofort ist Ende mit der biblischen Legende!
Ralf König - Antityp, 160 Seiten, rororo (2010), Euro 17,40 VOM
SAULUS ZUM PAULUS - NEUE HEILSLEHREN UND -GESTALTEN! DIE BIBEL (IM KÖNIG-FORMAT),
DRITTER UND LETZTER TEIL. Der Mensch, zumindest in der Bibel, ist voll Verderbnis
und von Übel, drum kommt bald einer, um vom Bösen uns arme Sünder zu erlösen,
damit der Himmel schließlich siegt! Wie? Hab ich was nicht mitgekriegt? Der
Erlöser war schon da? Erlöser war schon da? Aha? Soso … Wie sonderbar … Die
Welt, erlöst? Der Mensch ist frei? Braucht's da der Trilogie Teil 3? Doch! Der
Heilige heißt diesmal Paul, fällt gleich zu Anfang schon vom Gaul, apostelt
durch die Welt, und schon gibt es 'ne neue Religion! Dann fälscht und ändert
man noch was, ach Gott, jaja, so schnell geht das. Zum Schluss hat uns die Christenheit
von Logik und Vernunft befreit.
Richard Wiseman - Wie Sie in 60 Sekunden Ihr Leben verändern, Fischer,
2010, 365 Seiten, kartoniert, Euro 10,20 Der Titel des Buches lässt an
ein typisches Ratgeber- und Selbsthilfebuch denken, in dem ein Autor die Lösung
aller persönlichen Probleme verspricht. Tatsächlich aber ist es das gerade nicht.
Immer wieder setzt sich Richard Wiseman, Psychologe und zeitweise Präsident
der British Association for the Advancement of Science, mit vermeintlich erfolgreichen
Selbsttherapien wie "Positives Denken" auseinander, die oft mehr schaden
als nützen. Oder der "Yale-Zielstudie", wonach angeblich 1953 ein
Forscherteam herausgefunden haben will, dass diejenigen drei Prozent Studenten,
die sich spezifische Ziele gesetzt hatten, mehr persönlichen Reichtum angehäuft
hätten als die andern 97 Prozent ihrer Klassenkameraden zusammen. Wie oft wird
diese Story in Selbsthilfebüchern und -seminaren zitiert. Nur leider gibt es
keinen Beweis, dass diese Studie überhaupt je durchgeführt wurde. Dennoch
aber gibt es tatsächlich Techniken, die nachweisbar empirisch untersucht wurden
und die helfen. Von ihnen handelt das Buch, das diese Methoden vorstellt und
begründet. Das kann so etwas einfaches sein wie sich hinlegen oder eine Topfpflanze
im Büro aufstellen, um die Kreativität zu steigern. Die Techniken, die Wiseman
beschreibt, drehen sich um Glücksempfinden, die Kunst der Überzeugung, Motivation,
Kreativität und vieles mehr. Kleine Tests und Übungen ergänzen das Buch. Alles
Dinge, die sich (meist) in weniger als 60 Sekunden erledigen lassen.
Norbert Hoerster - Was können wir wissen? Philosophische Grundfragen,
Beck, 2010, 122 Seiten, kartoniert, Euro 11,30 Im Alltag gehen wir wie
selbstverständlich davon aus, dass wir und unsere Mitmenschen Wissen besitzen.
Doch, so fragt der Norbert Hoerster, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein,
dass wir mit Recht sagen können, jemand besitze ein bestimmtes Wissen? Dabei
wird unter "Wissen" jenes Alltagswissen verstanden, das im Prinzip
jeder haben kann. Der Untersuchung dieser Fragestellung schließt der Autor eine
Erörterung des "logischen Denkens" an, das vielfach auch "analytisches
Wissen" genannt wird. Diesem steht das empirische Wissen gegenüber, das
auf der Wahrnehmung unserer Sinne beruht. Doch wie steht es mit dem sogenanten
"Induktionsproblem": Liefert uns die Erfahrung über vergangene Ereignisse
hinreichend Grund, ähnliche Ereignisse in der Zukunft zu erwarten? Abschließend
fragt der Autor, inwieweit unser Wissen Einfluss auf unsere moralischen Werte
hat oder haben kann und ob religiöser Glaube sich auf Wissen gründen kann. Das
Buch führt auf verständliche Weise in Grundfragen der Philosophie ein und kann
auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Norbert Blaichinger - Pater B.: Eine Dokumentation - 180 Seiten, Verlag:
edition innsalz 2010, Euro 18,70 Der Benediktiner aus der Erzabtei St.
Peter (Salzburg) wurde nach Recherchen des Autors und OÖN-Mitarbeiters Norbert
Blaichinger bereits zu dessen Klosterzeiten "verdächtigt, Knaben zu missbrauchen".
1980 kam er als Priester nach Geinberg, sechs Jahre später nach Zell am Moos
und Oberhofen. Nach heftigen Protesten zog er nach München, später in den Wallfahrtsort
Altötting, wo er heuer starb. Obwohl die Zahl seiner Opfer auf bis zu 100 geschätzt
wird, wurde der Pater nie zur Verantwortung gezogen. Es gab anonyme Anzeigen,
die Polizei ermittelte, doch damals schwiegen die Opfer, was blieb, war bloß
ein Aktenvermerk. Pater B. wandelte zwischen Klostermauern und Pfarrhöfen
und war als beurlaubter Mönch weder für den Erzabt St. Peter noch für die Linzer
Bischof richtig greifbar. "Er hat als Amphibium gelebt", beschreibt
Blaichinger den Sonderstatus des Benediktiners B. Diese Situation sei ausschlaggebend,
dass ihm zu Lebzeiten nie etwas nachgewiesen wurde. Blaichinger befasst sich
in seiner Dokumentation aber auch mit der Rolle der katholischen Kirche. "Es
wurde viel zu lange zu- bzw. weggeschaut." Es wurde vertuscht, geschoben
und versagt. "Von verschiedenen Seiten wurde gelogen, dass der Lügenbaron
Münchhausen im Vergleich ein Empiriker ist."
Peter Seewald: Licht der Welt, Herder-Verlag 2010, 256 Seiten, Euro 20,50 Dass
ein Papst ein Buch schreibt, ist weiter nicht ungewöhnlich. Dass aber ein Pontifex
für einen Interview-Band zur Verfügung steht, ist in der Geschichte einzigartig.
Der deutsche Publizist Peter Seewald, Papst-Biograf und erfahren im Gespräch
mit Joseph Ratzinger dank mehrerer Interviews während dessen Zeit als Kardinal,
legte mit "Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit"
den jüngsten päpstlichen Bestseller vor. Seehofer durfte den Papst im Sommer
eine Woche lang in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo jeweils eine Stunde
am Tag befragen. Insgesamt sechs Stunden Interview sind eine Menge Zeit -
was aber am eher dürftigen Ergebnis wenig ändert. Wer geglaubt hat, mit Licht
der Welt die Erleuchtung in Händen zu halten, wird enttäuscht. Keine Überraschungen
zu den "heißen Eisen" Zölibat, Frauenpriestertum, Homosexualität.
Nichts Neues zum Thema Missbrauch. Zum verkaufsfördernden Aufreger hat zumindest
gereicht, dass Benedikt XVI. im Buch den Gebrauch von Kondomen "in begründeten
Einzelfällen" nicht mehr ausschließt. Klarheit hingegen im Fall des Holocaust-Leugners
Richard Williamson. Der Vatikan habe im Januar 2009, als er den Kirchenausschluss
von vier Bischöfen der Piusbruderschaft aufhob, nicht gewusst, dass Williamson
den Holocaust leugne. Er hätte die Aufhebung nicht unterschrieben, wenn er davon
gewusst hätte. Die Welt hätte dieses Buch nicht gebraucht, aber zumindest
wissen wir jetzt, dass der Papst die Uhr seiner verstorbenen Schwester trägt,
Don Camillo-Filme mag und seinen Hometrainer grob vernachlässigt. Markus Rohrhofer
(Standard)
David Berger - Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen
Kirche - 304 Seiten, Ullstein Verlag 2010, Euro 18,50 David Berger ist
schwul. Führende Kirchenvertreter nutzten seine sexuelle Orientierung, um ihn
auf Spur zu halten. Jetzt deckt der hochrangige Theologe auf, was sich in den
erzkonservativen Kreisen der katholischen Kirche abspielt. Ein Buch, das in
eine Welt voller Lügen führt und einen Schlüssel zu den gegenwärtigen Skandalen
liefert. David Berger outete sich Anfang 2010 und legte sein Amt als Herausgeber
der Zeitschrift Theologisches nieder. Wenige Wochen später wurde ihm wegen dieses
öffentlichen Bekenntnisses die Professur an der Päpstlichen Akademie des heiligen
Thomas von Aquin entzogen. Bis dahin hatte er über Jahre eng mit dem einflussreichen
erzkatholischen Lager zu tun, das den Anspruch der Kirche als höchste moralische
Instanz verteidigt, tatsächlich aber von Doppelmoral geprägt ist. In seinem
sehr persönlichen Buch deckt Berger das perfide Unterdrückungssystem scheinheiliger
Kirchenoberen auf. Er erzählt, warum sich so viele Schwule von einer Institution
angezogen fühlen, die nach außen Homosexualität verteufelt, und warum Gewalt
und Missbrauch in der Kirche so viel Platz einnehmen konnten. Ein Insiderbericht,
der aufrüttelt.
Peter Henkel - Ach, der Himmel ist leer: Lauter gute Gründe gegen Gott
und Glauben - 175 Seiten, Verlag Frieling & Huffmann, 3. Aufl. 2009, Euro
11,20 Das Buch ist ein rationales und unaufgeregtes Plädoyer für den
Atheismus. Das erste von sechs Kapiteln ('Gott') legt die inneren Widersprüchlichkeiten
der Annahme eines Gottes auseinander. Das zweite ('Das Leid und das Böse')
zeigt, dass die Vertreter der Religion keine Antwort auf die Frage haben,
warum ein angeblich allmächtiger und gerechter Gott Leid und Verbrechen
zulässt, also auf das als 'Theodizee' bezeichnete Problem. (Ratzingers Auftritt
in Auschwitz (44-48) illustriert das Scheitern der Theologie an diesem
Problem eindrucksvoll.) Im dritten Kapitel ('Die Bibel') werden die Widersprüchlichkeit
der 'Heiligen Schrift' und ihre barbarischen und grausamen Seiten herausgestellt.
Das vierte Kapitel ('Vernunft und Wissenschaft') zeigt die Unvereinbarkeit
von moderner Naturwissenschaft und Gottesglauben, auch wenn die Vertreter
der Religion gerne etwas anderes behaupten. Im fünften Kapitel ('Die Gläubigen')
wird kritisch dargestellt, dass es intellektuelle Bequemlichkeit und soziale
Anpassungsbereitschaft auf seiten der Religionsanhänger ist, welche den
Kirchen die Gläubigen erhalten. Das sechste Kapitel ('Ohne Gott leben')
plädiert schließlich für ein menschliches Leben unter einem leeren Himmel
und weist die These zurück, ohne Gott gäbe es keine Moral. In einem kurzen
Abriss werden andere Religionen (Islam, Buddhismus, Hinduismus, Judentum) abgehandelt.
Richard Wiseman - Wie Sie in 60 Sekunden Ihr Leben verändern, Fischer,
2010, 365 Seiten, Euro 10,20 Der Titel des Buches lässt an ein typisches
Ratgeber- und Selbsthilfebuch denken, in dem ein Autor die Lösung aller persönlichen
Probleme verspricht. Tatsächlich aber ist es das gerade nicht. Immer wieder
setzt sich Richard Wiseman, Psychologe und zeitweise Präsident der British Association
for the Advancement of Science, mit vermeintlich erfolgreichen Selbsttherapien
wie "Positives Denken" auseinander, die oft mehr schaden als nützen.
Oder der "Yale-Zielstudie", wonach angeblich 1953 ein Forscherteam
herausgefunden haben will, dass diejenigen drei Prozent Studenten, die sich
spezifische Ziele gesetzt hatten, mehr persönlichen Reichtum angehäuft hätten
als die andern 97 Prozent ihrer Klassenkameraden zusammen. Wie oft wird diese
Story in Selbsthilfebüchern und -seminaren zitiert. Nur leider gibt es keinen
Beweis, dass diese Studie überhaupt je durchgeführt wurde. Dennoch aber gibt
es tatsächlich Techniken, die nachweisbar empirisch untersucht wurden und die
helfen. Von ihnen handelt das Buch, das diese Methoden vorstellt und begründet.
Das kann so etwas Einfaches sein wie sich hinlegen oder eine Topfpflanze im
Büro aufstellen, um die Kreativität zu steigern. Die Techniken, die Wiseman
beschreibt, drehen sich um Glücksempfinden, die Kunst der Überzeugung, Motivation,
Kreativität und vieles mehr. Kleine Tests und Übungen ergänzen das Buch. Alles
Dinge, die sich (meist) in weniger als 60 Sekunden erledigen lassen.
Horst Groschopp (Hrsg.) - Humanismusperspektiven, Schriftenreihe der Humanistischen
Akademie Deutschland, Bd.1, Alibri, 2010, 209 Seiten, kartoniert, Euro 16.40 Als
Humanisten würden sich wohl (mehr oder weniger explizit) die meisten organisierten
Konfessionslosen bezeichnen. Um politisch wirken zu können (z.B. über den Koordinierungsrat
säkularer Organisationen), ist es deshalb auch notwendig zu klären, in welchem
Rahmen sich das humanistische Selbstverständnis bewegt, wo Abgrenzung angeraten
erscheint und in welche Richtung sich ein zeitgemäßer Humanismus entwickeln
könnte. Die Tagungen der Humanistischen Akademie bieten solchen Debatten seit
langem ein Podium; so geht auch dieser Band auf eine hochkarätig besetzte Veranstaltung
im November 2008 zurück. Nach zwei Artikeln zu Geschichte und Vorgeschichte
des Humanismus stellen ein Dutzend Autorinnen und Autoren (darunter Joachim
Kahl, Julian Nida-Rümelin, Michael Schmidt-Salomon und Frieder Otto Wolf) in
kurzen Beiträgen das von ihnen favorisierte Humanismus-Konzept vor. Der Band
gibt so facettenreich Antwort auf die Frage "Was ist Humanismus heute?"
und schafft eine hervorragende Grundlage, über die Perspektiven des Humanismus
weiterzudiskutieren.
Stephen Hawking, Leonard Mlodinow - Der große Entwurf: Eine neue Erklärung
des Universums, 192 Seiten, Rowohlt Verlag, 2010, Euro 25,60 Der neue
Hawking! Über das Geheimnis des Seins Die letzten dreißig Jahre seines wissenschaftlichen
Lebens verwandte Albert Einstein auf die Suche nach der Weltformel, die alle
elementaren Naturkräfte in einer einzigen schlüssigen Theorie erklärt. In "Der
große Entwurf" schlägt das Jahrhundert-Genie einen ungewöhnlichen Weg vor,
wie sich die widerstreitenden Theorien über Relativität und Quantenphysik zusammenfügen
lassen. Für Hawking wäre dann bewiesen, was er heute nur vermuten kann: dass
sich das Universum selbst erschaffen hat. Im Lichte von 40 Jahren eigener Forschung
und mit Blick auf die bahnbrechenden astronomischen Entdeckungen und theoretischen
Durchbrüche der letzten Jahre präsentiert "Der große Entwurf" eine
aufregend neue und provokative Theorie über den Ursprung und die Entwicklung
des Universums. In seiner klaren, eleganten und bilderreichen Sprache unternimmt
es Hawking gemeinsam mit Leonard Mlodinow, uns Antworten zu geben auf die ersten
und letzten Fragen unserer Existenz. Wann und wie ist das Universum entstanden?
Warum gibt es uns? Warum gibt es überhaupt etwas und nicht einfach nichts? Was
ist Wirklichkeit? Warum fallen die Naturgesetze genau so aus, wie es die Möglichkeit
unserer Existenz verlangt? Der große Entwurf - müssen wir ihn mit Hilfe eines
Schöpfers erklären, oder können die Naturwissenschaften ein anderes Modell anbieten?
Im Lichte von vierzig Jahren eigener Forschung und mit Blick auf die bahnbrechenden
astronomischen Entdeckungen und theoretischen Durchbrüche unserer Zeit präsentieren
Stephen Hawking und Leonard Mlodinow in ihrer klaren und bilderreichen Sprache
die jüngsten Antworten der Wissenschaft auf diese Fragen. Ausgehend von Hawkings
kosmologischem "Top-down-Ansatz" beschreiben die Autoren, inwiefern
wir alle das Produkt von Quantenfluktuationen im frühen Universum sind - eines
Universums, das sich, wie viele andere "neben" ihm, spontan aus dem
Nichts entwickelt hat. Und sie zeigen, warum wir es sind, die Geschichte hervorbringen,
während wir sie beobachten. Was können wir wissen? - Auch auf diese Frage gibt
es eine - bemerkenswert pragmatische - Antwort. Das Fazit dieses aufregenden,
provokanten und elegant illustrierten Buches: Wir sind, einen überraschenden
Perspektivwechsel vorausgesetzt, der "Theorie von allem", der Weltformel,
die alle elementaren Naturkräfte erklärt, sehr nahe.
Jürgen Teichmann - Die überaus fantastische Reise zum Urknall: Astronomie
von Galilei bis zur Entdeckung der Schwarzen Löcher - 153 Seiten, Arena Verlag
2009, Euro 15,40 1609, vor 400 Jahren, richtete Galileo Galilei sein
Fernrohr auf den Himmel - der Beginn einer unglaublich aufregenden Entdeckungsreise
in die Weiten des Weltraumes! Jürgen Teichmann erzählt von den spektakulärsten
Entdeckungen der Weltallforscher, von Pulsaren, Quasaren, gefräßigen Schwarzen
Löchern, Galaxien, Roten Riesen, dem Echo des Urknalls und warum die Farbe eines
Sternes vielleicht seine Geschwindigkeit verraten kann. Astronomie - spannender
als jeder Krimi!
Sandra Aamodt / Samuel Wang - Welcome to your brain - Ein respektloser
Führer durch die Welt des Gehirns, dtv 2010, Euro 12,20 Eine Beschreibung,
was in unserem Gehirn vorgeht, bieten Sandra Aamodt, Chefredakteurin von Nature
Neuroscience, und Samuel Wang, Professor für Neurowissenschaften an der Princeton
University. Über 30 Kapitel, die sich um die Aspekte Gehirn und Welt, Gehirn
und Sinnesorgane, Gehirn im Lebenslauf, Gehirn und Emotionen, Gehirn und Rationalität
sowie Gehirn und andere Bewusstseinszustände drehen, vermitteln den Lesern einen
ersten Überblick über unser Denkorgan. Das Buch ist reich bebildert und viele
Exkurse zerstören so manchen Mythos, etwa dass wir bestimmte Erinnerungen verdrängen
würden (dafür gibt es keine Belege) oder dass Männer Homosexualität erlernen
würden.
Louann Brizendine - Das männliche Gehirn - Warum Männer anders sind als
Frauen, Hoffmann und Campe 2010, 319 Seiten, gebunden, Euro 20.60 Als
Louann Brizendine, Professorin für Neuropsychiatrie an der University of California
in San Francisco, mit anderen darüber sprach, ein Buch über das männliche Gehirn
zu schreiben, bekam sie immer wieder den Witz zu hören: "Das wird ein kurzes
Buch! Wohl eher eine Broschüre." Nun, ganz so kurz ist ihre Untersuchung
nicht geraten, sie ist ähnlich umfangreich wie bereits ihr Buch Das weibliche
Gehirn. Schon vom Augenblick der Befruchtung an unterscheiden sich die Gehirne
von Männern und Frauen. Jede männliche Zelle enthält ein Y-Chromosom, welches
die weiblichen Zellen nicht besitzen. Dieser Unterschied macht sich schon früh
bemerkbar, wenn die Gene die Voraussetzung für eine spätere Verstärkung durch
Hormone schaffen. Fortschritte in Genetik, Elektrophysiologie, nichtinvasive
bildliche Darstellung des Gehirns und zahlreiche weitere Techniken haben in
der neurowissenschaftlichen Forschung und Theorie eine Revolution ausgelöst.
Das Buch folgt dem Lebenslauf eines Mannes. Zuerst wird das Gehirn des kleinen
Jungen behandelt. Wir erfahren u.a, warum Jungen so gerne herumzappeln und wie
ihnen das beim Lernen hilft. Das nächste Kapitel wendet sich dem Gehirn des
Teenagers zu und wie ein Testosteron-Tsunami das Verhalten in diesem Lebensabschnitt
bestimmt. Dem paarungsbereiten männlichen Gehirn, der Liebe und der Lust, ist
der folgende Abschnitt gewidmet. Laut Forschungen braucht das Gehirn eines Mannes
nur eine fünftel Sekunde, um eine Frau als sexuell attraktiv - oder unattraktiv
- zu finden. Wesentlich zu dieser raschen Entscheidungsfindung trägt das "Gehirn
unter der Gürtellinie" bei. Das Vatergehirn wird im nächsten Kapitel behandelt.
Erläutert wird Papas Versorgungsinstinkt, warum die Zeit mit dem Erzeuger das
Selbstvertrauen stärkt und dass ein rauerer Ton Kinder auf die Wirklichkeit
vorbereitet. Um das Gefühlsleben der Männer geht es im Abschnitt Männlichkeit.
Das letze Kapitel berichtet vom Gehirn des reifen Mannes und dem biologischen
Wandel im Leben. Insgesamt gibt das Buch einen guten Überblick über den Stand
der Forschung und kann sowohl Männern wie Frauen zur Lektüre empfohlen werden.
Louann Brizendine - Das weibliche Gehirn- Warum Frauen anders sind als
Männer, Hoffmann & Campe, 2007, 359 Seiten, gebunden, Euro 20,60 Ausgangspunkt
ihrer Überlegungen war für Louann Brizedine die Feststellung, daß Frauen deutlich
häufiger an Depressionen leiden als Männer, dieser Zustand sich aber offenbar
erst nach der Pubertät einstellt. In der Folge stellte die Dozentin für Neuropsychiatrie
an der University of California zahlreiche Untersuchungen an, die letztlich
darauf hindeuten, daß Hormone starke (vorübergehende) Veränderungen im Gehirn
bewirken können. Andere Studien zeigen, daß bei der Lösung bestimmter Probleme
bei Männern und Frauen unterschiedliche "Schaltkreise" in Gehirn herangezogen
werden und daß diverse Hirnareale verschieden ausgeprägt sind. An diese Erkenntnisse
und ihre praktische psychotherapeutische Arbeit anknüpfend, stellt Brizendine
das weibliche Gehirn und seine Veränderungen analog den Entwicklungsphasen einer
Frau (Jugend/Pubertät, Mutterschaft, Wechseljahre) dar. Dabei führt sie Verhaltensweisen
sehr weitgehend auf hirnphysiologische Zustände zurück und mißt gesellschaftlichen
Prägungen einen relativ geringen Stellenwert bei. Auch bei ihr spielen Liebe
& Sexualität eine große Rolle, doch geht sie über Werke wie zum Beispiel
von Helen Fisher hinaus und trifft Aussagen zu weit mehr Lebensbereichen. Indem
sie fordert, die Erkenntnisse über das weibliche Gehirn müßten zu einem neuen
Gesellschaftsvertrag führen, in dem berücksichtigt werde müsse, unter welchen
Voraussetzungen Mädchen ihre angeborenen Begabungen am besten nutzen können,
bietet sie auch Anknüpfungspunkte für eine politische Debatte über Frauenförderung.
Dirk Ritter-Dausend : Scientology. Wissen, was stimmt, Herder Verlag,
2010, 128 Seiten, Euro 9,20 Keine "Sekte" erreicht die mediale
Präsenz, die sich Scientology mit negativen Vorzeichen in der Öffentlichkeit
erworben hat. Unermüdlich und mit Druck gegenüber den Mitgliedern arbeitet der
Psychokonzern an der Expansion und verfährt nicht gerade zimperlich mit Kritikern.
Obwohl der ersehnte Mitgliederzuwachs in Europa mehr als mäßig ist, etablierte
Scientology in wichtigen Städten Zentralen, die unermüdlich nach neuen Anhängern
Ausschau halten. Jugendliche sind dabei in das Zentrum des Interesses gerückt.
Während die mediale Kritik und die Analysen des deutschen Verfassungsschutzes
eine warnende Sprache sprechen, präsentiert sich die Organisation als verfolgte
religiöse Minderheit und klagt in den USA unermüdlich die "bösen"
europäischen Regierungen - so auch die jeweils in Österreich und Deutschland
amtierenden - an, vergleichbar den Nazis die Religionsfreiheit mit Füßen zu
treten. Der Autor, als Scientologyexperte im Innenministerium Nordrhein-Westfalens
tätig, ist erfolgreich bemüht, in gebotener Kürze Tatsachen über Scientology
festzuhalten und manche Mythen zu entzaubern. Schockierend ist u.a. die wenig
bekannte "grausame Behandlung von Kindern". (S. 65) Das Buch ist übersichtlich
gegliedert und gibt auf die wichtigsten, in der Diskussion relevanten Fragestellungen
verständliche Antworten. Unmissverständlich wird deutlich, dass die umstrittene
Organisation mit ihrem antidemokratischen internen Weltbild nach Einfluss in
Wirtschaft und Politik strebt. Information und Aufklärung sind ungebremst wichtig,
um Leid zu verhindern. Das vorliegende Buch ist als Grundsatzinformation vorzüglich
geeignet. - Roman Schweidlenka
Simon Schneeberger : Fundamentalismus für Einsteiger, Alibri Verlag,
2010, 197 Seiten, Euro 14,40 Rüttelte in den neunziger Jahren die Sektenproblematik
die Gesellschaft auf, so ist es nach der Jahrtausendwende der Fundamentalismus
moslemischer und christlicher Prägung. Wobei der letztgenannte weniger bekannt,
aber politisch weitaus relevanter ist. Der Autor zeichnet in seinem Buch eine
kurze, prägnante Charakteristik fundamentalistischer Strömungen. Seine These:
Verletzte religiöse Gefühle sind zur wirksamsten politischen Waffe geworden,
effektiver als Maschinenpistolen. Sie sind die Bomben in der politisch korrekten
Kultur. Sie zwingen die demokratische Gesellschaft und die aus der Aufklärung
resultierenden Werte in die Knie. Vor ihnen zittern Intellektuelle und Politiker.
Die freie Meinungsäußerung und auch die Pressefreiheit zerschellen an der Flutwelle
der verletzten Gefühle. Religionsfreiheit ohne Rücksicht darauf, welche Werte
und Überzeugungen religiöse Gruppen vertreten, wird zur neuen Gottheit, zum
obersten Dogma. Intoleranz dringt auf diesem Weg hinter den Kulissen in die
Gesellschaft. Schneeberger zeichnet nicht nur eine bissige Geschichte des
Fundamentalismus und seiner Merkmale. Sein Verdienst ist es, immer wieder mit
Humor, polemisch, provokativ und satirisch an das Thema heran zu gehen - vielleicht
die erträglichste Form, um diesem Rückfall in vergangene Jahrhunderte zu begegnen.
Nicht zuletzt erörtert er an Hand von Quellen die fundamental bedeutsame Frage:
Wer ist der Antichrist? Barack Obama oder Papst Benedikt XVI.? - Roman Schweidlenka
Carsten Frerk - Violettbuch Kirchenfinanzen - Wie der Staat die Kirchen
finanziert, Alibri-Verlag 2010, 270 Seiten, kartoniert, Euro 16.40 Obwohl
die beiden großen christlichen Kirchen heute weniger als zwei Drittel der Bevölkerung
organisieren, werden viele ihrer Belange durch die öffentliche Hand finanziert.
Und das betrifft keineswegs nur Krankenhäuser oder Sozialstationen, die von
der Allgemeinheit in Anspruch genommen werden können. Ob Bischofsgehälter, die
Ausbildung kirchlichen Personals oder Missionswerke - konfessionslose und andersgläubige
Bürgerinnen und Bürger zahlen alle kräftig mit. Carsten Frerk gibt einen
systematischen Überblick, zu welchen Gelegenheiten der Staat von den Kirchen
zur Kasse gebeten wird. Er problematisiert versteckte Begünstigungen wie
die steuerliche Absetzbarkeit der Kirchensteuer, erläutert die rechtliche und
historische Fragwürdigkeit der so genannten Staatsleistungen und stellt die
Frage, warum die Allgemeinheit soziale Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft
bezuschusst, obwohl dort die Arbeitnehmerrechte weitgehend außer Kraft gesetzt
sind. Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten: Die Zuwendungen der öffentlichen
Hand an die Kirchen übersteigen deren Einnahmen aus der Kirchensteuer bei weitem.
Und da die Kirchen steuerbefreit sind, tragen sie nichts zur Finanzierung der
gesellschaftlichen Infrastruktur bei, von der sie profitieren.
"...aber hat nicht gedient" - Junge Menschen verweigern den
Krieg - Eine Audioslideshow über Kriegsdienstverweigerer aus Deutschland, Armenien,
Israel und der Türkei von Timo Vogt, Alibri-Verlag 2010, DVD, 45 Minuten, mit
Booklet, Euro 15.- Timo Vogt besuchte Kriegsdienstverweigerer in Deutschland,
Armenien, Israel und der Türkei. Sie erzählten von ihren Beweggründen und den
zuweilen folgenschweren Konsequenzen ihrer Gewissensentscheidung. An der israelischen
Sperrmauer, mit der Bundeswehr am Hindukusch, bei Militärparaden in der Türkei
oder in den Schützengräben der Front von Nagorny-Karabach entstand die fotografische
Begleitung der Geschichten von mutigen Querdenkern. Die 45-minütige Audioslideshow
verbindet Fotografie und Ton zu einem "Film" der besonderen Art. Die
verwobenen Aussagen der Kriegsdienstverweigerer werden von Stills visuell begleitet,
die Einblicke in die Welt der Kriegsdienstverweigerer geben.
Christopher Hitchens - Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt
vergiftet, 352 Seiten, Heyne Verlag 2009, Euro 10,20 Der Mensch sucht
in der Religion Gewissheit über das Jenseits und das dort zu erlangende Seelenheil.
Im Diesseits aber werden im Namen der Religion seit Urzeiten Kriege geführt
und schwerste Verwüstungen angerichtet. Und deshalb wird auch literarisch mit
großem Eifer über das Wohl und das Wehe gestritten, das Religion zu stiften
oder anzurichten vermag. Christopher Hitchens gehört dabei zur Fraktion derer,
die keine Zweifel daran haben, dass Religion in jeder Form ganz generell "die
Welt vergiftet" und wir besser dran wären, wenn wir sie deshalb endlich
überwänden.
Richard Dawkins - Der entzauberte Regenbogen: Wissenschaft, Aberglaube
und die Kraft der Phantasie, 416 Seiten, Rororo 2008, Euro 10,20 Warum
setzen Dichter und Künstler in ihren Arbeiten die Wissenschaft so oft herab?
Und überhaupt -- warum schneiden soviele wissenschaftliche Bücher beispielsweise
gegenüber dem Telefonbuch so schlecht ab? Nachdem sich der Biologe Richard Dawkins
jahrelang mit Fragen dieser Art befasst hatte, hat er in Der entzauberte Regenbogen
-- einer zutiefst humanistischen Untersuchung der Wissenschaft, des Mystizismus
und der menschlichen Natur -- die Themen Bedeutung und Schönheit einer weitreichenden
Betrachtung unterzogen. Dawkins, auffallend willensstark in einem Berufszweig,
der aus Auf-Nummer-Sicher-Gehern und Abwarten-und-Tee-Trinkern besteht, entführt
den Leser auf eine Reise durch die Welten der Natur und der Kultur, davon überzeugt,
dass "die Wissenschaft, in ihrer besten Form, Raum für Poesie haben sollte".
Inspiriert durch die nach der Veröffentlichung seines Buches Das egoistische
Gen oft gestellte Frage, "Warum stehen Sie morgens überhaupt auf?",
war Dawkins fest entschlossen zu zeigen, dass es einem nicht gleich die Lebensfreude
nehmen muss, wenn man die Mechanismen der Natur versteht. Abwechselnd aufschlussreich
und zum Verrücktwerden, wird Der entzauberte Regenbogen nachdenkliche Leser
ansprechen, seien sie nun großäugige, erstaunte Technikfreaks oder aber mürrische,
Hütten bewohnende Maschinenstürmer. Vernichtenden Kritiken von Tageszeitungs-Astrologiekolumnen
folgen Zitate von Blake und Shakespeare, die sich wiederum zwischen vor Geist
sprühenden, leicht mitzuverfolgenden Diskussionen über Wahrscheinlichkeit, Verhalten
und Evolution wiederfinden. In der Welt von Dawkins (und - so hofft er - auch
in unserer) ist Wissenschaft Poesie. Er beschließt seine Reise, indem er auf
den Autor und das Thema seines Titels hinweist, und dabei behauptet: "Ein
Keats und ein Newton, die einander zuhören, können möglicherweise die Galaxien
singen hören."
Richard Dawkins - Die Schöpfungslüge: Warum Darwin recht hat - 527 Seiten,
Ullstein Verlag 2010, Euro 25,60 Richard Dawkins tritt in seinem neuesten
Buch den Beweis an, dass die Evolutionstheorie keine bloße Hypothese oder gar
Glaubenssache ist, sondern dass sie schlicht und ergreifend stimmt. Überzeugend,
lebendig und leicht nachvollziehbar legt er dar, was Darwins Theorie wirklich
besagt und wie sie begründet ist. Er erklärt, worauf Fossilien hindeuten, warum
Rehpinscher und Rosenkohl Belege für experimentelle Evolution sind und warum
Wale Hinterbeine haben. Mit Brillanz und Präzision pariert Dawkins alle Angriffe
gegen die Evolutionstheorie. Streitbar, fundiert, mit Leidenschaft und Humor
belegt der Bestsellerautor, warum Darwin Recht hat.
Hamed Abdel-Samad Der Untergang der islamischen Welt: Eine Prognose, 240
Seiten, Droemer/Knaur Euro 18,50 Der Islam: rückwärtsgewandt und
unfähig zur Reform. Aus der Misere der islamischen Staaten erwächst eine globale
Gefahr. Eine innovationsfeindliche Kultur, eine rapide wachsende, dabei arme
und unterdrückte Bevölkerung, zur Neige gehende Erdölvorkommen und klimatische
Probleme ergeben ein explosives Gemisch. Der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler
Hamed Abdel-Samad zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand und der Zukunft der
islamischen Kultur und wagt eine scharfe, zwingende Prognose für deren Zukunft:
Die islamischen Staaten werden zerfallen, der Islam wird als politische und
gesellschaftliche Idee, er wird als Kultur untergehen. Die islamischen Länder
eint ein Glaube, aus dem sie ein seit Jahrhunderten überholtes Menschen- und
Gesellschaftsbild ableiten. Ungeheure kreative und geistige Ressourcen können
deshalb nicht genutzt werden. Die politische, wirtschaftliche und soziale Misere
der Staaten wird konsequent als Ergebnis "der feindlichen Politik des Westens"
gedeutet. Jeder Versuch der Veränderung wird von der islamischen Orthodoxie
und der Machtbesessenheit der Herrschenden erstickt. Bildung und Religion beschränken
sich darauf, zu Gehorsam gegenüber den herrschenden Regimes zu erziehen Die
Perspektiven für die Länder von Marokko bis Indonesien sind bedrohlich, da die
Mischung aus einer innovationsfeindlicher Kultur, einer rapide wachsenden, armen
Bevölkerung, zur Neige gehender Erdölvorkommen und dramatischer klimatischer
Veränderungen ein hochexplosives Gemisch ergeben.
SIGI MARON CD-Doppelalbum: "Es gibt kan Gott" monkey. / Hoanzl
/Broken Silence, Euro 18.- Diese CD ist eine kleine Sensation. Denn mit
dem atheistischen Kommunisten Sigi Maron, kehrt eine wirkliche Legende
auf die Bühne, in die Feuilleton-Spalten und in die noch verbliebenen Plattenläden
zurück. Es ist kein Comeback der üblichen, meist rein kommerziell motivierten
Art. Krankheitsbedingt ist Maron, die Galionsfigur der heimischen Polit-Singer-/Songwriter-Szene,
über fünfzehn lange Jahre nicht aufgetreten. Die Rückkehr des engagierten, impulsiven
und geliebt-gefürchteten Schmäh- und Wortführers, der seit seiner Jugend im
Rollstuhl sitzt, darf als überaus kräftiges Lebenszeichen gewertet werden. Und
nie waren Marons Songs besser, bissiger, brisanter als heute. ... Es
gibt kan Gott - Album: 1 Es gibt kan Gott 2 Panik 3 Stö da fua du bist oid
4 Des Glück is a Fogerl 5 Eisenbaun 6 San aufn Weg 7 Cap Anamur 8 Wer wass des
schon 9 Guten Tag Herr Gut 10 Lirum Larum Mischmaschin 11 Rü de la Gack 12 Waun
de Hirntoten 13 Bliat da Flieda 14 Es gibt kan Gott (live) Best Of -
Album: 1 Schön is des Leb'n 2 Heite kaun i, heite derf i 3 Mizzitant 4 Hausmasta
5 Warum feiern mia net 6 Andreas 7 Ali Ewadi Zakria 8 Triabes koides Wossa 9
Heut sitz ma 10 Gengan zwa Politika 11 Redn kaun ma boid 12 Ziaglroda Pavillon
13 Geh no net furt 14 Flusslandschaft mit zwa Buchstabn 15 Alles neu 16 Ohne
uns geht nix 17 Da Untaschied 18 Ballade von ana hoatn Wochn (Leckts mi aum
Oasch) Die Alben oder einzelne Titel davon können bei http://www.monkeymusic.at/shop_detail_sigimaron.php entgeltlich
downgeloaden werden. Hier der Album-Titel als YouTube-Clip:
Andreas Kilian - Die Logik der Nicht-Logik - Wie Wissenschaft das Phänomen
Religion heute biologisch definieren kann, Alibri, 2010, 230 Seiten, kartoniert,
Euro 17.50 Bis heute gibt es keine allgemein anerkannte Definition des
Begriffs Religion. Der Evolutionsbiologe Andreas Kilian nimmt sich dieser Problematik
an und erarbeitet eine Begriffsbestimmung, die allein mit naturwissenschaftlichen
Kategorien auskommt. Zuerst bietet er einen Überblick darüber, was Theologen,
Soziologen, Religionswissenschaftler und Vertreter anderer Fakultäten zum Wesen
der Religion gesagt haben. Darauf aufbauend schildert der Autor die biologische
"Substanz", die uns zur Religion befähigt: die kognitiven Fähigkeiten,
die individuellen Erfahrungen, ihre Synchronisation zu einer religösen überindividuellen
Organisierung. Ausführlich geht er auf die Funktionen der Religion im Alltag
ein und auf ihren Einfluss auf die Geschichte. Für Kilian ist Religion ein
Verhalten, eine Strategie, eine spezielle Art von Egoismus. Ein wesentlicher
Kern von Religion ist ihre Nicht-Logik, der Verweis ihrer Vertreter auf nicht
überprüfbare Argumente. Diese Nicht-Logik folgt einer eigenen Evolution, einer
eigenen Logik, die für untergeordnete "Beta-Tiere" zahlreiche Möglichkeit
bietet, sich Macht und Ressourcen zu sichern und in der gesellschaftlichen Hierarchie
aufzusteigen. Die biologische Definition, die Kilian erarbeitet, läuft darauf
hinaus, dass Religion ein Verhalten ist, mit Hilfe von nicht-logischen und nicht-überprüfbaren
Argumentationsebenen den je eigenen Egoismus mit und gegen die Gruppenmitglieder
zu rechtfertigen, durchzusetzen und befriedigen zu können. Anders gesagt: Religion
ist eine Vorteilsnahme, die sich unredlicher Argumente bedient. Tatsächlich
kommt Kilian bei seiner Definition ganz ohne Bezug auf "jenseitige"
oder "höhere Mächte" aus. Auch gelingt es ihm, Religion einerseits
von Spiritualität (die rein individuell ist) und andererseits von Politik, Ideologie
und Wahnvorstellungen abzugrenzen. Dabei stützt sich der Autor auf zahlreiche
aktuelle Forschungsergebnisse, die allgemeinverständlich dargelegt werden. Religion
ist für Kilian evolutiv nicht notwendig und es gibt auch keine "Religionsgene".
Die Gesellschaft kann sich von daher von Religion emanzipieren.
Jose SaramagoJose Saramago: Das Tagebuch, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
2010, 208 Seiten, 16,50 EUR Egal, ob es um Obama, den Papst oder die
Wirtschaftskrise geht. Ganz gleich, ob er als Linker die Linke provoziert oder
ob er sich mit den Palästinensern solidarisiert und Israel heftig rügt, ob er
über Pessoa, Borges und Fuentes schreibt oder darüber, dass politische Demokratie
nichts wert ist, wenn sie nicht durch eine ökonomische und kulturelle untermauert
ist. In seinen Tagebucheinträgen geht Saramago, der alte Atheist und Bolschewik ins
Gericht mit Politik, Kirche, Kultur und Gesellschaft, berichtet aber auch über
Dinge, die ihn persönlich berühren.
Christoph Drösser - Stimmt's? - Das große Buch der modernen Legenden,
Rowohlt, 2010, 368 Seiten, gebunden, Euro 12.30 Für eine kurzweilige
Lektüre sorgt Christoph Drössers Buch über moderne Legenden. Der ZEIT-Kolumnist.
nimmt den Wahrheitsgehalt von etwa 300 dieser Legenden aufs Korn. Legen Hühner
jeden Tag ein Ei? Müssen Ärzte heute noch den hippokratischen Eid schwören?
Können Mücken Aids übertragen? Stecken Strauße wirklich bei Gefahr den Kopf
in den Sand? Diese und ähnliche Fragen werden behandelt. Manchmal kennt man
die Antwort, manchmal aber ist sie auch überraschend. Hatten früher Adelige
ein "Recht der ersten Nacht"? Auch wenn das "ius primae noctis"
sogar in die Weltliteratur Einzug gefunden hat (man denke etwa an Beaumarchais'
Geschichte von der Hochzeit des Figaro, der literarischen Vorlage für die gleichnamige
Mozart-Oper), so ist es doch nur eine Legende. Es gibt keine Belege dafür. Nur
in der kleinen Schweizer Gemeinde Maur wurden Historiker fündig, in der der
Bürgermeister früher tatsächlich das Recht hatte, mit jeder Braut der Gemeinde
die Hochzeitsnacht zu verbringen. Allerdings glaubt man nicht, dass davon wirklich
Gebrauch gemacht wurde. Ansonsten gilt: Ein Privileg des Grundherrn auf Beiwohnung
in der Brautnacht einer Grundhörigen hat niemals existiert, sondern ist vielmehr
eine nicht auszurottende Männerphantasie.
James Webb - Das Zeitalter des Irrationalen, Politik, Kultur und Okkultismus
im 20. Jahrhundert, Marix, 2008, 608 Seiten, gebunden, Euro 20,50 Trotz
seines kurzen Lebens hat James Webb (1946-1980) ein fachlich fundiertes kulturwissenschaftliches
Werk zur okkulten Szene des 20. Jahrhundert geschrieben. Okkulte Ideen, Motive
und Bewegungen prägten die Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg
(dieser Zeitspanne gilt Webbs Hauptaugenmerk) mehr, als der Mainstream der Geschichtswissenschaft
bisher zuzugeben bereit ist. Der Autor berichtet von C.G. Jung und dem Monte
Verita, bietet Informationen zur okkulten Vorgeschichte des Nationalsozialismus,
zum völkischen Rassismus, erzählt die Entstehung der Esoterikszene, schildert
die zahlreichen und komplexen Verbindungen der okkulten Grüppchen, Gruppen,
und Gemeinschaften. Auch Rudolf Steiner und die Theosophie kommen nicht zu kurz.
Darüber hinaus wird der Einfluß "okkultistischer Ideen" und Gruppen
auf Literatur, Musik und Kunst dokumentiert. Dabei argumentiert der Autor nicht
sensationalistisch, sondern liefert ein profund recherchiertes und gelehrtes
Buch ab, das auch unpublizierte Quellen wie Briefe, Tagebücher und Interviews
mit heranzieht. Für jeden am Thema Interessierten ein wichtiges Grundlagenwerk.
Sandra Aamodt / Samuel Wang - Welcome to your brain - Ein respektloser
Führer durch die Welt des Gehirns, dtv, 2010, 297 Seiten, Euro 12,20 Eine
Beschreibung, was in unserem Gehirn vorgeht, bieten Sandra Aamodt, Chefredakteurin
von Nature Neuroscience, und Samuel Wang, Professor für Neurowissenschaften
an der Princeton University. Über 30 Kapitel, die sich um die Aspekte Gehirn
und Welt, Gehirn und Sinnesorgane, Gehirn im Lebenslauf, Gehirn und Emotionen,
Gehirn und Rationalität sowie Gehirn und andere Bewusstseinszustände drehen,
vermitteln den Lesern einen ersten Überblick über unser Denkorgan. Das Buch
ist reich bebildert und viele Exkurse zerstören so manchen Mythos, etwa dass
wir bestimmte Erinnerungen verdrängen würden (dafür gibt es keine Belege) oder
dass Männer Homosexualität erlernen würden.
Bobby Henderson - Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters, Goldmann
2009, 231 Seiten, Abbildungen, kartoniert, Euro 8,20 Nach Judentum, Buddhismus,
Hinduismus, Christentum, Islam und ihren unzähligen Ablegern gibt es nun endlich
eine Religion, deren Evangelium sich zu lesen lohnt, denn es verspricht höhere
Mahlzeit. Prophet Bobby Henderson wurde im Jahre 2005 erleuchtet; seitdem kennt
er die Antwort auf die entscheidenden Welträtsel: das Fliegende Spaghettimonster.
Täglich sammelt er mehr Pastafarian um sich, die ihrerseits das Evangelium der
"kleinen, feinen Qualitätsreligion" in die Welt tragen - jetzt auch
in deutscher Sprache, schwarz auf weiß. Wer zum FSM-Anhänger konvertieren will,
braucht dieses Buch ebenso wie alle, die sich für die Irrtümer von Aristoteles,
Giordano Bruno und Charles Darwin interessieren. Und es verrät, was die Seele
öffnet und befreit. Nur die Aufkleber vom Spaghetti-Fisch sind seltsam... -
richtig unnudelig... Das coolste Flugobjekt seit Monty Python's Flying Citrons!
Anton A. Bucher - Die dunkle Seite der Kirche - 217 Seiten, Galila-Verlag,
Euro 22,50 Wie lieb hat die Kirche ihre Schützlinge wirklich? Warum vergehen
sich Priester an Kindern? Einst war die katholische Kirche die Quelle für Trost
und Hoffnung. Jetzt ist sie zum Garant für Skandale geworden: Kindesmissbrauch
und lebenslanges Leid, verleugnete Vaterschaften und Doppelmoral, eine Mauer
des Schweigens und massive Kirchenaustritte: Die einst heilige Institution steckt
in einem Sumpf aus Misstrauen und Verachtung. Kann man den Kirchenvätern überhaupt
noch vertrauen? Und wie könnte eine Religion der Zukunft aussehen? Mögliche
Antworten auf viele offene Fragen zu diesen brisanten Themen findet der angesehene
Salzburger Theologe Anton Bucher in diesem Buch. Schicht um Schicht legt er
die Ursache für die schwerste Krise der katholischen Kirche frei, beschreibt
die Problematik des längst überholten Zölibats und liefert einen Erklärungsversuch,
warum viele Priester dem verfallen, was sie selbst als verderblich predigen:
der Sünde.
Curzio Maltese - Scheinheilige Geschäfte: Die Finanzen des Vatikans, 160
Seiten, Kunstmann Verlag, Euro 17,40 Nach dem Skandal um die Mafia-Verstrickungen
der Vatikanbank in den 1980er Jahren galten die Finanzen des kleinsten Staates
der Welt als zerrüttet. Heute sind dessen Kassen wohl gefüllt: dank Spendenrekorden,
einer umfassenden Steuerbefreiung und lukrativen Nebeneinkünften. Topmanager
kümmern sich um die Geschäfte. Um die Transparenz ist es weniger gut bestellt:
Was der Kirche an Geldern zufließt und wofür sie sie ausgibt, ist ein streng
gehütetes Geheimnis. Curzio Maltese blickt hinter diese Mauer des Schweigens.
Gestützt auf Kirchendokumente, fördert seine Recherche Verblüffendes zutage.
Entgegen aller Annahmen kommt nur ein Fünftel der Einkünfte aus der Kirchensteuer
wohltätigen Zwecken zugute. Die Kirche ist Italiens größter Immobilienbesitzer
und Tourismusmanager und zahlt keinen Cent Steuern, wenn sie Hotels betreibt
oder einträgliche (Pilger)Reisen organisiert. Der Vatikan, für internationale
Anleger ein Steuerparadies, kostet den italienischen Steuerzahler mehr als Staatsverwaltung
und Parlament zusammengenommen. Doch Kritiker dieses gänzlich undemokratischen
Systems bekommen schnell den langen Arm der Kurie zu spüren: In Italien läuft
nichts mehr ohne Plazet des Vatikans, der sich immer ungehemmter in die Politik
des laizistischen Staates einmischt. Wer wissen will, wie undurchsichtige Finanzsysteme
funktionieren und was der Vatikan tatsächlich mit dem Geld seiner Gläubigen
macht, kommt an diesem Buch nicht vorbei. "Malteses Buch wirft ein Schlaglicht
auf ein intransparentes, ganz und gar anomales Finanzsystem und gibt der Frage
nach dem Verhältnis von Religion und Politik, Kirche und Staat eine ganz neue
Aktualität." Liberazione.
Alice Schwarzer - Die große Verschleierung: Für Integration, gegen Islamismus,
318 Seiten, Kiepenheuer & Witsch - Euro 10,20 Die große Verschleierung:
ein Buch über die Hindernisse erfolgreicher Integrationspolitik, über die politisch-symbolische
Dimension der Verschleierung muslimischer Frauen, aber auch über die Verschleierung
der islamistischen Gefahr durch Kulturrelativisten in deutschen Medien. Die
Debatten über den wachsenden Einfluss islamischer Kreise nicht nur in Deutschland
werden immer heftiger. Alice Schwarzer, die im Jahr 2002 mit ihrem Buch "Die
Gotteskrieger" (KiWi 683) Zeichen gesetzt hat, hat sich auch in den folgenden
Jahren immer wieder zur islamistischen Gefahr zu Wort gemeldet. "Die große
Verschleierung" versammelt nun zahlreiche dieser politischen Interventionen
und gibt ein genaues Bild vom heutigen Stand der kritischen Auseinandersetzungen
über den Islamismus in Deutschland, in Frankreich und in islamischen Ländern
(wie z.B. Algerien). Die Themen reichen vom Schweizer Minarettverbot und der
deutschen Kopftuchdebatte bis zu den französischen Diskussionen über die Rolle
der Burka in der Öffentlichkeit. Außerdem: die Unruhen in den Pariser Vorstädten,
die Strategien islamistischer Agitation z.B. im Internet, die Rolle der Konvertitinnen.
Die Grenzlinie zwischen dem Islam als Religion und dem politischen Islamismus
bleibt dabei immer im Blick, wenn diese auch zusehends schwerer zu ziehen ist.
Alice Schwarzers Texte werden durch Untersuchungen und Berichte zahlreicher
Co-Autorinnen von Djemila Benhabib bis Elisabeth Badinter und Necla Kelek ergänzt.
Mit Beiträgen u.a. von: Elisabeth Badinter, Djemila Benhabib, Rita Breuer, Cornelia
Filter, Carola Hoffmeister, Necla Kelek, Chantal Louis, Khalida Messaouidi-Toumi,
Katha Pollitt, Annette Ramelsberger, Gabriele Venzky, Martina Zimmermann.
Franz M. Wuketits Wie viel Moral verträgt der Mensch?: Eine Provokation
- 192 Seiten, Gütersloher Verlagshaus, Euro 18,50 Finanzkrise, Doping-Skandale,
Wissenschaftsbetrug, Kriege, Mord und Totschlag - ist es wirklich so, dass die
Moral schwindet? Oder ist der Mensch überfordert, weil er möglicherweise weniger
Moral verträgt, als er sich selbst verordnet? Wie alle anderen Lebewesen sind
Menschen Egoisten, die in erster Linie das Problem des Überlebens zu lösen haben.
Dazu benötigt der Mensch Ressourcen, um die er mit anderen im Wettbewerb steht.
Von Natur aus ist der Mensch also weder gut noch böse, sondern er macht nur,
was ihm sein biologischer Imperativ gebietet. Als soziales Lebewesen ist nun
der Mensch auf ein Miteinander mit Artgenossen angewiesen und kann obendrein
sein Verhalten und Handeln kritisch reflektieren, was zur Schaffung eines Wertesystems
geführt hat. Franz M. Wuketits untersucht Herkunft und Zweck moralischen Verhaltens
und macht Vorschläge für eine Werteordnung, die an die Bedürfnisse des Individuums
angepasst sein muss, wenn sie in der Realität unserer gesellschaftlichen Verhältnisse
eine Chance haben soll.
Dieter Harmening - Wörterbuch des Aberglaubens, Reclam 2009, 604 Seiten,
Euro 12.40 Für das Wörterbuch des Aberglaubens umfasst der Begriff Aberglauben
die Bereiche des Wahrsagens und der Zeichendeutung sowie des magischen Wissens
und der zauberischen Praxis. Quellen dazu sind Wahrsageliteratur, Zauber-, Segens-
und Amulettformeln, astrologische und gelehrte magische Literatur; ferner aus
dem kirchlich-theologischen Bereich stammende Schriften wie Buß- und Betbücher
, Katechismus- und Predigtliteratur usw. Erst seit dem späten Mittelalter finden
sich außerkirchliche Stücke zum Aberglauben häufiger. Der Autor hat zahlreiche
dieser Quellen akribisch ausgewertet. Herausgekommen ist ein 1000 Stichwörter
umfassendes Wörterbuch, dessen Artikel Sachthemen, biographisches Daten und
theoretische Begriffe darstellen. Harmenings Wörterbuch ist zwar nicht das erste
seiner Art - es sei nur an das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, dessen
letzter Band noch 1942 erscheinen konnte, erinnert -, es ist aber eine der ersten
Arbeiten, die nicht mehr der Ansicht anhängt, im Aberglauben könnten Restformen
des Heidentums oder oder gar Vorstellungen irgendwelcher alter Germanen erhalten
geblieben sein. Quellenkritische Untersuchungen zeigen vielmehr, dass weitgespannte
Traditionsvermutungen und Kontinuitätserwartungen nicht haltbar sind, die Geschichte
des Aberglaubens vielmehr erst im Spätmittelalter oder in der Neuzeit beginnt.
Umfangreiche Quellenangaben runden das Buch ab, das durchaus zum gelegentlichen
Schmökern geeignet ist.
Albert Dulk - Nieder mit den Atheisten - IBDK Verlag, Ausgewählte religionskritische
Schriften aus der frühen Freidenkerbewegung, Hrsg. von Heiner Jestrabek, Klassiker
der Religionskritik Bd. 3, 156 Seiten, kartoniert Albert Dulk (1819-1884)
gehört zu den wenigen Revolutionären von 1848, die nicht vor dem preußischen
Obrigkeitsstaat kapitulierten, sondern sich der sozialistischen Arbeiterbewegung
anschlossen. Zeitlebens hörte er nicht auf, politische wie gesellschaftliche
Grenzen in Frage zu stellen. Seine Lebensgemeinschaft mit drei Frauen erregte
ebenso Aufsehen wie seine antiklerikalen Aktivitäten, die ihn zur Zeit des Sozialistengestzes
wegen Religionsschmähung sogar ins Gefängnis brachten. Die vorliegende Sammlung
konzentriert sich auf die kürzeren, für die alltägliche politische und ideologische
Auseinandersetzung geschriebenen religions- und kirchenkritischen Schriften.
Sie veranschaulicht repräsentativ die Argumentation der frühen Freidenkerbewegung.
Eine ausführliche Einführung, eine Zeittafel und ein Glossar erleichtern das
Verständnis der historischen Texte.
Helmut Fink (Hrsg.) - Der neue Humanismus - Wissenschaftliches Menschenbild
und säkulare Ethik, Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Bayern, Bd. 4
218 Seiten, Alibri-Verlag 2010, Euro 18.50 Naturwissenschaftliche Erkenntnisse
über den Menschen haben Folgen: Sie beeinflussen Grundlagen des Menschenbildes
und berühren Grundfragen der Ethik. Das Verhältnis von Humanismus und Naturalismus
ist jedoch nicht frei von - tatsächlichen oder empfundenen - Gegensätzen. Dieser
Band ist dem Bestreben gewidmet, einen stärker naturalistisch geprägten Humanismus
zu etablieren. Zu den behandelten Fragen gehören: Wie sind Entstehung und Funktion
des Religiösen von einem säkularen Standpunkt aus zu erklären? Welche Rolle
spielt die kulturelle Ebene im Vergleich zur natürlichen Ausstattung des Menschen?
Wie weit reicht die Wissenschaft und wo beginnt die Weltanschauung?
Paul Lafargue - Das Recht auf Faulheit, Widerlegung des "Rechts auf
Arbeit" von 1848, um ein Vorwort von Michael Wilk ergänzte Neuauflage,
97 Seiten, Abbildungen, Alibri-Verlag 2010, Euro 10.30 In seiner erstmals
1883 erschienenen Polemik kritisiert Paul Lafargue die Vorstellung von Arbeit
als Selbstzweck. Angesichts der zunehmenden Zwangsverpflichtung von Arbeitslosen
zu vorgeblich "gemeinnütziger Arbeit", sinkender Reallöhne und immer
schlechter werdenden Arbeitsbedingungen kommt seiner Vision von "Muße und
Freiheit" große Aktualität zu. Wer nicht länger einsieht, für die Profite
der Konzerne den Buckel krumm zu machen, findet im "Recht auf Faulheit"
Ansätze, den tradierten Denkmuster zu entkommen. Obschon bereits im 19. Jahrhundert
geschrieben, hat der Text auch in der aktuellen Diskussion um die Arbeit und
ihre Bedingungen noch immer eine grundlegende Bedeutung.
Thilo Sarrazin - Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs
Spiel setzen - 464 Seiten, Deutsche Verlags-Anstalt 2010 - 5. Auflage (1. Aufl.
30.8.), Euro 23,60 Kurzbeschreibung: Thilo Sarrazin
beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen,
die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang,
problematischer Zuwanderung und wachsender Unterschicht ergeben. Er will sich
nicht damit abfinden, dass Deutschland nicht nur älter und kleiner, sondern
auch dümmer und abhängiger von staatlichen Zahlungen wird. Sarrazin sieht genau
hin, seine Analyse schont niemanden. Er zeigt ganz konkret, wie wir die Grundlagen
unseres Wohlstands untergraben und so den sozialen Frieden und eine stabile
Gesellschaft aufs Spiel setzen. Deutschland läuft Gefahr, in einen Alptraum
zu schlittern. Dass das so ist, weshalb das so ist und was man dagegen tun kann,
davon handelt dieses Buch. Die lt. Amazon hilfreichste Kundenrezension:
Nach diesem beeindruckend mutigen Buch, wird Thilo Sarrazin einmal mehr als
Nestbeschmutzer und gefährlicher Brandstifter bezeichnet. Nachdem ich nun sein
Buch gelesen habe, stelle ich fest: Schade, dass dieser Mann aus der Politik
verschwunden ist. Er spricht unbequeme Wahrheiten deutlich aus, Wahrheiten die
die heutigen politisch Mächtigen nicht sehen wollen, weil sie Angst vor der
nächsten Wahl haben. Über Missstände spricht er. Über einige seiner Formulierungen
kann man sich sicher streiten, im Buch jedenfalls habe ich keinen Satz gefunden,
den ich nicht mittragen könnte. Oft wird Sarrazin Ausländerfeindlichkeit
vorgeworfen. Nichts hat dieser Mann gegen Ausländer, die nach Deutschland einwandern,
deutsche Gesetze einhalten und hier einfach um der Freiheit willen leben wollen.
Sehr wohl hat er etwas gegen Ausländer die nach Deutschland einwandern, auf
westliche Demokratien schimpfen und unsere Gesetze missachten. Daran kann ich
nichts Schlimmes finden. Sarrazin macht Nägel mit Köpfen, benennt Tatsachen,
belegt sie mit Statistiken und zieht glasklare Analysen. Klar, dass sich an
dieser Stelle Meinungen reiben. Vielleicht stimmt es sogar, dass Sarrazin spaltet.
Aber dies muss er sogar, nur so kommen die wirklich wichtigen Themen in den
Vordergrund der Tagespolitik. Zu - und Einwanderungspolitik, unsere überalterte
Gesellschaft, der Sozialstaat und der Gesundheitszustand unserer Demokratie
sind Themen die in Deutschland völlig neu diskutiert werden müssen, damit Deutschland
nicht eines Tages auseinander bricht. Thilo Sarrazin hat mit seinem Buch einen
wichtigen Beitrag dazu geleistet.
Gruber / Oberhummer / Puntigam: "Wer nichts weiß, muss alles glauben".
Ecowin-Verlag, 240 Seiten, 21,90 Euro Die unterhaltsamste Art, wissenschaftliche
Erkenntnisse zu präsentieren und Scharlatanerie aufzudecken, betreiben derzeit
die "Science Busters". Das neues Buch des Trios gehört in jedes gut
sortierte Gehirn. Der eine, Gruber, lehrt Experimentalphysik an der Uni Wien
und kocht wie ein Weltmeister. Der andere, Oberhummer, ist emeritierter Professor
für Theoretische Physik an der Uni Wien und züchtet Alpakas. Der dritte, Puntigam,
ist Österreichs wissenschaftsnächster Kabarettisten. Gemeinsam bilden die drei
die "Science Busters" die schärfste Physik-Boygroup seit Albert Einstein
und Paul Ehrenfest, oder wie Alfed Dorfer zu sagen pflegt: die "Chippendales
der Physik". Glücklicherweise ziehen sich die modernen Aufklärer nicht
aus. Vielmehr reißen sie die Scheuklappen zur Esoterik weg und entkleiden moderne
Mythen und Verschwörungstheorien. Die "Science Buster", bekannt
von der Rabenhof-Bühne in Wien und einer Radio-Schiene auf FM4, behandeln außerirdische
Themen wie Singularitäten und Schwarze Löcher ebenso wie den perfekten Schweinsbraten
oder das feinste Gulasch. Kosmos, Gehirn und Grander Wasser landen unter dem
physikalischen Seziermesser. Sämtliche Themen sind mit praktischem Mehrwert
ausgestattet, wie etwa ein Blutwunder zum Selberbasteln oder eine Anleitung
zum homöopathischen Komasaufen. Das mag recht salopp klingen - und das ist
es auch. Der Text kommt satirisch und leichtfüßig daher, ohne jedoch vom fundierten
Fundament der Wissenschaft abzuheben. Darauf lässt sich locker eine Doppeltblindstudie
verwetten. Apropos Wetten: Wetten, den kennen Sie noch nicht? Treffen sich
ein belebtes Wasser und ein radiästhetischer Kornkreis in einem Kraftpunkt zur
Erstverschlimmerung. Die Pointe? Mit derartigem Schmonzes verdienen Scharlatane
auf der ganzen Welt Milliarden, dagegen sind Investmentbanken-Boni bloß Erdnusserl.
Harder, Bernd - Elvis lebt! Lexikon der unterdrückten
Wahrheiten - Herder-Verlag 2010, 190 S.,
15,40 EUR Ob über Elvis oder Michael
Jackson, ob über die Freimaurer oder die Illuminaten, ob über Vampire,
Schweinegrippe oder den angeblichen Weltuntergang: Es gibt immer mehrere
Versionen einer Geschichte. Und nicht selten ranken sich verblüffende
Tatsachen und bizarre Spekulationen um einen Kern von Wahrheit. Das »Lexikon
der unterdrückten Wahrheiten« stellt sie alle vor - ein buntes Sammelsurium
von Verschwörungstheorien.
Seyran Ates - Große Reise ins Feuer: Die Geschichte einer deutschen Türkin
- 256 Seiten, rororo-Verlag; 3. Auflage, 9,20 Euro Nachdem Seyran
Ates mit ihrem Buch die Brücke geschlagen hat zwischen persönlicher Biographie
und allgemeingültigem Urteilen, zwischen leidvoller eigener Erfahrung und Formulierung
dessen, was in Deutschland insgesamt zur Beschleunigung des Integrationsprozesses
getan werden muss - nach diesem riskanten und mutigen Weg, hat sie ihre Eltern
und Geschwistern endlich auf ihre Seite gezogen. Es ist zu wünschen, dass ihre
Energie ausreicht, auch anderen türkischen Frauen dabei zu helfen, den bestehenden
konservativen Rollendruck Stück für Stück abzutragen: das Bedienenmüssen, der
Kopftuchzwang, die Zwangsverheiratung. Und auf jene Schizophrenie hinzuweisen:
im Schulunterricht, so beschreibt sie in ihrem Buch, wurde sie gelobt - auf
dem Schulhof verachtet. das Bestehen einer solchen demoralisierenden Doppelwelt
schärfer wahrzunehmen: dafür engagiert sie sich in ihrem Buch. Vielleicht sollte
man es zur Pflichtlektüre in den entsprechenden Schulstufen machen ...
Seyran Ates - Der Multikulti-Irrtum: Wie wir in Deutschland besser zusammen
leben können - 288 Seiten, Ullstein Verlag 2008, 9,20 Euro Die Thesen
von Seyran Ates provozieren. Die mutige Juristin, Tochter von Migranten der
ersten Generation, kämpft an vorderster Front gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde,
für Frauenrechte und Integration. In diesem Buch führt sie aus, wie eine
verfehlte Integrationspolitik und eine als Toleranz verkleidete Gleichgültigkeit
zu Parallelgesellschaften, Ghettoisierung und Gewalt geführt haben. Und sie
erläutert, wie es gelingen kann, die Migranten langfristig in unsere Gesellschaft
einzubinden.
Necla Kelek - Himmelsreise: Mein Streit mit den Wächtern des Islam - 266
Seiten, Kiepenheuer & Witsch 2010, 19,20 Euro Den Glauben aus dem
System der Angst befreien. Necla Kelek wendet sich gegen die Verharmlosung des
Islam und weist nach, dass er - trotz regionaler Unterschiede - immer Lebenskonzept,
Ideologie und Politik zugleich ist. Ihr Credo: Wir müssen den Glauben von seinem
patriarchalischen Missbrauch befreien und ihn spirituell rehabilitieren. Und
endlich die Probleme anpacken, die unübersehbar mit Muslimen verknüpft sind
- die verweigerte Gleichberechtigung der Frauen und die mangelnde Bildung der
Kinder. Über vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Viele von ihnen sind
gut integriert; Religion ist Teil ihrer kulturellen Identität. Sie wollen in
dieser Gesellschaft ankommen, ohne von ihrem Glauben zu lassen. Aber es ist
eine schweigende Mehrheit. Lauter sind jene, die demonstrativ Zeichen der Abgrenzung
gegen die "Ungläubigen" setzen und behaupten, dabei den Gesetzen ihrer
Religion zu folgen. Mit diesen islamischen Traditionalisten, die Glauben zu
Politik machen und sich zugleich als Opfer der hiesigen Gesellschaft stilisieren,
setzt sich Necla Kelek auseinander. Ihnen stellt sie in einer "kleinen
Koranschule" eine aufgeklärte Lesart des Heiligen Buches entgegen, die
über Entstehung und Hintergründe des Islam informiert: Auf den Koran kann sich
nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Sie
erkundet Vorzeige- wie Hinterhof-Moscheen, spricht mit Imamen und Vorbeterinnen
und nimmt den Streit mit Predigern wie Tariq Ramadan und Fethullah Gülen auf.
In der Rubrik "Islam-Deutsch/Deutsch-Islam" diskutiert sie, wie unterschiedlich
grundlegende Begriffe wie Anstand, Respekt und Freiheit verstanden werden. Sie
durchstreift die Geschichte des Islam in Deutschland und entdeckt Überraschendes
wie den weißen Elefanten Karls des Großen und Goethes Kritik an dem letzten
Propheten, der das Himmlische seinen irdischen Absichten geopfert habe.
Necla Kelek - Die fremde Braut: Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen
Lebens in Deutschland - 288 Seiten, Goldmann Verlag 2006, 9,20 Euro Zwangsheirat
ist kein Randphänomen: Jede zweite Türkin in Deutschland gibt an, ihre Eltern
hätten den Ehepartner für sie ausgesucht, jede vierte kannte ihren Mann vor
der Hochzeit nicht. Jedes Jahr werden Tausende junger Türkinnen durch arrangierte
Ehen nach Deutschland gebracht. Necla Kelek hat, auf eigene Erfahrungen gestützt,
mit den "Importbräuten" gesprochen und konfrontiert uns mit Verstößen
gegen die Grundrechte türkischer Bürgerinnen, die mitten unter uns leben. Die
Soziologin deckt die Ursachen dieses Skandals auf und erzählt zugleich von ihrem
eigenen Weg in die Freiheit.
Necla Kelek - Die verlorenen Söhne: Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen
Mannes - 256 Seiten, Goldmann Verlag 2007, 9,20 Euro Hätte eine
Deutsche dieses Buch verfasst, von "archaischer Stammeskultur" und
dem mangelnden Selbstbewusstein der Deutschen gesprochen, die den Zugewanderten
keine klaren Regeln vorgeben, dann hätte es sicherlich einen Aufschrei gegeben
-- fremdenfeindlich und rassistisch wäre die Autorin genannt worden. Nun
ist die Verfasserin des Buches türkischstämmig, kennt die Welt jenseits des
Bosporus genauso gut wie die Migrantenmilieus in bundesdeutschen Großstädten
und verfügt auch noch über das Handwerkszeug empirischer Sozialforschung. Nachdem
ihr Buch "Die fremde Braut" das System der Zwangsehe anprangerte,
nimmt Sie hier die Väter, Söhne und Brüder ins Visier. Sie geht einzelnen Biografien
nach, die im Osten Anatoliens beginnen und mitunter in einem deutschen Gefängnis
enden. Sie erzählt die Geschichte von PKK-Aktivisten, Zuhältern und ganz normalen
Familienvätern, von starren Gesetzen und einer vorgegebenen Männerrolle, aus
der die meisten türkisch-muslimischen Männer nicht herausfinden. In dieser Welt
zählen Respekt, Ehre und Schande; und Kelek hat die Mehmets und Yilmaz' interviewt,
die für diese Werte töteten, schlugen und zerstörten. Dabei macht Kelek von
Anfang an klar, dass die porträtierten Männer nicht nur Täter, sondern ebenso
Opfer eines Systems sind, das die Integration in einem Land wie Deutschland
verhindert und nach aufgeklärtem Verständnis normale Familienbeziehungen unmöglich
macht. Nicht zuletzt hat sie dieses Buch aus der realistischen Einsicht heraus
geschrieben, dass die Emanzipation der türkisch-muslimischen Frauen nicht ohne
ein Umdenken der Männer möglich ist.
Horst Herrmann: Sex und Folter in der Kirche. 2.000 Jahre Folter im Namen
Gottes. Bassermann, München 2009, 368 Seiten, 10,20 Euro Der Autor über
sein Buch: Das Christentum, die blutigste aller Religionen. Wenn ich, als früherer
Theologieprofessor, ein solches Buch veröffentliche, hat das einen Zweck: Kein
Haß, keine Abrechnung, keine Rache (dafür ist mir meine Arbeit zu schade und
die heutige Kirche zu unwichtig), sondern notwendige Aufklärung über gewaltbestimmte
Tatsachen und Mentalitäten, die noch immer, Jahrhunderte nach Kant, Goethe,
Nietzsche, verschwiegen und verdrängt werden. Ein solches Buch, längst ein Bestseller,
legt neue Perspektiven auf eine infame Sexualitätsunterdrückung und Blutgier
frei - und die Zigtausende, die es unvoreingenommen lasen, wissen, was ich meine.
Die anderen, die noch immer im Pferch sind und häufig genug aus bloßem Unsinn
Tiefsinn schürfen (weil sie in der sog. Exegese, Kirchengeschichte, Dogmatik
nichts anderes hören dürfen), sollen getrost bei ihren Meistern bleiben. An
der Tatsache, daß die Kirche tot ist, wir aber die physischen und psychischen
Grausamkeiten, für die sie verantwortlich ist und bleibt (weit über das lächerlich
verspätete und verkürzte "Schuldbekenntnis" des jetzigen Papstes hinaus),
aufarbeiten haben, führt kein Weg vorbei. Ich schreibe aber nicht für Schafe,
sondern für Menschen, die auf dem Weg in eine neue Zeit sind und sich zurecht
von den Übeln früherer Glaubenswelten verabschieden wollen. Im übrigen: Daß
Christen auch heute noch (etwa in Lateinamerika) foltern, scheint keinem von
den vielen Theologen und Bischöfen aufgefallen zu sein, die sich in Deutschland
aus allgemeinen Steuermitteln (nicht aus der Kirchensteuer!!!) aushalten lassen.
Blind sind sie und Führer von Blinden. -- Dieser Text bezieht sich auf eine
vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Oda Lambrecht/Christian Baars: Mission Gottesreich. Fundamentalistische
Christen in Deutschland. Ch. Links, Berlin 2009, 248 Seiten, 17,40 Euro Sie
sind radikal, sendungsbewusst und zunehmend erfolgreich: christliche Fundamentalisten
in Deutschland. Die Bibel ist für sie Lebens- und Glaubensgrundlage, andere
Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität
gilt als Sünde, Sex vor der Ehe ist verpönt, die Evolutionstheorie stellen sie
in Frage. Nach Schätzungen leben in Deutschland mehr als eine Million von ihnen.
Die Autoren haben zahlreiche fundamentalistische Gemeinden und deren Veranstaltungen
besucht, mit Anhängern, Aussteigern und Theologen gesprochen, Internetforen
beobachtet, Veröffentlichungen der bibeltreuen Christen ausgewertet, unzählige
Predigten analysiert. Das Buch zeigt die Arbeit von entsprechenden Vereinen,
Missionswerken und Lobbygruppen, informiert über autoritäre Strukturen, angebliche
Wunderheilungen und Dämonenaustreibungen. Und es fragt, wie Vertreter der Evangelischen
Kirche in Deutschland mit diesen radikalen Gruppen umgehen.
Stephan Holthaus - Die Evangelikalen: Fakten und Perspektiven - 108 Seiten,
Verlag: St.-Johannis-Druckerei; 2. Auflage 2009, 6,10 Euro Seit einiger
Zeit machen die sogenannten Evangelikalen von sich reden. Sie selbst sehen sich
als gut evangelische (so die eigentliche Bedeutung des Terminus), bibeltreue
Bewegung, die die Essentials des christlichen Glaubens hochhält mitunter im
Kontrast zu einer in Lehre und Leben teilweise fragwürdigen Kirche und Theologie.
Von außen dagegen werden sie zuweilen kritisch beäugt oder gar als rechts, rückschrittlich
und fundamentalistisch hingestellt; gerne wird hier etwa auf ihren angeblichen
Einfluss auf die US-Politik oder ihre kritische Haltung zur Evolutionstheorie
verwiesen. Weniger bekannt ist, dass sie nach der römisch-katholischen Kirche
bereits die größte Gruppe innerhalb der Christenheit repräsentieren und gegen
den Trend stetig wachsen. Einige Experten behaupten, die Zukunft der Kirche
sei evangelikal. Grund genug, die Evangelikalen in den Blick zu bekommen. Der
evangelische Theologe Stephan Holthaus Buch bietet dazu komprimiert und leicht
lesbar die Fakten.
Michael Hochgeschwender - Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum
und Fundamentalismus - 316 Seiten, Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag
2007, 20,40 Euro Zu den Eigenheiten der amerikanischen Gesellschaft zählt
ein im Vergleich zu den ebenfalls hochindustrialisierten westeuropäischen Gesellschaften
erstaunliches Maß an Religiosität. Dabei nehmen evangelikale, fundamentalistische
und aus der Pfingstbewegung stammende Religionsformen eine Sonderstellung ein.
Michael Hochgeschwender beschreibt in seinem Essay die Ursprünge und Ursachen
der spezifisch amerikanischen Religiosität und die in den letzten 200 Jahren
immer wieder auftretenden evangelikalen Erweckungsbewegungen. Vom frühen 19.
Jahrhundert an wurde die amerikanische Religiosität als Marktgeschehen begriffen.
Dies machte sie zum einen anschlussfähig für gesellschaftliche Reformbewegungen
und passte sie zum anderen an eine in hohem Maß kapitalistisch durchgeformte
Gesellschaft an. Seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts nehmen, im Zusammenhang
einer beginnenden Suburbanisierung, Erweckungsbewegungen zu, die sich verstärkt
auch in sozialen Fragen, so im Kampf um das Schulgebet oder in der Frage der
Abtreibung, und im Streit zwischen Kreationisten und Darwinisten artikulieren.
In den culture wars um die kulturelle Hegemonie in den USA zwischen liberals
und conservatives haben die Erweckungsbewegungen eine wichtige Rolle gespielt;
erst im Lauf der späten siebziger Jahre wurden sie mehrheitlich dem konservativen
Lager in den Vereinigten Staaten zugeordnet.
Uwe Lehnert - Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen
Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung - 389 Seiten,
Teia Lehrbuch Verlag, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage 2009, 20,40 Euro
Dieses Buch wurde von einem gebildeten Laien geschrieben, der sich gründlich
mit Physik, Psychologie, Theologie usw., vor allem aber mit der Bibel beschäftigt
hat, so dass er in der Lage ist, zum christlichen Glauben ein kompetentes Urteil
abzugeben. Man spürt beim Lesen die Redlichkeit des Verfassers, der sich seit
seiner Jugend mit dem Christentum auseinandergesetzt hat und der sehr persönlich
und glaubhaft über die Ergebnisse seines Nachdenkens berichtet. Es bleibt zu
hoffen, dass auch Christen dieses Buch lesen, denn viele wissen nicht, wem sie
da anhängen, nämlich einer Religion, unter deren Herrschaft unsägliche Verbrechen
begangen wurden, die jeden wissenschaftlichen Fortschritt erbittert bekämpft
hat und weiter bekämpft, deren in der Bibel gepredigte Moral weit unter heutigen
Standards gesellschaftlichen Zusammenlebens liegt und die mit ihren Bischöfen
und Priestern Leute beschäftigt, deren Beruf es ist, den Menschen, und insbesondere
den Kindern, Angst und Schuldgefühle einzupflanzen.
Wiederholung eines Buchtipps: Ulli Schauen - Das Kirchenhasserbrevier - Ein verlorener Sohn rechnet
ab, Heyne 2010, 304 Seiten, kartoniert, Euro 9,20 Das Buch schildert
zwar die Zustände in Deutschland, aber auch in Österreich ist es im Prinzip
nicht anders, höchstens schlimmer, weil katholischer. Ulli Schauen schildert
in klarer Sprache und umfassend das ganze Elend, das wir mit den Religionen
haben. Ein Buch, das jeder Atheist und jede Atheistin lesen soll, muss!
François Walter: Katastrophen. Eine Kulturgeschichte vom 16. bis ins 21.
Jahrhundert, Reclam Verlag 2010, 385 Seiten, 30,80 Euro Naturkatastrophen
- Erdbeben, Vulkanausbrüche, Fluten, Stürme, Erdrutsche - sind das schlechthin
Sinnlose, das dem menschlichen Geist begegnet und immer unfassbar bleibt. Katastrophen
haben keine Geschichte. Unwandelbar, unabwendbar, unberechenbar brechen sie
durch die ganze Naturgeschichte hindurch über die Menschheit herein und bleiben
unbegreiflich. Kann man aus ihnen lernen? Und wenn ja, was? Menschen haben
unter Aufbietung aller intellektuellen Kräfte immer auf das Erlebnis von Naturkatastrophen
reagieren müssen, sie haben immer versucht, doch einen Sinn zu finden: Strafe
Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen oder der Gerechten, Ansporn zur Aufbietung
aller dem Menschen möglichen Entwicklung technischer oder moralischer Art. Eine
Geschichte der Katastrophenbewältigung, wie sie der Genfer Historiker François
Walter schreibt, steht also weit jenseits von modischem Katastrophismus und
schön gruseliger Heraufbeschwörung aller möglichen und unumgänglichen Apokalypsen.
Sie erweist vielmehr, dass die Antworten des 16. oder 18. Jahrhunderts auf das
Unbegreifliche nicht etwa wertlos oder unbedeutend sind, bloß weil die Naturwissenschaft
ein paar Schrittchen weitergekommen ist: Auch der Tsunami zu Weihnachten 2004
bleibt sinnlos. Allein die abgewogene historische Darstellung dieser Kulturgeschichte
lehrt, Naturkatastrophen zu unterscheiden, mit ihnen umzugehen, und vor allem,
von diesen Katastrophen die menschengemachten, keineswegs katastrophenmäßig
unberechenbar hereinbrechenden Risiken ökologischen Wandels z. B. des Weltklimas
im Treibhauseffekt abzugrenzen.
Roberto de Mattei - Die Türkei in Europa: Gewinn oder Katastrophe? - 152
Seiten, Resch-Verlag 2010, Euro 14,30 Jede tiefgreifende Entscheidung
bedarf einer sorgfältigen Analyse. Dieses Buch bietet eine solche Analyse. Da
nicht nur die wirtschaftlichen, sondern vorallem die kulturellen und damit zivilisatorischen
Wirkungen nach einer Entscheidung über den Beitritt der Türkei in die EU sehr
langfristig sind, dürfen nicht momentane Gesichtspunkte eine Rolle spielen.
Wie verändert sich Europa und wie verändert sich die Türkei? Gibt es eine Synthese
zum Vorteil der beteiligten Völker, oder werden zukünftigen Generationen Probleme
überlassen, die sie nicht bewältigen können? Roberto de Mattei lehrt an der
Universitá Europea die Roma Politikwissenschaft und Geschichte. Er beschreibt
aus einer fundierten Sachkenntnis heraus die historischen, geopraphischen, wirtschaftlichen
und demographischen Gegebenheiten und versucht Antworten auf die drängenden
Fragen zu vermitteln. Dem Wandel in der Türkei beginnend mit Kemal Atatürk bis
zu Recep Tayyip Erdogan widmet er breiten Raum. Dieses Buch regt zum Nachdenken
an. Es stellt einen unverzichtbaren Beitrag in der EU dar. Nur wer das Pro und
Contra sorgfältig abwägt, kann beurteilen, welcher Schritt der richtige ist.
Olivier Roy - Heilige Einfalt: Über die politischen Gefahren entwurzelter
Religionen, 336 Seiten, Siedler Verlag 2010, Euro 23,60 Es gibt keine
"Rückkehr" des Religiösen in der modernen Welt, sondern eine Veränderung.
Diese Veränderung ist nichts weiter als ein Augenblick, meint der französische
Politologe und Islamexperte Olivier Roy. In einer bestechenden Analyse untersucht
er die komplexe Beziehung zwischen Religionen und Kultur in gegenwärtigen und
vergangenen Zeiten. Die Globalisierung hat einer Trennung zwischen Religion,
Nation und Kultur Vorschub geleistet, konstatiert er treffend. Parallel dazu
ist Religiosität zu einer individuellen Angelegenheit geworden - zu einer "heiligen
Einfalt", einer anti-intellektuellen Haltung eines gefühlsbetonten Heilszugangs. Dies
wieder bilde den Nährboden für Fundamentalismen jeglicher Couleur, die sich
freilich aufgrund ihrer kulturellen Entwurzelung als verzweifelte Selbstbehauptungsversuche
rasch erschöpfen. Eine moderne demokratische Gesellschaft brauche eine verstärkte
Trennung zwischen Staat und Religionen im Sinn einer neutralen, genau definierten
Form der Religionsfreiheit.
Olivier Roy - Der falsche Krieg: Islamisten, Terroristen und die Irrtümer
des Westens, 192 Seiten, Siedler Verlag 2008, Euro 20,50 Al Qaida und
die Taliban, Hisbollah und Hamas, Syrien und Iran - sie alle bedrohen den Westen.
Es wäre allerdings ein gefährlicher Irrtum, diese Kräfte für einen geschlossenen,
starken Feind zu halten. Denn durch die islamische Welt geht vielmehr ein tiefer
Riss. Doch das ist kein Grund zur Entwarnung, sagt Olivier Roy: Er macht deutlich,
dass die eigentliche Gefahr von den Spannungen innerhalb der islamistischen
Gruppen ausgeht und zeigt, welche Politik wir ihr entgegensetzen müssen. Der
islamistische Terrorismus stellt eine weltweite Bedrohung dar. Doch der vom
Westen propagierte "Krieg gegen den Terror" ist nicht zu gewinnen.
Weder ist der Islam ein einheitliches Gebilde, noch sind geopolitische Militäraktionen
eine angemessene Reaktion auf deterritorial agierende Selbstmordattentäter.
Um zu bestimmen, wie der Westen künftig mit dieser Gefahr umgehen soll, müssen
wir erst einmal danach fragen, wie die regionalen und globalen Kräfteverhältnisse
wirklich sind, wer denn eigentlich der Feind ist und wie man ihm wirksam begegnen
kann. In seinem Buch deckt der renommierte Islam- und Terrorismusexperte
Olivier Roy die politischen Irrtümer des Westens auf, erklärt klar und anschaulich
die innerislamischen Verhältnisse und Spannungen und liefert verblüffende Erkenntnisse
über die Organisations- und Funktionsweise der Al Qaida.
Tidiane N'Diaye - Der verschleierte Völkermord: Die Geschichte des muslimischen
Sklavenhandels in Afrika - 256 Seiten, Rowohlt Verlag, Euro 20,50 Was
man dem franko-senegalesischen Wissenschaftler Tidiane N'Diaye vorwerfen könnte
ist, dass er die Zahl der versklavten Afrikaner durch Muslime möglicherweise
zu hoch ansetzt. Er hat 17 Millionen verschleppte Afrikaner gezählt. Auch manche
außerhalb des Themas liegende Punkte sind faktenmäßig als zweifelhaft anzusehen.
Aber das Thema selbst bedurfte längst einer Behandlung, weil bisher der Sklavenhandel
hauptsächlich mit dem von Europa und Amerika aus organisierten transatlantischen
Handel gleichgesetzt wird. Der Autor bemängelt die Selbstzensur der Forscher,
als wenn eine Auseinandersetzung mit dem Sklavenhandel der Araber zu einer Bagatellisierung
des transatlantischen Menschenhandels führen würde. Allerdings gilt im Westen
der Sklavenhandel längst als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es geht
nicht darum, die arabischen Staaten anzugreifen, sondern es geht um eine längst
fällige Aufarbeitung eines sehr dunklen Kapitels in ihrer Geschichte. Tidiane
N'Diaye hat ein wichtiges Buch vorgelegt in dem endlich der arabo-islamische
Sklavenhandel dargestellt wird.
Mohamed Sifaoui (Autor), Philippe Bercovici (Illustrator) - Bin Laden
enthüllt: Ein Comic-Attentat auf Al-Kaida gebunden, 94 Seiten, Eichborn Verlag
2010, Euro 17,40 Todkomisch und erschreckend echt: Dieser Comic entmystifiziert
den Führer von Al-Kaida und zeigt ihn als das, was er wirklich ist: ein übergeschnappter,
machtgieriger Terrorist, der Menschen und Religion gnadenlos und zynisch instrumentalisiert.
2016 wird Bin Laden tatsächlich festgenommen -- natürlich nur durch einen glücklichen
Zufall. In seiner Vernehmung packt er aus und entpuppt sich als machtgeiler
Misanthrop, der über alles und jeden was zu meckern hat. Heiliger Krieg, der
islamische Gottesstaat, Selbstmordattentäter? Alles nur in der Welt, um der
Eitelkeit des angeblich größten Terroristen der Welt zu schmeicheln. Denn der
höchste Zweck seines Kampfes ist mitnichten der Sieg des Islam, sondern das
eigene Wohlbefinden. Und je mehr Gotteskrieger er mit immer absurderen Versprechen
ins Paradies schicken kann, desto besser seine Laune... Als Bin Laden enthüllt
im September 2009 in Frankreich erschien, stürmte er sofort die Bestsellerlisten.
Und das Erstaunliche ist: Alle biografischen Details sind authentisch, nur in
der Zuspitzung und den witzigen Dialogen liegt die kreative Freiheit der Autoren.
Karin Jäckel - Er war ein Mann Gottes: Von einem katholischen Geistlichen
missbraucht, Taschenbuch 320 Seiten, Verlag Bastei Lübbe 2010, Euro 9,20 Cora
O. wächst in einem streng katholischen Elternhaus auf, in dem niemand höhere
Achtung genießt als die geweihten Männer der Kirche. Da ist es auch selbstverständlich,
dass Cora Messdienerin wird. Die 13-Jährige, die sich von ihrer Familie unverstanden
fühlt, genießt die Zuwendung des Kaplans, der sie nach ihren persönlichen Lebenserfahrungen
fragt, ihr Rat erteilt und verspricht, immer für sie da zu sein. Cora vertraut
dem älteren Mann, und als dieser ihr auf seinem Zimmer Alkohol anbietet, fühlt
sie sich geschmeichelt. Das sexuell unerfahrene Mädchen ahnt nicht, welchen
perfiden Plan der Kaplan verfolgt und in welche Abhängigkeit es gerät. Dr.
Karin Jäckel, 1948 geboren, hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert. Sie
arbeitet als Journalistin und freie Autorin. Bisher sind rund 60 Bücher aus
den Bereichen Kinder- und Sachbuch von ihr erschienen.
Celeste Jones, Kristina Jones und Juliana Buhring - Nicht ohne meine Schwestern:
Gefangen und missbraucht in einer Sekte - unsere wahre Geschichte, Taschenbuch
440 Seiten, Bastei Lübbe Verlag; 5. Auflage 2010, Euro 9,30 Kristinas,
Celestes und Julianas Familie ist die Sekte "Kinder Gottes", in der
sie den Misshandlungen und dem Missbrauch durch erwachsene Sektenmitglieder
hilflos ausgesetzt sind. Die Schwestern werden schon früh voneinander getrennt
und leben in verschiedenen Missionsstationen der Gemeinschaft. Sie träumen von
einem Wiedersehen, fürchten aber den Zorn Gottes, wenn sie sich dem Willen der
"Familie" widersetzen. Schonungslos offen erzählen die Schwestern
von den seelischen Grausamkeiten und der Gewalt unter dem Deckmantel des Glaubens.
Ihre Geschichte ist voller schmerzlicher Erinnerungen, aber auch das Zeugnis
einer mutigen Befreiung und dem Weg in ein neues Leben.
Günther Zäuner - Hirngift und Seelenmord: Die Schattenwirtschaft der Sekten
und anderer Glaubensmärkte, gebunden, 448 Seiten, Goldegg Verlag 2009, Euro
24,90 Verlorener Glaube, - Sinnsuche - spirituelle Orientierungslosigkeit
und ein Überangebot an Ideologien das sind die Probleme der modernen Gesellschaft!In
Zeiten wachsender Unsicherheit sehnen sich die Menschen nach Halt und Verständnis
ein leichtes Spiel für Seelenfänger!Die Sekten sind auf dem Vormarsch!Was ist
eine Sekte? Zählen alle Glaubensrichtungen dazu, die von den staatlich anerkannten
Religionen und Amtskirchen abweichen? Immer mehr Lehren versprechen Heil und
Erlösung, locken mit der Wahrheit und einem erfüllten Leben. Wem kann man da
noch trauen?Der Autor setzt sich seit vielen Jahren mit der Sektenproblematik
auseinander. Schritt für Schritt dringt er in die Geheimnisse der vielfach abstrusen
Glaubenslehren ein. Er ergründet die Methoden und Ziele dieser modernen Rattenfänger
und Seelenverführer.Ein neuer Report kritisch mit den verschiedenen Ideologien
beschäftigt und den gefährlichen Erfolg der vieler Sekten plastisch vor Augen
führt.
Bernd Harder - Das Lexikon der Großstadtmythen - Von Alligatoren in der
Kanalisation und andere unglaubliche Geschichten, Piper 2006, 319 Seiten, kartoniert,
Euro 8,95 Bernd Harders kurzweiliges Lexikon der modernen Märchen und
Mythen. Wir alle kennen die eine oder andere urbane Legende - aus einer unlängst
eingegangenen eMail, der Erzählung eines entfernten bekannten, einer im Wartezimmer
angelesenen Illustrierten. Während früher die Geschichtenerzähler ihre Schauermärchen
von Ort zu Ort trugen, verbreiten sich die modernen Gerüchte über die modernen
Medien. Bernd Harder hat sich mehrere Dutzend solcher Großstadtmythen herausgegriffen,
erzählt sie und entlarvt sie. Und für alle, die es ganz genau wissen wollen,
gibt es zahlreiche Literaturangaben zu Weiterlesen.
Manuel Kellner - Kritik der Religion und Esoterik: Außer sich sein und
zu sich kommen - Broschüre, 239 Seiten, Schmetterling Verlag 2010, Euro 10,30 In
der arabischen Welt ist theokratischer Islamismus auf dem Vormarsch, in den
U.S.A. grassieren fundamentalistische evangelische Sekten, die Anläufe unternehmen,
Darwins Evolutionstheorie durch biblische Offenbarungen zu ersetzen und in den
ehemaligen Ostblockländern sind die christlichen Konfessionen auf dem Vormarsch.
Angesichts dieser Entwicklungen liegt es nahe, die bisher verwendeten Argumentationsmuster
der Religionskritik Revue passieren zu lassen und nachzufragen, ob sie für das
21. Jahrhundert unverändert taugen. Oder haben etwa doch diejenigen Recht, die
behaupten, das religiöse Bewusstsein gehöre nun einmal zum Menschen und müsse
daher weiterbestehen, solange es Menschen gibt? Kellner verfolgt deshalb
verschiedene Formen der Religionskritik von der Frühscholastik über die Aufklärung
und Hegels Ansatz, den personifizierten Gott durch die Logik oder den Weltgeist
zu ersetzen. Als Wendepunkt der Religionskritik macht er Feuerbach aus, der
die Frage, ob es Gott gibt oder nicht, für überholt erklärt und sich der Frage
widmet, wie Gott in die Köpfe der Menschen kommt. Ein Ansatz, der fast unweigerlich
zu Marx führt, der fordert, dass von der Kritik der Religion zur Kritik des
Jammertals übergegangen werden müsse, auf dessen Boden Religion gedeihe, und
zu Freud, für den religiöse Inhalte Projektionen des menschlichen Familienlebens
sind. Schließlich bezieht Kellner wichtige Thesen moralisch motivierter Religionskritiker,
wie Bucharin und Most, in seine Überlegungen ein.
Lawrence Wright - Der Tod wird euch finden: Al-Qaida und der Weg zum 11.
September - Taschenbuch, 608 Seiten Goldmann Verlag 2008, 10,20 Euro Viel
hat man schon gelesen über den islamistischen Kulturkrieg der Al-Qaida gegen
den Westen und über Osama Bin Laden, mit dessen Namen und Geld das Terrornetz
so eng verknüpft ist. Auch an Lektüren über den 11. September 2001 ist im Grunde
kein Mangel. Hat Lawrence Wright dem mit Der Tod wird euch finden tatsächlich
noch etwas hinzuzufügen? Allerdings! Das zu Recht mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete,
glänzend recherchierte, insgesamt bislang vielleicht scharfsinnigste und, nebenbei
bemerkt, auch glänzend geschriebene Buch eröffnet völlig neue Perspektiven auf
die Vorgeschichte des 11. September und fördert überraschende Details ans Tageslicht. Hunderte
von Interviews hat Wright in den USA und auf seinen Reisen kreuz und quer durch
den Nahen und Mittleren Osten geführt und dabei Dinge erfahren, die wir so noch
nirgends gelesen haben. Osama Bin Laden etwa erscheint vor dem Hintergrund dessen,
was Wright gut belegt über ihn zu berichten hat, weniger als geheimnisvoller
Dämon, als vielmehr als gescheiterte Existenz mit massiven psycho-pathologischen
Problemen. Auch die großen Führer in seiner Umgebung kommen kaum besser weg.
Mancher scheinbar mit militärischer Finesse ausgetüftelter Terroranschlag erweist
sich als mehr oder weniger zufälliges Produkt einer beinahe verzweifelten Improvisation. Fast
schon will sich bei der Lektüre eine freilich sehr trügerische Beruhigung einschleichen
-- so gefährlich können solche Leute doch eigentlich gar nicht sein --, da drängt
sich einem die Frage ins Bewusstsein, wie es denn dann eigentlich zum 11. September
hat kommen können. Und die Antworten, die das Buch auf diese Frage bereit hält,
sind denn auch alles andere als lustig. Denn auch die Protagonisten des amerikanischen
Antiterrorkampfes, von denen Wright berichtet, geben, auch wenn man an manchen
Stellen beinahe schon lachen muss, ein eher trauriges Bild ab…
Seyran Ates - Der Islam braucht eine sexuelle Revolution: Eine Streitschrift
- gebundenen, 224 Seiten, Ullstein Verlag 2009, Euro 20,60 Sexualität
im Islam ist von Verboten, Ängsten und Gewalt geprägt. Die Folgen sind fatal,
und das nicht nur für die Einzelnen, sondern für eine ganze Kultur. Seyran Ates,
fordert eine sexuelle Revolution im Islam, denn eine freie Gesellschaft braucht
eine freie Lebensgestaltung. Musliminnen, die selbst entscheiden wollen, wen
sie lieben, werden mit dem Tode bedroht. Muslime, die sich gegen eine arrangierte
Ehe wehren, werden von ihren Familien verstoßen. Wer sich im Islam offen zu
seiner Homosexualität bekennt, begibt sich in Lebensgefahr. Dennoch behauptet
die islamische Welt, die bessere, die moralischere Religion zu haben. Einige
religiöse Fanatiker bekämpfen den vermeintlich dekadenten Westen sogar mit Gewalt.
Doch eine Gesellschaft, die freie Selbstbestimmung untersagt, ist in jeder Hinsicht
rückschrittlich: In Bildung, Forschung und Wirtschaft sind muslimische Länder
dem Westen deutlich unterlegen. Seyran Ates, plädiert für eine sexuelle Revolution
im Islam. Genau wie die Frauen und Männer in westlichen Ländern, die in den
60er Jahren erfolgreich für ihre sexuelle Selbstbestimmung gekämpft haben, müssen
sich auch die Musliminnen und Muslime ihre Rechte erstreiten. Nur so können
Freiheit und Menschenwürde in der islamischen Welt wirklich gelebt werden.
Hamed Abdel-Samad Mein Abschied vom Himmel: Aus dem Leben eines Muslims
in Deutschland, gebundenen, 320 Seiten, Fackelträger-Verlag 2009, Euro 20,60 Mein
Abschied vom Himmel ist die bittere Geschichte eines hochbegabten, während seiner
Kindheit missbrauchten muslimischen Mannes. In Ägypten, Japan und Deutschland
erhofft sich Hamed Abdel-Samad eine Erklärung für die Gewalt, der er ausgeliefert
war und die lange ein Teil seiner Existenz war. Er sucht Orientierung bei ägyptischen
Marxisten, fundamentalistischen Muslimbrüdern, Buddhisten und unter dem Druck
seiner seelischen Wunden Zuflucht in psychiatrischer Behandlung. In seinem Aufsehen
erregenden Buch hält Hamed Abdel-Samad Orient und Okzident gleichermaßen den
Spiegel vor und zeigt am Beispiel seines eigenen Lebens Spannungen, Konflikte
und Möglichkeiten, die in jeder dieser Kulturen existieren. Heute lebt Hamed
Abdel-Samad in München und unterrichtet am Lehrstuhl für jüdische Geschichte
und Kultur.
Jens Harder - Alpha: Directions - Carlsen-Verlag, Auflage: 1. Auflage
Juni 2010, gebundenen, 352 Seiten, ca. 52,50 Euro Die eigenständigste und aufsehenerregendste Neuerscheinung
dieses Jahres stammt vom Berliner Zeichner Jens Harder. Auf 350 Seiten erzählt
er mit einem Minimum an Text 14 Milliarden Jahre Weltgeschichte, vom Beginn des
Universums mit dem Urknall bis zum Beginn der Menschheit. Anhand von Darstellungen aus Fachliteratur, Schöpfungsmythen
und Kunstgeschichte gelingt es ihm in detailreichen Bildern und fast ohne Text,
Naturwissenschaft und menschliche Vorstellungswelt zu verbinden", so steht es in
der Verlagswerbung. Diesem Text kann man ohne Einschränkung beipflichten. In einer fünfjährigen
Arbeit 2004-2009 entstand für den französischen Verlag Actes Sud das Album
Alpha. In diesem Jahr nun brachte der Carlsen Verlag eine deutsche Fassung des
Albums heraus. Die Welt der Dinosaurier bestimmt die weitaus meisten Seiten dieses
Mammut-Werkes über die Entstehung unserer Welt. Angesprochen ist die Generation
„Jurassic-Park“, die Sauriergestalten und -namen schon mit jungen Jahren in sich
aufgenommen hat. Das gilt auch für Jens Harder (1970 in Weißwasser geboren),
wurde er doch als früher Dinowelt-Verehrer vom Saurierpark Kleinwelka bei
Bautzen geprägt. Dies ist ein schönes Buch. Zeichnerisch auf hohem Niveau bleibt Jens Harder
in der Abschilderung der Zeitalter rational und naturwissenschaftlichen
Erkenntnissen, insbesondere der Evolution, verpflichtet. Aber auch ältere
mythologische Zitate erscheinen gleichberechtigt in dieser
entwicklungsgeschichtlichen Bilderwelt. Damit zeigt sich der Autor weltoffen und
tolerant. Indem er sich seine Welt zeichnend erschließt und wesentlich mit dem
Zeichenstift durchdenkt, gelingen ihm einfach überraschende Bilderfolgen. Das
erinnert an japanische Manga-Welten, weshalb ich mir für ALPHA...Directions zum
Beispiel eine japanische Ausgabe wünschte. Als besonderer Austausch mit jenem
fernen Kulturkreis über unsere Entwicklungsgeschichte. Die einzelnen Erdzeitalter sind verschiedenfarbig voneinander abgesetzt.
Kurze Textzeilen komplettieren die Seiten, was ein tieferes Einarbeiten
ermöglicht. Dieser erste Band ALPHA macht neugierig auf BETA, den zweiten Teil zur
menschlichen Entwicklung. Dinos dürften hier nicht mehr auftauchen. Statt dessen
längst vergangene und gegenwärtige Zivilisationen. Das Großprojekt beschließen
wird dann GAMMA mit Visionen wohl zu den verschiedensten Wünschen und
Vorstellungen für unsere Zukunft. Angesichts der gravierenden Veränderungen im Leben der Menschen und ihren
Lebensstilen und den starken „Evolutionen“ in Gesellschaft, sozialen Strukturen
und Werten ist das ein wichtiges Buch für Heranwachsende, für Comic-Leser
allgemein und die Freunde von Asterix oder Mosaik. Heike Karg
Heike Dierbach: Die Seelenpfuscher; Pseudo-Therapien, die krank machen.
Reinbek bei Hamburg, Rowohlt Verlag, 2009. 12.40 € Hanna (Name geändert)
war Vierzig. Sie hatte zwei kleine Töchter und die Scheidung lag ein Jahr zurück.
Als sie Schmerzen in der Brust spürte, ging sie zum Arzt, um nach einiger Zeit
die Diagnose Brustkrebs zu erhalten. Als überzeugte Esoterikerin, die der Schulmedizin
misstraute, ließ sich Hanna von Naturheilkundigen und Menschen beraten, die
überzeugt waren, große Heiler, Engelkontaktpersonen oder Schamanen zu sein.
Schließlich landete sie bei einer Frau, die ihr versicherte, sie mit Hilfe eines
magischen Geräts zu heilen, das die für sie passende Schwingungsfrequenz ausstrahlen
würde. Schon bald, so die Frohbotschaft, würde der Krebs verschwunden sein.
Doch trotz esoterischer Schwingungsübertragung, die ihren hohen Preis hatte,
wuchs das Geschwür, bis es aufplatze. Hannas Heilerin interpretierte diesen
Vorgang als "Reinigungsprozess" und sah alles positiv. Als die Schmerzen
immer unerträglicher wurden kündigte Hanna schließlich ihrer "Heilerin"
und begab sich in schulmedizinische Hände. Zu spät. Der Krebs hatte bereits
zu viele Zellen befallen. Hanna starb. Laut ärztlichen Meinungen hätte sie bei
schulmedizinischer Behandlungsweise konkrete Chancen gehabt, den Krebs zu besiegen. Hanna
ist kein Einzelfall. Immer öfter treten selbsternannte "Heiler" auf,
die meist gegen teures Geld Linderung und Gesundheit versprechen. Ihr "Wissen"
wurde oft in wenigen Wochenendseminaren erworben. Wobei dieses "Wissen"
keine Anerkennung aufweist mit Ausnahme jener Zertifikate, die die "Lehrer"
der jeweiligen umstrittenen Methoden selbst ausstellen. Eine Katze, die sich
in den Schwanz beißt. Dennoch lassen sich viele Hilfesuchende täuschen. So pfuschen
selbsternannte "Therapeuten", "Heiler" und "Eingeweihte"
mit den Menschen umher, ohne die für Heilerfolge notwendige Ausbildung zu haben,
die auf langjährig getesteten Versuchen und Beobachtungen beruht. Für viele
Hilfesuchende bedeuten diese suspekten Behandlungsmethoden aber einen Stillstand
oder sogar eine Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation. Da das
Pfuschertum auf dem Gebiet der "Heilung" zunimmt und vom modernen
Glauben an die Möglichkeiten der Esoterik profitiert, ist es begrüßenswert,
dass zu diesem Thema, bei dem es nicht zuletzt um Leben und Tod gehen kann,
ein längst überfälliges kritisches Buch erschien, das verständlich geschrieben
und übersichtlich aufgebaut ist. Heike Dierbach untersucht in ihrem Werk "Die
Seelenpfuscher" stellvertretend für viele suspekte Methoden einige der
bekanntesten, mit denen bereits viele Menschen in Berührung gekommen sind: Rebirthing,
Festhaltetherapie, Familienaufstellungen, die den Rezepten des höchst umstrittenen
Hellinger folgen, der Hoffmann-Quadrinity-Prozess, Reinkarnationstherapie, The
Work, Channeln und Engeltherapie sowie das zur Zeit weitverbreitete "Gesetz
der Anziehung", wie es durch den Bestseller "The Secret" verbreitet
wird. Anschaulich werden die typischen Eigenschaften suspekter "Therapien"
beschrieben und die oft verwendeten Argumente der Verteidiger schonungslos unter
die Lupe genommen. Die Autorin betont, das bei den meisten der von ihr kritisierten
Techniken nicht nur potenzielle Risikofaktoren vorhanden sind, sondern dass
es bereits Geschädigte oder Tote zu beklagen gibt. Ein Problem dabei: Ihre genaue
Zahl kennt niemand, da nur jene Fälle registriert werden, die sich, von einer
Seelenpfuschertherapie geschädigt, professioneller Hilfe zuwenden und auch diese
Klienten werden nicht systematisch erfasst. Als gesichert gilt: Immer mehr Menschen
geht es nach der Behandlung mit den im Buch beschriebenen Methoden schlechter
als vorher. Darüber können auch nicht begeisterte Statements von Anhängern der
Methoden und "Institute" hinweg täuschen, die sich auf den entsprechenden
Homepages tummeln. Ohne alternativmedizinische Wege verurteilen zu wollen:
Die Lektüre des Buchs ist allen zu empfehlen, die sich für Behandlungsmethoden
außerhalb der etablierten Angebote interessieren. So kann präventive Schadensvermeidung
gelingen.
Am 18. Juni 2010 ist José Saramago, Nobelpreisträger für Literatur und
portugiesischer Kommunist, im 88. Lebensjahr verstorben. In der allgemein
gebräuchlichen Art der christkatholischen Feindesliebe wurde Saramago auch nach
seinem Tod von der katholischen Kirche geschmäht. So sei er ein "populistischer
Extremist" gewesen, habe als Mensch und Intellektueller keinerlei Metaphysik
zugelassen (nona), sei als "unverbesserlicher Kommunist" mit einem bis zuletzt
unerschütterlichen Vertrauen in
den Marxismus "blockiert" geblieben
und habe eine "grundlegend antireligiöse Haltung" eingenommen.
Nach soviel katholischem Lob hat sich Saramago ein paar Buchtipps verdient!
Das Evangelium nach Jesus Christus, rororo 1997, 8. Auflage, Tb 512 Seiten,
€ 10,30 Jesus als "Mensch unter Menschen" - lebenshungrig und
voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich
und unsicher. José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber
glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer
wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten
unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion
und Legende in Frage. Von der katholischen Kirche wurde das Buch als "blasphemisch"
verurteilt.
Der Doppelgänger, rororo, 3. Auflage 2006, Tb 384 Seiten, € 10,30 Ist
der Mensch einzigartig? Der Geschichtslehrer Tertuliano Máximo Afonso holt sich
zur Ablenkung vom Leben einen Film aus der Videothek. Erwartungsgemäß gefällt
ihm der Film nicht. Aber wie groß ist seine Überraschung, als er feststellt,
dass ihm eine der Nebenfiguren zum Verwechseln ähnlich ist. Am nächsten Tag
beginnt er seinem Doppelgänger nachzuforschen. Zu seinem Schrecken muss er feststellen,
dass beide absolut identisch sind. Der große Roman des Nobelpreisträgers. Genial
und einfühlsam verbindet er die Elemente des Krimis mit weit ausschweifenden
Ausflügen ins Philosophische, lässt neben der Handlung immer wieder kleinere
Schauplätze wie kurze Lichter aufblitzen. Gedanken rollen sich auf, gebären
neue. Ein Erzähler spricht zum Publikum, Handlung, Reaktionen, Gesten, alles
wird gedeutet, erklärt und interpretiert. Nie ist der Leser mit dem Geschehen
alleine.
Die Stadt der Blinden, rororo, 21. Auflage, € 10,30 Die
Stadt der Blinden ist in vielerlei Hinsicht ein erschreckender Roman. Er liefert
eine detaillierte Beschreibung des totalen Zusammenbruchs der Gesellschaft nach
einer überaus unnatürlichen Katastrophe. Saramago treibt seine Figuren bis an
den Rand der Menschlichkeit und stürzt sie dann in den Abgrund. Seine Charaktere
lernen, in unfassbarem Schmutz zu leben, sie begehen Akte unbeschreiblicher
Gewalt und erstaunlicher Großzügigkeit, die vor dieser Tragödie für sie unvorstellbar
gewesen wären. Die gesamte gesellschaftliche Struktur verändert sich, um sich
den neuen Umständen anzupassen -- einer Welt, in der einst zivilisierte Stadtbewohner
zu zerlumpten Nomaden werden, die sich auf der Suche nach Nahrung von Gebäude
zu Gebäude tasten. Der Teufel steckt im Detail, und Saramago hat sich für uns
eine Hölle ausgemalt, in der diejenigen, die auf der Straße erblindeten, niemals
mehr ihr Zuhause finden werden, in der Menschen gezwungen sind, Hühner roh zu
verspeisen, und Rudel von Hunden auf der Suche nach Leichen über die kotübersäten
Bürgersteige streunen.
Die Stadt der Sehenden, rororo, 4. Auflage 2007, Tb 384 Seiten, € 10,30 Die
Regierung, unfähiger denn je, steht mit dem Rücken zur Wand, Spitzel werden
ausgeschickt. "Das Wort wird aufgenommen und ebenso das Gefühl. Niemand
ist mehr sicher." Mit Verhaftungen, Gewalt, und Folter will man die Ursachen
für die alle Parteien gleichermaßen betreffende Wahlschlappe herausfinden. Terror
ähnliche Machenschaften durchlöchern langsam aber stetig die saubere, als so
demokratisch gerühmte Oberfläche. Attentate, auffahrende Panzer, Demonstrationen
verunsichern und destabilisieren das bis dahin so sicher geglaubte Leben. Es
gibt Tote. Ein Kommissar soll die Schuldigen für das Versagen des Systems finden.
Und da gibt es denn auch schon jemanden, der in Frage kommt, bekannt aus Saramagos
beeindruckendem Roman Die Stadt der Blinden. Ein Buch, das kein Muss ist, um
den neuen Roman über die Zerbrechlichkeit demokratischen Zusammenlebens, über
Hochmut und Macht zu verstehen und außerordentlich wertzuschätzen, aber ein
ebenso geniales Buch, dessen Lektüre man auf jeden Fall nachholen sollte!
Die Reise des Elefanten, Hoffmann & Campe 2010,
geb., 240 Seiten, € 18,50 Salomon ist als Besitz von Johann III.
von Portugal nur noch gelitten. Das exotische Tier aus den fernen Kolonien fristet
ein trostloses Dasein, bis die Königin auf die Idee kommt, ihn ihrem Vetter
dem Großherzog Maximilian aus Wien zum Geschenk zu machen. Mit einem großen
Tross wird Salomon samt seinem Mahut auf eine abenteuerliche Reise geschickt,
an deren Ende die eindrucksvolle Überquerung der Alpen steht. Unterwegs lernt
man nicht nur die Eigenheiten und Vorlieben des Elefanten kennen, sondern auch
die der Menschen und der Gesellschaft um ihn herum. Und meistens ist es der
indische Mahut, der, Narr und Weiser zugleich, seine Zeitgenossen auf mehr oder
weniger charmante Weise demaskiert. Sprachgewaltig und stets mit einem schelmischen
Augenzwinkern verknüpft Saramago in seinem Roman Realität und Fiktion.
Ulli Schauen - Das Kirchenhasserbrevier - Ein verlorener Sohn rechnet
ab, Heyne 2010, 304 Seiten, kartoniert, Euro 9,20 "Kirchenhass"
- das ist die inhaltsleere, aber wohlfeile Entgegnung, die Kirchenfunktionäre
gegen jede Kritik an Macht und Ideologie der Kirchen in Anschlag bringen. Der
Journalist Ulli Schauen hat sich denn auch gar nicht die Mühe gemacht, einen
möglichst sachlich klingenden Titel zu suchen. Menschenfreundlich ermöglicht
sein Kirchenhasserbrevier den klerikalen Beleidigtseinprofis zu schäumen, ohne
auch nur einen Blick ins Buch geworfen zu haben. In den neun Kapiteln des
Buches geht es hingegen ganz sachlich zur Sache. Schauen untersucht Felder,
auf denen kirchliche Ansprüche mit der säkularen Gesellschaft aneinander geraten.
Er gibt einen kurzen Einblick in die kirchlichen Finanzen, erläutert beispielhaft
die Verflechtung von Staat und Kirchen in Deutschland, führt uns vor Augen,
dass der Bildungssektor das Feld kommender Kulturkämpfe sein wird. Anhand des
Medienverständnisses kann Schauen erklären, wie fern die Kirche einer demokratischen
Öffentlichkeit steht: sie hat bis heute nicht akzeptiert, dass es einen Unterschied
zwischen Journalismus und PR gibt. Zwei Kapitel behandeln die Kirchen als Arbeitgeber,
ein anderes erläutert die Funktion des "christlich-islamischen Dialogs"
(der eigentlich dieses Wort nicht verdient, da niemand anderes als der Papst
deutlich gemacht hat, dass zentrale Voraussetzungen wie Lernbereitschaft auf
Seiten der Christen nicht erwartet werden dürfen). Schließlich betont der Autor,
dass das Christentum die "Werte" nicht erfunden, dafür aber seine
Geschichte fleißig zurechtgebogen hat. Alles in allem bietet Schauen eine
solide Einführung, gewissermaßen ein Brevier der Kirchenkritik; er spricht grundlegende
Probleme an und verweist auf aktuelle Entwicklungen. Die journalistische Schreibe
macht das Werk zu einer gut lesbaren Einstiegslektüre, die aber auch gut informierten
"Kirchenhassern" den einen oder anderen neuen Aspekt eröffnet. Die
Behauptungen sind zudem in hunderten von Anmerkungen belegt.
Sabine Doering-Manteuffel - Das Okkulte - Eine Erfolgsgeschichte im Schatten
der Aufklärung - Von Gutenberg bis zum World Wide Web, Siedler 2008, 352 Seiten,
Abbildungen, gebunden, Euro 25,75 Eine Geschichte des Irrationalen, des
Okkulten in Europa bietet die Ethnologin Doering-Manteuffel. Ihre These: es
gibt einen Zusammenhang zwischen Okkultismus und Medienmacht, neue Techniken
(der frühe Buchdruck, Flugschriften, Zeitungen, Enzyklopädien, schließlich das
Internet) tragen wesentlich zur Ausbreitung esoterisch-okkulter Ideen und Strömungen
bei. Anders als von den Aufklärern erhofft, werden der Bevölkerung durch diese
neuen Massenmedien eben nicht nur Bildung und Wissen vermittelt, sondern sie
dienen ebenso der Verbreitung von Aberglaube und Irrationalismus. In acht Themenfeldern
wird der Bogen gespannt von alchemistischen Heilsversprechungen der frühen Neuzeit
bis zum Cyber-Okkultismus heute. Im ersten Kapitel wird erzählt, wie der Buchdruck
alchemistisches Wissen in der Volkssprache unter die Leute bringt und wie unzählige
Pesttraktate und medizinische Ratgeber materielle und immaterielle Heilkräfte
miteinander vermengen zum Zwecke der Weltbemächtigung des einzelnen Menschen.
Bis heute schöpft die Esoterik aus diesem Vorgang bei dem Versuch, zwischen
"Ganzheitlichkeit" und Wissenschaft zu vermitteln. Die nächsten Kapitel
berichten davon, dass je mehr gedruckt wird, um so mehr Okkultes auf den Markt
kommt, der Teufels- und Dämonenglaube so wachgehalten wird, die Begriffe Geist
und Geistigkeit immer mehr verschwimmen, und diese Verwischung der gedanklichen
Konturen zu einer Vermehrung der Geistwesen in ganz unterschiedlichen Lesestoffen
beiträgt. In weiteren Kapiteln beschäftigt sich die Professorin für Europäische
Ethnologie an der Universität Augsburg mit Wahrsagerei und okkultem Denken vor
dem Ersten Weltkrieg, völkischem Okkultismus in Ganzheitslehren des 20. Jahrhunderts,
dem Geheimnis der englischen Kornkreise und schließlich mit dem World Wide Web,
das gleichsam "Suchmaschinen ins Jenseits" (so die entsprechende Kapitelüberschrift)
bereitstellt.
Thorsten Havener / Michael Spitzbart - Denken Sie nicht an einen blauen
Elefanten - Die Macht der Gedanken, Rowohlt 2010, 255 Seiten, Euro 12.35 Thorsten
Havener ist einer der bekanntesten "Gedankenleser". Die Tricks, mit
denen er arbeitet, werden in Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten weiter
ausgearbeitet. Das Buch enthält zahlreiche Experimente, mit denen die Leser
die Macht ihrer Gedanken ebenfalls trainieren können. Wie kann man etwa zusätzliche
Informationen aus einem Interviewpartner herauslocken? Eine Methode besteht
darin, ein "Vakuum" entstehen zu lassen. Nachdem die Frage beantwortet
ist, sollte der Interviewer beharrlich schweigen. Dies nötigt den Gegenüber,
mehr zu sagen. Diese und zahlreiche weitere Tricks schildert Thorsten Havener,
wobei der Co-Autor Michael Spitzbart die wissenschaftlichen Zusammenhänge, auf
denen die Gedankenleser-Experimente beruhen, weiter auslotet und zusätzliche
Informationen über die Arbeitsweise des Denkens bietet. Weitere Themen sind
Placebos und Nocebos und Mnemotechniken bzw. wie man sich optimal neue Fakten
aneignet. Das Buch ist unterhaltsam und für jeden interessant, der wissen will,
wie Menschen ihre Mitmenschen mit kleinen Psychotricks manipulieren.
Thomas Grüter - Magisches Denken - Wie es entsteht und wie es uns beeinflusst,
Scherz 2010, 319 Seiten, gebunden, Euro 19,50 Das Buch von Thomas Grüter
nimmt die Leser mit auf eine Reise durch die menschliche Irrationalität. Woher
stammen die Dämonen magischen Denkens? Warum denken wir nicht rational? Warum
wurden Götter erfunden? Und welcher Grad der Unvernunft ist normal, ab wann
beginnt eine Geisteskrankheit? Magisches Denken ist weit verbreit, nicht nur
in esoterischen Büchern und Filmen, selbst im deutschen Strafgesetzbuch findet
es sich. So verbietet der § 90a die Verunglimpfung staatlicher Symbole, etwa
Flaggen, Wappen, Hymnen, und bedroht jeden, der es dennoch wagen sollte, mit
bis zu drei Jahren Gefängnis für Taten, durch die niemand zu Schaden kommt oder
persönlich beleidigt wird. Der Autor bietet einen Überblick über magisches
Denken. Vom Glauben an Zauberei, Hexen und Magier über magisches Denken in der
Medizin bis hin zu Esoterik in den Sozialwissenschaften geht die Darstellung
Grüters. Auch das Thema Religion wird nicht ausgespart. Magisches Denken macht
Religion erst möglich. Immer im Hintergrund wird dabei auch die Frage verfolgt,
warum unser Gehirn magisches Denken hervorbringt. Das Buch ist spannend geschrieben.
Es gibt einen umfassenden Überblick über das, was magisches Denken ausmacht
und liefert Munition für Diskussionen mit Esoterikern.
Rainer Bucher - Hitlers Theologie, Vlg. Echter 2008, 228 Seiten, Euro
17,30 Die Frage, ob der Nationalsozialismus eine "gottlose"
Ideologie gewesen sei, führt immer mal wieder zu heftigen Diskussionen; insbesondere
höhere Kirchendiener stellen die braune Barbarei gerne als Ausgeburt des Atheismus
dar. Hitlers Theologie - verfaßt von einem katholischen Theologen und erschienen
in einem katholischen Verlag - liefert in einer selten dagewesenen Dichte Gegenargumente
gegen derlei Verleumdungen. Dabei geht es Bucher nicht um Hitlers tatsächlichen
persönlichen Glauben, der nur sehr schwer rekonstruierbar erscheint, sondern
um dessen öffentlichen Äußerungen, also um das Bild, das Hitler diesbezüglich
vom Nationalsozialismus entwarf. Der Professor für Pastoraltheologie (Universität
Graz) beschreibt den Nationalsozialismus als keineswegs restauratives Projekt,
sondern als Versuch, Elemente der Moderne zu integrieren, um umso erfolgreicher
die pluralistische Gesellschaft in eine totalitär strukturierte Gemeinschaft
umformen zu können. Ein "identitärer Mythos" tritt an die Stelle des
öffentlichen Raums, in dem die politischen Konflikte ausgetragen werden können.
Insofern sei der Nationalsozialismus eine "Risikovariante einer säkularisierten
Politik". Zugleich greift Hitler in der Herrschaftsbegründung zurück auf
religiöse Muster, verwendet die Begriffe "Vorsehung" und "Gott"
über den gesamten Zeitraum seiner politischen Karriere hinweg, von den frühen
Auftritten bis zur letzten Rundfunkrede. Seit 1933 stellt sich der "Führer"
ohne jede Zurückhaltung als mit dem "Segen der Vorsehung" ausgestattet
dar (was auch als rhetorische Immunisierungsstrategie gesehen werden kann).
Dabei beruft er sich keineswegs auf anonyme Schicksalskräfte, sondern explizit
auf Gott: mit "der tiefsten Gottgläubigkeit" gehe er in die Zukunft
(Juni 1937), der Nationalsozialismus diene "der Erfüllung eines göttlichen
Willens", die Vernichtung der Juden wird als "Werk des Herrn"
gerechtfertigt (Mein Kampf, 1925). In den frühen Jahren stellt sich Hitler sogar
ausdrücklich in eine christliche Tradition: "Mein christliches Gefühl weist
mich hin auf meinen Herrn und Heiland als Kämpfer." Buchers Ausführungen
über "theologischen Totalitarismus" und sein Plädoyer für einen Gott
der Gnade dürften Ungläubige weniger ansprechen, sie zielen ebenso auf innerkirchliche
Diskussionen, wie seine Darstellung der Position der katholischen Kirche (nach
dem Zweiten Vatikanischen Konzil) zu Menschenrechtsfragen. Seine Ausführungen,
wie Hitler seine Macht "theologisch" absicherte und in welch hohem
Maße er sich dabei auf einen persönlichen Gott berief, ist hingegen absolut
lesenswert.
Reinhold Miller - Gott, ein Geschöpf des Menschen: Mein Weg vom traditionellen
Glauben zur Wirklichkeit ohne Gott, Olms 2008, 293 Seiten, Euro 20,35 "Ich
blicke zurück und betrachte meinen bisherigen Glaubensweg. Er war, wenn auch
in unregelmäßigen Zeitabständen, eine Aneinanderreihung von Abschieden: von
der Hand meines frommen Vaters, vom Priesterseminar, vom Theologiestudium und
von der Theologie, von der Kirchenpraxis und Ökumene, von einer christlich geprägten
Ehe und schließlich von der Institution Kirche. Seit meinem Kirchenaustritt
war mein Glauben, nun außerhalb der Kirche, eine private Gottesbeziehung. Sollte
es auch einen Abschied von Gott geben?" Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte
eines Mannes, die ihn aus der Geborgenheit einer traditionellen katholischen
Glaubenswelt herausführt. In bewegender Offenheit gewährt Reinhold Miller dem
Leser Einblicke in Stationen seines religiösen Prozesses, bei dem sein Glaubensfundament
zu bröckeln beginnt und schließlich Stück für Stück zerbricht. Vorurteilslos
berichtet er, wie er durch überraschende Neuanfänge zu einem mündigen Menschsein
ohne Gott gefunden hat.
Bernd Harder - Warum die Uhr stehen blieb, als Opa starb - Merkwürdige
Zufälle und unerklärliche Phänomene, Knaur, 2010, 256 Seiten, kartoniert, Euro
8,20 Der Wissenschaftsjournalist und Skeptiker-Redakteur Bernd Harder
hat Erfahrungen mit paranormalen und ungewöhnlichen Behauptungen und Geschehnissen.
Er ging über glühende Kohlen, jagte in einem Schloss in Niederbayern "Geister",
unterzog sich "Psi-Tests". Im vorliegenden Buch wendet er sich merkwürdigen
Zufällen und unerklärlichen Phänomenen zu. Warum blieb die Uhr stehen, als Opa
starb? Richard Feynman, der bekannte Physiker, erlebte genau dies , als seine
erste Frau verschied: Er bemerkte, dass ihr Wecker auf dem Tisch neben dem Krankenbett
genau zu der Minute stehengeblieben war, in der laut Sterbeurkunde seine Frau
gestorben war. Feynman forschte nach und stellte fest, dass der Arzt die Todeszeit
von jenem Wecker abgelesen hatte, der zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits
seit mindestens einer halben Stunde still stand. Neben solchen Todesomen
behandelt das Buch Spukerscheinungen, Gläserrücken, den sechsten Sinn bei Tieren,
Vorahnungen, unsichtbare Helfer (wie z.B. Engel), unerklärliche Erlebnisse,
nächtliche gruselige Besucher und Ufos. Jedes Kapitel, das diese Phänomene behandelt,
ist dabei in drei Teile gegliedert: die "Nachtseite", in der das Rätselhafte,
das Unerklärliche geschildert wird; die "Twilight-Zone" beschreibt
dann in dramatisierter Form Erlebnisse, die sich scheinbar jeder Erklärung entziehen;
und in der "Tagesseite" schließlich werden Erkenntnisse und Theorien
aufgezeigt, die möglicherweise etwas Licht in die Schatten bringen.
Ben Goldacre- Die Wissenschaftslüge - Wie uns Pseudo-Wissenschaftler das
Leben schwer machen, Fischer, 2010, 420 Seiten, kartoniert, Euro 10,30 Das
Buch des Arztes und Medizinjournalisten Ben Goldacre behandelt die Unterscheidung
zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft, insbesondere die pseudo-wissenschaftlichen
Versprechungen von (Alternativ-)Medizin, Pharma- und Kosmetikindustrie. Worin
besteht dieser Unterschied? Vor allem in Beweislage und Methodik. Der Autor
beschreibt dazu im ersten Kapitel, woraus ein Experiment überhaupt besteht,
wie man Studienergebnisse selber überprüft und dann entscheidet, ob sie mit
einer gegebenen Theorie übereinstimmen oder ob eine Alternative überzeugender
ist. Vor diesem Hintergrund wendet sich Goldacre dann den verschiedenen, oft
von den Medien gepuschten, Heilsversprechungen von Außenseitern, aber auch von
renommierten Pharma- und Kosmetikunternehmen zu. Am Beispiel der Homöopathie
zeigt der Autor, wie man uns überlisten kann, eine beliebige Behandlung als
wirksam zu empfinden, auch wenn sie es gar nicht ist. Ausführlich ist vom Placeboeffekt
die Rede. Sodann geht es um "dickere Fische": Ernährungsberater, die
eigentlich in die Sparte alternativer Heilkunde gehören, es aber irgendwie geschafft
haben, sich als Wissenschaftler darzustellen. Goldacre schildert die rhetorischen
Taschenspielertricks, mit denen wir uns immer wieder in die Irre führen lassen,
was gesunde Ernährung anbelangt, und uns Pillen und Diäten andrehen lassen.
Weiter untersucht der Autor, wie die Medien ein falsches Bild von Wissenschaft
zeichnen, behandelt die Machenschaften der Pharmaindustrie, die angeblich krebsschützende
Wirkung bestimmter Gemüsesorten und immer wieder das beklagenswerte Niveau des
Wissenschaftjournalismus.
Peter Wensierski - Schläge im Namen des Herrn - Die verdrängte Geschichte
der Heimkinder in der Bundesrepublik, Goldmann, 2007, 254 Seiten, Fotos, jetzt
als Taschenbuch, Euro 9,20 Mit teilweise erschütternden Details schildert
Spiegel-Journalist Peter Wensierski, wie in den 1950er & 1960er Jahren Kinder
in Erziehungsanstalten "erzogen" - geprügelt, gequält, erniedrigt
- wurden. Ein großer Teil der Heime lag in kirchlicher Trägerschaft. Doch statt
"christlicher Nächstenliebe" erfuhren die Kinder dort eine extrem
autoritäre Erziehung nach dem Muster "Zucht und Ordnung". Denn die
Ordensbrüder und -schwestern, selbst autoritär konditioniert und in der Regel
ohne nennenswerte pädagogische Ausbildung, verstanden unter "Erziehung"
in erster Linie, den Eigensinn der eingewiesenen Kinder und Jugendlichen zu
brechen. Doch das Buch führt nicht nur die Leiden der Heimkinder (es waren
Hunderttausende) vor Augen, es stellt zugleich den Mythos der Wirtschaftswunderjahre
in Frage. Die Einweisung der von "Verwahrlosung" bedrohten Kinder
ins Heim war nämlich nicht zuletzt eine Folge der von Kirche und Konservativen
geprägten miefigen Atmosphäre der Adenauer-Zeit. Und als "verwahrlost"
galt schnell, wer sich nicht der herrschenden Moral unterwerfen wollte. Und
noch eins macht das Buch klar: das System christlicher Heimerziehung trug keinerlei
Reformpotential in sich. Keine Entschließung einer Bischofskonferenz oder Synode
forderte aus eigenem Antrieb, die Verbesserung der Zustände: ein Ende der unterbezahlten
Arbeit, die Entlassung prügelnder Erzieher, eine Abschaffung des Arrestes. Es
waren vielmehr nicht zuletzt die Aktionen der APO, von Ulrike Meinhof, Andreas
Baader und Gudrun Ensslin, die das Ende der autoritären Heimerziehung einläuteten.
Hans Göpfert - Statt religiöser Erziehung: Welterklärung ohne Gott, tologo,
2009, 97 Seiten, Abbildungen, kartoniert, Euro 13,30 Schulische Bildung
sieht Hans Göpfert als Gewöhnung an die Macht; sein Anliegen ist die "Abwehr
herrschaftlicher Fremdbeeinflussung" , vor allem wenn es um Kinder geht.
Auch religiöse Erziehung beurteilt er unter diesem Gesichtspunkt und dementsprechend
kritisch. Denn das Christentum bietet für viele Phänomene des Diesseits keine
vernunftbezogenen Erklärungen, vermittelt Kindern dafür aber die Botschaft von
"Gott" abhängig zu sein. Göpfert plädiert hingegen dafür, die Welt
aus dem in den vergangenen Jahrtausenden angesammelten Wissen heraus zu erklären
- so gut es eben geht, Gott aber nicht als Lückenstopfer für (noch) fehlendes
Wissen einzusetzen. Wenn Erwachsene an einen Gott glauben wollen, hält der Autor
dies für deren Sache, in vielen Fällen sogar für nachvollziehbar. Doch Kindern
solle nicht suggeriert werden, daß sie Gott brauchen. Wenn sie nach "Gott"
fragen, sollten sie Gelegenheit erhalten, ihren Weg zu finden, sich mit der
Idee auseinanderzusetzen und die betreffendeReligion auf ihre Weise kennenzulernen;
ein an den kirchlichen Interessen ausgerichtetes Angebot (insbesondere der real
existierende Religionsuntericht) erfüllt für Göpfert diesen Zweck nicht. Gerade
auch angesichts des ausschließenden Charakters des konfessionellen Religionsunterrichts
schlägt er einen gemeinsamen Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler vor,
in dem "interkulturelles Verstehen" erst möglich wird, weil die Kinder
miteinander diskutieren und sich austauschen statt übereinander zu sprechen.
Efraim Karsh - Imperialismus im Namen Allahs - Von Muhammad bis Osama
bin Laden, DVA, 2007, 400 Seiten, gebunden, Euro 25,65 In bestimmten
Kreisen wird der Islam als antiimperialistisches Projekt oder zumindest als
Widerstandspotential gegen die Weltbeherrschungsstrategien der USA verstanden.
Dass Nahost-Experte Efraim Karsh von der University of London eine andere Perspektive
einnimmt, verdeutlichen schon die Zitate, die er seiner Einleitung voranstellt.
Denn in diesen spiegelt sich eine imperiale Ausrichtung des Islam, angefangen
von der Abschiedsbotschaft Muhammads bis hin zu den Drohungen des Ayatollah
Khomeini, die sog. islamische Revolution in alle Welt zu exportieren. Karsh
dreht also den Spieß um und schreibt die Geschichte des Islam als Gegenentwurf
zur westlichen Zivilisation, als zielgerichtetes Unternehmen, die Welt unter
das Recht des Islam zu bringen. Man kann darüber diskutieren, ob seine Argumentation
in allen Passagen überzeugend ist; und natürlich ist es legitim, darauf zu verweisen,
dass Karshs Perspektive Wasser auf die Mühlen der Falken in Washington leiten
könnte (die von Demokratie in einem wirklichen Sinne ebensowenig halten wie
Osama bin Laden). Doch jenseits des "cui bono?" stellt sich die Frage,
wie ernst es zu nehmen ist, wenn muslimische Intellektuelle davon träumen, zum
Beispiel Spanien wieder ins "Haus des Islam" zurückzuholen (das muss
nicht zwangsläufig gewalttätig ablaufen, sondern kann über Migration, höhere
Geburtenraten und Konversion stattfinden). Und es muss darüber diskutiert werden,
ob (bzw. für wen) es zielführend ist, wenn im Prozess der Integration auf eine
Stärkung religiöser Strukturen gesetzt wird. Dafür bietet Karshs Buch eine passable
Grundlage.
Udo Ulfkotte - Heiliger Krieg in Europa: Wie die radikale Muslimbruderschaft
unsere Gesellschaft bedroht, Heyne-Taschenbuch, 2009, 304 Seiten, Euro 9,20 Heiliger
Krieg in Europa zeichnet ein düstereres Bild von der Bedrohung, die insbesondere
von der von Ulfkotte mutig als "islamofaschistisch" charakterisierten
Muslimbruderschaft nicht nur für "abtrünnige" Muslime oder unliebsame
Kritiker, sondern für die demokratische Gesellschaftsordnung in Europa insgesamt
ausgeht. Die Lektüre des akribisch recherchierten Berichts über die Macht und
die Machenschaften der Muslimbruderschaft, die sich nicht weniger als den Umsturz
der bestehenden demokratischen Staats-, Rechts- und Gesellschaftsordnung in
Europa auf die Fahnen geschrieben hat, an deren Stelle sie ein islamisches Kalifat
unter dem Recht der Scharia errichten will, lässt den Leser immer wieder ungläubig
den Kopf schütteln. Doch die gut belegten und für jeden nachprüfbaren Fakten,
die der Autor vor uns ausbreitet, sprechen für sich! Vor diesen Fakten aus falsch
verstandener Toleranz die Augen zu verschließen, wäre grob fahrlässig! "Der
Islam ist in Europa genauso vielgestaltig wie die Ursprungsländer der Gläubigen.
Doch wenn Europa dabei versagt, die muslimischen Einwanderer zu integrieren,
dann wird die Religion die Ausgestoßenen als Identitätsstifter verbinden. Und
deshalb sollten wir alles unternehmen, um friedfertige, unsere demokratischen
Werte befürwortende Muslime zu integrieren, jegliche Radikalität oder gar hasserfüllten
Islamismus aber mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen", so
der Autor.
Peter Hertel - Schleichende Übernahme: Das Opus Dei unter Papst Benedikt
XVI - Broschiert: 223 Seiten, Preis 13,90 Verlag: Publik-Forum, überabeitete
und erweitete Auflage, ISBN 978-3880951617 Peter Hertel lässt nicht locker.
Immer wieder deckt er die Ziele und Wege des Geheimbundes Opus Dei auf, dieser
umstrittensten katholischen Organisation der Gegenwart. Nicht allein Kirchenkritiker,
sondern vor allem auch treue Gläubige verweisen auf das skandalöse Sündenregister
von Opus Dei. Das ficht Benedikt XVI. nicht an, was die Dunkelmänner des Opus
Dei Morgenluft wittern lässt. Peter Hertel informiert nachhaltig und zuverlässig
über die Ziele und Wege von Opus Dei, die auf die Wiederkehr eines Katholizismus
gerichtet sind, der sich autoritär-hierarchisch nach militärischen Denkmustern
- umgeben von einer bösen Welt von Feinden, von Kommunisten, Liberalen und Befreiungstheologen
- organisiert. Jetzt vertieft und erweitert Hertel sein Standardwerk, das
schon einmal unter dem Haupttitel "Schleichende Übernahme" erschienen
ist und sich mit Josemaría Escrivá, seinem Opus Dei und der Macht im Vatikan
befasste. Es ist endlich an der Zeit, dass sich die katholische Kirche eindeutig
für eine Abkehr dieser Geheimorganisation von ihren Ideen und Methoden erklärt.
Heiner Boberski, Josef Bruckmoser, Andreas Pfeifer - Geheimnis Vatikan
- Taschenbuch, 224 Seiten, Euro 8,95, rororo (1. April 2008), ISBN 978-3499623141 Das
Geschehen in der Zentrale der römisch-katholischen Kirche ist oft nicht einsichtig
und gibt viele Rätsel auf. Dieses Buch blickt hinter die Mauern des kleinsten
Staats der Welt und beleuchtet seine internen Strukturen und Abläufe ebenso
wie zwielichtige Finanzierungen und ungeklärte Kriminalfälle im Dunstkreis des
Vatikans.
Jacky Dreksler / Hugo Egon Balder - Wunsch-Bullshit im Universum, Pacific
Productions 2007, 160 Seiten, Abbildungen, kartoniert, Euro 17,90 Eigentlich
beschreibt bereits der barocke Untertitel den Inhalt des Buch recht treffend:
"Die Wünschelwichte sagen: Das Gesetz der Anziehung garantiert jedem Reichtum,
Jobs und Gesundheit. Du mußt es dir nur vom Universum wünschen. Wir sagen: Angesichts
von Armut, Arbeitslosigkeit und Aids ist das eine Unverschämtheit. (...) Eine
Kritik der Wunsch-Bestellungen im Universum von Rhonda Byrne, Pierre Franckh,
Bärbel Mohr, Esther Hicks und Kurt Tepperwein - auf dem schmalen Grat zwischen
Nicht-mehr-Satire und Noch-nicht-Wissenschaft". Tatsächlich haben die
beiden Fernsehproduzenten keine wissenschaftliche Widerlegung der bereits auf
den ersten Blick als reichlich durchgeknallt erkennbaren "Wunschtheorien"
vorgelegt, kein weiteres Buch von Skeptikern für Skeptiker resp. Skeptikerinnen.
Als Unterhaltungsproduzenten kennen sie sich aus mit Bullshit - und mit Unterhaltung.
Folglich setzen sie sich mit dem Wunschbullshit in einer lockeren Schreibweise
auseinander, unterhalten uns und bringen uns zum lachen. Es macht Spaß, sich
auf diese Weise vorführen zu lassen, wie lächerlich die mystischen Faseleien
von Bärbel Mohr & Co sind; und es erfreut, daß die Autoren sich nicht mit
launigem Eso-Bashing begnügen, sondern für jene, die den kritischen Anstoß aufnehmen,
auch Hintergrundinformationen bieten (z.B. daß Prof. Dr. Kurt Tepperwein weder
das eine noch das andere ist). Denn lustig ist die ganze Sache, das wissen auch
Balder & Dreksler, nicht wirklich: viele Menschen, die in den Büchern der
Wünschelwichte nach Rat suchen, haben echte Probleme, sind tatsächlich verzweifelt
- und bekommen Bullshit statt Lebenshilfe.
Tobias Hürter, Max Rauner - Die verrückte Welt der Paralleluniversen,
Piper, München 2009, Euro 15,50, 269 Seiten, ISBN: 978-3-492-05332-7 Was
wir vom Weltall erspähen können, ist nur ein winziger Ausschnitt, denn die endliche
Lichtgeschwindigkeit und das endliche Alter des Universums begrenzen prinzipiell
die Reichweite aller Beobachtungen. Trotzdem spekulieren Kosmologen über die
Bereiche jenseits unseres kosmischen Horizonts - und sogar über die Existenz
anderer Universen. Dass es solche anderen Universen geben muss, ist eine
zwingende Konsequenz bestimmter physikalischer und kosmologischer Theorien.
Mehr noch: Kosmologen wie Alex Vilenkin haben sogar eine schlagkräftige Begründung
dafür, dass alles, was physikalisch möglich ist, auch irgendwo stattfindet -
und zwar unendlich oft. Jeder von uns hat somit exakte Doppelgänger, aber auch
alle möglichen Varianten. Nach Vilenkins recht anspruchsvollem Buch "Kosmische
Doppelgänger" haben nun auch die Wissenschaftsjournalisten Tobias Hürter
und Max Rauner die verrückte Welt der Paralleluniversen beschrieben und in eine
flott erzählte Geschichte der Kosmologie von den Vorsokratikern bis zur Gegenwart
eingebettet. Auch ethische Fragen im Multiversum sprechen sie an. "Muss
ich den Müll trennen, wenn mein Doppelgänger in der anderen Welt ohnehin alles
in dieselbe Tonne wirft? Muss ich eine Fahrkarte kaufen, während meine Doppelgängerin
jeden Tag schwarzfährt?" Die Zahlenangaben im Buch sind allerdings mit
Vorsicht zu genießen - da haben sich leider einige ins falsche Universum verirrt.
Bernhard Kegel - Epigenetik - Wie Erfahrungen vererbt werden, Dumont,
Köln 2009, 366 Seiten, Preis: € 20,60, ISBN: 3-8321-9528-1 Warum besitzt
der Mensch nicht mehr Erbmaterial als eine Maus? Wie kommt es, dass das Erbgut
von Mensch und Schimpanse zu 98 Prozent identisch sind? Warum werden manche
Träger bestimmter Krankheits- und Risiko-Gene krank und andere nicht? Antworten
verspricht der stark wachsende Forschungszweig der Epigenetik. Molekulare Schalter
an den Genen, die Art der Verpackung der Erbmoleküle und allerlei Regulatoren
kontrollieren, welche Gene wann und wo aktiv sind. Einige der verantwortlichen
Mechanismen wurden erst in den letzten Jahren aufgeklärt. Sie kontrollieren
das Genom und sind damit ebenso wichtig wie die Erbinformation selbst. Im
Gegensatz zum Genom ist das Epigenom nicht festgeschrieben - wir können es ändern.
Und dieser Teil ist mächtiger, als Fachleute noch vor wenigen Jahren glaubten.
Ob und wie viel wir uns bewegen, ob wir rauchen, wie viel und was wir essen
und trinken und wie wir unseren Alltag gestalten, all das beeinflusst die persönliche
Epigenetik. Doch viele Schalter am Erbgut werden bereits vor, während oder kurz
nach der Geburt eines Menschen dauerhaft eingestellt. Rauchen, falsche Ernährung
und psychischer Stress der Mutter führen zu Veränderungen beim Kind, die sich
später nicht oder nur mit Mühe rückgängig machen lassen. Manchmal sind diese
Einflüsse sogar vererbbar. Die Möglichkeit, dass Erfahrungen und Umweltfaktoren
die nächste Generation biologisch beeinflussen, steht im Mittelpunkt des Buchs
"Epigenetik" von Bernhard Kegel. Der Biologe und Romanautor wirft
einen kritischen Blick auf den Wissenschaftsbetrieb. Dabei geht er hart mit
der Genomforschung ins Gericht. Der Fokus auf die Gene habe dazu geführt, das
Erbgut als Kontrollinstanz des Lebens wahrzunehmen. Mit dieser verengten Sichtweise
räumt Kegel gründlich auf und liefert gute Gründe, das Leben aktiv zu gestalten.
Denn wir sind eben nicht die Sklaven unserer Gene.
Gianluigi Nuzzi - Vatikan AG - Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit
über die Finanz- und Politskandale der Kirche Ecowin 2010, 356 Seiten, Euro
22,50 In den 1980er Jahren gab es großes Aufsehen, als die Banco Ambrosiano
zusammenbrach, in der Folge zwei Bankiers die vorzeitige Reise ins Jenseits
antraten und immer deutlicher wurde, dass es um schmutzige Geschäfte ging und
dass Geldinstitute des Vatikan in die Sache verwickelt waren. Es erschienen
mehrere Bücher zu den Vorfällen, aber da sich der Vatikan mit einer Mauer des
Schweigens umgab und insbesondere Erzbischof Marcinkus, der als einer der Drahtzieher
galt, sich seiner Verhaftung entzog, zeitlebens keine Aussage machte und von
der Kurie gedeckt wurde, blieb vieles Spekulation. Das Buch des italienischen
Journalisten Gianluigi Nuzzi ändert dies. 2008 erhält er Zugang zu einem Archivbestand,
von dem bis dahin nichts bekannt war. Monsignor Renato Dardozzi hatte in den
über 20 Jahren, die er im Vatikan tätig war (u.a. als Kanzler der Päpstlichen
Akademie der Wissenschaften), über 4.000 Dokumente gesammelt - Briefe, interne
Berichte, Bankunterlagen, viele davon mit brisantem Inhalt. Auf diesen Bestand
konnte Nuzzis zurückgreifen. Im ersten Teil bringt Nuzzi Licht in das vatikanische
Finanzimperium und dessen Verstrickung in kriminelle Machenschaften. Minutiös
führt er vor, wie das System funktionierte, und was mit den Geldern der Gläubigen
so alles unternommen wurde. Er nennt Namen, gewährt uns Einblick in die Fraktionskämpfe
und zeigt, wie das Werk Gottes und der Eigennutz bestimmter Prälaten manchmal
in vollkommener Übereinstimmung waren. Dabei bestätigen die Dokumente viele
der immer erhobenen Vorwürfe von Bestechung oder Geldwäsche. Der zweite Teil
des Buches befasst sich mit der Frage, inwieweit der Vatikan mit Geld aus "besonderen"
Kassen in den 1990er Jahren Einfluss auf die italienische Politik genommen hat.
Insbesondere geht es um die angestrebte Gründung einer Nachfolgepartei der Democrazia
Cristiana, die bestimmte Kreise im Vatikan nach Kräften unterstützt haben sollen.
Auch wenn hier die "harten" Belege oft fehlen (z.B. Aussagen von "Kronzeugen"
herangezogen werden), wird deutlich: es gab im Vatikan bis in die jüngste Vergangenheit
ein System der Finanzverwaltung, das dem Papst Mittel in beachtlicher Höhe für
politische Interventionen bereitstellte.
Ernst S. Sandvoss - Aufstieg und Niedergang der Weltreligionen, Shaker
2009, 239 Seiten, Euro 25,50 Religionen, so die These von Ernst Sandvoss
im Anschluss an Bertrand Russell, altern. Hunderte von Religionen, von deren
Existenz nur noch Experten wissen, sind wieder verschwunden. Und was sind eigentlich
Weltreligionen? Keine einzige dieser so genannten Weltreligionen hat es geschafft,
trotz Terror, Verfolgung und Mord, die Weltbevölkerung für sich zu bekehren,
sondern immer nur Teile derselben, und auch die nicht auf Dauer. Ein weiteres
Problem liegt im Verhältnis von "Weltreligion" und Menschenrechten.
Christentum und Islam enthalten, mehr oder weniger direkt, den Menschen das
Recht auf freie Religionswahl vor. In zahlreichen Kapiteln wird von Sandvoss
die Problematik der Weltreligionen dargestellt. Von Priestern, Mönchen und Propheten
ist die Rede, von Weltverbesserern aus Weltunkenntnis, vom Geschäft mit der
Angst. Dabei zeigt sich u.a.: In ihren Welt- und Menschenbildern erweisen sich
die Weltreligionen, die keinerlei überweltlichen Einfluss erkennen lassen, stark
von ihren Stifterpersönlichkeiten abhängig. Zwar bestehen zwischen den asiatischen
und den orientalischen oder abrahamitischen Religionen starke Unterschiede,
insbesondere im Hinblick auf Schöpfung, Endzeit und Weltgericht, doch alle unterliegen,
wie Staaten und Weltreiche auch, der Evolution und damit den Regeln des Aufstiegs
und Niedergangs von Machtgebilden. Dabei wurzeln auch säkulare Ideologien wie
Kommunismus und Kapitalismus stärker als gedacht im Christentum. Als Forderung
stellt der Autor die These auf, dass reformunfähige Religionen (speziell Christentum
und Islam) daran gehindert werden sollten, unlösbare Weltkonflikte zu entfesseln
und die Menschheit in den Strudel ihres Niedergangs mitzureißen. Zusammenfassend
schreibt der Autor: "Schon einmal kam es Nichtchristen (Heiden) teuer zu
stehen, dass sie sich in einen orientalischen Sektenstreit zwischen Juden und
Christen hineinziehen ließen. Eine grausame Folge von Religionskriegen und mörderischen
inneren Konflikten war die Folge. (...) Das Schlimmste, was den Europäern widerfahren
kann, ist, dass sie sich ein zweites Mal in die Optionsfalle orientalischer
Großsekten verwickeln lassen. Die Zukunft Europas liegt weder im Christentum
noch im Islam, sondern in einer globalen, freiheitlichen und technischen Zivilisation." Das
Buch bietet einen aufschlussreichen Überblick über den Werdegang von Religionen
und liefert neue Gesichtspunkte zum Verhältnis von säkularer Emanzipation und
religiösen Bevormundungsideologien.
Josef H. Reichholf - Warum wir siegen wollen - Der sportliche Ehrgeiz
als Triebkraft in der Evolution des Menschen, Fischer 2009, 260 Seiten, Euro
10,20 Von allen uns nahe stehenden Tierarten treibt keine Sport um des
Sports Willen. Nur Homo sapiens betreibt körperliche Betätigung im Wettbewerb
mit Seinesgleichen nur um zu siegen, um Erster zu sein. Die Pose, mit der ein
Gewinner die Arme hochreißt, sich gleichsam selbst größer macht als die anderen,
ist weltweit verbreitet und mehr als nur eine kulturell erlernte Geste. Der
Mensch ist, so der renommierte Evolutionsbiologe Josef Reichholf, seiner Art
nach auf Sieg programmiert. Von den Vormenschen bis heute nimmt der Autor die
Spur auf, woher es kommt, scheinbar zweckfrei die 100-Meter-Distanz immer schneller
als die anderen zu laufen, und sei es auch nur zehntel oder hundertstel Sekunden
rascher, nur um zu gewinnen. Dabei zeigt sich, dass der vorzeitliche Marathonläufer
sich so einen Vorteil bei der Nahrungsbeschaffung sichern konnte, die Koordination
dabei Vorstufen zum Mannschaftssport heute bildete. Reichholf bietet interessante
Einsichten in die Evolution des Menschen. Sicher ist der sportliche Ehrgeiz
nur eine Triebfeder Evolution des Menschen, aber wie sportliche Großveranstaltungen
wie Olympische Spiele oder Fußballweltmeisterschaften zeigen, reichen solche
Ereignisse tief in unseren emotionalen Haushalt hinein. Das Buch bietet reichlich
Stoff zum Nachdenken.
Ayaan Hirsi Ali - Adan und Eva - Eine Begegnung mit dem Islam, Piper 2009,
180 Seiten, Euro 15,40 Ayaan Hirsi Ali, geboren 1969 in Mogadischu (Somalia),
gilt als eine der bekanntesten Islamkritikerinnen der Welt. Als ihr Vater sie
zwangsverheiraten wollte, floh sie in die Niederlande. Später wurde sie holländische
Staatsbürgerin, für drei Jahre saß sie als Abgeordnete im Parlament. International
bekannt wurde sie 2004 nach dem Mord an Theo van Gogh. Dessen Mörder, ein fundamentalistischer
Moslem, hatte am Tatort eine Todesdrohung gegen Ayaan Hirsi Ali zurückgelassen. Das
vorliegende Buch enthält u.a. die Erzählung "Adan und Eva". Adan entstammt
einer muslimischen Familie, Eva einer jüdischen. Beide hegen zunächst die von
ihren Elternhäusern mitgegebenen Vorurteile gegen die jeweils andere Religion.
Trotzdem werden beide Freunde, auch wenn sie sich später wieder trennen müssen. Neben
dieser Erzählung, die zu gegenseitigem Verständnis beitragen soll und etwa zwei
Drittel des Buches ausmacht, findet sich eine kurze Biographie zu Ayaan Hirsi
Ali, die autobiographische Erzählung "Schwester Aziza und die Juden"
(bereits enthalten in Aus meinem Leben der Autorin) und der Essay "Die
Notwendigkeit der Selbstreflexion im Islam" (ebenfalls ein Auszug, und
zwar aus Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen). Abgesehen
von Teilen des Anhangs ist das Buch kein analytisches. Die Erzählung bietet
zahlreiche Zwischentöne und ist eher ein Beitrag zum Verständnis von anderen
Kulturen als zu derem gegenseitigen Kampf à la Huntington.
Franz M. Wuketits - Darwins Kosmos - Sinnvolles Leben in einer sinnlosen
Welt, Alibri 2009, 159 Seiten, kartoniert, Alibri-Verlag, Euro 14.40 Was lässt sich auf die "Sinnfrage" antworten, wenn der Lauf der
Welt von Anpassungserfolg und Zufall bestimmt wird? Nach einer knappen Darstellung
der Darwinschen Evolutionstheorie zeigt Franz Wuketits zunächst, dass der Evolution
selbst kein Sinn innewohnt, dass sie nicht zielgerichtet verläuft. Trotzdem
bedeutet das nicht, dass es in Darwins Kosmos unmöglich wäre, sich und seinem
Leben einen Sinn zu geben. Dies ist dann freilich kein "höherer Sinn", sondern ein selbstbestimmter.
Wuketits plädiert dabei für einen moralischen Individualismus. Moralische Individualisten
benötigen den Rückgriff auf eine "höhere Ordnung" nicht; sie sind
sich selbst genug und möchten sich sein Leben nicht vermiesen lassen durch diejenigen,
die sich auf eine solche Ordnung berufen und von ihr profitieren.
Andreas Kilian - Egoismus, Macht und Strategien - Soziobiologie im Alltag,
212 Seiten, kartoniert, Alibri-Verlag, Euro 16.50 Heftig wird darüber gestritten, wie stark unser biologisches Erbe bis heute
unser Verhalten beeinflusst. Andreas Kilian geht davon aus, dass es eine große
Bedeutung hat, vertritt aber zugleich die Auffassung, dass wir ihm nicht "ausgeliefert"
sind, sondern diesen Umstand reflektieren und entsprechend reagieren können. Er ist überzeugt: eine vernünftige und menschenwürdige Zukunft wird es nicht
geben, solange der Mensch nicht erkennen will, warum er sich so verhält, wie
er es tut. Das Werk stellt archaische Verhaltensstrategien des Menschen im heutigen
Alltag dar. Dabei zeigt sich: Was in der letzten Eiszeit unser Überleben sicherte,
macht heute meist keinen Sinn mehr, sondern kann uns im Gegenteil sogar in eine
globale Katastrophe führen. Es wird Zeit unser Verhalten, unsere Politik, unsere
Wirtschaft und unsere Sozialordnung von Grund auf neu zu überdenken. Denn wir
sind erst Menschen, wenn wir aufhören uns zu selektieren.
Michael Schmidt-Salomon / Helge Nyncke - Susi Neunmalklug erklärt die Evolution
- Ein Buch für kleine und große Besserwisser, 40 Seiten, durchgängig vierfarbig
illustriert, gebunden, Alibri-Verlag, Euro 13.40 Hat uns der "liebe Gott" erschaffen oder sind wir ein zufälliges
Ergebnis der Evolution? Keine Frage für Susi Neunmalklug. Denn Susi ist so schlau
wie Superman stark ist und kann so gut denken, wie Spiderman klettern kann.
Wie andere Superhelden versteckt auch Susi meist ihre Superkräfte. Nur manchmal,
wenn sie etwas richtig Dummes hört, kann sie sich einfach nicht bremsen. So
war es auch, als Herr Hempelmann eines Morgens das Klassenzimmer betrat und
eine seltsame Geschichte von der Entstehung der Welt erzählte…
Gerhard Czermak - Religion und Weltanschauung in Gesellschaft und Recht -
Ein Lexikon für Praxis und Wissenschaft, 402 Seiten, gebunden, Alibri-Verlag,
Euro 39.- Religion hat im öffentlichen Leben eine erhebliche Bedeutung. Sie begegnet
uns als religiös-weltanschauliches Moment in der Schule und anderen Bildungs-
und Erziehungseinrichtungen, in sozialen Institutionen, in der Arbeitswelt,
bei der Kirchensteuer, in den Medien und vielen anderen Bereichen, vom Glockenlärm
bis zur Friedhofshalle, vom Beamtenrecht über Bioethik bis zum Militär. Das Lexikon beleuchtet die Rolle der Religion in der Gesellschaft und erläutert
das komplexe Verhältnis des Staates zu den Religionsgemeinschaften in tatsächlicher
und rechtlicher Sicht. In längeren, alphabetisch sortierten Artikeln werden
einerseits Grundlageninformationen geboten, andererseits Themen behandelt, die
teilweise kontrovers diskutiert werden. Die großen in Deutschland bestehenden
Glaubensrichtungen und weltanschaulich-religiösen Organisationen finden eine
detaillierte Beschreibung, ebenso zahlreiche kleinere Gruppierungen, deren Lehren
und Praktiken in der öffentlichen Diskussion stehen. Insofern erfüllt das Lexikon
eine doppelte Funktion: es ist Nachschlagewerk, das grundlegende Fakten und
Zusammenhänge enthält, und zugleich Handbuch, das Interessierte auf den aktuellen
Stand der jeweiligen Debatte bringt.
Ayaan Hirsi Ali - Ich klage an - Plädoyer für die Befreiung der moslemischen
Frauen - PIPER-Verlag, 4. Aufl., 213 Seiten, ISBN-10: 3492047939, ISBN-13:
9783492047937 Ob es das skandalöse Drehbuch zu "Submission"
ist, ihre eigene Lebensgeschichte oder Ayaan Hirsi Alis Analyse des Islam: Die
Texte ihres Buches brechen Tabus und verändern unseren Blick. Und sie machen
deutlich, warum Ayaan Hirsi Ali mitten in Europa nur unter Polizeischutz leben,
reden und schreiben kann - aber auch, wie notwendig ihr Kampf für die unterdrückten
islamischen Frauen ist. Das Bild schockte die Welt: Der tote Filmregisseur
Theo van Gogh, dem sein Mörder einen Drohbrief an die Brust geheftet hatte.
Adressiert an Ayaan Hirsi Ali - eigentlich hätte sie sterben sollen. Sie weiß,
daß ihr Kampf für die unterdrückten islamischen Frauen lebensgefährlich ist
- aber sie wird, wie dieses Buch beweist, nicht aufgeben. Denn sie weiß, wovon
sie redet: Der Zwangsheirat, die ihr Vater für sie arrangiert hatte, konnte
sie sich nur durch Flucht entziehen. Der Bruch mit ihrer Familie, ihren Freunden,
waren die unausweichliche Folge. Seitdem kämpft sie für ihre Schicksalgenossinnen:
damit sie nicht mehr nur "Söhnefabriken" sind, daß sie studieren können,
daß sie endlich selber bestimmen können, wie sie leben wollen. Nach dem Attentat
ist Ayaan Hirsi Ali von den niederländischen Behörden außer Landes gebracht
worden. In ihrem Versteck schrieb sie den letzten Beitrag zu diesem Buch: Der
Kampf muß weitergehen. Deshalb kehrte sie jetzt zurück in die Öffentlichkeit.
"Ich werde weitermachen und ich muß auf harte Schläge gefaßt sein. Momentan
stürzen sich alle Medien auf mich: eine schwarze Frau, die den Islam kritisiert.
Aber der Tag wird kommen, wo es wieder Raum gibt für die Sache, um die es geht:
die Abhängigkeit der muslimischen Frauen und die Tatsache, daß die Integration
hauptsächlich wegen der frauenfeindlichen Kultur und Religion des Islam gescheitert
ist."
Norbert G. Pressburg - Good Bye Mohammed: Wie der Islam wirklich entstand
- 168 Seiten, Book on Demand, ISBN: 978-3-8391-9203-0 , Euro 14,80 Von
Kritikern wird dieses Buch zwiespältig beurteilt, eine positive Stimme: Wie
wir also alle "wissen", hat ein arabischer Prophet Namens Mohammed
um das Jahr 600 den Koran verkündet, den Islam gegründet und diese Religion
in kürzester Zeit über die halbe damalige Welt verbreitet. Der Autor von "Good
Bye Mohammed" ist nun völlig anderer Ansicht. Er beschreibt die Entstehung
des Islam als jahrhundertelangen Prozess, als Entwicklung eines streng monophysitischen
Christentums bis zur eigenen Religion, wobei man keinen scharfen Schnitt machen
könne zwischen "noch Christentum" und "schon Islam". Mekka
und selbst der Prophet seien Produkte einer späteren Legendenbildung: "Good
Bye Mohammed".
Bassam Tibi - Die islamische Herausforderung - Religion und Politik im
Europa des 21. Jahrhunderts, 182 S., ISBN 978-3-89678-613-5 Nach dem
11. September haben viele Europäer geglaubt, die Anschläge richteten sich gegen
die Globalisierung und gegen die USA und seien im Wesentlichen eine Quittung
für die Politik Ariel Scharons und George W. Bushs. Von einer islamischen Herausforderung
Europas wollte kaum jemand sprechen. Inzwischen hat sich dies grundlegend geändert
- alle reden plötzlich vom Islam und Europa. Die Bedeutung des damit verbundenen
Konflikts wird jedoch häufig verkannt. Der Islamexperte Bassam Tibi zeigt,
dass dem Islam als Religion ein global vernetzter Islamismus als politische
Bewegung gegenüber steht, die zunehmend an Macht und Einfluss gewinnt. Vor diesem
Hintergrund fordert der Autor einen Euro-Islam auf der Grundlage einer europäischen
Leitkultur, die für alle in Europa lebenden Muslime bindend sein soll: Dazu
gehören die strikte Trennung von Religion und Politik, die Bejahung der säkularen
Demokratie sowie die Anerkennung der individuellen Menschenrechte.
Uwe Lehnert - Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen
Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung - 389 Seiten,
Teia Lehrbuch Verlag; 3. überarbeitete und erweiterte Auflage 2009 Ein
Buch für alle, die sich mit Religionen auseinandersetzen wollen. Sehr überzeugend,
weil der Autor aus ehemaliger christlicher Indoktrination kommend, intellektuell
redlich argumentiert. Die Argumentation bewegt sich auf hohem didaktischen Niveau
und analysiert das Christentum stellvertretend für alle transzendenten Religionen.
Neben der Darstellung des modernen Weltbildes der Naturwissenschaften wird auch
ein ganzes Kapitel der gegenwärtig brisantesten Frage der Willensfreiheit gewidmet.
Konsequent werden die tiefgehenden Probleme zu Schuld und Sühne und die strafrechtlichen
Auswirkungen diskutiert. Wenn Willensfreiheit eine Illusion ist, tut sich eine
neue Sicht auf das Verhältnis des Menschen zu sich selbst und dem Anderen auf.
Als Folge aus seinen Erkenntnissen, beschreibt der Autor ein naturalistisch-humanistisches
Welt- und Menschenbild. Dieses Buch ist hervorragend geeignet, als Lehrmaterial
in Schulen zu dienen. Es tritt der verstärkten Tendenz der Kirchen entgegen,
verlorene Positionen in der Gesellschaft durch vom Staat weitgehend finanzierte
konfessionelle Schulen zurück zu gewinnen. Es stellt einen weiteren Baustein
zu einer säkularen Verfassung der Gesellschaft und einer längst fälligen wirklichen
Trennung von Staat und Kirche dar.
Siegfried Vollmann - Ohne Gott geht's besser: Atheismus und Humanismus sind die
bessere Alternative - 172 Seiten, Verlag: Novum Publishing Das Buch ist
leicht zu lesen, weil es ein eigentlich komplexes Thema ausführlich aber nicht
ausschweifend und damit letztendlich kurz aber nicht zu kurz darstellt. Im Gegensatz
zu anderen Büchern, die das Thema Atheismus oft auf bestimmte Religionen fokussieren
und dabei letztendlich sehr theoretisch und historisch vorgehen, steht dieses
Buch in einem direkten Bezug zum realen Leben. Hervorzuheben ist noch das
Kapitel mit dem Selbstcheck über das eigene Bild verschiedener Religionsaspekte
(Gottesbild, Schöpfung etc.), das es einem erleichtert, auch sich selbst irgendwo
zwischen Gläubigem, Agnostiker und Atheist zurechtzufinden und einzustufen.
Peter Henkel - Ach, der Himmel ist leer: Lauter gute Gründe gegen Gott
und Glauben - 175 Seiten, Verlag: Frieling & Huffmann Gmbh; 3. Auflage 2009 Lauter
gute Gründe gegen Gott und Glauben“ hat der Journalist und Autor Peter Henkel
in seinem ebenso unterhaltenden wie anspruchsvollen Buch „Ach, der Himmel ist
leer“ zusammen getragen. Die Streitschrift kann für Atheisten, Gläubige und
Schwankende als informativer Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Existenz
Gottes gelesen werden. Denn sie versteht sich nicht als neue Kirchenkritik,
sondern als Auseinandersetzung mit dem Kernthema des christlichen Glaubens.
Marcus Wegner - Exorzismus heute: Der Teufel spricht deutsch, Gütersloher
Verlagshaus 2009, 320 Seiten Teufelsaustreibungen wie im Mittelalter
- Berichte eines Augenzeugen - Die Wahrheit über ein verheimlichtes Phänomen:
Es passiert fast jeden Tag in Deutschland: Menschen, die sich verwünscht, verflucht
oder besessen fühlen, lassen sich von Exorzisten den Teufel oder andere böse
Geister austreiben. Der spektakuläre Tod der Studentin Anneliese Michel im Jahr
1976 war eben nicht der Schlusspunkt einer finsteren, mittelalterlichen Praxis
- in aller Verschwiegenheit und hinter verschlossenen Türen treiben auch heute
noch verblüffend häufig in der katholischen Kirche, aber auch in evangelischen
Freikirchen und Sekten, hunderte Exorzisten ein gefährliches Spiel. Marcus
Wegners Recherchen haben ihn in eine unheimliche, verborgene Welt mitten im
aufgeklärten Deutschland sehen lassen. Anhand zahlreicher Fallbeispiele zeigt
er hier die unglaubliche Wirklichkeit des Exorzismus im 21. Jahrhundert.
Gerhard Feldbauer - Der Heilige Vater Benedikt XVI.: Ein Papst und seine
Tradition - Papyrossa-Verlag 2010, Neue Kleine Bibliothek 141, 209 Seiten,
EUR 15,40, ISBN 978-3-89438-415-9 Das Urteil gegen Galileo Galilei, heißt
es aus der Umgebung des Papstes, sei "in Ordnung" gewesen und die
"Heilige Inquisition" eine "rationelle Veranstaltung". Aber
auch Benedikt XVI., alias Joseph Alois Ratzinger, selbst positioniert sich eindeutig:
Von der Seligsprechung geistlicher Anhänger des faschistischen Putsches in Spanien
über seine Ausfälle gegen Protestanten und Moslems oder seine Unterstützung
für Berlusconi bis zur Rehabilitierung der Piusbrüder mit ihren zweideutigen
Verlautbarungen etwa zum Holocaust. Flexibel in der Form, bisweilen leutselig
im Ton, knüpft er an eine altbewährte Tradition der Kurie an. In Deutschland
mag dafür das Konkordat von 1933 mit Hitler stehen, in Italien die Allianz mit
Mussolini. Oder die Verstrickung von Opus Dei in das Mordkomplott gegen Aldo
Moro. Das Buch bietet einen Einblick in diese politischen und historischen Zusammenhänge
und macht deutlich, dass Benedikt XVI. eine geistige Gegenoffensive fortsetzt,
die auf ein Rollback gegen die Aufklärung und die irdische Emanzipation des
Menschen abstellt.
Christine Schirrmacher und Ursula Spuler-Stegemann - Frauen und die Scharia:
Die Menschenrechte im Islam Taschenbuch: 320 Seiten, Goldmann Verlag Mit
dem vorliegenden Buch geben die beiden renomierten Wissenschaftlerinnen Schirrmacher
und Spuler-Stegemann einen fundierten Einblick in die Schari'a. Die eben entgegen
einer weit verbreiteten Ansicht kein kodifiziertes Rechtsbuch darstellt, sondern
sich aus den islamischen Quellen Qur'an (Koran) und die als Ergänzung dazu anzusehende
Sunna (die Aussagen und Berichte über Handlungsweisen und stillschweigenden
Billigungen des Propheten, die man in so genannte "Hadtih-Sammlungen"
zusammengefasst hat)speist. Dazu kommen die Auslegungen islamischer Gelehrter.
Trotzdem regelt die Schari'a sowohl die religiösen Aspekte zwischen Muslim
und Allah (Ibadat), als auch die rechtlichen Beziehungen und moralischen Vorschriften
(Muamalat), womit die Schari'a einen umfassenden Regulator aller Lebensbereiche
darstellt. Es zeigt sich beim Studium des Buches das Hauptproblem der Frage,
ob der Islam eine Form annehmen kann, die mit der westlichen Werteordnung komptaibel
ist. Denn die Verse und Suren des Koran sind interpretationsfähig. Diese Interpretation
wird aber kaum genutzt, so dass heute eine traditionalistische bis fundamentalistische
Auslegung für die Majorität der Muslime gilt. Insgesamt eine zu empfehlende
Einführung, die trotz der Kürze die wichtigsten Aspekte der Schari'a anspricht.
Henryk M. Broder - Kritik der reinen Toleranz - 224 Seiten, Pantheon
Verlag Angeblich bemitleidenswürdige Messerstecher, nachsichtige Richter,
dialogführende Psychologen, drohende und mordende gegenwärtige Staatschefs,
von der medialen Vordenker-Elite liebevoll mit Aufmerksamkeit bedacht und mit
Lob, Ehre und Ruhm zugeschüttet: Damit lohnt sich allemal eine literarische
Auseinandersetzung. Toleranz ist das Leitwort schlechthin; hier die verletzten
und gekränkten Gläubigen, die gar nicht anders können als Botschaften abzufackeln,
um ihre Ehre zu retten, dort die kleinlauten und ewig bussfertigen Relativisten
des Abendlandes, die den Dialog der Kulturen als therapeutisches Selbstgespräch
inszenieren und dabei die orientalischen Einwanderer als neues Proletariat entdeckt
haben, die nun ihr volles Engagement erfordern. Organisiertes Beleidigtsein,
verbunden mit Drohungen und vor allem die Angst vor ihrer hemmungslosen Kraft
erweist sich als todsicheres Rezept für Verständnis und Unterwürfigkeit. Darin
offenbart sich ein Geisteszustand des Westens, der sich immer weiter islamischen
Interessen beugt. Während einst die Mord-Fatwa gegen Rushdie noch Empörung auslöste,
so steht heute angeblich rassistische Islamskepsis im Fokus jener, die ihre
Wunschphantasien der harten Realität vorziehen. Broder behandelt diese Damen
und Herren nur am Rande. Scheinheiligkeit ist schliesslich kein (christliches)
Kirchenmonopol. Die Welt, in der uns das Kaffeekränzchen mit Terroristen und
das mahnende Erheben des Zeigefingers für jugendliche Schläger als Lösung aller
Gewaltprobleme empfohlen werden, unterzieht er schärfster Analyse über all jene,
die immer noch meinen und gerne glauben, der politische Islam sei ein Friedensengel.
Er schätzt deutliche Worte und harte Polemik, wenn er austeilt, vornehmlich
gegen Radikale aller Art, selbstgefällige Gutmenschen, Kerzenhalter und Appeaser.
Broder bleibt in diesem gehobenen politischen Kabarett in Buchform in jedem
Fall der argumentative Sieger. Humorvoll und trotzdem hoch politisch führt er
den Leser in die Abgründe der naiven und von unterschwelligen Drohungen genötigten
Seelen, die ihr Entgegenkommen als menschenfreundlich empfinden, angereichert
mit viel beissendem Spott und spitzfindigen Vokabular. Man könnte auch mal darüber
nachdenken, ob man die Polizei nicht abschaffen sollte, um die Kriminalität
effektiver zu bekämpfen" zieht Broder als Fazit.
Henryk M. Broder - Hurra, wir kapitulieren!: Von der Lust am Einknicken
- 176 Seiten, Pantheon-Verlag Henryk M. Broder, einer der unterhaltsamsten
und scharfsinnigsten Köpfe in Deutschland, analysiert in seinem neuesten Essay
die gegenwärtige Appeasement-Politik Europas gegenüber einem aggressiven Islamismus,
der unsere zerbrechlichen Freiheiten gefährdet. Sein aufrüttelndes Buch ist
erhellend, ironisch - und ein leidenschaftliches Plädoyer, unsere freien Gesellschaften
unter allen Umständen zu verteidigen. In den Niederlanden wurde im Namen
Allahs ein Filmregisseur ermordet, Muslime zündeten dänische Botschaften an,
um gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen zu "protestieren".
Die Schweizer Firma Nestlé schaltete daraufhin Anzeigen in arabischen Zeitungen,
in denen sie versicherte, sie werde künftig keine Produkte aus Dänemark mehr
verwenden. Europa sucht sein Heil im Appeasement, in der vorauseilenden Selbstaufgabe.
Henryk M. Broder widmet sich in seiner neuen Streitschrift der europäischen
Reaktion auf die Herausforderungen des Islamismus und gelangt dabei zu einer
alarmierenden Einsicht: Wie die Erfüllungspolitik gegenüber Hitler die aggressive
Haltung der Nazis nur befördert hat, so laufen die Europäer mit ihrer Beschwichtigungshaltung
heute Gefahr, die Transformation Europas in einen islamischen Kontinent zu beschleunigen.
Michael Schmidt-Salomon - Stollbergs Inferno, Roman, Alibri-Verlag,
240 Seiten, kartoniert, Euro 16.50 Der Religionskritiker Jan Stollberg stirbt
während einer Vorlesung und findet sich, zu seinem maßlosen Erstaunen und Entsetzen,
in der christlichen Vorhölle wieder, die tatsächlich so aussieht, wie die katholische
Kirche es seit Jahrhunderten predigt. Wie er sind dort alle Philosophen gefangen,
die aufklärerisches Gedankengut vertreten haben, von Immanuel Kant bis Friedrich
Nietzsche, von Karl Marx bis Albert Camus. Der unmittelbar bevorstehende Abtransport
Ludwig Feuerbachs zur "Himmlischen Rampe" wird für die gepeinigten
Gefangenen zum Anlaß, die höllischen Zustände nicht länger nur zu interpretieren,
sondern sie zu verändern — sie planen den Aufstand gegen die Diktatur Gottes... Stollbergs
Inferno ist ein spannender philosophischer Roman, der den Lesern in den Dialogen
der gefangenen Philosophen die Erkenntnisse der großen Denker der Menschheit
auf unterhaltsame, aber nie verniedlichende Weise näher bringt. Als kritisches
Update zu Dantes Göttlicher Komödie gibt der Roman einen rasanten Überblick
über 500 Jahre Kulturgeschichte. In gewisser Weise kann das Buch als "Sophies
Welt für Erwachsene" gelesen werden — nicht nur wegen Stolbergs amouröser
Abenteuer in der "Vorhölle der Unkeuschen", sondern vor allem, weil
es um die "letzten Fragen" geht, um den Kampf mit dem Absurden, den
letztlich wohl vergeblichen Versuch, der endlichen menschlichen Existenz dauerhaften
Sinn zu verleihen.
Esther Vilar - Die Schrecken des Paradieses - Wie lebenswert wäre das
ewige Leben? Nachwort von Michael Schmidt-Salomon, Alibri-Verlag, überarbeitete
Neuauflage, 139 Seiten, kartoniert, Euro 13.50 Die Unausweichlichkeit des
Todes hat die Menschen seit je umgetrieben und nach Antworten suchen lassen
auf die Frage, was denn nach dem Leben komme. Selbst im „aufgeklärten“ abendländischen
Kulturkreis flüchtet sich ein beachtlicher Teil der Bevölkerung in Vorstellungen
von Jenseits, Paradies und ewigem Leben. Um die Eintrittskarte dorthin sicher
lösen zu können (ob durch die Vergebung ihrer Sünden oder die Verbesserung ihres
Karmas), investieren sie einiges ihrer knappen Lebenszeit. Eine Verschwendung,
meint Esther Vilar. Denn wie wäre es eigentlich, wenn es das Paradies im Jenseits
wirklich gäbe? Welches Bild von den himmlischen Welten dürfen wir uns machen?
Fragt Esther Vilar und führt uns durch den Himmel, erläutert das Sexualverhalten
der Engel, verrät Rezepte aus der paradiesischen Küche, analysiert die jenseitige
Medienlandschaft... Aber selbst wenn „dort oben“ die beste aller denkbaren
Welten existierte – macht es Spaß auf einer Party, die niemals endet, zu tanzen?
Oder liegt das Geheimnis der Freude in ihrer zeitlichen Begrenzung? Für Esther
Vilar ist der Fall klar: Die Versicherung der Religionen gegen die Angst vor
dem Abschied verstellt uns letztlich den Blick für die Herrlichkeiten des Hierseins.
Und es lohnt nicht, das Abkommen „Gehorsam auf Erden gegen Weiterleben im Himmel“
zu unterschreiben.
Ein Dauerseller Johann Most - Die Gottespest und andere religionskritische Schriften IBDK,
104 Seiten, kartoniert, Euro 10.30- Zensiert, verboten, beschlagnahmt; und doch nicht totzukriegen: Die
Gottespest ist bis heute der Klassiker der anarchistischen Religionskritik.
Beißender Spott, Treffsicherheit und Kompromißlosigkeit zeichnen das Werk des
vormaligen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und späteren Herausgebers
der Freiheit aus. Anhand der vorliegenden Texte läßt sich zudem
erkennen, wie Most seinen zunächst historischen Ansatz radikalisierte und
zunehmend die Funktion von Religion und Kirche kritisierte.
Noch ein Dauerseller: Friedrich Nietzsche - Der Antichrist
- Versuch einer Kritik des Christentums Insel Verlag, 126 Seiten, kartoniert, Euro 6,80 Den "Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit" nennt Nietzsche das
Christentum in seiner Polemik. Seine Kritik erfolgt von einem vitalistischen
Standpunkt aus, er wirft der jüdisch-christlichen Religionstradition die
"Entnatürlichung" des Leben vor. Der in seinem letzten Schaffensjahr (1888)
entstandene Text zeigt die Brillanz aber auch die Grenzen der Auseinandersetzung
dieses - keineswegs durchgängig aufgeklärten Aufklärers- (Hermann Josef Schmidt)
mit der europäischen Dominanzreligion. So richtig Nietzsche beschreibt, wie das
Christentum die Menschen jahrhundertelang daran gehindert hat, die Realität der
Welt wahrzunehmen, so menschenverachtend mutet seine Denunziation von Gleichheit
und Solidarität als "racunes aller Niedriggesinnten" an.
Mina Ahadi - Ich habe abgeschworen - Warum ich für die Freiheit und gegen
den Islam kämpfe - Heyne, 2008 271 Seiten "Ich habe abgeschworen"
war der Slogan, mit dem der Zentralrat der Ex-Muslime seine erste, sehr erfolgreiche
Pressekampagne startete. Mina Ahadi nimmt diesen ersten Versuch, säkular eingestellt
Einwanderer aus muslimischen Ländern zu organisieren, zum Ausgangspunkt ihrer
politischen Autobiographie, die sie zusammen mit der Journalistin Sina Vogt
verfaßt hat. Sie schildert die Vorgeschichte des Zentralrates, formuliert seine
Ziele, freut sich über die große mediale Beachtung, die er gleich nach seiner
Gründung im Februar 2007 fand (und verschweigt dezent die Probleme im organisatorischen
Bereich). Dann geht sie zurück in die Vergangenheit, nach Teheran, und erzählt,
wie es dazu gekommen ist, daß sie heute in Deutschland lebt und für die Freiheit
& gegen den Islam kämpft. Sie berichtet von ihrer Jugend und ihrer Abkehr
vom Glauben, von der Revolution gegen das Schah-Regime und dem Sieg der islamistischen
Kräfte im Iran, von ihrem Kampf im Untergrund und ihrem Engagement für die Arbeiterkommunistische
Partei, schließlich von ihrer Flucht nach Wien und neuen politischen Aktivitäten,
die bis heute ihr Leben prägen. Interessant ist das Buch nicht zuletzt,
weil es zwei Perspektiven vereint: zunächst eine religionskritische, die sich
aus der Erfahrung speist, was es heißt, in einem "Gottesstaat" in
der Opposition zu sein. Dabei beobachtet Mina Ahadi nicht nur die in Deutschland
aktiven islamischen Vereinigungen (und zeigt, welche tatsächlichen Positionen
sich hinter einer auf FDGO getrimmten Rheorik stecken). Sie kritisiert auch
die grundsätzliche Privilegierung von Religionsgemeinschaften in Deutschland
und insbesondere die Strategie der beiden großen Kirchen, die Ausweitung der
Sonderrechte auf den Islam zu unterstützen, um die eigenen dadurch abzusichern.
Daneben hat das Buch aber auch eine "migrantische" Perspektive, die
verdeutlicht, wie westliche (in diesem Falle österreichische) Bürokraten mit
Menschen umgehen, die vor einem Regime geflohen sind, das sämtliche Rechte,
die sich der sog. freie Westen gerne auf die Fahnen schreibt, mit Füßen tritt.
Da zeigt sich, daß kleine Episoden aus dem Privatleben politische Bedeutung
haben: als ihr erstes Kind in Wien geboren wird, muß sich Mina Ahadi im Krankenhaus
anhören, daß ihre Tochter den Nachnamen ihres Vaters tragen müsse - weil nach
islamischem Recht der Mann das Oberhaupt der Familie sei und die Kinder folglich
nach ihm benannt werden müßten, da die iranischen Gesetze auch für sie als Exil-Iranerin
Gültigkeit hätten. Nicht nur an dieser Stelle verdeutlicht die Biographie Mina
Ahadis schlaglichtartig, daß Integration nicht über die Berücksichtigung vermeintlich
durch die Religion vorgeschriebener gesellschaftlicher Regeln erreicht werden
kann, sondern nur durch die Gewährung von Selbstbestimmung für jedes einzelne
Individuum. Hier stehen bei Mina Ahadi die Rechte der Frauen im Vordergrund;
"erst wenn die letzte Frau frei ist, sind die Menschen frei" heißt
bezeichnenderweise ein Kapitel in ihrem Buch. Ihr Einsatz im Komitee gegen Steinigung
hat sie weltweit bekannt gemacht und ihr einige ihrer emotional bewegendsten
Erfolge eingebracht. Schließlich treffen sich in dieser Frage atheistisches
und feministisches Engagement: "Selbst zu denken, zu entscheiden und zu
handeln als soziales Wesen mit Verantwortung ist oft schwerer, als die Verantwortung
abzugeben und von anderen diktierten Regeln zu folgen, deren Befolgung auch
noch als Belohnung das ewige Paradies verheißt. Meine Belohnung sind die Befreiung
von Nazanin Fatehi, das eigenständige Denken meiner Töchter, der Zuspruch einer
Zuhörerin nach einem Vortrag. Dies gibt mir die Kraft, meinen Kampf für die
Freiheit jeden Tag neu aufzunehmen."
Karlheinz Deschner - "Mit Gott und den Faschisten"
- Zwölf Fernseh-Essays zur Politik der Päpste im 20.
Jahrhundert, KAOS Kunst- und Video-Archiv, 2005 ca. 110 Min., Video-DVD, In zwölf knapp zehnminütigen Fernseh-Essays beweist Karlheinz Deschner, daß
die "Stellvertreter Gottes" im Vatikan - von Leo XIII. bis Pius XII. -
wesentlich zur Herrschaft des Faschismus in Italien, Deutschland, Spanien und
Jugoslawien nud damit zu den politischen Katastrophen und zum Völkermord im 20.
Jahrhundert beigetragen haben. Auch der deutsche Episkopat und die deutsche
Geistlichkeit waren in ihrer großen Mehrheit, damit einverstanden, daß die Nazis
Liberale, Sozialdemokraten und Kommunisten verfolgten. Es zeigt sich, daß so
mancher, der heute als Widerstandskämpfer gehandelt wird, wie die Kardinäle
Faulhaber oder von Galen, keineswegs immer und entschieden gegen die Faschisten
eintraten. Und der Kölner Oberbürgermeister und Zentrumsabgeordnete Konrad
Adenauer beglückwünschte dereinst einen gewissen Benito Mussolini, sein Name
werde "in goldenen Buchstaben in die Geschichte der katholischen Kirche
eingetragen werden". Wer Deschners Darstellung der klerikal-faschistischen
Kooperationen mit Quellenangaben versehen nachlesen möchte, kann dies im Band
Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert.
Bill Maher - Religulous - DVD Organisierte Religion ist dem Standup-Comedian
Bill Maher von Kindesbeinen an ein Dorn im Auge: Wenn die Menschheit sich nicht
von Religion abwendet, so seine These, die er mit vielen Beispielen unterfüttert,
ist sie zum Untergang verdammt. So bereist Maher todesmutig die USA, macht Abstecher
nach Holland und die Wiege des christlichen Glaubens, um im Gespräch mit Frömmlern,
religiösen Spinnern und vernünftigen Gläubigen herauszufinden, warum das Christentum
und der Islam so eine große Anziehungskraft ausüben.
Michael Schmidt-Salomon - Jenseits von Gut und Böse Warum wir ohne
Moral die besseren Menschen sind. Moral steht in der aktuellen Wertedebatte
wieder hoch im Kurs, und mit unseren Urteilen sind wir meist schnell bei der
Hand. Doch setzen wir vielleicht auf das falsche Pferd? Michael Schmidt-Salomon,
streitbarer Kämpfer gegen den (Un)-Geist unserer Zeit, entlarvt den freien Willen
und die religiös verankerte Aufteilung in Gut und Böse als Illusionen. Aber
was bedeutet es, Ernst zu machen mit dem Abschied von der Willensfreiheit? Und
was heißt es tatsächlich, die Kategorien Gut und Böse hinter sich zu lassen?
Der Autor zeigt nicht nur die fatalen Konsequenzen moralistischer Weltdeutungen
auf, sondern vor allem, wie es uns in ihrer Überwindung gelingen kann, eine
säkulare und menschenfreundliche Ethik zu entwickeln - mit erstaunlichen lebenspraktischen
und gesellschaftlichen Folgen.
Wolfgang Klosterhalfen - Reimbibel Die Schreckliche Schrift in
Reimen und Versen Von der Schöpfungsgeschichte bis zur Offenbarung des Johannes
wird die Bibel abwechslungsreich in Form von Balladen, kleinen Gedichten, rhythmischen
Versen und Zweizeilern präsentiert und gelegentlich kritisch kommentiert. Klosterhalfens
Reimbibel legt man so schnell nicht aus der Hand. Sie ist leichter und vergnüglicher
zu lesen als das „Original“, zeigt aber auch, dass die Heilige Schrift über
weite Strecken eine Gewalt verherrlichende, schreckliche Schrift ist. Man ist
erstaunt über die Menge und Scheußlichkeit göttlicher Drohungen und Gräueltaten
sowie über die zahlreichen Widersprüche und Absurditäten dieser alten Quelle
abendländischen Aberglaubens.
Gabor Laczko - Die Audienz Auch bei Gabor Laczko hat der amtierende
Heilige Vater ein Geheimnis – nämlich eine Tochter, von der niemand weiß und
wissen soll. Sie selbst erfährt erst als Erwachsene von ihrer Herkunft und will
sie spektakulär – vor laufenden Kameras - bekannt geben, bei einer Papstaudienz.
Die Helfer ihres leiblichen Vaters ahnen etwas von dem Verschwörungsplan und
schrecken selbst vor drastischen Mitteln nicht zurück, um ihn zu vereiteln.
Die spannende Krimihandlung ist das Vehikel für eine radikale Religionskritik.
Überraschende Salti in Neuerzählungen der Geschichten vom Jüngsten Gericht,
der Sintflut, der Unbefleckten Empfängnis, dem Turmbau zu Babel und der Erbsünde
verraten, dass der Autor sein theoretisches Rüstzeug nebst Theologiestudium
bei Darwin, Feuerbach und Freud gefunden hat. Immer wieder geht es um eine Welt
voller Gewalt und um die Verzweiflung an einem Gott, der davon weiß. „....spannend,
witzig und sehr unterhaltend“ (Jahim Aksirab, Zürich)
Ronald Weinberger - Die Astronomie und der liebe Gott Frevelhafte
Gedanken eines "typischen" Naturwissenschaftlers Die Menschheit
ist ein Zufallsprodukt komplexer, im Grunde kosmischer, Prozesse. Die Naturwissenschaft
Astronomie handelt nicht zuletzt vom Ursprung und Werden des Seins, demnach
von eben diesen Prozessen. Für deren Verständnis ist die Annahme eines (Schöpfer)gottes
weder nötig noch sinnvoll. So nimmt es nicht wunder, dass Astronomen bei jenen
anzuecken pfleg(t)en, die im Brustton der religiösen Überzeugung die Existenz
von Gott oder Allah behaupten. Der Autor nimmt sich, auf lockere und bisweilen
spöttische, jedoch stets sachliche Weise nicht nur des religiösen Glaubens an,
sondern behandelt auch die fantastischen Vorgänge im All, hinterfragt Wissen
und Glaube samt deren spannungsgeladenem Verhältnis und teilt zudem Seitenhiebe
auf Unsachliches und damit Bekrittelnswertes anderen Zuschnitts aus. Als roter
Faden zieht sich durch das Buch das Streben (die Sucht?) nach Objektivität.
Ronald Weinberger ist Professor am Institut für Astro- und Teilchenphysik der
Universität Innsbruck.
Richard Dawkins - Der Gotteswahn "Religion ist irrational,
fortschrittsfeindlich und zerstörerisch" Richard Dawkins, einer der
einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart, zeigt, warum der Glaube an
Gott einer vernünftigen Betrachtung nicht standhalten kann - brillant und bei
aller Schärfe humorvoll. Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat nach
Das egoistische Gen erneut ein Buch geschrieben, das bestehende Weltbilder grundsätzlich
in Frage stellt. In diesem leidenschaftlichen Plädoyer für die Vernunft zieht
er gegen die Religion zu Felde: Der Glaube an eine übernatürliche Macht kann
keine Grundlage für das Verständnis der Welt sein und schon gar keine Erklärung
für ihre Entstehung. Wenn wir die Kritik an den Religionen zum Tabu erklären,
laufen wir Gefahr, von Fundamentalisten jedweder Couleur dominiert zu werden.
Der Glaube an ein göttliches Wesen ist vielfach die Ursache von Terror und Zerstörung,
wie die Weltgeschichte von der Inquisition bis zu den Anschlägen auf die Twin
Towers zeigt. Ein wichtiges Buch, das zu einem brennend aktuellen Thema
eindeutig und überzeugend Position bezieht.
Christoph Antweiler / Christoph Lammers / Nicole Thies (Hrsg.) - Die unerschöpfte
Theorie Evolution und Kreationismus in Wissenschaft und Gesellschaft
Was vor 20 Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte, ist heute
Realität: die Debatte, ob die Evolutionstheorie oder der Schöpfungsmythos an
Schulen gelehrt werden soll, hat Europa erreicht. Dahinter steht eine starke
evangelikale Lobby, die darum bemüht ist, religiöse Denkmuster wieder stärker
im Unterricht zu verankern. In den Diskussionen spiegelt sich aber auch die
distanzierte Haltung größerer Bevölkerungskreise gegenüber wissenschaftlichen
Erklärungsmustern im Allgemeinen. Der Sammelband knüpft an den Kongress "Die
erschöpfte Theorie?" an. Dieser näherte sich dem Themenkomplex in zwei
Schritten: zunächst wurde die Auseinandersetzung um Evolution und Schöpfung
als gesellschaftlicher Konflikt dargestellt. Anschließend wurde die Frage erörtert,
inwieweit ein naturalistisches, auf den Theoremen der Evolution aufbauendes
Weltbild auch auf Fragestellungen des sozialen Lebens eine Antwort geben kann
– ohne dem Ziel gesellschaftlicher Emanzipation entgegenzulaufen. Dabei wurden
insbesondere Wert und Grenzen der Soziobiologie diskutiert. Aus dem Inhalt Mit
Beiträgen von Nicole Thies, Dittmar Graf, Christoph Lammers, Ulrich Kutschera,
Thomas Waschke, Franz M. Wuketits, Christoph Antweiler, Hans-Walter Leonhard,
Vanessa Lux, Utz Anhalt, Jürgen Kunz
Thomas Schmidinger, Dunja Larise (Hrsg.) Zwischen Gottesstaat und
Demokratie - Handbuch des politischen Islam Mit diesem Handbuch des politischen
Islam ist erstmals eine umfassende und kritische Darstellung des politischen
Islam in Österreich gelungen. Neben den HerausgeberInnen, Dunja Larise und Thomas
Schmidinger, hat eine ganze Gruppe junger Studierender, von denen viele selbst
einen Migrationshintergrund aus einem islamischen Land haben, an diesem Nachschlagewerk
gearbeitet. Dass an dem Buch keineswegs nur Atheisten mitgearbeitet haben, zeigt
sich teilweise auch in der Vorsichtigkeit mit der Fragen der Religion hier angegangen
werden. Die AutorInnen legen großen Wert darauf, keine Kritik des Islam vorzulegen,
sondern lediglich eine der Ideologisierung zu einem politischen Islam. Mit Religionskritik
hat das Buch damit wenig zu tun. Die daraus folgende übertriebene Vorsicht mag
für atheistische LeserInnen manchmal auch ärgerlich sein, trotzdem hat man noch
nie mehr über die Umtriebe von Muslim-Brüdern, Milli Görüs-Anhängern und anderen
autoritären Strömungen des politischen Islam in Österreich erfahren, wie in
diesem Buch. Es gehört damit zur Pflichtlektüre für alle, die sich nicht zur
Kapitulation vor religiösen Totalitarismen entschlossen haben und sich seriös
über den politischen Islam in Österreich informieren wollen.
Daniel C. Dennett - Den Bann brechen Religion als natürliches Phänomen
Religion ist, wie jedes andere menschliche oder nichtmenschliche Phänomen,
den Naturgesetzen unterworfen und somit auch naturwissenschaftlich erforschbar.
So lautet Daniel Dennetts These. In seiner Untersuchung konzentriert er sich
vor allem auf die Gründe und Bedingungen für die Entstehung der Religion, ihre
verschiedenen Erscheinungsformen und Ausprägungen sowie auf die Mannigfaltigkeit
ihrer Inhalte. Um Handlungsstrategien im Umgang mit religiösen Auswüchsen aller
Art entwickeln zu können, muß man zunächst ihre Grundlagen verstehen. Warum
hat die menschliche Evolution ein so kostspieliges Phänomen hervorgebracht und
am Leben gehalten? Wem nützt die Religion? Ist es wahrscheinlich, daß Religiosität
genetisch bedingt ist? Oder sind es eher religiöse »Meme«, die sich erfolgreicher
vermehrt haben als ihre Konkurrenten? Bei dem Versuch, aus Glauben Wissen
zu machen, sind einige Hindernisse zu überwinden. So ist die Erforschung für
heilig gehaltener Phänomene häufig mit einem Tabu belegt, einem »Bann«, den
es zu brechen gilt, auch auf die Gefahr hin, den erforschten Gegenstand damit
eventuell zu beschädigen. Die Religion kann, ebenso wie die Politik, die Philosophie
oder andere Kulturphänomene, ihre Legitimität nur behaupten, wenn sie sich der
wissenschaftlichen Analyse stellt.
Sam Harris - Das Ende des Glaubens Religion, Terror und das Licht
der Vernunft Seit Krieg wieder heilig ist und betende Politiker zu
Kreuzzügen aufrufen, wird allenorten von einem Wiedererstarken der Religion
gesprochen. Sam Harris betrachtet den Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt
mit nüchternen Augen. Frei von der weit verbreiteten theistischen Betriebsblindheit
untersucht er die Hintergründe des islamistischen Terrors und fordert ein Ende
des Glaubens. Hier spricht einer aus, was viele kaum mehr zu denken wagen, endlich
ein Autor, der zu unterscheiden weiss zwischen Religion und Spiritualität. Ein
Weckruf in glaubensverdunkelte
Colin Goldner Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs Weltweit darf
der Dalai Lama zu fast jedem Thema in Mikrophone plappern: ob Menschenrechte
oder Abrüstung oder Ökologie. Wer die beflissene Ehrerbietung, die dem „Gottkönig“
allerseits entgegengebracht wird, schon immer genervt zur Kenntnis genommen
hat, sollte sich das neue Buch von Colin Goldner besorgen. Denn Goldner schreibt
eine politische Biographie des Dalai Lama, die gegen den Strich gebürstet ist.
Das Buch folgt zum einen den Lebensstationen jenes Mannes, der als kleines Kind
als „Reinkarnation“ Dalai Lamas „erkannt“ und im Kloster auf sein Amt vorbereitet
wurde. Es beschreibt den Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee (der
für Tibet, aller westlichen Propaganda zum Trotz, auch einen beachtlichen Modernisierungsschub,
zum Beispiel im Bildungs- und im Gesundheitswesen, brachte) und die Flucht des
Dalai Lama nach Indien. Und es schildert, wie aus einer Schachfigur im Kalten
Krieg ein Friedensnobelpreisträger und Medienstar wird. Noch aufschlussreicher
sind die „Exkurse“, die sich systematisch mit einzelnen Fragen der tibetischen
Geschichte sowie der besonderen Variante des tibetischen Buddhismus befassen.
Vor allem, was die Lebensverhältnisse im Alten Tibet angeht, fördert Goldner
erschütternde Informationen zutage; auch das Bild des friedfertigen, weisheitsorientierten
Buddhismus erhält einige schwere Kratzer, denn durch die Geschichte des Lamaismus
zieht sich eine Blutspur, die Dämonologie kann es locker mit der katholischen
aufnehmen und die Rolle der Frau lässt sich nur als erniedrigend beschreiben.
Ganze Abschnitte seiner Arbeit widmet Goldner, der selbst mehrfach in Tibet
und in Dharamsala war, der Menschenrechtsfrage. Dabei kommt er zu dem Ergebnis,
dass in Tibet diesbezüglich zwar „chinesische Verhältnisse“ herrschen, dass
die Berichte der Pro-Tibet-Aktivisten jedoch maßlos übertrieben sind. Vor allem
Behauptungen, die Militärdiktatur betreibe einen „kulturellen Völkermord“ reine
Propaganda, haben rund 40 Jahre nach der Kulturrevolution keinerlei sachliche
Grundlage mehr. Bis in die jüngste Vergangenheit weist er den manipulativen
Einsatz vor allem von Bildern (z.B. durch die Wahl des Ausschnitts oder falsche
Bildunterschriften) nach. Insgesamt ist Goldners Buch derzeit einzigartig –
was die kritische Perspektive angeht und was die Informationsfülle betrifft.
Gerald Steinacher - Nazis auf der Flucht Wie Kriegsverbrecher über
Italien nach Übersee entkamen Zahlreiche NS-Kriegsverbrecher, unter ihnen
Josef Mengele, Adolf Eichmann und Erich Priebke, entzogen sich der drohenden
Strafverfolgung nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes durch Flucht nach Übersee.
Als Fluchthelfer dienten vor allem internationale Organisationen wie das Rote
Kreuz, das vielen ehemaligen Nationalsozialisten neue Identitäten beschaffte.
Auch der Vatikan spielte eine entscheidende Rolle bei der Flucht von Kriegsverbrechern
nach Südamerika oder in arabische Staaten. Präzise zeichnet Gerald Steinacher
die Fluchtwege von NS-Tätern nach, insbesondere die von den US-amerikanischen
Geheimdiensten als „Rattenlinie“ bezeichnete Fluchtroute über Südtirol nach
Rom oder Genua und von dort weiter nach Übersee. Er hinterfragt die Beteiligung
der katholischen, aber auch der evangelischen Kirche sowie humanitärer Organisationen
und beschreibt die vielfältigen Beziehungsgeflechte, auf die ehemalige Nationalsozialisten
auf ihrer Flucht zurückgreifen konnten. Der Band trägt so entscheidend dazu
bei, eines der dunklen Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte zu beleuchten.
Der Autor: Univ.-Doz. Dr. Gerald Steinacher ist Zeithistoriker und Archivar
am Südtiroler Landesarchiv in Bozen, Mitglied mehrerer Historikerkommissionen
in Deutschland und Italien sowie Lehrbeauftragter an den Universitäten Innsbruck
und München. Er hat mehrere Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Zeitgeschichte
Südtirols und zur Geschichte der Geheimdienste veröffentlicht.
Karlheinz Deschner - Kriminalgeschichte des Christentums Band 9 Mitte
des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Vom Völkermord in der Neuen Welt bis
zum Beginn der Aufklärung Mitte des 16. Jahrhunderts feiert die Kirche den
«Missionsfrühling» in der Neuen Welt: die völkermörderische Eroberung der Indianerreiche
Lateinamerikas. In Europa liegen fast alle christlichen Mächte miteinander im
Krieg. Dazu flammen neue Konflikte mit dem islamisch-osmanischen Imperium auf.
Die Hexenverfolgungen erreichen ihren Höhepunkt, zu Tausenden lodern die Scheiterhaufen.
Der Katholizismus festigt sich im Ringen mit der zweiten Generation der Reformatoren,
mit Zwingli in Zürich und Calvin in Genf, dessen Terrorregiment oft schlimmer
wütet als die Inquisition. Zur Stütze des Papsttums werden Ignatius von Loyola
und der Jesuitenorden Hauptakteure der Gegenreformation; zeitweise scheint ganz
Europa «nur von Jesuiten beherrscht» (Cordara SJ). Dieser vorletzte Band von
Deschners Opus magnum schließt mit den großen Katastrophen des 17. Jahrhunderts:
dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648), dem bald ein zweiter (1667 - 1697)
folgt – im gesamten Jahrhundert gibt es nur ein einziges gänzlich kriegsfreies
Jahr. Es sind damit jetzt neun Bände von Deschners "Kriminalgeschichte
des Christentums" lieferbar
Colin Goldner - Die Psycho-Szene Ob Astrologie, Ayurveda, Bioresonanz,
Farbtherapie, Feng-Shui, Reiki, Tantra, Yoga, Lichtnahrung, Edelsteintherapie,
Feuerlauf, I-Ging, Homöopathie oder Nostradamus, Fünf Tibeter, Handlesen, Bachblütentherapie,
etc., etc., etc. Colin Goldner gibt Auskunft über den esoterischen Psychomarkt.
Die ersten hundert Seiten sind allgemeinen Themen gewidmet. Auf den nächsten
500 werden in alphabetischer Reihenfolge die einzelnen Psychotricks abgehandelt.
Auf diese Weise erweist sich das Buch als Schnäppchen, da man sonst wohl an
die Hundert Bücher kaufen müsste, um einen ähnlichen Überblick zu bekommen.
Zusätzlich müsste man sich durch den Wust an schönfärberischer Literatur durchkämpfen
um die wenigen Perlen skeptischer Bücher zu finden. Goldner hat ein Standardwerk
der skeptischen Literatur geschaffen. Sehr empfehlenswert!
Bernd Harder - Geister, Gothics, Gabelbieger 66 Antworten auf Fragwürdiges
aus Esoterik und Okkultismus Magie, Okkultismus und Esoterik sind heutzutage
alltägliche Erscheinungen. Allerdings stellt sich bei genauerem Hinsehen häufig
heraus, dass der Schein trügt. Fast immer lassen sich die scheinbar übersinnlichen
Phänomene nachvollziehbar erklären ohne dass der Boden der Tatsachen verlassen
werden muss. Bernd Harder, Mitglied im Vorstand der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen
Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und der Redaktion des Skeptikers,
zeigt in unterhaltsamer Form, worauf es ankommt, um das vermeintlich Unerklärliche
zu durchschauen. Propheten & Wahrsager werde dabei ebenso unter die Lupe
genommen wie Berichte über UFOs & Geistererscheinungen oder jugendliche
Hexen & in die Jahre gekommene Gabelbieger.
Ali Dashti - 23 Jahre - Die Karriere des Propheten Muhammad 23
Jahre dauerte das Prophetentum von Muhammad, dem Begründer des Islam. Ali Dashti
(1896-1981) zeichnet die Karriere des Religionsstifters aus einer kritischen
Perspektive nach. Er entlarvt die Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten
der muslimischen „Offenbarung“ und erklärt religiöse Phänomene auf rationale
Art und Weise. Darüberhinaus zeigt er zugleich schonungslos das extremistische
Potential des Islam auf, das sich heute politisch im „Fundamentalismus“ niederschlägt.
Ali Dashti setzte sich als iranischer Autor und Journalist für eine säkulare
Gesellschaft ein. Aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit bereits unter Vater
und Sohn Pahlewi Repressionen ausgesetzt, wurde Dashti nach der „Islamischen
Revolution“ sofort inhaftiert. Kurz nach seiner Entlassung in ein Krankenhaus
erlag er 1981 seinen in der Haft erlittenen Verletzungen.