Jeden Sonntag predigen die Pfarrer in der Kirche über die im aktuellen Kirchenjahr vorgesehene Stelle in der Bibel. Sogar Menschen, die nie in die Kirche gehen, können diese Predigten in der Heiligen Kronenzeitung nachlesen, denn dort predigt Kardinal Schönborn eigenhändig. Auf der Homepage der Diözese Wien ist die Predigt ebenfalls zu finden.

Solche Sonntagspredigen reizen auch Atheisten. Zu den Bibeltexten fällt einem nämlich oft ganz was anderes ein als dem Herrn Schönborn. Darum wird auf ATHEISTEN-INFO fast immer auch ein Wort zum Sonntag losgelassen. Die Sonntagsworte Nr. 1 bis 50, die Sonntagsworten Nr. 51 bis 100, die Sonntagsworte Nr. 101 bis 150, die Sonntagsworte Nr. 151 bis 200, die Sonntagsworte Nr. 201 bis 250 und die Sonntagsworte Nr. 251 bis 300 können als PDF heruntergeladen.


318. Wort zum Sonntag am 25. September 2016

Lk 16,19-31: In jener Zeit sprach Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Diese Bibelstelle ist eine der herrlichsten in der christlichen Heuchelei. Die Mühseligen und Beladenen werden vom HErrn belohnt, die Reichen werden gedemütigt und bestraft. Allerdings passiert das beiden Kategorien erst nach dem Tode im Jenseits. Den Mühseligen und Beladenen muss man dann nur noch erklären, dass jeder Mensch auf den Platz steht, wo in der HErr hingestellt hat und jeder sein Kreuz tragen müsste. Dann im Jenseits würde alles ausgeglichen. Das hat nix gekostet, die Unterdrückten und Ausgebeuteten hatten keine Rechte und kamen gar nicht auf die Idee, solche zu verlangen, Sklaverei, Leibeigenschaft und härteste schelcht bezahlte Arbeit waren Selbstverständlichkeiten! Die herrschende Klasse lebte in Saus und Braus, selbst wenn Personen aus diesen Kreisen dumm genug waren, die christliche Lehre von der jenseitigen Gerechtigkeit zu glauben, konnten sie ihr Gewissen beruhigen und sich mit den Brosamen von ihren Tisch freikaufen. Eine furchtbare, eine elendige Gesellschaft!

Kardinal Schönborn titelt seine Predigt heute mit "Wer ist dein Lazarus?"
Das kann ich ihm erklären, ich bin schließlich sozialversichert, für die anderen Lazarusse zahle ich meine Versicherungsbeiträge und wenn ich selber was brauche, also zum Lazarus werde, dann zahlen die anderen Versicherten für mich. Eine ganz einfache Sache! Das Getue mit der Barmherzigkeit, mit den Spenden für Mühselige und Beladene ist großteils Heuchelei und konkret was Minimales. Es sei wieder auf die weihnachtliche Aktion "Licht ins Dunkel" hingewiesen, wo per ORF verkündet wird, man müsse spenden, um den Menschen zu helfen. 2015 hat man großem Brimborium läppische 5,7 Millionen Euro gesammelt, die Ausgaben im Sozialbereich machten 2014 ein bisschen mehr aus, nämlich mit 112.766 Millionen Euro knapp das Zwanzigtausendfache. Das christliche Gerede vom armen Lazarus ist ein Überbleibsel der elendigen wahrhaft christlichen Zeit. In den USA gibt es sowas noch. Weil dort gab es nie eine wirkungsvoll tätige Arbeiterbewegung, dort regieren allein die reichen Prasser, dort haben Massen von Menschen nicht einmal eine Krankenversicherung und sind darum auf private Barmherzigkeiten angewiesen. Darum sind die Amerikaner auch viel religiöser als die Europäer, denn in Europa ist die Versorgung von Lazarussen ein Recht, das ohne Götter und Almosen funktioniert, vor der Tür liegende Lazarusse voller Geschwüre gibt's darum keine.

Wie resümiert der Wiener Bischof? "Jesus spricht eine klare Warnung aus: Wer hier nicht barmherzig ist, wird dort keine Barmherzigkeit erfahren. Wer hier hartherzig ist, muss drüben mit einem harten Gericht rechnen. Ich glaube nicht, dass Jesus das als etwas Automatisches sieht: dem Reichen geht es drüben schlecht, dem Armen gut. Seine Botschaft ist vielmehr: Es kommt darauf an, was du jetzt tust, wie du dich heute verhältst. Es gibt Reiche, die ein großes Herz haben. Es gibt Arme, die ihr Herz verschließen. Dein ewiges Los entscheidet sich nicht erst drüben. Es liegt heute in deiner Hand. Schau vor deine Tür! Wer ist dein Lazarus?"

Ja, heute hat Schönborn ein Problem, sein furchtbarer Jesus predigt vom Höllenfeuer und der Bischof kann das nicht - wie sonst immer - ignorieren! Mühsam kratzt er die Kurve und erklärt den reichen Prassern wie sie dem jenseitigen Qualen entkommen: Brosamen an die Armen verteilen. That's all! Was für eine elendige Ideologie!

Die österreichischen chrislichen Politiker mühen sich ständig ab, Lazarusse zu erschaffen: die Lohnnebenkosten müssten gesenkt werden, was einzig und allein heißen kann, die Kosten der Sozialversicherungen allein der arbeitenden Bevölkerung aufzubürden, denn die Lohnnebenkosten sind die Anteile der Sozialversichungsprämien, die von den Betrieben gezahlt werden müssen!. Aber bekanntlich beruht christliche Politik auf Matthäus 25, Vers 29: "Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat"!


317. Wort zum Sonntag am 18. September 2016

Lk 16, 1-13: In jener Zeit sagte Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln, schäme ich mich. Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib "fünfzig". Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib "achtzig". Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht. Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer wahres Eigentum geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Das ist einigermaßen unverständlich, weil das Verhalten des Verwalters gleichzeitig gelobt und verurteilt wird. Einerseits gibt's die "ewigen Wohnungen" als Belohung, andererseits ein "wahres Gut", das ihm nicht anvertraut wird. Man könnte meinen: Ein arbeitsscheuer Korruptionist, der sich mit fremdem Geld die richtigen Freunde kauft, kommt in den Himmel und gleichzeitig kommt er nicht in den Himmel.

Aber das nur nebenbei. Wie erklärt der Herr Bischof den Text? Er erklärt den Widerspruch auch nicht und schließt mit: "Echter Erfolg beruht immer auch auf Großherzigkeit. Der betrügerische Verwalter war sehr großzügig, freilich nicht mit seinem eigenen Besitz, sondern mit dem seines Chefs. Wer kleinlich nur an seinem Geld hängt, nie ein Herz für andere hat, dem wird das Geld zum Götzen. Knauserigkeit ist nicht die Haltung, die Jesus gefällt. Denn am Ende des Lebens müssen wir alles zurücklassen. In die 'ewigen Wohnungen' kommen wir nicht mit einem dicken Portmonee, sondern mit den guten Taten, die wir in diesem Leben mit dem 'lieben Geld' getan haben."

Die katholische Kirche hat es gerade nötig, gegen den "Mammon" zu predigen, weil es ist das Geld, das sie selig macht. Erinnern wir uns an die "Konstantinische Schenkung", die größte und folgenreichste Betrugsaktion in der Geschichte der Menschheit, die katholische Kirche brachte im Jahre 800 mit gefälschten Papieren immense Besitztümer an sich, sie hat sich eindeutig für den Mammon entschieden und ist davon nie wieder abgerückt, die katholische Kirche ist die reichste Institution auf dieser Welt und sie müht sich immer noch mit größter Raffgier ab, ihre irdischen Güter noch mehr zu vergrößern.

Hier wurde das in der letzten Zeit mehrfach erwähnt: alleine die katholische Kirche in Österreich hat einen Grundbesitz von 120 Milliarden Euro, als ihr das und andere Dinge in einem Zeitungsartikel vorgehalten und gefordert wurde, Kirchengelder für die Armutsbekämpfung zu verwenden, gab es zwar eine heuchlerische und tatsachenverdrehende kirchliche Antwort, die 120 Milliarden wurden allerdings bestätigt, weil der antwortende Pressesprecher der Wiener Diözese zu diesem konkreten Punkt schwieg!

Der Mammon und die katholische Kirche sind eine stählerne untrennbare Einheit. Und noch ein Satz zu den irdischen Gütern, die man auf Erden zurücklassen muss, der griechische Philosoph Epikur (341-270 v.u.Z.) hatte auf Leben und Tod einen klaren Blick: "Der Tod geht uns nichts an, denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr." Die katholische Kirche hat sich ihren Mammon als vermeintlich unsterbliche irdische Institution einverleibt. Aber auch ihr Untergang ist auf dem Wege, wenn es auch noch länger als hundert Jahre dauern mag, bis sie nur noch dort ist, wo heute schon die Glaubensgemeinschaften von El, Ischtar, Baal, Isis, Osiris, Zeus, Jupiter, Teutates, Wotan etc sind: in den Geschichtsbüchern...


316. Wort zum Sonntag am 11. September 2016

Lk 15,1-10: In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

 

Einleitend dasselbe, das zur selben Bibelstelle hier schon am 15.9.2013 zu lesen stand: Was war eine biblische Drachme wert? 2013 schrieb der Schönborn, eine Drachme sei eine "wertlose Münze", er dachte dabei wohl an die griechische Drachme von 2001 vor der Einführung des Euro, heute nennt er sie "kleine Münze". Der Herr Oberbischof von Österreich kennt eben seine Bibel nicht so gut wie der hier sonntags predigende Atheist, der weiß es nämlich ganz genau: eine Drachme oder ein Denar (beide hatten den Wert von zehn römischen Kurantmünzen mit der Bezeichnung "As") war laut Mt. 20,2 der Tageslohn eines Arbeiters! Da kann man schon die Wohnung durchsuchen! Dazu muss man natürlich ein bisschen googeln, aber auffallen hätte es dem Herrn Kardinal schon können, dass im heutigen Evangelium doch ein Schaf und eine wahrlich kleine Münze wie eine griechische Drachme von 2001 nicht denselben Wert haben können!

Aber das nur nebenbei! Heute haben wir wieder einmal eine dieser besonders dummen Bibelstellen, wo in einem Gleichnis Menschen mit Schafen gleichgesetzt werden. Im Duden steht "Schaf" auch als Synonym für gutmütig-einfältige Menschen. Und ein Schafhirte hütet seine Schafe ja nicht, damit es ihnen wohl ergehe auf Erden, sondern damit sie geschoren und geschlachtet werden können!

In seiner Schlusssequenz schreibt Schönborn: "Auch wenn du auf falsche Wege geraten bist, ich werde dich nie aufgeben. Ich gehe dir nach und suche dich, bis ich dich finde, und bringe dich heim! Und sollte es dir gehen wie der kleinen Münze, die irgendwo im Staub und Schmutz verlorengegangen ist, ich werde dich suchen und aufheben und reinigen. Denn du bist mir kostbar, so kostbar, dass ich dich nie für verloren gebe."

Also dem Schönborn sein Gott bringt die Schafe nicht zur Verwertung heim, sie sind ihm nicht kostbar, weil man Wolle, Fell und Fleisch verwerten kann und einen durchschnittlichen verlorenen Nettotagesverdienst von heute um die 70 Euro darf man auch suchen! Wofür rettet der Schönborngott die Schafe? Das erklärt der Schönborn nicht! Und er vergisst komplett darauf, dass aus seiner Herde inzwischen deutlich mehr als neunzig Prozent nimmer in den sonntäglichen Kirchenpferch kommen! Ob das mit dem Synonym laut Duden zusammenhängt? Und der Bischof sucht diese entlaufenen Schafe überhaupt nicht! Weil die angedrohte Neuevangelisierung in Europa wurde in aller Stille zu den Akten gelegt, alle Schafe dürfen sich verlaufen, ihre Drachmen und Denare hat die Kirche gut gesichert, alleine deren Grundbesitz in Österreich liegt bei 120 Milliarden Euro!

Da ja inzwischen der einstens so furchtbar böse Jesus die Sünder gar nimmer verdammen und ins Höllenfeuer werfen darf, sondern nach den aktuellen katholischen und protestantischen Vorschriften alle Menschen lieben muss, hat das obige Gleichnis eigentlich gar keinen Sinn mehr! Weil alle alle kommen in den Himmel, nicht weil sie so brav sind, sondern weil der Christengott so lieb ist. Markus 16,16 gilt nimmer: "Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden." Und hat klarerweise nie gegolten...

Dr. theol. Ottmar Fuchs, Professor für Praktische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, hat dazu ein Büchlein geschrieben, das die Endlösung der Religionsfrage ist! Na, Leute was sagt Ihr dazu! Auf dieser Atheistenseite gibt's heute kostenlos und mühefrei die ewige Seligkeit für alle! Jetzt brauchen bloß noch alle, die es noch nicht getan haben und sich nicht als Schafe beschimpfen lassen, aus der Kirche auszutreten...


315. Wort zum Sonntag am 4. September 2016

Lk 14,25-33: In jener Zeit, als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, so lange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Oh, das ist schwierig, ein Jünger vom Jesus zu werden! Ich kenn zwar eine Menge Katholiken, sogar praktizierende, die sonntags immer in die Kirche gehen, aber ein Jünger vom Jesus ist keiner dabei! Niemand davon hat Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering geachtet! Und auf seinen ganzen Besitz hat natürlich auch niemand verzichtet! Die katholische Kirche hat in Österreich einen Grundbesitz im Werte von 120 Milliarden Euro, aber das fällt vermutlich nicht unters Besitzverbot, weil die Kirche selber kann ja kein Jünger sein. Aber im Laufe der Jahrhunderte - als die katholische Kirche noch allmächtig war und mit der Höllenfurcht Geschäfte machen konnte - sind wohl doch eine Menge Katholiken der obigen Anordnung vom Jesus zumindest teilweise gefolgt und haben mitgeholfen, den o.a. Grundbesitz durch Spenden und Erbschaften aufzubauen.

Aber wenn Katholiken das heutige Evangelium tatsächlich ernst nehmen täten, dann müssten alle Katholiken arm und familienlos sein! Gespannt schaut daher meinereiner nach: wie redet sich heute der Herr Bischof von Wien und Oberkatholik von Österreich aus diesem Wirbel heraus?

Er titelt seine Predigt mit "Einladung zur Freiheit". Und fängt gleich an, die Worte seines Gottes zu relativieren: "Eigentlich sagt doch Jesus hier: Überlege es dir gut, ob du wirklich mein Jünger sein willst! Lass lieber die Hände davon, ehe du es nur halb machst. Ein halber Christ ist gar kein Christ, scheint Jesus zu sagen. Will er um sich nur Hundertprozentige? (..) Darf Jesus sich wundern, dass so viele lieber nicht mit ihm gehen? Er schreckt ja geradezu ab, Christ zu werden."

Ja, das tut er! Alle katholischen Kirchenmitglieder sollten daher konsequent sein: Wenn sie ihre Angehörigen nicht gering achten wollen und auf ihren Besitz nicht verzichten, dann sollten sie auf die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche verzichten! Weil sie sind dort sowieso völlig unerwünscht!

Schauen wir wie der Schönborn diese Kurve zu kratzen versucht, zuerst jammert er sich einen herunter: "Wenn ich meine eigenen Kräfte ansehe, dann habe ich den Eindruck: Das schaffe ich nie! Das ist mir zu steil! Ich bin ein schwacher Mensch und werde nie ein hundertprozentiger Christ sein können. Wer kann dann überhaupt ein echter Christ sein? Überfordert Jesus seine Anhänger?"

Und dann relativiert er sich wieder hinauf: "Doch dann kam mir wie eine Befreiung eine ganz wichtige Einsicht. Was Jesus da fordert, um sein Jünger zu sein, ist eigentlich ganz vernünftig und einfach. Was sagt er im Wesentlichen? Im Grunde nur das Eine: Gibt Gott den ersten Platz! Stelle mich, Jesus, den Herrn, vor alles andere! Nur dann kannst du mein Jünger ein."

Sowas Unbestimmtes hat sein Jesus allerdings nicht gesagt, er war ja ganz konkret! Weil den Jesus fallweise den am ersten Platz stehenden HErrn sein zu lassen, ist bloß ein kostenfreies Gedankenspiel.

Aber der Herr Kardinal hat jetzt einen typischen katholischen Ausweg gefunden, aus den konkreten Bibelworten macht er eine heuchlerische Frohbotschaft, die praktisch das Gegenteil vom heutigen Evangelium aussagt: "Auch wenn wir noch so sehr miteinander verbunden sind, als Partner in der Ehe, als Familie, als Freunde: Immer ist jeder Einzelne mit Gott noch mehr verbunden als mit allen anderen. Keiner darf auf den Anderen Besitzansprüche erheben. Das gilt natürlich auch vom materiellen Besitz: Er ist uns anvertraut, aber auch ihn müssen wir einmal loslassen. Wir können ihn nicht mitnehmen. Nur wer sich selber, seine Liebsten und sein Hab und Gut innerlich loslassen kann, wird verstehen, dass das scheinbar so strenge Wort Jesus eine Einladung zur Freiheit ist."

Den materiellen Besitz und die zwischenmenschlichen Bande brauchen die Jünger Jesu erst als Tote loslassen? Und wenn wir alle gestorben sind, dann haben wir alle alles losgelassen, dann wird sogar ein Atheist zum Jünger des Jesus?

Bleibt die Frage: Wozu hat dann der Jesus den obigen Text gepredigt? Dazu die Antwort: der Schönborn weiß: es gibt gemäß der Definition von Lukas 14,25-33 eigentlich keine Jünger vom Jesus, aber das darf er nicht laut sagen! Denn wenn die katholische Kirche den heutigen Bibeltext wörtlich nehmen täte, müsste sie mangels Jesus-Jünger ihre Selbstauflösung beschließen und ihre Multimilliardenbesitztümer der Allgemeinheit hinterlassen!

PS: Das heutige Evangelium ist natürlich nur im Zusammenhang mit der orginalen Jesus-Lehre von einer baldigen Endzeit zu verstehen,
wenn das Weltenende naht, dann soll man sich auf dieses und auf den Endzeitprediger konzentrieren und nicht auf irgendwelchen irdischen Firlefanz. Da das Weltenende entgegen den Verheißungen vom Jesus immer noch nicht gekommen ist, spielt auch der obige Text keine heutzutage konkrete religiöse Rolle mehr. Aber so kann sich natürlich kein Bischof in seiner Sonntagspredigt äußern. Aber unsereiner lernt daraus wieder einmal, wie töricht religiöse Texte sind!


314. Wort zum Sonntag am 28. August 2016

Lk 14, 1.7-14: Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Das heutige Evangelium ist eine der Grundlagen für das winselnde katholische Geheuchel. Händeringend, augenverdrehend, mit salbungsvoll-weinerlichem Ton erzählen die katholischen Hirten ihren Schafen, man müsse still und bescheiden sein. Das hat jahrhundertelang bei vielen Menschen gewirkt, sie akzeptierten Unterdrückung und Ausbeutung widerstandslos, weil Gott hatte sie auf ihren Platz gestellt und wenn das der letzte Platz war, dann gab's ja im Himmel die Entschädigung dafür.

Was predigt Schönborn heute dazu? Er schreibt einleitend: "In der 'Dreigroschenoper' von Berthold Brecht heißt es: 'Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.' Ich erlebe selber oft dieses 'Gerangel' um die ersten Plätze im Licht der Kameras. In meiner Rolle bin ich sehr oft unter den Ehrengästen, ob ich will oder nicht, und frage mich dann: Was sagt Jesus zu diesem Gedränge um die ersten Plätze?"

Zuerst lassen wir aber Bert Brecht selber den Macky Messer singen:


Das obige Zitat kommt nicht vor, weil das entstand erst später. Ebenso gab's dann noch weitere Strophen, wohl um den Charakter des Liedes zu verdeutlichen:

Und die Fische, sie verschwinden
Doch zum Kummer des Gerichts
Man zitiert am End den Haifisch
Doch der Haifisch weiß von nichts

Und er kann sich nicht erinnern
Und man kann nicht an ihn ran
Denn ein Haifisch ist kein Haifisch
Wenn man nicht beweisen kann

Ja, der Haifisch ist kein Haifisch, wenn man's nicht beweisen kann. Diese Zeile spielt sich in der rechtlichen Realität häufig ab. Und darum ging's bei Brecht auch in Sachen Licht und Dunkelheit. Nicht um gute und schlechte Plätze. Das hat der Herr Bischof nicht so recht verstanden. Zum Beispiel dauerte es nach dem Auffliegen der liebevollen Vorlieben von Kardinal Groër noch 15 Jahre bis auch bei uns endlich viel katholische Dunkelheit ins Licht gestellt werden konnte.

In seinem Resümee heuchelt der Herr Schönborn wieder Zentner um Zentner Barmherzigkeit auf: "Weil uns das so schwer fällt, schlägt Jesus heute ein radikaleres Rezept vor: 'Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten.' Unsere Gesellschaft hat das kaum vorgesehen. Meist bleiben wir unter unseresgleichen, haben unsere Familien und unserer Freunde, laden uns gegenseitig ein, und das ist durchaus etwas Gutes und Schönes. Es soll nur nicht alles sein. An die andere Seite der Wirklichkeit denken die vielen Ehrenamtlichen, die Nacht für Nacht mit dem Canisibus der Caritas an sozialen Brennpunkten Notleidenden warmes Essen bringen. Da gibt es kein Gerangel um die ersten Plätze, aber viel Freude und echte Menschlichkeit."

In unserer Gesellschaft gibt's das Sozialwesen, man muss nicht barmherzig Almosen verteilen, weil es den Sektor der Sozialdienste gibt. Dort ist auch die Caritas tätig, mit öffentlichen Mitteln, einigen Freiwilligen und ein paar privaten Spenden, aber ohne erkennbare Mengen an Kirchengeldern. Die katholische Kirche hat in Österreich alleine Grundbesitze im Werte von 120 Milliarden Euro, dass sie von diesen Besitztümern jemals irgendwas Nennenswertes gespendet hätte, ist nicht bekannt. Die Spenden, die bei der jährlich so bombastisch propagierten ORF-Aktion "Licht ins Dunkel" hereingehen (2015 waren es 5,7 Millionen), könnte die katholische Kirche mit ihrem Grundbesitz rund 20.000 Jahre finanzieren. Aber die von den Sozialversicherungen und anderen staatlichen Sozialeinrichtungen bereitgestellten Leistungen beliefen sich 2014 auf ca. 116 Milliarden Euro.

Diese Milliarden bezahlen wir uns durch Beiträge und Steuern selber, die Sozialversicherungen und Sozialeinrichtungen verwenden das Geld für alle Sozialversicherten und sonstig Betroffenen - nicht nur für Arme, Krüppel, Lahme, Blinde. Das kirchliche Barmherzigkeitsgesäusel hat real längst kaum noch eine Bedeutung. Amen.


313. Wort zum Sonntag am 21. August 2016

Lk 13,22-30: In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

Hier wurde der Text auch im Laufe der Zeit entschärft, das "manche" tauchte erst in der aktuellen Einheitsbibel auf. Weil der Jesus ist ja sehr dafür, dass sich seine Jünger ganz klein machen. Heulen und mit den Zähnen knirschen dürfen sie allemal, weil es gefällt dem Jesus, wenn er den Leuten drohen kann. Allerdings darf er das heutzutage nimmer. Darum hat es der Sonntagsprediger Schönborn wieder einmal notwendig, sich vorsichtig am Bibeltext vorbeizuschleichen, wenn der Jesus die Tür zuhält, statt dass er alle rettet.

Der Herr Bischof beginnt deswegen nicht mit dem Weg ins Paradies, sondern mit irdischen Situationen: "Selten ist das Leben ein breiter, bequemer Weg. Fast alles ist mit Mühe und Anstrengung verbunden." Und das Leben beginnt mit der engen Pforte der Geburt. Aber dann wird er wieder optimistisch, obwohl im Evangelium genau das Gegenteil steht, meint er, "am Ende des Lebens wird es das enge Tor des Todes sein, durch das wir alle in das Licht des ewigen Lebens gelangen."

Dann schreibt er über die Angst und über die Freude. Schließlich muss er doch konkreter werden: "Meint Jesus letztlich doch nur die letzte aller der engen Türen, durch die wir im Leben gehen müssen, das enge Tor des Todes? Geht es eigentlich um die Frage, ob nur wenige, einige, oder doch viele, ja vielleicht gar alle Menschen in den Himmel kommen? Kommen letztlich die meisten in die Hölle? Ist der Himmel weniger bevölkert als die Hölle?"

Ja, was ist nun? Kommen alle, alle, in den Himmel, weil wir so brav sind?


Da Himmel und Hölle nur in den Hirnen religiös Geschädigter existieren, ist das zwar realwirtschaftlich egal, aber der Wiener Kardinal müsste ja die Lehre seines Gottes ernsthaft und nicht als deutschen Karnevalsschlager verkünden. Wie windet er sich in seiner Schlusspointe aus dem heutigen Evangelium heraus?

"Kommen letztlich die meisten in die Hölle? Ist der Himmel weniger bevölkert als die Hölle? Genau diese Frage will Jesus nicht beantworten. Er liefert keine Statistiken über ewiges Glück oder Unglück. Er wendet sich an jeden von uns persönlich: 'Bemühe dich mit allen Kräften!' Wenn wir wissen wollen, wie wir das tun sollen, müssen wir andere Seiten des Evangeliums aufschlagen. Da gibt Jesus sehr klare Hinweise: Ob die letzte enge Türe deines Lebens ein Tor zum Himmel wird, das entscheidet sich nicht im letzten Moment, sondern heute. Die enge Tür steht mitten in deinem Leben. Es ist die Tür der Liebe. Hast du heute geliebt, deinen Egoismus überwunden, deinem Nächsten Gutes getan? Wer täglich die Tür der Liebe wählt, dem wird sie am Ende zum Tor des Himmels."

Aha, wer nicht liebt, der kommt in die Hölle. Wohin kommen dann z.B. alle christlichen Politiker? Achja, die lieben ja ihre Nächsten und tun ihnen Gutes, die kommen in den Himmel! Weil ihre Nächsten, das sind die Konzernherren, die Bankmanager, die Multimillionäre, die Großagrarier. Und die Willkommenskulturalisten und die Asylindustriellen natürlich auch, siehe z.B. "Sozialgesetzgebung als Fördermittel für Parallelgesellschaften".

Und letztlich: offenbar kommen laut Bibel nicht alle Menschen in den Himmel zum lieben Jesus - schließlich redet der Jesus ja von engen Türen und von vielen, die abgewiesen werden, die Leute sollten sich fürchten und kuschen. Das hat tatsächlich lange Zeit funktioniert, jetzt funktioniert es immer weniger und das heutige himmlische Sonderangebot ist real eher egal, weil ein Toter kommt in kein Hirngespinst, sondern in die Grube. Amen.


312. Wort zum Sonntag am 14. August 2016

Lk 12,49-53: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Der arme Jesus ist noch nicht getauft! Der Christus ist noch gar keine Christ! Na hoffentlich kommt bald ein Missionar vorbei und tauft ihn dreifaltig "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"!

Aber dafür verspricht er das, was das Christentum jahrhundertelang über die Menschheit brachte: FEUER! Die europäische Aufklärung hat das christliche Gemetzel beendet, heute müssen wir uns nimmer tagtäglich von der katholischen Kirche terrorisieren lassen! Wir haben Religionsfreiheit! Und inzwischen nicht nur eine in der Verfassung verankerte, sondern sogar eine, die auch im Alltag existiert - wenn man vielleicht von manchen Gegenden in Niederösterreich absieht...

Was jammert der Herr Kardinal Schönborn heute dazu? Er titelt seinen Beitrag mit "Das Feuer der Gerechtigkeit". Fördert christliche Zwietracht die Gerechtigkeit? Der Wiener Bischof macht es heute ganz billig: "Von welchem Feuer spricht Jesus? Von Brandbomben, die alles niederbrennen und zerstören? Ich glaube, Jesus sehnt sich danach, dass das Feuer der Gerechtigkeit auf die Erde geworfen wird und all das schreckliche Unrecht ausbrennt, das die Menschheit plagt."'

Im Evangelium ist mit keiner Silbe von "Gerechtigkeit" die Rede. Schauen wir einmal in der Bibel nach, ob davor oder danach was von Gerechtigkeit steht. Im Abschnitt davor geht's um himmlische Schätze, im dem danach um Buße, von Gerechtigkeit ist im ganzen Lukas-Kapitel 12 keine Rede. Und wenn man den obigen Text liest, dann kann damit nur gemeint sein, dass Jesus Zwietracht sät: Seine Anhänger haben offenbar zu seinen Nichtanhänger ein zwieträchtiges Verhalten zu zeigen, einen anderen Sinn kann der Text nicht haben! Aber der Schönborn faselt vom ausgebrannten Unrecht. Dabei braucht man sich ja nur die Politik der christlichen Parteien anschauen, die sind mit größtem Nachdruck für soziale Ungerechtigkeit! Für steigende Börsenkurse und Almosen statt Sozialstaat!

Aber der Schönborn verkündet folgende Botschaft: "In der Bibel ist oft vom Zorn Gottes die Rede. Immer geht es dabei um den Kampf gegen das Unrecht. Dagegen haben die Propheten der Bibel gewettert: gegen die Ausbeutung der Armen, den ungerechten Lohn, die Unterdrückung der Wehrlosen, gegen hemmungsloses Gewinnstreben auf Kosten der Anderen. Das alles ruft Gottes Zorn hervor, das alles will Jesus mit dem Feuer der Gerechtigkeit wegbrennen."

Geh bitte, wo steht das und wann hat das die katholische Kirche verkündet oder gar getan? Wo kämpfen christliche Politiker gegen die Ausbeutung? Gegen hemmungsloses Gewinnstreben? Und wann ist Gott das letzte Mal deswegen zornig geworden? Unterm Dollfuß? Unterm Pavelic? Unterm Franco? Oder war das nicht genau umgekehrt, dass die katholischen Diktatoren gegen die Gegner der Ungerechtigkeit gekämpft haben und dafür den Segen des Vatikans bekamen?

So eine niederträchtige Heuchelei wie heute hat der Schönborn schon lange nimmer von sich gegeben! Der Jesus ruft zur Zwietracht gegen Ungläubige auf, der Schönborn redet von Gerechtigkeit, aber die katholische Kirche hat in ihrer ganzen Geschichte noch niemals für Gerechtigkeit gekämpft, sondern immer alles ihrem Gott überlassen. Nu, da es keine Götter gibt und die katholische Kirche immer auf Seiten der Herrschenden war, sollte sich der Herr Erzbischof lieber in den Keller setzen und bitterlich weinen!


311. Wort zum Sonntag am 7. August 2016

Lk 12, 32-40: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

"Fürchtet euch nicht!" Diese Botschaft plakatierte auch die einzige linke Partei in Österreich, die KPÖ-Steiermark bei einer Gemeinderatswahl in Graz und erreichte 20 Prozent der Stimmen! Denn die Grazer KPÖ-Gemeinde- und Stadträte geben einen Teil ihres Einkommens den Armen! Wenn eine Partei das obige Wahlprogramm vom Jesus anbieten täte, da gäbe es wohl nicht einmal zwei Tausendstelpromille Zustimmungsstimmen, in Österreich wären das zehn Leute und in den katholischen Jahrhunderten in Österreich ist niemand bekannt, der all seine Habe verkauft und den Erlös den Armen gegeben hätte. Da gab's schlimmstenfalls Mönche oder Nonnen, die ihren Privatbesitz der Kirche schenkten, damit deren Schätze noch größer wurden.

Dazu wurde ein bisschen nach Beispielen zum Habe-Verkauf und der Erlösabgabe an Arme gegoogelt, ein Beispiel wurde nicht gefunden, nur ein CNA-Interview mit Papst Franz vom November 2015, dort sagt er auf die Frage "Fühlen Sie sich als Papst und Bischof Roms nie unter Druck, die Schätze der Kirche zu verkaufen?":
"Das ist eine einfache Frage. Das sind keine Schätze der Kirche, sondern Schätze der Menschheit. Wenn ich zum Beispiel morgen sagen würde, dass die Pietà von Michelangelo versteigert werden soll, das kann man nicht machen, denn sie ist nicht Eigentum der Kirche. Sie steht in einer Kirche, aber sie gehört der Menschheit. Das gilt für alle Schätze der Kirche."

Allein in Österreich haben die katholische Kirche und ihre Gliederungen Grundbesitz in der Größe von Vorarlberg, geschätzter Wert 120 Milliarden Euro. Der weltweite Multibillionenbesitz der katholischen Kirche gehört also der Menschheit? Warum merkt die Menschheit nicht das Geringste von diesem Besitz?

Aber das nur als Anmerkung zur katholischen Wirklichkeit. Was sagt der Herr Bischof von Wien heute in seiner Predigt zum Nichtfürchten?

Er geht auf eine andere Religion ein, die zurzeit real zum Fürchten ist: "Wie sich schützen gegen enthemmte Täter, die sich und möglichst viele anderen mit in die Luft sprengen? Wer traut noch wem? Jeder Koffer, der irgendwo alleine steht, könnte einen Sprengsatz enthalten. Jeder etwas fremd Aussehende löst Verdacht aus. Kein Urlaubsort scheint mehr sicher zu sein. Die Polizei wird aufgestockt. Viele Orte sind strenger bewacht. Und dennoch wissen wir alle: Es gibt weder die totale Kontrolle noch die völlige Sicherheit."

Aber die heutige Bibelstelle passt für ewige Trostworte:
'
"Jesus gibt zwei wichtige Hinweise, wie wir zu dieser angstfreien, furchtlosen Haltung kommen können. Der erste: 'Verschafft euch einen Schatz im Himmel'. Ein solcher Schatz ist sicher, ungefährdet, unzerstörbar. (..) Die früheren Generationen haben sich hier leichter getan. Der Tod war mitten im Leben, er konnte einen jederzeit holen. Das irdische Leben war ein Durchgang zum ewigen Leben, dem eigentlichen Ziel. Weil sie so stark an das ewige Leben glaubten, hatte der leibliche Tod für sie nicht den Schrecken, den er heute für uns hat. Der Tod war ja nicht das Ende, sondern der Anfang des ewigen Glücks. Die Menschen sahen sich viel mehr als Pilger, die durch die Mühsal der Erde zur ewigen Heimat pilgerten."

Da vergisst der Herr Kardinal jedoch, dass das Leben früherer Generationen nicht nur als Durchgang zum ewigen Leben im katholischen Himmel proklamiert wurde, sondern auch als Durchgang zur ewigen Verdammnis in der Hölle! Und diese Variante sorgte seinerzeit bei vielen Menschen mittels entsetzlicher Furcht für Kirchennähe. Aber das sagt der Herr Schönborn natürlich nimmer, weil vor dem jahrhundertelang so furchtbaren Jesus darf sich heute keiner mehr fürchten!

Sätze wie "selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt!" werden nimmer erklärt. Weil die Knechte, die der Herr nicht wach findet, wenn er kommt, die werden unselig und verdammt sein. Das wurde aber aus dem Predigtprogramm gestrichen, keiner soll sich mehr vorm Jesus fürchten und darum wird der drohfreie Jesus auch den religiös noch Verunsicherten immer egaler.

Aber ganz so einseitig traut sich der Herr Kardinal seine Predigt nicht zu beenden, er schließt mit: "Terror ist schrecklich. Die Opfer verdienen unsere volle Anteilnahme. Jeder kann einmal von solchen Gewalttaten getroffen werden. Sie sind ja nicht neu. Es gab sie immer wieder. Sie stellen jedem von uns die Frage: Bin ich bereit, wenn es Zeit ist zu gehen? Könnte heute mein Sterbetag sein? Jeder Tag kann mein letzter sein. Lebe so, dass du ihn nicht fürchten musst."

Aha, es gibt also doch noch eine vom Schönborn nicht näher beschriebene Furcht vorm katholischen Sterben? Wer nicht lebt, dass er sich nicht fürchten muss, der soll sich fürchten, weil nach dem Tode der Höllenterror des HErrn droht! Da aber immer weniger Leute an ein Jenseits glauben, werden sowohl der Schatz im Himmel als auch die Gottesfurcht zunehmend zu einem Auslaufmodell. Und das ist für die Menschen gut und bloß für die Kirchen schlecht - aber die Länge meiner Predigt ist wieder einmal nicht optimal, sie ist fast um 50 % länger als die Schönbornpredigt! Leider bin ich im Übermaß mit Geschwätzigkeit gesegnet! Dauernd fallen mir neue und alte Gleichnisse ein und auf!


310. Wort zum Sonntag am 31. Juli 2016

Lk 12, 13-21: In jener Zeit bat einer aus der Volksmenge Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

Das Anlegen von Vorräten ist sogar im Tierreich was Gebräuchliches. Wenn beispielsweise Eichhörnchen kein "Schätze" sammelten, wären sie schon lange ausgestorben. Und wenn Bienen keine Honigvorräte anlegten, schaute es im Pflanzenreich schlimm aus.

Aber Christen dürfen sowas nicht machen, die dürfen nur Vorräte fürs Himmelreich sammeln! Darum setzen sich die Christenparteien auch so für die arbeitenden Menschen ein und sind gegen die Kapitalanhäufer, gegen Konzerne und die Finanzindustrie. Oder machen die Christenparteien nicht gerade das Gegenteil? Halten sich politisch-biblisch streng an Matthäus 25, 29: "Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch genommen werden, was er hat." Wie erklärt Kardinal Schönborn den christlich-politischen Reichtumsanhäufern die Bibel? Schauen wir nach!

Natürlich befasst sich der Wiener Bischof nicht mit der ÖVP oder anderen christlichen Parteien, zu deren Politik hat er noch nie was gesagt.
Dass zum Erbschaftsstreit im heutigen Evangelium der Herrn Jesus Partei für den Bruder mit der Erbschaft ergreift und den erblos gebliebenen Bruder wegen "Habsucht" beschimpft, erscheint einem vernünftig denkenden Menschen sehr seltsam, aber das passt eigentlich zu den Christen in den Christenparteien. Denn die reden auch dauernd von der "Neidgenossenschaft", wenn von der immer ungleichmäßiger werdenden Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums die Rede ist.

Hier ist Jesus voll christparteilich: der hat, der darf behalten, der nicht hat, der ist habgierig! Und der Schönborn freut sich natürlich darüber!

Denn: "Mehr, immer mehr! Das kann zur wahren Sucht werden. Nie genug, nimmersatt im Haben. Unstillbares Verlangen nach noch mehr Besitz. Unruhiges Herz, weil der Neid auf das, was der andere hat und was ich haben könnte, die Gier nach noch mehr Haben nie zur Ruhe kommen lässt. Auch wenn Jesus in diesem Erbstreit vermittelt hätte, wäre dann Ruhe gewesen? Solange im Herzen die Habgier sitzt, kommt es zu keinem Frieden in der Familie."

Aha und deswegen darf der Habgierigere der beiden alles behalten? Typisch christliche Gerechtigkeit!
Es erfreut jedoch einen Atheisten wie meinereinen, so einen haarsträubenden Blödsinn im Evangelium und in der bischöflichen Sonntagspredigt lesen zu können, dem Schönborn fällt der Widerspruch überhaupt nicht auf. Er legt noch nach: "Der reiche Mann ist nicht damit zufrieden, dass es ihm gut geht. Er will noch mehr. Und es geht ihm nur um sich selber. Es ist nicht die Rede von seiner Frau, seinen Kindern. Alles dreht sich um sein eigenes Wohlbefinden." Das damalige Denken inkludierte klarerweise die Familie dieses Patriarchen, ein gutes Leben für ihn war auch ein gutes Leben für seine Angehörigen.

Und dann kommt zum Schluss der Schönbornpredigt natürlich die übliche Pointe: "Habgier (..) macht nur einsam. Du glaubst dann, alles zu haben. Du träumst davon, dass es dir dann gut gehen wird und du an deinem Leben Freude haben wirst. In Wirklichkeit bist du ein Narr! Jesus erinnert uns alle nüchtern daran, dass wir aus dieser Welt nichts mitnehmen können. Wenn du stirbst, 'wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?' 'So geht es jedem, der nur für sich selber Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.' Ausgangspunkt war ein Erbschaftsstreit. Am Ende steht die Frage an uns all: Was ist der Sinn meines Lebens? Möglichst viel zu haben? Schätze anzusammeln, die wir doch einmal zurücklassen müssen? Oder Gutes für andere zu tun? Diesen Schatz raubt uns kein Tod!"

Den Sinn des Lebens muss sich jeder selber finden, ein Leben mit möglichst wenig Not und Leid und möglichst viel Glück und Freude ist sicherlich für die Menschen ein Lebenssinn. Im Leben zu leiden und nach dem Tod im Paradies beim Jesus oder beim Allah oder sonst einer Phantasiefigur glücklich sein zu wollen, ist eine Narretei. Und zur Habgier von Menschen, von reichen Dynastien tragen sicherlich gerade die christlichen Parteien besonders viel bei. Dort redet man vielleicht hin und wieder ein bisschen von Almosen, aber die Lohnnebenkosten, die den Sozialstaat sichern, die gehören reduziert. Aber zu solchen Sachen hat der Schönborn noch nie ein konkretes Wort gesagt!


309. Wort zum Sonntag am 24. Juli 2016

Lk 11,1-13: Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Weil heute der "Christopherustag" ist, beginnt Bischof Schönborn mit der "Christopherussammlung". Früher wurde in katholischen Landen oft auf Brücken eine Statue des Christopherus aufgestellt, laut Heiligenlexikon ist er der Schutzpatron des Verkehrs, der Furten und Bergstraßen, der Fuhrleute, Schiffer, Flößer, Fährleute, Brückenbauer, Seeleute, Pilger, Reisenden, Kraftfahrer, Chauffeure, Luftschiffer, Straßenwärter, Lastenträger, Bergleute, Zimmerleute, Hutmacher, Färber, Buchbinder, Goldschmiede, Schatzgräber, Obsthändler, Gärtner und Athleten. Ein ganz schön fleißiger Schutzpatron!
Für die Christopherussammlung sollten die Autofahrer für jeden unfallfrei gefahrenen Kilometer was spenden, früher - in der Zeit, wo es noch ein richtiges Geld gab - war das ein Groschen, bei 15.000 Kilometer im Jahr hätte man also für (laut Schönborn) "den Kauf von Hilfsfahrzeugen in den armen Ländern" 150 österreichische Schilling spenden dürfen. Heute will man einen Cent für zehn Kilometer, das wären 15 Euro oder in echtem Geld 206,40 Schilling. Von dieser katholischen Sammlung hört man heute nimmer viel und Bischof Schönborn jammert deswegen, dass zuwenig Geld hereinkommt. Im Geschäftsbericht von 2015 freuen sich die Christopherussammler, die damit nicht "armen Ländern" helfen, sondern dortigen kirchlichen Einrichtungen, allerdings über 1,8 Millionen Euro, das wären 1,8 Milliarden unfallfrei gefahrene Kilometer, dividiert durch sagen wir einmal zwei Millionen autofahrende Katholiken, dann fuhr jeder Katholik 900 Kilometer unfallfrei. Das ist zu schaffen!

Aber Spaß beiseite! Worum geht's heute sonntagspredigtmäßig wirklich? Klarerweise ums Beten! Und hilft das Beten? Da ist sogar ein Kardinal nicht ganz sicher: "Hilft Christophorus? Hilft es, um seinen Schutz zu bitten? Früher gab es eine Fülle von Fürsprechern für alle Lebenslagen und Nöte. Wer ruft heute noch die heilige Apollonia um Hilfe, wenn das Zahnweh plagt? Da gehen wir lieber zum Zahnarzt."
Ja, auch deswegen lässt der Glaube nach, weil der Zahnarzt im Gegensatz zur heiligen Apollonia hilft, auch wenn's beim Bohren oder Reißen weh tut! Schönborn zitiert dann einen gläubigen Arzt, der zu ihm gesagt hätte, "nicht entweder Arzt oder heiliger Nothelfer, nicht entweder Medizin oder Gebet, sondern beides". Damit hat der Herr Doktor recht, das Beten nutzt nicht nur nix, es schadet auch nicht!

Aber der Herr Erzbischof von Wien zweifelt weiter:
"Wozu beten? Man kann darüber spekulieren: Warum sollen wir beten, wenn Gott eh alles weiß? Wir brauchen ihm doch nicht zu erklären, er versteht ja sowieso, was wir benötigen. Wird Gott wegen meinem Gebet seine Pläne ändern? Was aber, wenn die einen um Regen, die anderen um Sonnenschein beten? Oder wenn jeder für seine Fußballmannschaft um den Sieg betet? Gewinnen die, die besser beten? Oder die, die besser trainiert haben?" Man staunt über soviel bischofskatholische Einsicht!

Sagt der Kronensonntagszeitungsprediger auch was zum Vaterunser?
Er verabschiedet sich auf eine eher unverbindliche Art vom Vaterunser und vom Beten: "Zu Gott gehen wir nicht wie zu einem Fremden, sondern wie zu einem Freund. Nichts soll, nichts kann uns abhalten, einfach bei ihm anzuklopfen, voll Vertrauen, ohne Angst, zu stören. Nie werden wir ihm lästig sein. Denn er ist immer für uns da: 'Klopft an, dann wird euch geöffnet.' So klar sagt es Jesus: 'Wer bittet, der empfängt.' Nicht immer genau das, was er erbittet. Aber immer eine Hilfe. Weil Gott uns wirklich Vater ist. Und wozu die Heiligen, Christophorus, Peregrin und die anderen? Nun: Weil sie Gottes Freunde sind, wollen sie uns helfen wie Er!"

Ja, da wirkt wieder das Göttliche: Man betet und das Gewünschte passiert - Gott hat geholfen! Man betet und ein bisschen was wird besser - Gott hat nur ein bisschen geholfen, weil vielleicht zu wenig gebetet wurde oder der Beter ein bisschen sündhaft war. Es passiert nichts - Gott prüft uns! Es passiert das, gegen das gebetet worden war - Gott straft uns? Oder sind bloß Gottes Wege wieder einmal unerforschlich? Der Schönborn könnte auch sich selber im Spiegel anjammern und anflehen, er würde dasselbe vollbringen, was sein Gott schafft...


308. Wort zum Sonntag am 17. Juli 2016

Lk 10,38-42: In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf, und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Ja, das ist ein Grundprinzip der katholischen Kirche: Die anderen sollen arbeiten, die Kirchen kassiert! Wie ja jüngst wieder einmal wahrzunehmen war, 120 Milliarden Euro alleine an Grundbesitz in Österreich! Siehe "Die Kirche lobt sich schön".

Aber das nur nebenbei als Heuchlermuster. Weil das Wichtigste ist es natürlich, den lieben Jesus von Herzen zu lieben! Der Herr Bischof Schönborn fasst das so zusammen: "Die beiden Schwestern stehen für zwei Lebenseinstellungen. Es braucht beide. Aber sie haben eine Rangordnung. Zuerst geht es ums Hören. Dann ums Handeln. Zuerst den anderen anhören und ihn nicht gleich mit den eigenen Aktivitäten überschütten. Marta meint es gut, aber sie nimmt den Gast gar nicht richtig wahr. Maria empfängt ihn mit dem Herzen. Das ist 'das erste Notwendige', von dem Jesus spricht. Wie anders sähen unsere Beziehungen aus, wenn wir einander zuerst so begegnen würden, wie Maria es Jesus gegenüber tut! Zuhören, anhören, aufnehmen, sich einlassen auf das, was dem anderen am Herzen liegt: Diese 'Gastfreundschaft des Herzens' brauchen wir mehr als alle noch so gut gemeinte Bewirtung. Maria hat Jesus zugehört. Jesus war nicht nur ein lieber Freund und Gast, er ist 'der Herr', der Christus, in dem Gott bei uns zu Gast ist. Mehr auf Gottes Wort hören, es mit dem Herzen aufnehmen: Das ist es, was Maria von Betanien bis heute zum Vorbild macht. Sie hat 'das Bessere gewählt'."

Selber was sagen, ist natürlich nicht vorgesehen. Hände falten, Goschen halten, das macht selig! Schönborn bräuchte sich ja nur in seinen Kirchen einmal ein bisschen umsehen. Wieviele Leutlein gibt's denn noch, die sonntags mit gefalteten Händchen und gehaltenen Göschleins in der Kirche sitzen? Das ist doch eine aussterbende Lebensart. In fünfzig Jahren werden sich ältere Leute daran erinnern, dass sie noch eine Oma gehabt haben, die sonntags immer in die Kirche ging...

Pow, das ging heute aber schnell!


307. Wort zum Sonntag am 10. Juli 2016

Lk 10,25-37: In jener Zeit wollte ein Gesetzeslehrer Jesus auf die Probe stellen. Er fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Was muss man tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Tu was du willst! Das ewige Leben diente als religiöser Trost, das Christentum wurde wohl deswegen zur römischen Staatsreligion, weil man den Mühseligen und Beladenen damit sehr kostengünstig eine Hoffnung auf ein besseres Leben geben konnte. Allerdings war diese Methode nur für Einfältige und Ahnungslose geeignet, weil das besseres Leben gab's erst nach dem Tode. Und Verstorbenen kann man ja alles versprechen!

Früher lag der christliche Schwerpunkt auf der Drohung mit einem ewigen Leben im ewigen Höllenfeuer, mit dieser Drohung sollte die Liebe zur christlichen Kirche möglichst in die Höhe getrieben werden, was bei großen Teilen der Menschen im Christenreich auch lange Zeit gelang. Das hat sich inzwischen gelegt, weil die Höllendrohungen gibt's kirchlicherseits kaum noch und der Glaube an ein Weiterleben der Toten schrumpft daher auch dahin. Eine Umfrage in Österreich stellte im Jahre 2012 Fragen zum persönlichen Glauben, die Frage, ob es "ein Leben nach dem Tode" gebe beantworteten 40 % mit "ja", zur Frage, ob es Seelenwanderungen und Wiedergeburten gebe, meinten 23 % "ja". Nachdem eine "Wiedergeburt" ja auch ein Leben nach dem Tode sein müsste, sind die christlichen Weiterlebenden offenbar schon in der Minderheit. Von den Unter-29-jährigen sagten zu den beiden obigen Fragen nur noch 27 bzw. 15 % "ja". Und das wird sich in den letzten vier Jahren wohl kaum gedreht haben, neutrale Umfragen dazu gibt's recht selten.

Und zur "Nächstenliebe"? Das Beispiel vom barmherzigen nichtjüdischen Samariter, der einem überfallenen Juden hilft, spiegelt sich in der katholischen Kirchengeschichte nicht wieder. Weil da hat man Leute mit einem anderen oder keinem Glauben lieber bekämpft oder gar auf den Scheiterhaufen gestellt als ihnen geholfen. Es ist noch nicht lange her, dass der von der katholischen Kirche institutionalisierte gesellschaftliche Druck gegen Anders- und besonders gegen Ungläubige die im 19. Jahrhundert verfassungsmäßig verankerte Religionsfreiheit stark einschränkte. Ich bin von 1953 bis 1965 in die Schule gegangen, ich begegnete in diesen zwölf Jahren einem einzigen konfessionslosen Mitschüler und heuchelte notgedrungen selbst zwölf Jahre lang, katholisch zu sein.

Die Geschichte vom barmherzigen Samariter macht heute sowieso keinen Sinn mehr. Weil die früher in unseren Breiten aktive Arbeiterbewegung hat den Sozialstaat erkämpft, Sozialversicherungen und andere Sozialeinrichtungen sichern jedem den elementaren Beistand, wer verletzt am Boden liegt, braucht keinen hilfsbereiten Samariter, es gibt heute das Recht auf Hilfe, ohne dass um Nächstenliebe gefleht werden muss!

Hier ein Vers aus der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert:
"Was wir ersehnen von der Zukunft Fernen:
Dass Arbeit uns und Brot gerüstet stehn;
Dass unsere Kinder in der Schule lernen
Und unsere Alten nicht mehr betteln geh'n."

Es geht nicht um Barmherzigkeit und Almosen, es geht um Rechte!

Bischof Schönborn lebt natürlich in seiner Nächstenliebewelt, die real kaum eine Rolle spielt. Der Umsatz der österreichischen Sozialschutzsysteme lag 2014 bei 112 Milliarden Euro, die berühmteste österreichische Nächstenliebeaktion "Licht ins Dunkel" sammelte bei der großen Weihnachtsaktion 2015 nicht einmal mehr sechs Millionen. Das genügt wohl als Beispiel dafür, was besser ist: das Recht auf Hilfe oder die Hoffnung auf barmherzige Nächstenliebe. Und es sind gerade die christlichen Parteien, die ständig am Sozialstaat sägen, etwa an den "Lohnnebenkosten": die Lohnnebenkosten finanzieren den Sozialstaat, eine Reduzierung lässt den Sozialstaat schrumpfen und den Profit der Konzerne unbarmherzig steigen!

Wie beendet der Herr Kardinal heute seine Predigt? Er sagt über den Samariter: "Er ist ein Andersgläubiger, seine Religion ist fremd und gilt als falsch. Zwischen Juden und Samaritern ist Feindschaft. Der Schwerverletzte ist Jude. Die beiden jüdischen Geistlichen haben sich nicht um ihren Volks- und Glaubensgenossen gekümmert. Anders dieser Fremde. Er tut, was bis heute jeder Rettungsdienst tut: Stehenbleiben, hinschauen, helfen. Egal, ob es in den eigenen Terminkalender passt. Egal, ob der Verwundete einer 'von uns' ist oder 'von den anderen'. Er ist ein Mensch, und der Samariter verhält sich ihm gegenüber wie ein echter Mensch. Am Schluss hat Jesus die Frage umgedreht. Nicht: Wer ist mein Nächster? Sondern: Wem bin ich ein Nächster? Nur darauf kommt es an: was du tust!"

Ja, wenn heute wer verletzt wird, dann fährt die Rettung das Opfer ins Spital, dort folgt die notwendige Behandlung, ein barmherziger Samariter wird nicht benötigt und ob das Opfer römisch-katholisch, tschechisch-powidl oder atheistisch ist, interessiert weder die Rettung, noch das Krankenhaus, noch die Krankenkasse. Das wurde gegen die römisch-katholische Kirche erreicht, denn diese hatte die Arbeiterbewegung - solange das noch irgendwie möglich war - stets verdammt! Unbarmherzig hieß es in den Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI. von 1931: "Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar. Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar."

Der Rückweg in diese katholische Richtung steht allerdings wieder offen. Denn nach dem Konkurs der Sowjetunion hat auch die Sozialdemokratie ihre gesellschaftspolitischen Ziele still beerdigt und die christlichen Politiker mühen sich ab, die bis in die 1980er-Jahre erkämpften und erreichten Errungenschaften rückabzuwickeln. Was allerdings nicht immer ganz einfach ist, weil die grundlegenden soziallstaatlichen Errungenschaften in den Völkern fest verankert sind und sich nicht mit einem Federstrich streichen lassen. Aber versucht wird es trotzdem weiterhin ständig werden, denn die christliche Politik ist streng bibeltreu und beruht auf dem Vers 29 aus dem Kapitel 25 des Matthäusevangeliums: "Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe, wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat." Dieser Vers wird hier nun schon zum 38. Mal zitiert, aber das ist wichtig, weil er drückt die christliche Liebe zum menschenfeindlichen unbarmherzigen Neoliberalismus formvollendet aus! Und was anderes als die reichen Prasser zu unterstützen und ein bisschen Almosen für die ganz Armen zu sammeln, hat die r.k. Kirche in ihrer ganzen Geschichte ja nie verlangt. Und schließlich gehört die katholische Kirche selbst zu den weltweit reichsten Konzernen!


306. Wort zum Sonntag am 3. Juli 2016

Lk 10,1-12. 17-20: In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe. Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt. Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen. Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.

Heute haben wir wieder einmal ein zensiertes Evangelium, es fehlen die Verse 13 bis 16 mit einigen Drohungen: "Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan. Tyrus und Sidon wird es beim Gericht nicht so schlimm ergehen wie euch. Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat."

Da hatten wohl ein paar Ortschaften dem Jesus beim Predigen nicht ausreichend zugehört und darum kommen die Einwohner samthaft in die Unterwelt, weil der Jesus ist der Gesandte Gottes und wer ihn ablehnt, der lehnt Chefgott Jehova ab und dafür gibt's die üblichen Strafen, die der Jesus allerdings heutzutage nimmer verkündigen darf, weil er wurde in der Folge des 2. Vatikanums zu einem braven Barmherziger umgebaut, der sowieso alle liebt, wurscht, ob sie ihn ablehnen oder nicht.

Dann verkündet er auch wieder einmal, dass das "Reich Gottes" nahe sei, dieser Jesus ist eben ein Endzeitprediger gewesen, der sich allerdings beim Datum der Endzeit doch erheblich verschätzt haben dürfte, weil heute reden die Christenprediger eher nimmer vom nahen Gottesreich.

Und was sagt der Herr Schönborn zum heutigen Evangelium? Auf seiner Homepage sagt er gar nix, weil man dort vergessen hat, seine Predigt online zu stellen (um 11h40 am 3.7. war dort immer noch nix zu finden). Was bedeutet, dass Euer Atheismusprediger heute aus der Kronenzeitung abtippen musste und nicht mit copy & paste arbeiten konnte.

Der Herr Bischof von Wien scheint auch an die drängende Zeit zu glauben, er meint, Jesus wolle damit sagen, "dass deine und meine Hände gebraucht werden! Dass die Zeit drängt, weil die Not groß ist! Dass wir die Zeit zum Helfen nützen sollen und nicht zum Quatschen." Und wem will er wie helfen? Spendet die Kirche jetzt für die Armen? Betreut ab sofort die Caritas Flüchtlinge auf eigene Kosten und lässt sich nimmer vom Staat dafür gut bezahlen? Aber nein, sowas gibt es doch nicht, weil das Wichtigste sind immer noch die Milliarden in den Kirchenkassen!

Konkret meint Schönborn:
"So viele Menschen brauchen ein gutes Wort, ein wenig Zeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung. Wirklich die Ernte ist groß! Aber viel zuwenig sind bereit, mitzuhelfen, dass unsere Welt weniger kalt und unmenschlich ist." Also ein Mehr an Heidschibumbeidschi, dann wird die Welt besser.

Vom Satan und von Schlangen und Skorpione, die zu zertreten sind, sagt der Herr Kardinal nichts, er schließt mit: "Jesus hat seinen Freunden etwas Wunderbares anvertraut, die Frohbotschaft, das Evangelium. Jesus hat aber auch deutlich gezeigt, was es braucht, damit es zu den Menschen vordringt. Die Zeit drängt, dass es ankommt!"

Niemand hindert Katholiken daran, dass sie das tun, was im heutigen Evangelium steht, also macht Euch auf, ohne Geldbeutel, ohne Vorratstasche und bloßfüßig, nistet Euch in friedlichen Häusern ein, heilt die Kranken und zertretet die Schlangen und Skorpione, unterwerft die Dämonen! Und wenn Euch niemand einquartiert und füttert, Ihr keine Kranken heilen und auch keine bösen Viecher zertreten könnt, dann geht wieder nach Hause, weil auf das Evangelium muss heutzutage niemand mehr neugierig sein, weil wir haben inzwischen ja die Religionsfreiheit und diese wird immer umfassender praktiziert. Amen.


305. Wort zum Sonntag am 26. Juni 2016

Lk 9,51-62: Als die Zeit herankam, in der er in den Himmel aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf. Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Schade, dass diese Aufträge vom Jesus kaum wer befolgt hat! Weil wenn das wirklich so gewesen wäre, hätte es nie eine katholische Kirche gegeben und der Menschheit wäre riesig viel Leid und Qual erspart geblieben, es hätte nicht tausend Jahre lang geistfreies finsteres Mittelalter geherrscht, denn zur Staatsreligion hätte sich so eine Sektiererreligion nicht geeignet. Als im Jahre 380 die Religionsfreiheit abgeschafft und das Christentum mit dem Dreikaiseredikt zur römischen Staatsreligion erhoben wurde, geschah das, weil damit den Menschen ein wunderbares Himmelreich nach dem Tode versprochen wurde und sich deswegen das irdische Elend bis zum Entstehen der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert halten konnte. Aber solche Überlegungen stellt natürlich einer wie der Wiener Bischof Schönborn nicht an, der ist schließlich Lichtjahre von einem Dom Helder Camara, Erzbischof von Olinda und Recife in Brasilien, entfernt, der gesagt hat: "Wenn ich den Armen Essen gebe, nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten."

Was bewegt Schönborn heute? Der Radikalismus! Mit Recht! Weil die obigen biblischen Zitate sind extrem radikal! Schönborn: "Terrorismus wird von Radikalen betrieben. Sie sprengen sich in die Luft und reißen möglichst viele mit sich in den Tod. Sie schießen blindlings um sich und erschießen, wen sie erwischen können. Sie ziehen in den Krieg, um einen islamischen 'Gottesstaat' zu errichten und schrecken vor keiner Brutalität zurück, um ihr Ziel zu erreichen. Radikalisierung erleben wir auch in der Politik. Die Worte werden härter, die Forderungen schärfer, die Mittel unmenschlicher. Wo führt das hin? Wie wird das enden?"

Der reale Radikalislam ist gut beschrieben. Aber, bitte schön, wo gibt's diese Radikalität in der Politik? Wann hat zum Beispiel der Gewerkschaftsbund in Österreich letztmalig scharfe Forderungen gestellt? Vermutlich 1950 beim kommunistischen Oktoberstreik. Der Neoliberalismus muss keine radikalen Forderungen stellen, es genügt ständig radikal profitorientiert zu handeln, dann wird das zur alltäglichen Selbstverständlichkeit und die SPÖ-Wähler wählen aus Protest FPÖ, weil sich niemand mehr um sie kümmert.

Der heutige Predigtschluss vom Schönborn ist recht kurios: "Bis heute hat die Radikalität Jesu immer Menschen angezogen. Jesus nachfolgen, sich ganz auf ihn und seinen Weg einlassen: dieses Wagnis hat die Kirche immer jung und frisch gemacht. Es hat Menschen wie Mutter Teresa von Kalkutta hervorgebracht. Es hat Herzen und Hände für die Nächstenliebe geöffnet. Es hat Feindschaften überwunden, Versöhnung gebracht. Dieses radikale Wagnis wandelt die Welt zum Guten."

Ach, die im heutigen Evangelium geschilderte Radikalität zieht bis heute immer mehr Menschen an? Die katholische Kirche ist frisch und jung? Und als Beispiel fällt ihm dann dazu nur eine versponnene seltsame Nonne ein?

Und die für die Nächstenliebe geöffneten Herzen und Hände? Zurzeit veröffentlichen die deutschen Diözesen erstmals ihre Finanzbilanzen, die Diözese München besitzt alleine 5,5 Milliarden Euro. Darin sind allerdings längst nicht alle katholischen Besitztümer Bayerns enthalten, es fehlen die Besitze der Pfarren und vor allem die der Ordensgemeinschaften. Wieviel Wohltätigkeit mit Kirchengeldern verübt wird, war nicht zu ergoogeln. Das Geld bleibt wohl bis zum Jüngsten Tag in der Kirchenkasse.

Und die katholische Christenlehre hat auch noch Feindschaften überwunden, Versöhnung gebracht und die Welt zum Guten gewandelt? Wurden die katholischen Feindschaften nicht dadurch überwunden, dass der katholischen Kirche ihr feindseliges Verhalten gesellschaftlich Schritt für Schritt eingeschränkt wurde? Und die Welt durch weniger Religion besser werden kann? Zum Beispiel wenn christliche US-Präsidenten keine Kriege mehr führen oder der Islam als mögliche Gefahr und nicht als multikulturelle Bereicherung wahrgenommen wird? Das Christentum hat der Menschheit nichts gebracht, aber endlosen Schaden gestiftet!


304. Wort zum Sonntag am 19. Juni 2016

Lk 9,18-24: In jener Zeit, als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren, fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Heute haben wir wieder einmal ein sadomasochistisches Thema, denn weil der Jesus gemäß der biblischen Legende an einem Freitag gekreuzigt worden sein soll, darum müssten eigentlich die Katholo-Christen jeden Freitag leiden. Nach der obigen Bibelstelle müsste sich zwar jeder ganzjährig selbst verleugnen und jeden Tag sein Kreuz auf sich nehmen, aber das tun wohl nicht einmal Katholiken mit permanenten Kreuzschmerzen, die neben auch lieber ein Schmerzmittel.

Im Kodex des Kanonischen Rechtes heißt es dazu:
Can. 1250 - Bußtage und Bußzeiten
für die ganze Kirche sind alle Freitage des ganzen Jahres und die österliche Bußzeit.
Can. 1251 - Abstinenz von Fleischspeisen oder von einer anderen Speise entsprechend den Vorschriften der Bischofskonferenz ist zu halten an allen Freitagen des Jahres, wenn nicht auf einen Freitag ein Hochfest fällt: Abstinenz aber und Fasten ist zu halten an Aschermittwoch und Karfreitag.
Can. 1252 - Das Abstinenzgebot verpflichtet alle, die das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben; das Fastengebot verpflichtet alle Volljährigen bis zum Beginn des sechzigsten Lebensjahres. Die Seelsorger und die Eltern sollen aber dafür sorgen, dass auch diejenigen, die wegen ihres jugendlichen Alters zu Fasten und Abstinenz nicht verpflichtet sind, zu einem echten Verständnis der Buße geführt werden.

Das wird abgemildert durch Can. 1253: Die Bischofskonferenz kann die Beobachtung von Fasten und Abstinenz näher bestimmen und andere Bußformen, besonders Werke der Caritas und Frömmigkeitsübungen, ganz oder teilweise an Stelle von Fasten und Abstinenz festlegen.

In Österreich gilt die "Christliche Lebensordnung" vom 27. Februar 1994, hg. vom Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Hans Hermann Groër, dort heißt es in Sachen Buße und Fasten:
Die Österliche Bußzeit (Fastenzeit) hilft den Gläubigen bei der Vorbereitung auf das Osterfest. Alle Katholiken sind in dieser Zeit zu besonderem Gebet, ernster Gewissensprüfung, zur Mitfeier der Liturgie, zum Empfang des Bußsakraments und zum Fasten aufgerufen. So liegt es nahe, von öffentlichen, aufwendigen Festveranstaltungen Abstand zu nehmen.
Das Jahr hindurch gedenken die Katholiken am Freitag der Passion des Herrn durch ein Bußwerk eigener Wahl. An den Fasttagen Aschermittwoch und Karfreitag verzichten sie auf Fleischspeisen und sättigen sich nur einmal.

Das heißt dann vielleicht, dass es genügt, wenn sich ein gläubiger Katholik am Freitag nicht am Arsch kratzt, wenn es ihn dort beißt. Der freitägliche Verzicht auf Fleischspeisen wird auch seit Anfang der 1960er-Jahre vom Vatikan nimmer direkt vorgeschrieben, als strenge Fast- und Abstinenztage gelten verpflichtend nur noch Aschermittwoch und Karfreitag. Das Wort "verpflichtend" bedeutet: es ist eine Sünde, wenn man sich nicht daran hält.

Wirklich gelten tut das freitägliche Fleischverbot in Österreich nur noch in den meisten Betriebskantinen und in manchen Wirtshäusern, weil dort gibt's freitags regelmäßig als Menu Fischstäbchen mit Erdäpfelsalat. Und das Fleisch vom Fisch ist ja seit Jahrhunderten kein Fleisch: das hatten seinerzeit die fettgefressenen Kirchenfürsten so geregelt, damit sie freitags statt Schweinsbraten fette Karpfen fressen konnten.

Wenn man sich die obigen Zeilen aus kirchlichen Texten nochmals durchliest, muss man laut lachen. Wieviele Promille der katholischen Kirchenmitglieder werden sich ernsthaft mit so einem Schmonzes befassen?

Aber das wieder einmal nur nebenbei, was plagt heute den Herrn Schönborn?
Weil der Jesus seine Jünger fragt, wer er sei, bewegt das Thema Vorurteile den Schönborn. Dass der Jesus der Messias gewesen wäre, das ist natürlich für'n Wiener Bischof kein Vorurteil, davon lebt ja seine Firma, aber man solle keine vorschnellen und oberflächlichen Urteile über seine Mitmenschen abgeben. Ja, das soll man nicht. Aber langsam tiefgründige Urteile abzugeben, das wird ja doch gestattet sein.

Schönborn wundert sich dann auch noch, warum der Jesus seinen Jüngern verbittet, den Leuten zu erzählen, dass er der Messias sei. Das kann unsereiner einem Kardinal schnell erklären: Die Geschichte vom Messias entstand erst als längst kein Jesus mehr durch die Gegend lief, das haben die Epigonen erfunden. Und weil zurzeit in der der Lukastext verfasst wurde, noch Zeitzeugen existiert haben, die seinerzeit nie was davon gehört hatten, dass der Wanderprediger Jeschua ben Josef sich als Messias deklariert hätte, darum hatte das geheim gewesen zu sein. Das sollte den Widerspruch zwischen der Realität und der aktuellen Fiktion auslöschen.

Jesusjünger Schönborn schließ jedenfalls mit
"Vielleicht wollte Jesus vermeiden, dass neue Missverständnisse entstehen. Noch war nicht sicher, dass sie verstanden haben, wer er wirklich ist. Deshalb sagt er ihnen klar, was es für ihn bedeutet, der Messias Gottes zu sein: Leiden, Kreuz, Tod und Auferstehung. Jesus sagt seinen Freunden: Wenn ihr mich wirklich kennen wollt, dann kommt und geht mit mir meinen Weg! Macht es wie ich: Nehmt auch ihr Tag für Tag euer Kreuz auf euch und folgt mir nach! Wenn wir einander nicht nur oberflächlich kennenlernen wollen, müssen wir bereit sein, uns auf andere einzulassen. Ohne Anteilnahme geht das nicht. Freude und Leid des anderen teilen: Nur so erfahre ich, wer du wirklich bist!"

Leute, die dauernd mit anderen mitleben und mitleiden wollen, haben psychische Probleme und nerven damit ihre Umwelt. Ich mache es lieber umgekehrt und erzähle z.B. gerne meinen Mitmenschen von meinem kaputten Fuß, der nimmer so richtig läuft, die meisten Mitmenschen kennen diese Geschichte schon ausreichend, wollen sie nicht schon wieder mitleben und mitleiden, schütteln darum bloß teilnahmsvoll den Kopf und laufen weg. Und ich überlege mir dann, ob ich mir nicht auch den anderen Fuß brechen soll, damit ich durch eine neue Geschichte mehr Anteilnahme an meinem traurigen Schicksal bekomme. Habe dazu sogar einmal einen christlichen Beterkreis überredet, anteilnehmend zu ihrem Gott zu beten, damit er meine Titanschienbeinplatte mit dreizehn Schrauben wieder in einen gesunden Knochen zurückwundert, die haben wirklich gebetet, der Christengott hat mir nicht geholfen, die Titanplatte habe ich immer noch, was Religion wirklich ist, habe ich aber schon vorher gewusst...

Aber es mir mir heute gelungen, Euch die Geschichte von meiner Titanplatte im rechten Unterschenkel zum zehnten Mal zu erzählen, das ist doch was!


303. Wort zum Sonntag am 12. Juni 2016

Lk 7, 36-50: In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

Dem Jesus die Füße küssen, das ist also das richtige christliche Verhalten! In unseren Breiten ist das allerdings sehr, sehr abgekommen, in der realen Welt würde die Mehrheit der Leute auf die Aufforderung, dem Jesus die Füße zu küssen, wohl eher - derb formuliert - mit einem "leck mich am Arsch" reagieren.

Bischof Schönborn hat heute wieder einmal sein Lieblingsthema, er übertitelte seine Predigt mit "Nur die Liebe zählt" und beginnt mit "Weil sie viel geliebt hat, ist ihr viel vergeben worden! Liebe und Verzeihen: Das ist das große Thema dieses wunderbaren Evangeliums. Ohne Liebe ist alles hohl und leer. Warum haben wir so viel Angst vor der Liebe?"

Der Herr Bischof hat Angst vor der Liebe, weil er sie als Zölibatärer gar nicht kennen, ja nicht einmal dran denken darf! Und weil ihm die wirkliche persönliche Nähe zu anderen Menschen strikt verboten ist und er klarerweise psychisch darunter leidet, darum bläst er die Liebe zu einem Phantom auf. Seine Frage "warum haben wir so viel Angst vor der Liebe?", stellt er klarerweise falsch, er verallgemeinert auf "wir" und kann doch nur "ich" meinen. Es wird ja auch einem Bischof passieren können, sich in eine weibliche oder männliche Person in seiner Umgebung zu verlieben: darum muss ein Geistlicher auf alle Fälle Angst vor der Liebe haben - Angst davor zu sündigen oder Angst davor, dass Sünden aufkommen...

Aber reden und predigen kann er mit Saus und Braus und sündenfrei von und über die Liebe, hallelujah! Schönborn schließt seine Predigt mit: "Was zählt schon schließlich im Leben? Wonach werden wir einmal beurteilt? Nur danach: Hast du geliebt?"

Da sollte er sich für die Abschaffung des Zölibats einsetzen, er ist zwar schon über siebzig, aber er könnte es vielleicht doch noch probieren, zu lieben, dann hätte er was, das zählt im Leben und er könnte danach in seinem religiösen Denken auf eine bessere Beurteilung durch seinen Jesus hoffen. Der hat ja schließlich nur die "Verschnittenen", also die Kastrierten von Liebe und Ehe ausgenommen: In Mt. 19, 1-10 untersagt der Jesus die Ehescheidung, die Jünger fragen ihn, ob es dann nicht besser wäre, nicht zu heiraten und bekommen in Vers 11 und 12 diese Antwort zur Ehelosigkeit: "Das Wort fasst nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist. Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe also geboren; und sind etliche verschnitten, die von Menschen verschnitten sind; und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der fasse es!"

Generell hat also der Jesus den Priestern und Bischöfen die Liebe nicht verboten! Der Zölibat wurde (ohne Kastration!) im Laufe der Zeit eingeführt, um zu vermeiden, dass sich auch in der Kirche feudale Regeln ausbreiten, nämlich die Vererbbarkeit von Pfarr- und Bischofsämtern, ja die Vererbbarkeit des Papsttums, also die kirchliche Hierarchie sozusagen privatisiert würde. Weil der Durchgriff von oben nach unten musste nach all den langen Fraktionskämpfen gewährleistet bleiben. Heute hätte sowas keine Bedeutung mehr, weil sich die personelle Besetzung von Pfarrhöfen oder Diözesen gesellschaftlich nicht mehr an der Vererbbarkeit von feudalen Titeln und Gütern orientieren könnte. Jetzt geht's beim Zölibat nur noch ums Prinzip und vielleicht darum, dass die verkalkten alten Herrn im Vatikan mit Liebe und Sexualität sowieso nimmer viel am Hut haben.

In den kommenden Zeiten wird das zölibatäre katholische Priestertum mangels Nachwuchs sowieso aussterben, der Zölibat daher abgeschafft werden müssen, dann werden irgendwann sogar katholische Bischöfe was anderes küssen dürfen als dem Jesus seine Füße...

Aber bis es soweit ist, wird weiter geheuchelt werden müssen. Mir hat vor Jahren ein Theologiestudent den priesterlichen Umgang mit dem Zölibat so erklärt: Wenn ein Priester sexuell sündigt, dann geht er eben beichten. Auf meine Frage, was dazu der andere Priester sagen wird, kam die Antwort, "der kennt das ja eh von sich selber..."


302. Wort zum Sonntag am 5. Juni 2016

Lk 7,11-17: In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.

Naïn ist heute ein Dorf mit ein paar hundert Einwohnern. Die Totenerweckung tut der liebe Jesus mit Vorliebe nicht in großen Städten und vor großem Publikum, sondern irgendwo abseits. Als die Evangelien niedergeschrieben wurden und dadurch Verbreitung fanden, war man dadurch gut abgesichert, dass keine Zeitzeugen auftauchen, die dagegen zu reden vermocht hätten.

Der "Scheintod" rief bis tief ins 20. Jahrhundert bei vielen Menschen Angst hervor - man erinnere sich z.B. an den "lieben Augustin" in Wien, der nicht tot, sondern nur besoffen ins Massengrab geworfen worden war und ohne Wunder auferstand - oder man denke an die einschlägigen Gruselgeschichten von Edgar Allan Poe. Heutige medizinische Diagnosen verhindern das Begraben oder Auferstehen von Scheintoten, in alten Zeiten konnten Scheintote als Beispiele für Totenerweckungen dienen...

Bischof Schönborn schreibt sich heute selber in einen Wirbel hinein, er schreibt zusammenfassend über das angebliche Wunder: "Wer aber von Jesus vor allem Wunder erwartet, wird enttäuscht werden. Denn damals wie heute gab es viele tragische Todesfälle. Jesus hat sie nicht alle wieder auferweckt. Damals wie heute waren solche Wunder eine Ausnahme. Es gab und gibt sie, und das ist wichtig. Aber es ist nicht das Hauptanliegen Jesu."

Wo, bitte schön, gibt es heute Wunder? Fallweise bei katholischen Selig- und Heiligsprechungen, wo man irgendwelche dubiose Geschichtchen zusammenkocht, wie etwa bei der Mutter Teresa oder beim Kaiser Karl. Nach Lourdes fahren jedes Jahr ein paar Millionen Pilger, geheilt wird dort schon längst niemand mehr, weil z.B. Spontanremissionen heute keine Wunder mehr sind. Und in der ganzen Menschheitsgeschichte hat noch kein Gott oder sonst ein Wunderheiler einem Amputierten seinen fehlenden Körperteil zurückgewundert, was ja wirklich ein Wunder wäre - zumindest solange bis die Medizin in der Lage sein wird, ganz ohne Jesus & Co fehlende Teile nachzuzüchten.

Da es keine Wunder gibt, braucht auch der Herr Kardinal ein wunderfreies Resümee: "Jesus sieht die Not, er bemerkt sie und lässt sich davon berühren. Darum geht es damals wie heute. Wir können nicht das Leid der ganzen Welt tragen. Aber wir können wie Jesus hinschauen, stehen bleiben, Leid wahrnehmen, trösten. Und vor allem: Es darf nicht beim bloßen Mitgefühl bleiben. Das Mitleid muss zur helfenden Tat werden. Tote werden wir nicht auferwecken, aber Leid lindern, das können wir sicher."

Der Kampf der Arbeiterbewegung hat erreicht, dass das Mitleid in unserem Alltag weit überwiegend durch den Sozialstaat ersetzt werden konnte. Der Sozialstaat kann Tote nicht auferwecken, aber er kann Kranke behandeln und notfalls Hinterbliebenen helfen. Und das ist eine Hochpotenz auf alles, das die christliche Almosenlehre jemals bewirkt hat. Man nehme als Beispiel nur das jährliche weihnachtliche "Licht-ins-Dunkel"-Gesumms, da sammelt man ein paar Millionen Euro an Almosen, das soziale Licht leuchtet aber vielmilliardenfach aus den Sozialversicherungen, siehe "Spendenfunsel im Sozialstaatscheinwerfer". Amen.


301. Wort zum Sonntag am 29. Mai 2016

Lk. 7,1-10: Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Heute wird der liebe Jesus wieder einmal erhöht! Denn schließlich ist er der Sohn vom Schöpfer des Universums, das Universum ist 100 Milliarden Galaxien groß, in einer dieser Galaxien liegt die "Milchstraße" und darin ist die Erde und dort hat dem Jesus sein Vater den Adam aus Lehm geformt und ihm eine Seele eingehaucht. Wer heute noch sowas glaubt, der sollte es vielleicht einmal mit ein bisschen Selberdenken probieren....

Aber den Sonntagspredigern geht's natürlich um den großartigen Jesus! Weil der heilt Krankheiten, mit denen sein Vater, der Schöpfer von Himmel und Erde, die Letztere verseucht hat. Offenbar war der Seniorgott kein sehr geschickter Schöpfer, weil er sonst ein gesündere Welt für die Menschen erschaffen hätte. So musste die Menschheit durch die Jahrtausende alle möglichen Schicksalsschläge durch das Leid der Krankheiten auf sich nehmen, nur ein paar Jährchen lang hat vor knapp 2000 Jahren der Juniorgott Jesus ein paar Leutchen geheilt. Danach mussten die Menschen selber die Krankheitsursachen erforschen und Behandlungswege finden, um die vom gemeingefährlichen Altgott geschöpften Krankheiten zu dezimieren. Was der katholischen Kirche nicht recht war, weil wenn Gott ein Leiden schickt, dann hat es der Mensch zu ertragen! Als 1807 in Bayern die verpflichtende Pockenimpfung eingeführt wurde, kämpften Andreas Hofer und seine Tiroler mit noch größerem Eifer gegen die bayrischen und französischen Besatzer, weil ihr Feldprediger Haspinger (zeitgenössische Zeichnung rechts) diesen Eingriff in den Willen Gottes scharf verurteilte. Auch heute tanzt die katholische Kirche fallweise immer noch ihre Tänze von vorgestern gegen den medizinischen Fortschrift. Aber es kommt kein Jesus vorbei, um Wunderheilungen zu tun.

Aber das wiederum nur nebenbei. Welches Resümee zieht heute unser Kronenzeitungssonntagsprediger Schönborn? "Aber die entscheidenden Dinge des Lebens können wir nicht einfordern, sondern nur erbitten: Liebe lässt sich nicht erzwingen. Anerkennung dürfen wir erhoffen. Freiwillige Hilfe kann nur frei geschenkt werden. 'Ich bin nicht würdig', das heißt mit anderen Worten: Ich bitte dich darum! Der Hauptmann war sich nicht zu gut, um für seinen Diener zu bitten. Wenn wir nur mehr nach seinem Vorbild miteinander umgehen würden!"

Die katholische Kirche fordert allerdings mit größtem Eifer alle Leute auf, ihren Jesus zu lieben, trotzdem ist immer mehr Menschen dieser katholische Hauptgott egal, nicht nur Liebe lässt sich nicht erzwingen, nicht einmal Interesse kann man befehlen. Das letzte Mal, dass in Österreich das Interesse und die Liebe zur katholischen Religion und zum Jesus behördlich angeordnet wurde, geschah ab 1933/34 unter dem Segen von Papst Pius XI. bei der Einrichtung der klerikalfaschistischen Diktatur der Herren Dollfuß, Schuschnigg und Innitzer. Das Elend dieses Regimes führte dummerweise dazu, dass 1938 Millionen Österreicher Hitler für den Erlöser hielten.

Aber diese Zeiten sind hinter uns. Niemand kann uns heute mehr eine Religion befehlen oder durch gesellschaftliche Traditionen ein religionsfreundliches Verhalten erzwingen, nicht einmal die Philoislamisten schaffen das noch! Religionsfreiheit inklusive Religionskritik sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Darüber hinaus gibt es eine für die Religionen noch viel gefährlichere Entwicklung: Abgesehen vom Islambereich interessiert Religion die Masse der Menschen einfach immer weniger, sie sind nicht mehr dagegen, ihnen wird Religion zunehmend mehr wurscht...


Wegen der Länge der Dateien werden diese regelmäßig geteilt

Die Sonntagsworte
von Juli 2010 bis Juni 2011 sind auf sonntag1_30.html,
von Juli 2011 bis Februar 2012 auf sonntag31_60.html,
von Februar bis September 2012 auf sonntag61_90.html,
von September 2012 bis März 2013 auf sonntag91_120.html,
von März bis Oktober 2013 auf sonntag121_150.html,
von Oktober 2013 bis Mai 2014 auf sonntag151_180.html,
von Mai bis November 2014 auf sonntag181_210.html,
von Ende November 2014 bis Mai 2015 auf sonntag211_240.html,
von Mai 2014 bis Dezember 2015 auf sonntag241_270.html,
von Dezember 2015 bis Ende Mai 2016 auf sonntag271_300.html.

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