Jeden Sonntag predigen die Pfarrer in der Kirche über die im aktuellen Kirchenjahr vorgesehene Stelle in der Bibel. Sogar Menschen, die nie in die Kirche gehen, können diese Predigten in der Heiligen Kronenzeitung nachlesen, denn dort predigt Kardinal Schönborn eigenhändig. Auf der Homepage der Diözese Wien ist die Predigt ebenfalls zu finden.

Solche Sonntagspredigen reizen auch Atheisten. Zu den Bibeltexten fällt einem nämlich oft ganz was anderes ein als dem Herrn Schönborn. Darum wird auf ATHEISTEN-INFO fast immer auch ein Wort zum Sonntag losgelassen. Die Sonntagsworte Nr. 1 bis 50, die Sonntagsworten Nr. 51 bis 100, die Sonntagsworte Nr. 101 bis 150, die Sonntagsworte Nr. 151 bis 200, die Sonntagsworte Nr. 201 bis 250 und die Sonntagsworte Nr. 251 bis 300 können als PDF heruntergeladen.


304. Wort zum Sonntag am 19. Juni 2016

Lk 9,18-24: In jener Zeit, als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren, fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Heute haben wir wieder einmal ein sadomasochistisches Thema, denn weil der Jesus gemäß der biblischen Legende an einem Freitag gekreuzigt worden sein soll, darum müssten eigentlich die Katholo-Christen jeden Freitag leiden. Nach der obigen Bibelstelle müsste sich zwar jeder ganzjährig selbst verleugnen und jeden Tag sein Kreuz auf sich nehmen, aber das tun wohl nicht einmal Katholiken mit permanenten Kreuzschmerzen, die neben auch lieber ein Schmerzmittel.

Im Kodex des Kanonischen Rechtes heißt es dazu:
Can. 1250 - Bußtage und Bußzeiten
für die ganze Kirche sind alle Freitage des ganzen Jahres und die österliche Bußzeit.
Can. 1251 - Abstinenz von Fleischspeisen oder von einer anderen Speise entsprechend den Vorschriften der Bischofskonferenz ist zu halten an allen Freitagen des Jahres, wenn nicht auf einen Freitag ein Hochfest fällt: Abstinenz aber und Fasten ist zu halten an Aschermittwoch und Karfreitag.
Can. 1252 - Das Abstinenzgebot verpflichtet alle, die das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben; das Fastengebot verpflichtet alle Volljährigen bis zum Beginn des sechzigsten Lebensjahres. Die Seelsorger und die Eltern sollen aber dafür sorgen, dass auch diejenigen, die wegen ihres jugendlichen Alters zu Fasten und Abstinenz nicht verpflichtet sind, zu einem echten Verständnis der Buße geführt werden.

Das wird abgemildert durch Can. 1253: Die Bischofskonferenz kann die Beobachtung von Fasten und Abstinenz näher bestimmen und andere Bußformen, besonders Werke der Caritas und Frömmigkeitsübungen, ganz oder teilweise an Stelle von Fasten und Abstinenz festlegen.

In Österreich gilt die "Christliche Lebensordnung" vom 27. Februar 1994, hg. vom Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Hans Hermann Groër, dort heißt es in Sachen Buße und Fasten:
Die Österliche Bußzeit (Fastenzeit) hilft den Gläubigen bei der Vorbereitung auf das Osterfest. Alle Katholiken sind in dieser Zeit zu besonderem Gebet, ernster Gewissensprüfung, zur Mitfeier der Liturgie, zum Empfang des Bußsakraments und zum Fasten aufgerufen. So liegt es nahe, von öffentlichen, aufwendigen Festveranstaltungen Abstand zu nehmen.
Das Jahr hindurch gedenken die Katholiken am Freitag der Passion des Herrn durch ein Bußwerk eigener Wahl. An den Fasttagen Aschermittwoch und Karfreitag verzichten sie auf Fleischspeisen und sättigen sich nur einmal.

Das heißt dann vielleicht, dass es genügt, wenn sich ein gläubiger Katholik am Freitag nicht am Arsch kratzt, wenn es ihn dort beißt. Der freitägliche Verzicht auf Fleischspeisen wird auch seit Anfang der 1960er-Jahre vom Vatikan nimmer direkt vorgeschrieben, als strenge Fast- und Abstinenztage gelten verpflichtend nur noch Aschermittwoch und Karfreitag. Das Wort "verpflichtend" bedeutet: es ist eine Sünde, wenn man sich nicht daran hält.

Wirklich gelten tut das freitägliche Fleischverbot in Österreich nur noch in den meisten Betriebskantinen und in manchen Wirtshäusern, weil dort gibt's freitags regelmäßig als Menu Fischstäbchen mit Erdäpfelsalat. Und das Fleisch vom Fisch ist ja seit Jahrhunderten kein Fleisch: das hatten seinerzeit die fettgefressenen Kirchenfürsten so geregelt, damit sie freitags statt Schweinsbraten fette Karpfen fressen konnten.

Wenn man sich die obigen Zeilen aus kirchlichen Texten nochmals durchliest, muss man laut lachen. Wieviele Promille der katholischen Kirchenmitglieder werden sich ernsthaft mit so einem Schmonzes befassen?

Aber das wieder einmal nur nebenbei, was plagt heute den Herrn Schönborn?
Weil der Jesus seine Jünger fragt, wer er sei, bewegt das Thema Vorurteile den Schönborn. Dass der Jesus der Messias gewesen wäre, das ist natürlich für'n Wiener Bischof kein Vorurteil, davon lebt ja seine Firma, aber man solle keine vorschnellen und oberflächlichen Urteile über seine Mitmenschen abgeben. Ja, das soll man nicht. Aber langsam tiefgründige Urteile abzugeben, das wird ja doch gestattet sein.

Schönborn wundert sich dann auch noch, warum der Jesus seinen Jüngern verbittet, den Leuten zu erzählen, dass er der Messias sei. Das kann unsereiner einem Kardinal schnell erklären: Die Geschichte vom Messias entstand erst als längst kein Jesus mehr durch die Gegend lief, das haben die Epigonen erfunden. Und weil zurzeit in der der Lukastext verfasst wurde, noch Zeitzeugen existiert haben, die seinerzeit nie was davon gehört hatten, dass der Wanderprediger Jeschua ben Josef sich als Messias deklariert hätte, darum hatte das geheim gewesen zu sein. Das sollte den Widerspruch zwischen der Realität und der aktuellen Fiktion auslöschen.

Jesusjünger Schönborn schließ jedenfalls mit
"Vielleicht wollte Jesus vermeiden, dass neue Missverständnisse entstehen. Noch war nicht sicher, dass sie verstanden haben, wer er wirklich ist. Deshalb sagt er ihnen klar, was es für ihn bedeutet, der Messias Gottes zu sein: Leiden, Kreuz, Tod und Auferstehung. Jesus sagt seinen Freunden: Wenn ihr mich wirklich kennen wollt, dann kommt und geht mit mir meinen Weg! Macht es wie ich: Nehmt auch ihr Tag für Tag euer Kreuz auf euch und folgt mir nach! Wenn wir einander nicht nur oberflächlich kennenlernen wollen, müssen wir bereit sein, uns auf andere einzulassen. Ohne Anteilnahme geht das nicht. Freude und Leid des anderen teilen: Nur so erfahre ich, wer du wirklich bist!"

Leute, die dauernd mit anderen mitleben und mitleiden wollen, haben psychische Probleme und nerven damit ihre Umwelt. Ich mache es lieber umgekehrt und erzähle z.B. gerne meinen Mitmenschen von meinem kaputten Fuß, der nimmer so richtig läuft, die meisten Mitmenschen kennen diese Geschichte schon ausreichend, wollen sie nicht schon wieder mitleben und mitleiden, schütteln darum bloß teilnahmsvoll den Kopf und laufen weg. Und ich überlege mir dann, ob ich mir nicht auch den anderen Fuß brechen soll, damit ich durch eine neue Geschichte mehr Anteilnahme an meinem traurigen Schicksal bekomme. Habe dazu sogar einmal einen christlichen Beterkreis überredet, anteilnehmend zu ihrem Gott zu beten, damit er meine Titanschienbeinplatte mit dreizehn Schrauben wieder in einen gesunden Knochen zurückwundert, die haben wirklich gebetet, der Christengott hat mir nicht geholfen, die Titanplatte habe ich immer noch, was Religion wirklich ist, habe ich aber schon vorher gewusst...

Aber es mir mir heute gelungen, Euch die Geschichte von meiner Titanplatte im rechten Unterschenkel zum zehnten Mal zu erzählen, das ist doch was!


303. Wort zum Sonntag am 12. Juni 2016

Lk 7, 36-50: In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast Recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

Dem Jesus die Füße küssen, das ist also das richtige christliche Verhalten! In unseren Breiten ist das allerdings sehr, sehr abgekommen, in der realen Welt würde die Mehrheit der Leute auf die Aufforderung, dem Jesus die Füße zu küssen, wohl eher - derb formuliert - mit einem "leck mich am Arsch" reagieren.

Bischof Schönborn hat heute wieder einmal sein Lieblingsthema, er übertitelte seine Predigt mit "Nur die Liebe zählt" und beginnt mit "Weil sie viel geliebt hat, ist ihr viel vergeben worden! Liebe und Verzeihen: Das ist das große Thema dieses wunderbaren Evangeliums. Ohne Liebe ist alles hohl und leer. Warum haben wir so viel Angst vor der Liebe?"

Der Herr Bischof hat Angst vor der Liebe, weil er sie als Zölibatärer gar nicht kennen, ja nicht einmal dran denken darf! Und weil ihm die wirkliche persönliche Nähe zu anderen Menschen strikt verboten ist und er klarerweise psychisch darunter leidet, darum bläst er die Liebe zu einem Phantom auf. Seine Frage "warum haben wir so viel Angst vor der Liebe?", stellt er klarerweise falsch, er verallgemeinert auf "wir" und kann doch nur "ich" meinen. Es wird ja auch einem Bischof passieren können, sich in eine weibliche oder männliche Person in seiner Umgebung zu verlieben: darum muss ein Geistlicher auf alle Fälle Angst vor der Liebe haben - Angst davor zu sündigen oder Angst davor, dass Sünden aufkommen...

Aber reden und predigen kann er mit Saus und Braus und sündenfrei von und über die Liebe, hallelujah! Schönborn schließt seine Predigt mit: "Was zählt schon schließlich im Leben? Wonach werden wir einmal beurteilt? Nur danach: Hast du geliebt?"

Da sollte er sich für die Abschaffung des Zölibats einsetzen, er ist zwar schon über siebzig, aber er könnte es vielleicht doch noch probieren, zu lieben, dann hätte er was, das zählt im Leben und er könnte danach in seinem religiösen Denken auf eine bessere Beurteilung durch seinen Jesus hoffen. Der hat ja schließlich nur die "Verschnittenen", also die Kastrierten von Liebe und Ehe ausgenommen: In Mt. 19, 1-10 untersagt der Jesus die Ehescheidung, die Jünger fragen ihn, ob es dann nicht besser wäre, nicht zu heiraten und bekommen in Vers 11 und 12 diese Antwort zur Ehelosigkeit: "Das Wort fasst nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist. Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe also geboren; und sind etliche verschnitten, die von Menschen verschnitten sind; und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der fasse es!"

Generell  hat also der Jesus den Priestern und Bischöfen die Liebe nicht verboten! Der Zölibat wurde (ohne Kastration!) im Laufe der Zeit eingeführt, um zu vermeiden, dass sich auch in der Kirche feudale Regeln ausbreiten, nämlich die Vererbbarkeit von Pfarr- und Bischofsämtern, ja die Vererbbarkeit des Papsttums, also die kirchliche Hierarchie sozusagen privatisiert würde. Weil der Durchgriff von oben nach unten musste nach all den langen Fraktionskämpfen gewährleistet bleiben. Heute hätte sowas keine Bedeutung mehr, weil sich die personelle Besetzung von Pfarrhöfen oder Diözesen gesellschaftlich nicht mehr an der Vererbbarkeit von feudalen Titeln und Gütern orientieren könnte. Jetzt geht's beim Zölibat nur noch ums Prinzip und vielleicht darum, dass die verkalkten alten Herrn im Vatikan mit Liebe und Sexualität sowieso nimmer viel am Hut haben.

In den kommenden Zeiten wird das zölibatäre katholische Priestertum mangels Nachwuchs sowieso aussterben, der Zölibat daher abgeschafft werden müssen, dann werden irgendwann sogar katholische Bischöfe was anderes küssen dürfen als dem Jesus seine Füße...

Aber bis es soweit ist, wird weiter geheuchelt werden müssen. Mir hat vor Jahren ein Theologiestudent den priesterlichen Umgang mit dem Zölibat so erklärt: Wenn ein Priester sexuell sündigt, dann geht er eben beichten. Auf meine Frage, was dazu der andere Priester sagen wird, kam die Antwort, "der kennt das ja eh von sich selber..."


302. Wort zum Sonntag am 5. Juni 2016

Lk 7,11-17: In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens Naïn; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm. Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen. Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.

Naïn ist heute ein Dorf mit ein paar hundert Einwohnern. Die Totenerweckung tut der liebe Jesus mit Vorliebe nicht in großen Städten und vor großem Publikum, sondern irgendwo abseits. Als die Evangelien niedergeschrieben wurden und dadurch Verbreitung fanden, war man dadurch gut abgesichert, dass keine Zeitzeugen auftauchen, die dagegen zu reden vermocht hätten.

Der "Scheintod" rief bis tief ins 20. Jahrhundert bei vielen Menschen Angst hervor - man erinnere sich z.B. an den "lieben Augustin" in Wien, der nicht tot, sondern nur besoffen ins Massengrab geworfen worden war und ohne Wunder auferstand - oder man denke an die einschlägigen Gruselgeschichten von Edgar Allan Poe. Heutige medizinische Diagnosen verhindern das Begraben oder Auferstehen von Scheintoten, in alten Zeiten konnten Scheintote als Beispiele für Totenerweckungen dienen...

Bischof Schönborn schreibt sich heute selber in einen Wirbel hinein, er schreibt zusammenfassend über das angebliche Wunder: "Wer aber von Jesus vor allem Wunder erwartet, wird enttäuscht werden. Denn damals wie heute gab es viele tragische Todesfälle. Jesus hat sie nicht alle wieder auferweckt. Damals wie heute waren solche Wunder eine Ausnahme. Es gab und gibt sie, und das ist wichtig. Aber es ist nicht das Hauptanliegen Jesu."

Wo, bitte schön, gibt es heute Wunder? Fallweise bei katholischen Selig- und Heiligsprechungen, wo man irgendwelche dubiose Geschichtchen zusammenkocht, wie etwa bei der Mutter Teresa oder beim Kaiser Karl. Nach Lourdes fahren jedes Jahr ein paar Millionen Pilger, geheilt wird dort schon längst niemand mehr, weil z.B. Spontanremissionen heute keine Wunder mehr sind. Und in der ganzen Menschheitsgeschichte hat noch kein Gott oder sonst ein Wunderheiler einem Amputierten seinen fehlenden Körperteil zurückgewundert, was ja wirklich ein Wunder wäre - zumindest solange bis die Medizin in der Lage sein wird, ganz ohne Jesus & Co fehlende Teile nachzuzüchten.

Da es keine Wunder gibt, braucht auch der Herr Kardinal ein wunderfreies Resümee: "Jesus sieht die Not, er bemerkt sie und lässt sich davon berühren. Darum geht es damals wie heute. Wir können nicht das Leid der ganzen Welt tragen. Aber wir können wie Jesus hinschauen, stehen bleiben, Leid wahrnehmen, trösten. Und vor allem: Es darf nicht beim bloßen Mitgefühl bleiben. Das Mitleid muss zur helfenden Tat werden. Tote werden wir nicht auferwecken, aber Leid lindern, das können wir sicher."

Der Kampf der Arbeiterbewegung hat erreicht, dass das Mitleid in unserem Alltag weit überwiegend durch den Sozialstaat ersetzt werden konnte. Der Sozialstaat kann Tote nicht auferwecken, aber er kann Kranke behandeln und notfalls Hinterbliebenen helfen. Und das ist eine Hochpotenz auf alles, das die christliche Almosenlehre jemals bewirkt hat. Man nehme als Beispiel nur das jährliche weihnachtliche "Licht-ins-Dunkel"-Gesumms, da sammelt man ein paar Millionen Euro an Almosen, das soziale Licht leuchtet aber vielmilliardenfach aus den Sozialversicherungen, siehe "Spendenfunsel im Sozialstaatscheinwerfer". Amen.


301. Wort zum Sonntag am 29. Mai 2016

Lk. 7,1-10: Als Jesus diese Rede vor dem Volk beendet hatte, ging er nach Kafarnaum hinein. Ein Hauptmann hatte einen Diener, der todkrank war und den er sehr schätzte. Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ältesten zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten. Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut. Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen. Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Nicht einmal in Israel habe ich einen solchen Glauben gefunden. Und als die Männer, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Heute wird der liebe Jesus wieder einmal erhöht! Denn schließlich ist er der Sohn vom Schöpfer des Universums, das Universum ist 100 Milliarden Galaxien groß, in einer dieser Galaxien liegt die "Milchstraße" und darin ist die Erde und dort hat dem Jesus sein Vater den Adam aus Lehm geformt und ihm eine Seele eingehaucht. Wer heute noch sowas glaubt, der sollte es vielleicht einmal mit ein bisschen Selberdenken probieren....

Aber den Sonntagspredigern geht's natürlich um den großartigen Jesus! Weil der heilt Krankheiten, mit denen sein Vater, der Schöpfer von Himmel und Erde, die Letztere verseucht hat. Offenbar war der Seniorgott kein sehr geschickter Schöpfer, weil er sonst ein gesündere Welt für die Menschen erschaffen hätte. So musste die Menschheit durch die Jahrtausende alle möglichen Schicksalsschläge durch das Leid der Krankheiten auf sich nehmen, nur ein paar Jährchen lang hat vor knapp 2000 Jahren der Juniorgott Jesus ein paar Leutchen geheilt. Danach mussten die Menschen selber die Krankheitsursachen erforschen und Behandlungswege finden, um die vom gemeingefährlichen Altgott geschöpften Krankheiten zu dezimieren. Was der katholischen Kirche nicht recht war, weil wenn Gott ein Leiden schickt, dann hat es der Mensch zu ertragen! Als 1807 in Bayern die verpflichtende Pockenimpfung eingeführt wurde, kämpften Andreas Hofer und seine Tiroler mit noch größerem Eifer gegen die bayrischen und französischen Besatzer, weil ihr Feldprediger Haspinger (zeitgenössische Zeichnung rechts) diesen Eingriff in den Willen Gottes scharf verurteilte. Auch heute tanzt die katholische Kirche fallweise immer noch ihre Tänze von vorgestern gegen den medizinischen Fortschrift. Aber es kommt kein Jesus vorbei, um Wunderheilungen zu tun.

Aber das wiederum nur nebenbei. Welches Resümee zieht heute unser Kronenzeitungssonntagsprediger Schönborn? "Aber die entscheidenden Dinge des Lebens können wir nicht einfordern, sondern nur erbitten: Liebe lässt sich nicht erzwingen. Anerkennung dürfen wir erhoffen. Freiwillige Hilfe kann nur frei geschenkt werden. 'Ich bin nicht würdig', das heißt mit anderen Worten: Ich bitte dich darum! Der Hauptmann war sich nicht zu gut, um für seinen Diener zu bitten. Wenn wir nur mehr nach seinem Vorbild miteinander umgehen würden!"

Die katholische Kirche fordert allerdings mit größtem Eifer alle Leute auf, ihren Jesus zu lieben, trotzdem ist immer mehr Menschen dieser katholische Hauptgott egal, nicht nur Liebe lässt sich nicht erzwingen, nicht einmal Interesse kann man befehlen. Das letzte Mal, dass in Österreich das Interesse und die Liebe zur katholischen Religion und zum Jesus behördlich angeordnet wurde, geschah ab 1933/34 unter dem Segen von Papst Pius XI. bei der Einrichtung der klerikalfaschistischen Diktatur der Herren Dollfuß, Schuschnigg und Innitzer. Das Elend dieses Regimes führte dummerweise dazu, dass 1938 Millionen Österreicher Hitler für den Erlöser hielten.

Aber diese Zeiten sind hinter uns. Niemand kann uns heute mehr eine Religion befehlen oder durch gesellschaftliche Traditionen ein religionsfreundliches Verhalten erzwingen, nicht einmal die Philoislamisten schaffen das noch! Religionsfreiheit inklusive Religionskritik sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Darüber hinaus gibt es eine für die Religionen noch viel gefährlichere Entwicklung: Abgesehen vom Islambereich interessiert Religion die Masse der Menschen einfach immer weniger, sie sind nicht mehr dagegen, ihnen wird Religion zunehmend mehr wurscht...


300. Wort zum Feiertag Fronleichnam am 26.5.2016

Lk 9,11b-17: In jener Zeit redete Jesus zum Volk vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten. Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen. Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen. Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten. Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

So, jetzt ist die Osterzeit vorbei, heute darf wieder der Jahresevangelist Lukas das Wort ergreifen. Thema ist heute die wunderbare Brotvermehrung, der HErr speist 5.000 Menschen mit fünf Broten. Wie auf dieser Seite schon Tradition dazu wieder der uralte Witz (1929, "Drittes Schmierbüchl") von Franz Resl:


Der Herr Schönborn freut sich heute darüber, dass im "Vaterunser" auch um das tägliche Brot gebetet wird ("...unser tägliches Brot gib uns heute"), das stammt natürlich noch aus den christlichen Zeiten, wo Hunger nicht ungewöhnlich und der Sozialstaat noch nicht existent war. Da Götter mangels Existenz keine Menschen füttern können, haben wir unsere Lage durch gottfreie Einrichtungen zumindest im aufgeklärten Europa stark verbessert.

Dann freut sich der Herr Kardinal darüber, dass er heute am Tag der Fronleichnamsprozession eine Hostie spazierentragen darf
, weil nach katholischer Lehre ist in diesem geschmackfreien Mehlprodukt ja der "Leib Christi" enthalten, der bei der Kommunion an die Gläubigen verfüttert wird. Man braucht wohl viel Glauben, um sowas zu glauben, bei den Urmenschen gab es ähnliche Bräuche, da glaubte man, wenn man einen besiegten starken Feind auffraß, dann würde man auch dessen Kräfte mitessen.

Aber was soll's, kommen wir gleich zum Ende, was für ein Resümee zieht der Herr Bischof? "Denn dieses Brot ist Christus selber, der so bei den Menschen sein wollte, als Brot, das Leben schenkt. Jesus ist Gott in Menschengestalt. Dieses Brot ist Jesus in Brotgestalt. Es erinnert daran, dass wir nicht von Brot allein leben, auch wenn wir nicht ohne Brot leben können. Wir brauchen Gott wie das tägliche Brot. (..) Die Monstranz mit dem weißen Stück Brot, die ich segnend durch die Straßen tragen darf, weist auf das andere Brot hin, ohne dass die Seele verkommt: das Brot der Liebe, das uns aufleben lässt; das Brot der Vergebung, das uns neu zu beginnen hilft; das Brot der Kommunion, in der Jesus selber unser Gast wird, unsere Speise, unser Lebensmittel. All das geht mir durch Kopf und Herz, wenn ich mit den Kindern die Hände ausstrecke und bete: Unser tägliches Brot gib uns heute!"

Dieser Tage war im Internet zum Katholikentag in Leipzig zu lesen, dass dort nur 16 % der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft angehören und der Leipziger Religionssoziologe Gerd Pickel sagte dazu, die meisten Menschen sind mit ihrem Leben ohne Gott völlig zufrieden. Womit wohl in einem lange laufenden Massenversuch (40 Jahre DDR und 27 Jahre danach) festgestellt wurde, dass wir keine Götter brauchen und schon gar nicht wie das tägliche Brot. Das genügt, amen!


299. Wort zum Sonntag am 22. Mai 2016

Joh. 16,12-15: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Der Jesus hat also seine Jünger nicht überfordern wollen und ihnen bei seinen Märschen durchs Land nicht alles erzählt. Das soll ihnen nun der heilige Geist erzählen. Bischof Schönborn macht daraus eine Zeiteinteilung, die Überschrift seiner heutigen Predigt lautet. "Das Richtige zur rechten Zeit" und er zitiert dazu einen Weisen aus dem Alten Testament: "Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, ... eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, ... eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden…"

Na sowas, wer hätte das gedacht! Gut, dass das ein alter biblischer Weiser aufgeschrieben hat! Schönborn leitet daraus ab, es wäre wichtig, zu erfassen, wann etwas an der Zeit ist. Also dass man zuerst säen muss und erst später ernten kann, dass man zum Sterben vorerst einmal geboren sein muss. Und dass man reden und schweigen und lachen und weinen eher nicht gleichzeitig machen kann. Ja, endlich sagt uns das wer! Wären wir nie selber draufgekommen!

Und um das zu erfahren, braucht man - nach der Meinung von Kardinal Schönborn - Helfer, über den heutigen Helfer laut Evangelium meint er: "Von einem solchen Helfer ist heute die Rede. Ihn hat Jesus versprochen. Auf ihn sollen wir vertrauen, um zur rechten Zeit das Richtige zu erkennen und zu tun. Es ist sein Geist, der Heilige Geist, den Jesus den Beistand nennt, und auch den Tröster, und den Geist der Wahrheit."

Ja, da kann dann ja nix mehr schief gehen, sogar der Schönborn wird zuerst säen und dann ernten und nicht zuerst sterben und hinterher geboren werden! Dann plagt ihn noch die "ganze Wahrheit". Wo ist diese? Nu, bei seinem katholischen Gott! Da aber sein katholischer Gott nicht wahrhaft existiert, kann er real mit der ganzen göttlichen Wahrheit nix anderes anfangen, als unglaubwürdige Geschichtlein davon zu erzählen, die ganze katholische Wahrheit ist eben ein Zirkelschluss.

In Wikipedia wird als Zirkelschluss u.a. angeführt:
"Wenn beispielsweise ein Gericht feststellt, ein Zeuge sei glaubwürdig, sich dabei aber nur auf die Aussagen des Zeugen selbst bezieht, um dessen Glaubwürdigkeit es gerade geht, so liegt zumindest der Verdacht nahe, dass hier das Urteil über die Glaubwürdigkeit des Zeugen schon gefällt war, bevor seine Aussage näher in Betracht gezogen wurde."

Und ein alter Witz passt auch dazu: Zwei Juden unterhalten sich über einen Rabbiner, der eine erzählt, dieser habe ihm gesagt, er spräche mit Gott, der andere Jude meint, das wäre gelogen, diese Ansicht weist der erste Jude zurück: weil Gott spräche doch nicht mit einem Rabbiner, der lügt.

Und wofür braucht bei einer so unsicheren Lage der ganzen Wahrheit ein Bischof den Hl. Geist? "Wie dringend wir den Heiligen Geist brauchen, erleben wir täglich. Denn es gibt auch den Ungeist, den Geist der Lüge und Falschheit, und er kommt oft im verlockenden Gewand der Scheinwahrheit. Nicht umsonst sollen wir täglich um den Beistand des Heiligen Geistes bitten. Wir haben ihn wahrhaft nötig!"

Die katholischen Wahrheiten sind nicht einmal Scheinwahrheiten. Und der Hl. Geist ist auch bloß eine auf Zirkelschlüssen basierende Erfindung. Die größte katholische Wahrheit ist die katholische Heuchelei, sie war vor kurzem wieder einmal in ihrer ganzen Herrlichkeit zu sehen. Der vatikanische Franz sprach davon, dass das Vermögen der Kirche der Barmherzigkeit dienen soll, aber einen Schritt dazu, dies endlich und erstmalig zu machen, setzte der Herr Papst nicht, siehe "Mehr als eine Billion Euro...". Amen.


298. Wort zum Pfingstsonntag am 15. Mai 2016

Lesung aus der Apostelgeschichte 2,1-11: Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Heute gibt's beim Schönborn kein Evangelium, sondern eine Lesung aus der Apostelgeschichte. Er titelt am Pfingstsonntag "Mehr Pfingstgeist brauchen wir". Weil zu Pfingsten geht ja die dritte Falte des christlichen Gottes um, der heilige Geist, der sonst im Christenjahr nicht viel Arbeit hat, er fungiert ja eigentlich nur als Beiwagerl im Kreuzzeichen: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, amen". Weil der Vater, das ist der Obergott, der die Welt geschöpft hat, der Sohn ist der Chef der Christenkirchen und der hl. Geist erleuchtet zu Pfingsten die Völker.

Wie dem obigen Text zu entnehmen ist, sind Österreicher nicht darunter. Aber vor 2000 Jahren reichte die Erdenscheibe noch nicht bis nach Klagenfurt und Simmering.

Was bewegt heute den Bischof von Wien? Das Sprachenwunder von Pfingsten! Weil der hl. Geist ließ alle in allen möglichen Sprachen durch die Gegend stammeln! Woos is dees fia a Bledsinn?, fragen die Leute heute, wenn sie einen christlichen Prediger treffen. Jahrhundertelang durften sie nicht so vernünftig sein, weil als das Christentum 380 zur römischen Staatsreligion geworden war, war Christentum Bürgerpflicht! Was für ein Glück, das wir heute diesen fürchterlichen Quargel nimmer glauben müssen! Und das in Ewigkeit. Amen!

Im Wege der Kronenzeitung jammert pfingstsonntäglich deswegen der Schönborn: "Wir brauchen heute vor allem mehr Pfingstgeist. Er stärkt das Gemeinsame, weckt Wohlwollen füreinander, baut Ängste voreinander ab. Ist es nicht angebracht, gerade in diesen Tagen für unser Land von Gott den Pfingstgeist zu erbitten? Wir brauchen ihn höchst nötig!"

HIlft dir nix, lieber Schönborn, deine Kirche ist auf dem Wege in die Grube, frohlocket und singet religionsfreie Lieder! Zum Beispiel: Michael Schmidt-Salomon - Wir haben Spaß!


297. Wort zum Sonntag am 8. Mai 2016

Joh 17,20-26: In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

Die heilige Dreifaltigkeit entfaltet sich auch heute wieder nicht sehr einheitlich. Der Christengott besteht ja bekanntlich aus drei Falten, in der Christenlehre "Personen" genannt, aber nach dem obigen Text haben die drei eine innere Hierarchie, Gott Vater ist der Chef und Gott Heiliger Geist wohl eine Art Geschäftsdiener. Gottessohn Jesus Christus ist zwar die Figur nach der sich das Christentum benannt hat und der Jesus spielt im Glaubensalltag die Hauptrolle, aber er muss zu seinem Vaterchef beten und ihn bitten.

Heute wimmelt's wieder einmal vor lauter Liebe, solche Liebeleien freuen natürlich den Herrn Bischof Schönborn, den Hassprediger Jesus, der die Sünder und Ungläubigen zwecks Heulen und Zähneknirschen ins ewige Höllenfeuer schmeißt, zensiert er ja ständig aus den Texten der Evangelien weg, weil der Jesus muss heutzutage die Menschenrechte achten, die die katholische Kirche solange bekämpft und die der Vatikan immer noch nicht unterschrieben hat. Aber heute geht's eh nicht ums Zähneknirschen.

Fröhlich titelt Schönborn "Alle sollen eins sein!" Ja, das würde ihm wohl gefallen, eine Welt einheitlich voller Katholiken, aber das geht heutzutage nur noch bei den Muslimen in Saudi Arabien und im Islamischen Staat, dass alle bei sonstigem Kopfverlust eins sein müssen.

Aber so töricht, sowas zu predigen, ist der Wiener Bischof nicht, er will eine EU, die eins ist! Vermutlich meint er speziell damit, wenn die Merkel predigt, "wir schaffen das!", dann haben alle 28 EU-Staaten das zu schaffen! Wenn es tatsächlich so wäre, dann würden der EU allerdings die Flüchtlinge zuwenig, im realen 2015 waren 25 EU-Staaten eher vernünftig und die drei Staaten Deutschland, Österreich und Schweden unvernünftig, weil die mussten das, was die anderen 25 nicht taten, mittun. Darum ist in Österreich die FPÖ erblüht und in Schweden wurden die rechtspopulistischen Schwedendemokraten im August 2015 bei Wahlumfragen zur stärksten Partei. Und darum machten die Schweden im Dezember 2015 die Grenzen dicht und Österreich schloss 2016 die Balkanroute. Die Willkommenstante Merkel hat derweilen noch das Glück, dass die BRD-Rechtspopulisten "Alternative für Deutschland" immer wieder sehr dilettantisch agieren, die merkelinische Linie wurde zwar offiziell nicht zurückgenommen, aber in der Praxis: die Willkommenstante wurde zur wunscherfüllenden Patentante vom Türkensultan Erdogan, der gegen Geld und die Unterwerfung der EU vor seiner Despotie eine Flüchtlingsrücknahme versprach. Aber eine einheitliche Asyllinie der EU gibt es nicht und wird es nicht geben, weil so deppert wie die Merkel war, ist nicht einmal der Faymann.

Aber dieses Gezeter nur nebenbei, wie resümiert der Herr Kardinal heute?
Er schließt mit: "Bei meinem Besuch bei den über hunderttausend christlichen Flüchtlingen im Nordirak durfte ich diese Einheit erleben, egal welcher Kirche oder Konfession sie angehören. Und da konnte ich ahnen, worum es Jesus in seinem Gebet ging: Unter diesen Flüchtlingen bin ich vielem Leid begegnet, aber keinem Hass. Die Kämpfer des IS ('Islamischer Staat') haben sie vertrieben, ihnen alles geraubt. Aber sie ließen sich nicht in den Hass treiben, auch wenn sie sich danach sehnen, in ihre Häuser, in ihre Heimat zurückkehren zu können. Die Einheit, die Jesus für uns alle erbeten hat, ist die des Verzeihens und der Liebe. Nur sie ist glaubwürdig und haltbar!"

Ja, die christliche Minderheit im Nahen Osten kann sicherlich keinen Kreuzzug gegen den IS starten, die Flüchtlinge werden froh sein, nicht geköpft zu werden und einem europäischen Bischof, von dem sie - wohl vergeblich - Hilfe erwartet haben, werden sie auch nichts über ihre Abneigungen vorjammern. Nach Europa flüchten aus diesen Gegenden tun allerdings weit überwiegend junge Muslime, wohl hauptsächlich, weil sie weder für noch gegen den IS kämpfen wollen und weil ihnen die Schlepper ein europäisches Schlaraffenland versprechen, mit eigenem Haus und 3.000 Euro netto im Monat. Aber das ist schon wieder eine anderen Geschichte.


296. Wort zum Feiertag "Christi Himmelfahrt" am 5. Mai 2016

Apostelgeschichte 1,1-11: Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er (in den Himmel) aufgenommen wurde. Vorher hat er durch den Heiligen Geist den Aposteln, die er sich erwählt hatte, Anweisungen gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen. Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft. Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her? Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde. Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Wie üblich eine Anmerkung nebenbei: Der allwissende Gottessohn Jesus lebt auf einer Erdenscheibe, die hauptsächlich Judäa und Samarien umfasste, dahinter waren dann schon die Grenzen der Erde, man stellte sich das so vor, dass dort das Firmament die Erde berührte, wie auf dieser alten Zeichnung aus der Zeit der Aufklärung zu sehen ist:


Wie üblich die Begründung dazu: allwissende Götter sind gleich dumm wie ihre Schöpfer.
Die heutige biblische Botschaft: der Herr Jesus wird wiederkehren: Was eine These der Urchristen war, man erwartete den Jesus allerdings noch zu den eigenen Lebzeiten wieder, denn es steht schließlich in Mk 13,30-32 geschrieben: "Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater." Wiedergekehrt zu den Zeiten seiner Zeitgenossen ist der Jesus bekanntlich nicht. Denn schließlich war die Figur, um die sich die frühchristlichen Predigten drehten, tot und "Christi Himmelfahrt" ist bloß eine biblische Sage.

Aber für den Herrn Bischof in Wien ist das natürlich eine wahre Wahrheit. Allerdings auch nicht so recht ganz. Er titelt zum Beispiel "Christi Himmelfahrt - wohin?" Denn in den Himmel, also ins Weltall wie die damaligen physikalisch Ahnungslosen schickt der Schönborn seinen Jesus nicht. Er schreibt in seiner Kronenzeitungspredigt: "Christi Himmelfahrt heißt: Jesus ist nicht mehr so in dieser Welt wie damals, als er hier lebte. Aber er ist auch nicht einfach weg. Er ist von uns gegangen und bleibt doch nahe. Er hat es selber gesagt: 'Ich bin bei euch, alle Tage, bis zum Ende der Zeit'."

Das Ende der Zeit der Erde steht noch in einiger Ferne, zwar mag es den Menschen gelingen, die Menschheit selber auszurotten, bis die Erde durch die Sonne vernichtet wird, das wird schätzungsweise noch etwa 900 Millionen Jahre dauern. Da wird natürlich kein Mensch mehr den Jesus kennen, aber diese Glauberei wird ja schon im 22. Jahrhundert weitegehend aufgehört haben.

Der Schönborn erfreut sich jedenfalls zurzeit noch an seiner eingebildeten irdischen Gegenwart seines Jesus, er schließt mit: "Gewiss, es wird einmal ein 'Ende der Welt' geben. Aber darüber sollen wir nicht spekulieren. Das liegt allein in Gottes Hand! Sicher aber ist, dass Christus jetzt schon kommt. Immer wenn er bei einem Menschen an die Tür seines Lebens klopft, ist das schon ein Stück seiner 'Wiederkunft'. Und wer ihm aufmacht, wird nicht enttäuscht. Er ist wirklich bei uns."

Nu, wie oft wird der Jesus an einer Tür klopfen, also wohl jemanden den Kopf verwirren? Klar wird das hin und wieder vorkommen, dass jemand religiös erzogen ist und seinen Verwirrungszustand noch weiter steigert, indem er seinen Jesus so tief inhaliert, dass er voll im Religionsrausch bleibt. Wer damit seine Freude hat, dem sei diese Freude vergönnt. Aber andere Menschen damit zu sekkieren, ist nicht unbedingt notwendig.

Meine eigene weltanschauliche Predigtsucht ist auch eine Narretei. Ich könnte meine reichliche Freizeit als Pensionist sicherlich sinnvoller verwenden, statt sie Tag für Tag mit Religionskritik zu verschwenden, das ist durchaus psychotisch. Dass ich jetzt immer die Fäuste balle und meine Gosch'n unausgesetzt aufreiße, kommt wohl vom zwölf Jahren langen Trauma des Religionsunterrichtes, wo ich die Hände falten und die Goschen halten musste, meine Geschwätzigkeit ist leider auch mehr als fünfzig Jahre später nicht endendwollend. Woan i nua aufhean kennt! Amen!


295. Wort zum Sonntag am 1. Mai 2016

Joh 14,23-29: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

Die katholische Kirche lehrt ja bekanntlich die heilige Dreifaltigkeit, der Christengott ist ein Gott, der aus drei Personen besteht, aus Gott Vater, Gott Sohn und Gott heiliger Geist. Seltsam, dass laut Jesus der Gott Vater größer sein soll als der Gott Sohn, obwohl gläubige Christen vorwiegend den Sohn und nicht den Vater verehren. Bei der Sonntagsmesse wird bei der Kommunion der "Leib des Herrn" verteilt und das ist laut Lehre der "Leib Christi" und kein Eintopf aus allen drei Göttern. Im obigen Text kündigt der Jesus wieder einmal seine Rückkehr auf Erden an, bis heute ist kein Jesus zurückgekehrt und fast 2000 Jahre haben Jesus-Anhänger vergebens den Jesus geliebt. Aber das nur nebenbei.

Bischof Schönborn predigt darum heute speziell über den Frieden, weil der Jesus seinen Frieden hinterlassen hat.
Bekanntlich hat es als die katholische Kirchen nach 380 durch das Dreikaiseredikt als alleinige Staatsreligion an die Macht gelangte, recht wenig Frieden gegeben, sondern eine unbarmherzige blutige Diktatur und jahrhundertelang imperiale Religionskriege.

Aber damit beschäftigt sich ein Herr Kardinal natürlich nicht! Er jammert über den heutigen Nichtfrieden in der Welt. Dabei ist es ihm selbstverständlich kein Anliegen, den Unfrieden im Nahen Osten mit dem christlichen US-Imperialismus in Zusammenhang zu bringen, er meint bloß, dass es ein "Segen" wäre, wenn dort ein Waffenstillstand halten täte.

Und dann freut er sich über den "sozialen Frieden" in Österreich: "Wissen wir bei uns in Österreich, was für ein kostbares Gut der soziale Friede ist? Diesen gibt es nur dort, wo eine ordentliche Justiz, öffentliche Sicherheit und gesunde wirtschaftliche Verhältnisse herrschen. Für uns ist das alles selbstverständlich. Wir leben seit siebzig Jahren in Frieden. In weiten Teilen der Welt können die Menschen davon nur träumen. Darum ist Österreich für viele ein Traumland des Friedens."

Ja, die Banken und Konzerne sind ganz begeistert von diesem sozialen Frieden, keine Gewerkschaft stört die Ausbeuterherrschaft, die Millionäre leben in höchst gesunden wirtschaftlichen Verhältnissen.

Aber das ist noch zuwenig, denn:
"Und doch ist das noch nicht der Friede, den Jesus gibt. Den Frieden Jesu gibt es auch in Flüchtlingslagern, auf Krankenbetten, bei Sterbenden. Er kommt von anderswo. Jesus spricht heute eine große Verheißung aus: Wer ihn liebt und an seinem Wort festhält, der wird eine ganz tiefe Erfahrung des Friedens machen: 'Wir werden kommen und bei ihm wohnen', verspricht Jesus. 'Mit Gott unter einem Dach leben', so könnte man sagen. Es gibt keinen friedlicheren Hausgenossen als Gott selber. Daher ist das Wichtigste im Leben, mit Gott in Frieden zu sein."

Dumm, dass es den "Frieden Jesu" dort nirgends gibt, wo man ihn brauchen täte. Die Sprenggläubigen finden zwar auch ihren Frieden bei Allah und 72 Jungfrauen im Paradies und für sie ist das auch das Wichtigste. Aber die gesprengten Ungläubigen sehen das möglicherweise etwas anders und denen hat der Jesus noch nie zum Weiterleben verholfen. Wie sollte er auch? Der Osterhase und der Rübezahl helfen ja auch niemandem...

Wie schließt der oberste österreichische Katholik sein gänzlich sinn- und hilfloses Friedensgejammer in gewalttätigen Zeiten?
Er schreibt: "Weil Jesus uns den Heiligen Geist geschickt hat, kann er sagen: 'Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht!' Ist das nicht alles zu schön, um wahr zu sein? Gibt es diesen Frieden, diesen Trost? Ist Gott wirklich für uns? Ich glaube das. Ich vertraue darauf! Mit gutem Grund!"

Eigentlich müssten diese Phrasen laut aufschreien, wenn sie so gewaltig gedroschen werden. Amen.


294. Wort zum Sonntag am 24. April 2016

Joh. 13,31-33a.34-35: In jener Zeit als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. (weggelassen wurde vom Vers 33: Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.) Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Der heutige Johannes ist auch nicht viel länger als der von letzten Sonntag, der Verweis im Johannes-Evangelium, dass die neue Religion sich nimmer als jüdische Variante, sondern als nichtjüdisch sieht, wurde weggelassen. Der Jesus selber hat ja davon noch nichts gewusst, der hat sich als jüdischer Reformrabbi und Endzeitprediger gesehen. Die Kreuzigungs- und Auferstehungsgeschichte ist bei Lukas bloß drei Kapitel lang, damit kann man nicht von Ostern bis Christi Himmelfahrt predigen, darum ist im Lukas-Kirchenjahr der Lukas jetzt auf Urlaub und der Johannes macht die Urlaubsvertretung, weil dort ist die ganze Vor- und Nachgeschichte in neun Kapiteln viel umfangreicher dargestellt. Aber wie üblich: das nur nebenbei.

Schönborn titelt heute seine Kronenzeitungspredigt mit "Freude an der Liebe"
, weil wenn er "Freuden der Liebe" geschrieben hätte, wäre das für einen Bischof wohl fast schon pornografisch. Und der Wiener Bischof freut sich zusätzlich über die Glaubwürdigkeit der echten Liebe. Was allerdings mit der obigen Bibelstelle etwas problematisch erscheint, weil dort befiehlt der Jesus ja: "Liebt einander!" Und aus dem Liebesbefehl soll dann "echte Liebe" entstehen?

Dazu passt wieder einmal die Anekdote vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm I.
(1688-1740): Der König verfolgte einmal einen Juden, der vor ihm weggelaufen war, als der König ihn eingeholt hatte, entschuldigte sich der Jude, er sei deshalb weggelaufen, weil er sich vor der großen Strenge des Königs gefürchtet habe. Da prügelte ihn der König mit seinem Stock und schrie dabei in einem fort: "Lieben soll er mich, nicht fürchten!"

Ja, die katholische Kirche hatte all die Zeit, wo sie wirklich herrschte, die Friedrich-Wilhelm-Methode verwendet, mit schwersten Strafen, echten, angedrohten und fiktiven setzte man die Liebe zum katholischen Glauben und zum katholischen Jesus durch, da gab's keine Extrawürscht'l!

Jetzt geht das schon längere Zeit nimmer, jetzt dominieren in unseren Breiten auch im katholischen Bereich die Extrawürste. Sogar bei der nach oben gerundeten Zahl der Sonntagsmessbesucher kommt man nur noch auf um die zehn Prozent der Mitglieder und das was die katholische Kirche fürs katholische Leben lehrt, ist den Leuten wurscht. Was sich deutlich auch bei den vom Papst angeordneten Befragungen zur Sexualität für die Bischofsynode 2014 zeigte.

Dazu eine Meldung von religion.ORF am 18.12.2013: "Für neun von zehn katholischen Jugendlichen spielt die kirchliche Sexuallehre keine Rolle. Das ergab eine Online-Umfrage des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mit knapp 10.000 Teilnehmern. (..) Demnach kennen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwar die Meinung der katholischen Kirche zu Ehe und Familie - 90 Prozent sehen diese Lehre aber kritisch. 'Es gibt eine riesige Kluft zwischen der Lehre der Kirche und der Alltagswirklichkeit junger Katholikinnen und Katholiken', erklärte der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler. 'Sex vor der Ehe und Verhütung gehören zu ihrem Beziehungsleben selbstverständlich dazu'.(..)"

Die Welt versteht unter "Liebe" was anderes als der Herr Bischof. Dieser schließt heute mit: "Dieses große Loblied auf die Liebe begeistert, reißt mit. Es passt zur Freude einer Hochzeit. Und zugleich müssen wir zugeben: Leicht und einfach ist das alles nicht, was da von der Liebe gesagt wird. Wer schafft das? Kann das jemals wirklich gelingen? Ich denke, dass deshalb Jesus es das 'neue Gebot' nennt. Die Erfahrung zeigt: die Liebe ist ein Weg. Und ein Ziel. Wir sind ein Leben lang auf dem Weg zu diesem Ziel. Das so beeindruckende Schreiben von Papst Franziskus über 'die Freude der Liebe' macht Mut, sich auf diesen Weg zu machen und auf ihm zu bleiben."

Ja, ein Bischof über die Liebe, da kennt er sich aus! Die körperliche Liebe kennt er zwar (möglicherweise?) nur vom Wichsen, aber die gibt's bei ihm auch bei den Katholiken erst nach der Hochzeit. Aber was soll's, mich geht's nix an und fast allen Katholiken ist es auch egal, was ein Bischof über die Liebe säuselt, das ist die große Errungenschaft der europäischen Aufklärung, wir müssen Götter und Religionen nimmer lieben, amen.


293. Wort zum Sonntag, den 17. April 2016

Joh 10, 27-30: Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.

Hallo, da staunen wir heute aber schon! Ein Johannes-Text und nur ein paar Zeilen lang! Der sonntags in diesem Kirchenjahr zuständige Lukas kommt erst wieder nach Pfingsten an die Reihe, weil beim Lukas stehen zu wenige Ostergeschichten. Der obige Johannestext ist zwar auch keine, aber er lässt sich wegen seines allgemein gehaltenen Inhalts gut einbauen. Wie gehabt: das nur nebenbei.

Heute haben wir wieder die von Jesus geführten Schafe.
Das könnte der Herr Schönborn ja eigentlich auch einmal kritisch hinterfragen: Warum glauben immer weniger an Götter, warum glauben immer weniger an die katholische Lehre, warum gehen immer weniger Leute in die Kirche? Weil die Leute in unserer Zeit eben immer seltener Schafe sind, die ohne selber zu denken, einem Hirten folgen.

Aber sowas darf ein Kleriker natürlich nicht laut denken, er muss sich unbeirrbar einbilden, er wäre der wissende Hirte, der einfältige Schafe belehrt und die Schafe nähmen seine Worte als Wahrheit, ohne darüber zu grübeln.

Dummerweise sind heute die katholischen Schafe eine aussterbende Gattung, den früher durch die übliche frühkindliche Gehirnwäsche herangezogenen Nachwuchs, der es nicht wagte, sich selber Gedanken zu machen und der auch mangels Bildung dazu gar nicht in der Lage war, den gibt es heute nahezu nimmer. Alle Menschen werden als Atheisten geboren, Religion empfängt man von außen, im aufgeklärten Europa funktioniert das nimmer, immer mehr jungen Menschen ist Religion etwas Seltsames und Überflüssiges.

Schönborn fordert heute zur Selbsterkenntnis auf, er schreibt dazu u.a.: "(..) wie kommen wir zur Selbsterkenntnis? Sicher nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit und viel Erfahrung. Und eines ist sicher: durch und durch erkennen werden wir uns nie selber."

Also mir hat die Individualpsychologie Alfred Adlers sehr dabei geholfen, Adler war allerdings ein Atheist und erklärte den Menschen als Wesen, das sich einen Lebensplan macht, um sich aus dem Gefühl von Minderwertigkeit zu befreien und in einen Zustand der Ausgeglichenheit, der Überlegenheit, der Sicherheit, der Vollkommenheit zu gelangen, man kann das an sich und an seinen Mitmenschen jederzeit beobachten, Jesus oder andere Götter braucht man dazu nicht.

Wie resümiert der Herr Bischof von Wien heute?
"Erkenne dich selbst! Das bleibt ein Lebensauftrag. Eine unschätzbare Hilfe dabei ist das Vertrauen: Gott kennt mich! Auch wenn ich mir oft ein Rätsel bin, Er weiß um mich. Bei Ihm bin ich geborgen. Das sagt Jesus mit dem Bild des Hirten: 'Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.' Diese Zusage tut gut. Sie ist tragfähig für das ganze Leben."

Kein Gott kennt mich, weil es keinen Gott gibt, kein Hirte gibt einem Schaf ein ewiges Leben, sowas gibt es auch nicht, solche Sprüche sind für gar nichts tragfähig. Außer für menschliche Schafe, die sich ihre kleinkindliche Naivität durchs ganze Leben bewahrt haben. Aber die werden täglich weniger...


292. Wort zum Sonntag, den 10. April 2016

Joh., 21,1-19: In jener Zeit offenbarte Jesus sich den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Heute geht wieder der auferstandene Jesus um, dazu braucht es das Johannes-Evangelium, weil die anderen drei Evangelisten kennen diese Geschichte nicht, die wurde nicht einmal von dem Schreiber erdichtet, der den Pseudonym "Johannes" erhielt, sondern erst später angefügt, weil das Johannesevangelium ja bereits mit Kapitel 20, Vers 30/31 geschlossen worden war: "Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen." Die obige Anekdote enthält nochmals einen Schluss des Evangeliums, der obige Text endet aber mit Vers 19, Joh. 21,25: "Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste."

Ja, armselig war der Bücherbestand der damaligen Welt, schließlich mussten die Texte ja nicht nur handschriftlich verfasst, sondern auch handschriftlich vervielfältigt werden, es gab darum damals auf der ganzen Erdenscheibe ums Mittelmeer vielleicht weniger verschiedene Bücher als ich in meiner Bibliothek habe. Das Wort "Bibel" kommt übrigens aus dem Altgriechischen, βιβλία biblia, das heißt "Bücher" und das war dann bis ins 19. Jahrhundert das "Buch der Bücher", aus dem sonntags der Pfarrer seinen nahezu vollständig analphabetischen Zuhörern vorlas. Weil mehr Wissen brauchten die Leute ja nicht zu wissen, weil echtes Wissen schadet der Religion bekanntlich enorm! Der Verfasser des Spruchs, "Sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm", ist leider unbekannt, aber der Spruch ist voller Wahrheit!

Dazu ein YouTube-Clip von Reinhard Mey:


Aber dieses wie üblich nur nebenbei.
Was bewegt heute evangeliumsmäßig den Herrn Kardinal in Wien? Er erinnert sich einleitend an eine eigenhändige Pilgerfahrt an den See Genezareth, wo er sich die obige biblische Szene vorstellte. Dass der HErr das Netz der Fischer füllt und danach seinen Jünger Petrus fragt, ob er ihn liebe und ihn auffordert, seine Lämmer zu weiden, beschreibt ja gewisse Zustände in der katholischen Kirche. So hat bestimmt ein hoher Prozentsatz der Priester kein Problem, Männer zu lieben, obwohl die Homosexualität katholisch verboten ist, dass die Kirchenmitglieder als von Hirten bewachte dumme Lämmer gesehen werden, zeigt die Wahrheit des obigen Zitats, "halte du sie dumm, ich halte sie arm". Denn der Umsatz des religiösen "Opiums des Volkes" braucht die Seufzer der bedrängten Kreatur, die sich in ausweglosen Lagen sieht, die hoffnungsfrohe Hinwendung zu Gott als Ausweg braucht wiederum den Bildungsmangel. Was man aktuell ja auch bei den mit Allahs Opium vollgerauchten Sprenggläubigen sieht.

Schönborn predigte heute wieder einmal kürzer als die Evangeliumsstelle des als geschwätzig bekannten Johannes lang ist und diese athenische Sonntagspredigt hier ist auch schon länger als dem Bischof seine und länger als das Sonntagsevangelium, darum endlich zum Ende, was resümiert der Schönborn? "Christsein bedeutet nicht zuerst, einen langen Katalog von Vorschriften einzuhalten, sondern Jesus persönlich zu antworten: 'Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.' Es tut gut, die Worte Jesu einmal dort zu hören, wo er sie ursprünglich gesprochen hat. Viele haben durch eine Pilgerfahrt ins Heilige Land diese positive Erfahrung gemacht. Ins Leben umsetzen müssen wir die Worte Jesu freilich hier, in unserem Alltag."

Ja Herr Kardinal, viel Freude an Ihrer Liebe zum Jesus, weil das ist für Sie die Möglichkeit eine nicht verwandte Person sündenfrei zu lieben, allerdings sind sowohl die Person als auch die Liebe fiktiv, trotzdem viel Spaß dabei! Amen!


291. Wort zum Sonntag, den 3. April 2016

Joh 20,19-31: Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Der Sonntag nach Ostern heißt auf katholisch "Weißer Sonntag", weil in der frühen Kirche am Ostersonntag getauft wurde und die (erwachsenen) Täuflinge bis nächsten Sonntag weiße Kleidung zu tragen hatten. Seit 2000 heißt dieser Sonntag auch "Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit". So, jetzt habt's wieder was gelernt!

Was bewegt den Herrn Bischof Schönborn diese Woche? Er freut sich über das im heutigen Evangelium enthaltene "Friede sei mit Euch", Karl-May-Leser werden sich erinnern können, dass das auf arabisch "Salem Aleikum" heißt, richtig ist allerdings "as-salāmu 'alaikum" und das heißt "der Frieden auf euch". So, jetzt habt's schon wieder was gelernt, heute bin ich ein bildungsfroher Schulmeister und Wikipediabenutzer!

Also Schönborn freut sich friedensmäßig und dann über den ungläubigen Thomas, der durch den Anblick des auferstandenen Jesus doch wieder gläubig wird. Zu dumm, dass der auferstandene Jesus nicht durch die Gegend gelaufen ist und sich allen gezeigt hat! Weil dann hätten womöglich die Leute an die Auferstehung geglaubt und man hätte diese Geheimgeschichte nicht erfinden zu brauchen. Tote erstehen eben nicht auf und mangels Götter tun das Göttersöhne schon gar nicht.

Das kardinale Resümee ist der Friede, Schönborn schließt mit, "Sehnsucht nach Frieden! Jesus zeigt den Weg zum Frieden: Empfangt den Heiligen Geist, sagt er und haucht sie an. Den Geist des Friedens gibt er ihnen. Wie dieser wirkt? Durch Verzeihen! Ohne gegenseitiges Vergeben gibt es keinen Frieden. Einer muss aber anfangen! Gott hat damit begonnen, indem er uns verziehen hat. Er hat uns alle Sünden erlassen! Und Frieden hat mit Vertrauen zu tun. Wo Misstrauen sich bis zum Hass gesteigert hat, da herrscht Unfrieden. Thomas, der zu spät Gekommene, traut dem Frieden nicht ohne handgreifliche Beweise. Jesus sagt ihm: Vertraue, glaube! Sei nicht so ungläubig. Der Weg zum Frieden kann lang und mühsam sein. Heute bietet Jesus an: Meinen Frieden gebe ich euch!"

Warum die liebe katholische Kirche durch die Jahrhunderte dann so friedensfeindlich war, das thematisiert ein Kirchenfürst natürlich nicht. Nach der katholischen Machtergreifung durch den Dreikaiserpakt von 380 gab es schließlich keine Gnade mehr für alle, die sich nicht bedingungslos der Kirche unterwarfen. Es dauerte Jahrhunderte bis sich die Menschheit vom katholischen Klammeraffen etwas lösen konnte. Wir leben heute großteils mit der Religionsfreiheit, katholischer religiöser Herrschaftsterror ist eher selten geworden, dafür erleben wir das Aufblühen des Islamterrors, der heute mit Ungläubigen das macht, was die katholische Kirche jahrhundertelang gemacht hat. Der Friede ist nicht mit uns, weil dazu müssten wir uns unterwerfen, die Terroristen werden mehr, aber die Philoislamisten werden immer weniger, weil die meisten davon inzwischen auch schon an der multikulturellen Bereicherung durch den Islam zweifeln...


290. Wort zum Ostersonntag, den 27. März 2016

Jh. 20,1.11-18: Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Zur Auferstehung am Ostersonntag wird nicht der jeweilige Jahresevangelist, also heuer der Lukas, sondern immer der Johannes verwendet. Die Sage von der Auferstehung ist bekanntlich der Kern des Christentums, wer nicht an die Auferstehung glaubt, ist grundsätzlich kein Christ, das hat schon der wirkliche Christentumsgründer, der Apostel Paulus so festgelegt, er sagte zur Auferstehung im 1. Korintherbrief, Kapitel 15, Vers 12-15: "Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos."

Zeitgenossen des Jesus und Angehörige von frühen Jesus-Glaubensgruppen haben also zum Teil nicht an diese seltsame Geschichte geglaubt, aber heute sollen die Leute dran glauben? Sie tun es immer weniger, 2016 brachte eine deutsche Umfrage "Glauben Sie an die Auferstehung Jesu Christi?" 62 % nein, 2014 hatte eine Auferstehungsumfrage in Österreich 31 % "ja" gebracht, es glauben also rund die Hälfte der Kirchenmitglieder in beiden Ländern nicht an die Auferstehung. Wofür sie dann Kirchensteuer zahlen, bleibt unerfindlich.

Schon der Bibelkritiker Hermann Samuel Reimar (1694-1768), genannt Reimarus, hat sich mit der Auferstehung und den widersprüchlichen und seltsamen Berichten darüber in den Evangelien auseinandergesetzt, siehe "Vom Zwecke Jesu und seiner Jünger", Seite 7-11.

Bischof Schönborn muss natürlich an die österliche Auferstehung seines Gottes glauben und dabei voll Freude glänzen. Er fasst zusammen: "Jedes Jahr zu Ostern bewegt mich dieser Moment, wo Maria von Magdala ihn erkennt, als er sie mit ihrem Namen anspricht. Die Botschaft von Ostern ist nicht irgendeine allgemeine Theorie über Leben und Tod. Natürlich geht es auch um den Glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass es eine Auferstehung der Toten gibt, für alle Menschen. Maria von Magdala aber zeigt eine andere, wichtigere Seite des Osterfestes. Es geht um eine ganz persönliche Sache. An Jesus glauben heißt, zu ihm eine persönliche Beziehung zu haben. Ihm glauben heißt ihm vertrauen. Und Vertrauen hat mit Freundschaft zu tun. Maria von Magdala hat um einen unvergleichlich lieben Menschen geweint. Und hat das unbeschreibliche Glück erlebt, dass er lebt. Das ist die tiefste Osterfreude."

Und weil der Jesus jedes Jahr aufersteht, fühlen sich leitende Kirchenfunktionäre durchgängig von ihrer Osterfreude begeistert. Irgendwo muss man schließlich Zugriffspunkte haben, um sich an seine Illusionen zu klammern. Die von Paulus im Korintherbrief kritisierten Jünger hatten natürlich recht, eine Auferstehung gibt es nicht, sowas kommt nur in religiösen Sagen vor.

In der Religion der alten Germanen war z.B. auch angekündigt, dass nach Ragnarök, der letzten Schlacht, der vom bösen Loki heimtückisch ermordete reine Baldur wieder auferstehen werde, er hatte in dieser Religion den Posten als Gottessohn inne, er stand für Reinheit, Schönheit, Gerechtigkeit und das Licht, er war auch der Frühlingsgott und leuchtete wie die Sonne. Hier eine Baldur-Zeichnung aus der Ausstellung "Nordische Mythologie", 2015 im Kunstmuseum Hamburg:

Nach seiner Auferstehung wird laut Germanenreligion dieser Baldur das Zeitalter einer neuen Welt einleiten.

Was lernen wir daraus? Bessere, von guten Göttern geformte Welten werden in vielen Religionen ersehnt und prophezeit. Kommen tun sie nicht. Nirgendwo. Das Christentum hat durch die Jahrhunderte die Menschen geknechtet, ausgebeutet, terrorisiert, durch die europäische Aufklärung besserten sich die Zeiten, speziell auch weil dem Christentum die Zähne gezogen wurden, es kann heute kaum noch beißen. Für den religiösen Terror ist nunmehr vorwiegend der Islam zuständig...


289. Wort zum Sonntag, den 20. März 2016

Lk 19,28-40: In jener Zeit ging Jesus nach Jerusalem hinauf. Als er in die Nähe von Betfage und Betanien kam, an den Berg, der Ölberg heißt, schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt. Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr ihn los?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn. Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie den jungen Esel losbanden, sagten die Leute, denen er gehörte: Warum bindet ihr den Esel los? Sie antworteten: Der Herr braucht ihn. Dann führten sie ihn zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und halfen Jesus hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf der Straße aus. Als er an die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt, begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe! Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.

Heute ist der sogenannte "Palmsonntag" mit dem die sogenannte "Karwoche" beginnt. "Kar" kommt vom althochdeutschen Wort "kara", das bedeutet "Klage, Kummer, Trauer". Ab heute bis zum Karsamstag jammern sich die Kleriker wieder einen herunter, weil ihr Gottessohn Jesus eine Woche lang gelitten haben soll und schließlich zum Zwecke der Hinwegnahme der Sünden am Kreuz gestorben sei. Die Geschichte geht dann jedoch mit der Auferstehung weiter, eine Falte des dreifaltigen Christengottes wurde zu Tode gemartert, war zwei Tage tot und ist am Ostersonntag wieder auferstanden. Das wäre für einen allmächtigen und unsterblichen Gottessohn wohl keine besondere Plage, aber das ist die Grundlage der Christenlehre, weil damit hat der Jesus die Welt erlöst. Wovon er sie erlöst haben soll, ist nicht so recht klar, weil all das Furchtbare, das die Christenlehre über die Menschen brachte, wäre uns ohne dieser Sage vom Erlöser Jesus erspart geblieben!

Wer somit in der Karwoche trauern will, der trauere zu alldem, was uns das Christentum an Terror, Gewalt und Not gebracht hat
und denke daran, dass nicht das Gesäusel von der christlichen Nächstenliebe das Leben der Menschen verbessert hat, sondern es die Etablierung der Menschenrechte und der Sozialstaaten war, die uns weitgehend aus der mittelalterlichen Not und Bedrängnis der christlichen Zeiten befreite. Wir haben jetzt Rechte und müssen keine Dankgebete mehr für erbärmliche christliche Almosen sprechen!

Was jammert der Herr Schönborn heute? Gehen wir gleich zu seinem Resümee:
"Heute wird in allen Kirchen die Leidensgeschichte Jesu vorgelesen. Es tut gut, in diesen Tagen Jesus Schritt für Schritt zu begleiten. Denn was Jesus in dieser Woche durchlebt hat, kommt in der einen oder anderen Form in jedem Leben vor: Zeiten der Begeisterung, der Anerkennung, des Lobes; Momente voller Hoffnung und Erwartung. Dann aber Zeiten des Misserfolgs, wo alle sich abwenden; Zeiten des Leides, der Schmerzen, der Verachtung. Es tut gut zu wissen, dass am Ende des Weges die Auferstehung steht, nicht nur für Jesus, auch für uns."

Ja, die Auferstehung ist die christliche Botschaft, wenn wir tot sind, dann geht's uns endlich gut, weil beim Jesus im Paradies gibt's keine vom christlichen US-Imperialismus vorsätzlich oder unbedacht ausgelösten Kriege, keine Flüchtlinge, keinen Neoliberalismus, keinen Kampf der christlichen Parteien gegen den Sozialstaat und auch sonst alles Schlimme nicht, nur noch Liebe und Grießschmarrn. Zu schade, dass es auch keine Auferstehung und kein Paradies samt Jesus gibt, weil das bloße Fantasieprodukte aus dem Geist geistloser Zustände sind. Darum bekümmert Euch um Euer irdisches Dasein, weil ein anderes haben wir nicht! Amen!


288. Wort zum Sonntag, den 13. März 2016

Joh 8,1-11: In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Das ist wieder eine Gelegenheit, einen alten Witz zu wiederholen, Szene wie oben, Jesus sagt "Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!" Bums, sofort fliegt der Angeschuldigten ein Stein an den Kopf. Jesus schaut, wer geworfen hat und sagt, "Mama, du nervst!" Ja, schließlich ist ja nach katholischer Lehre dem Jesus seine Mama ohne Sünde, die darf werfen!

Den Witz wird auch der Schönborn kennen, in seiner Sonntagspredigt verwendet er ihn jedoch nicht. Aber der Spruch, dass Steine nur werfen dürfe, wer ohne Sünde sei, beschäftigt ihn! Zwar ist in unseren Breiten Ehebruch nimmer strafbar, Österreich strich den diesbezüglichen Paragraphen allerdings erst 1997, in einigen besonders bibeltreuen US-Bundesstaaten ist er immer noch strafbar, überraschenderweise aber nicht durch Steinigung, ja nicht einmal die Todesstrafe steht mehr darauf, obwohl der HErr sie angeordnet hatte, Leviticus 3 - 20,10 "Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum dass er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat."

Mit diesen Gottesworten befasst sich Schönborn auch nicht, er erwähnt allerdings, "nach strengem damaligem Gesetz hat sie ein todeswürdiges Verbrechen begangen", weist aber nicht auf den göttlichen Gesetzesgeber hin. Wohl deswegen, weil auch der Herr Jesus nicht auf seinen Vater hört und sagt: "Lasst sie laufen!" Dazu deklariert er flugs diese heilige Vorschrift als Werk des Moses, denn er setzt fort, sein Jesus handelte damit "gegen das klare Gesetz, das Mose in der Bibel festgelegt hat". Das Buch Leviticus (das ist das 3. der fünf Mosesbücher in der Bibel) beginnt allerdings nicht mit dem Satz, "Moses sprach zu den Israeliten", sondern mit: "Der Herr sprach zu Mose"! Zweifelt der Wiener Bischof daran, dass der Moses die biblischen Gesetze von Gott verkündet bekam? Wäre ein guter Zug in Richtung Vernunft!

Der HErr hat in diesem Kapitel via Moses noch eine Menge Sexualverbote erlassen und deren Übertretung mit der Todesstrafe belegt, eins davon ganz extrem verrückt, Vers 18: "Ein Mann, der mit einer Frau während ihrer Regel schläft und ihre Scham entblößt, hat ihre Blutquelle aufgedeckt und sie hat ihre Blutquelle entblößt, daher sollen beide aus ihrem Volk ausgemerzt werden."

Über diese göttliche Vorschrift predigen die Kleriker vermutlich überhaupt nie. Es stehen noch zehn weitere todeswürdige Sexsünden in diesem Kapitel, darunter eine auch heute noch strafbare, der sexuelle Verkehr mit Tieren, dieser ist in der BRD und in Österreich ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Aber das nur nebenbei. Bischof Schönborn platziert natürlich seine Pointe auf die Vergebung: "Bis heute berührt uns die Art, wie er mit den Anklägern dieser Frau umgeht. Jesus stellt das alte Gesetz nicht in Frage. Sünde ist Sünde. Nichts wird verharmlost. Jesus erinnert nur jeden von uns daran, dass auch wir Sünder sind. Wer also die anderen wegen ihrer Sünden anklagt und verurteilt, soll sich zuerst die Frage stellen: Bin ich denn ohne Sünde?"

Aha. Wenn dann wer vor Gericht steht, muss sich dann sein Richter fragen, ob er ohne Sünde ist und wenn er nicht ohne Sünde ist, muss er dann auch fortgehen? Das sagt uns der Herr Kardinal nicht, er meint bloß "Wenn wir dieses Wort Jesu nur wirklich im Herzen aufnehmen könnten: 'Ich verurteile dich nicht!' Mit diesem Wort kann ich neu anfangen. Es gibt Hoffnung und lässt aufatmen. Ich will es künftig besser machen."

Fürs Strafgesetzbuch kann man natürlich so nicht argumentieren, einem Straftäter zu sagen, "ich verurteile dich nicht, geh und sündige von jetzt an nicht mehr", wird wohl nicht sehr hilfreich sein, aber Schönborn schließt hier kurz: er verbindet den mit göttlicher Todesstrafe belegten Ehebruch mit der heutigen Rechtslage und atmet auf, er braucht niemanden steinigen, ja er darf das nicht einmal mehr! Und auf den Scheiterhaufen darf die katholische Kirche auch niemanden mehr stellen! Gut, dass wir es soweit gebracht und uns von der christlichen Blutrunst befreit haben!

Als Bonus: die Steinigung aus dem "Leben des Brian":

hier geht's allerdings nicht um Ehebruch, sondern weil der Deliquent den "Namen des Herrn" gerufen hatte, dafür war vom HErr auch die Todesstrafe festgesetzt worden...


287. Wort zum Sonntag, den 6. März 2016

Lk: 15, 1-3.11-32: In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: (..)
Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.

So einen Text müsste der Herr Bischof gerne haben, weil heute verdammt der Herr Jesus nicht, sondern verzeiht. Schönborn predigt heute um gut 40 % kürzer als das Evangelium lang ist! Die katholische Kirche besteht ja heute weit überwiegend aus verlorenen Söhnen und Töchtern, die kirchlichen Vorschriften sind dem Großteil der Mitglieder egal, am Sonntag gehen wenige in die Kirche, der aktive Bestand ist im Pensionsalter. Dummerweise kommen auch so gut wie keine verlorene Söhne zur Kirche zurück. Weil keiner muss bei den Schweinen mitfressen, wenn er sich um den katholischen Glauben nicht kümmert.

Was will der Herr Schönborn seinen Katholiken heute sagen? Überraschenderweise sieht er den verzeihenden Vater nicht als verzeihenden Gott, sondern er nimmt die drei als Gesamtheit und will sie auf seine Gläubigen wirken lassen:
"Testfrage: Kann ich so verzeihen? So auf den zugehen, der mich enttäuscht hat? Ohne Bitterkeit? Obwohl doch viel Vermögen dabei verloren ging! Was sagt mir die Haltung des Vaters?" Und: "Den Zorn und die Bitterkeit des älteren Bruders kann ich gut verstehen. (..) Testfrage: Bin ich bereit, wie der Vater von Herzen zu verzeihen? Oder bleibe ich bei meinem Zorn? Unversöhnt und hart?"
Und der Schlusssatz lautet: "Lassen wir jeden der Drei auf uns wirken! Sie stellen mein eigenes Verhalten ordentlich in Frage. Aber genau das wollte ja Jesus."

Da ein Bischof üblicherweise weder im Haus welche, noch fortgelaufene Söhne hat, ist das ja für einen Kleriker kein großes Problem. Aber warum verkündet er nicht, dass der liebe Jesus auch allen Verlorenengegangenen verzeiht? Die lesen das dann heute in der Kronenzeitung und strömen am nächsten Sonntag in den Kirchen zuhauf. Oder vielleicht rechnet der Herr Kardinal doch nicht mit solchen Geschehnissen und lässt darum heute den lieben Jesus gar nicht von der Leine?


286. Wort zum Sonntag, den 28. Februar 2016

Lk 13,1-9: Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

Aha, der Jesus lehrt also heute, dass Gott alle erschlägt, die sich nicht bekehren. Der liebe Gott ließ damals gerade sündige Galiläer vom Pilatus umbringen und stürzte einen Turm um, damit achtzehn jerusalemische Sünder erschlagen werden. Da dieser Jesus ja ein Endzeitprediger war, stellt er nun den noch nicht Erschlagenen die Rute ins Fenster, er setzt noch eine Nachfrist. Wer nicht bald Glaubensfrüchte trägt, wird auch umgehauen!

Sowas darf in der heutigen katholischen Kirche der böse Jesus nimmer tun, er wurde ja nach dem 2. Vatikanum zum guten Jesus umerzogen, der barmherzig alle liebt und rettet. Wie redet sich also der Herr Schönborn heute aus diesem Wirbel heraus? Sein vom höllischen Heulen und Zähneknirschen freie Opportunismus der Barmherzigkeit schleift an der Grenze vorbei, er sagt nicht was er - wie der Jesus- sagen müsste: Bekehrt Euch zum katholischen Christenglauben, sonst werdet Ihr umgehauen, er freut sich über die Gnadenfrist für den Feigenbaum und resümiert:
"Um Bekehrung geht es also. Das will Jesus mit dem Gleichnis zeigen, das er dazu erzählt. Warum ist mir bisher kein solches Unglück passiert? Nicht weil du besser bist als die Opfer! Weil Gott mit dir geduldig ist, bist du vor solchem Geschick bewahrt geblieben! Du bist wie dieser Feigenbaum im Weingarten. Eigentlich gehört er längst umgeschnitten. Er laugt nur unnütz den guten Boden aus. Jesus aber ist wie der Weingärtner. Er sagt dem Besitzer: Hab noch ein Jahr Geduld! Vielleicht bringt der Baum dann doch noch Feigen. Wie wäre es, wenn wir mit den täglichen Nachrichten so umgingen? Das alles könnte ja auch mir passieren! Solche Besinnung kann mein Leben zum Guten wenden!"

Übersetzen wir das in den Alltag: Die Frage "warum ist mir das bisher nicht passiert?" bedeutet, dass es bei vom Unglück Betroffenen eine Gottesstrafe gewesen wäre, obwohl sie auch nicht schlechter waren als die von irgendwelchen tödlichen Unglücken Nichtbetroffenen, Gott somit manchmal ungeduldig und manchmal geduldig ist.

Aber so kann das ein Bischof natürlich nicht auslegen, er muss auf ein anderes Gebiet abbiegen und Unglücke sozusagen als göttliche Warnungen sehen, das alles könnte ja auch mir passieren! Also wende Dich zum guten katholischen Glauben, dann ist Dein Leben zum Guten gewendet. Aber so klar kann das ein katholischer Kleriker natürlich heutzutage nimmer sagen, er muss sich barmherzig am Thema vorbei und aus dem Evangelium hinausschleichen, amen!


285. Wort zum Sonntag, den 21. Februar 2016

Lk 9, 28b-36: In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.

Wieder ein Geschichtchen, die niemand weitererzählt haben durfte, weil es eine neue Geschichte war, die der Evangelist erfunden oder die ihm ein anderer Ausdenker vermittelte hatte. Dass beim Beten wer einschläft, das soll auch heute noch vorkommen, aber da erscheinen nicht der alte Moses oder ein Prophet.

Schönborn nimmt den Text wörtlich "beten verwandelt". Ob sein Gewand auch leuchtend weiß wird, wenn er heftig betet? Wahrscheinlich wäscht man seine Weißwäsche mit Radion, weil Radion wäscht weißer:

Anmerkung: das weißer waschende Radion gibt's schon lange nimmer...

Über den betenden Jesus schreibt der Herr Bischof: "Jesus zieht sich zurück, um Zeit zum Beten zu haben. Und um zu beten, nimmt er sich viel Zeit. Immer wieder betet er die ganze Nacht hindurch. Er ist dann nicht alleine, sondern mit Einem, den er seinen Vater nennt. Er ist mit Gott."
Aber der Jesus ist doch nach der Christenlehre eine der drei Personen des dreifaltigen Christengottes, der Herr Jesus ist darum gemäß der katholischen Theologie nicht "mit Gott", sondern er "ist Gott". Zu wem betet er dann? Zu den anderen beiden göttlichen Personen oder auch zu sich selber?

Aber diese blöde Fragerei nur nebenbei, was konkludiert der liebe Herr Kronenzeitungssonntagsprediger heute?
Er präsentiert sich als Gebetsexperte:
"Beten geht überall. Besser betet es sich an Orten der Stille. Entscheidend ist, dass wir uns dafür die Zeit nehmen. Beten braucht Zeit. Nur so kann es wirken. Aber dann wirkt es ganz sicher. Beten verwandelt. Wie oft habe ich es erlebt, dass ich unruhig, unausgeglichen, mit mir selber unzufrieden ins Gebet gegangen bin - und nach einiger Zeit in Frieden, beruhigt, ausgeglichen das Gebet beendet habe. Im Beten liegt eine große Kraft. Es erfrischt und erneuert. Es schenkt Klarheit und Licht. Vor allem aber: Es schenkt die Verbundenheit mit Gott. Sie hat damals Jesu Gesicht strahlend gemacht. Gebet verwandelt auch heute."

Was der Herr Kardinal da beschreibt, ist die Wirkung von autogenem Training. Wie es auf dieser Site inzwischen üblich ist, steht natürlich auch zu diesem Thema was online, "Wie Beten hilft!" hieß die Info vom Dezember 2014. Dort kann auch nachgelesen werden, wie der Herr Schönborn durchs Beten zur Ausgeglichenheit kommt. Amen.


284. Wort zum Sonntag, den 14. Februar 2016

Lk 4,1-13: In jener Zeit verließ Jesus, erfüllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot. Da führte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.

Heute haben wir wie so oft wieder eine Bibelstelle, die im Widerspruch zur Christenlehre steht. Als die obigen Zeilen verfasst wurden, gab es noch keine heilige Dreifaltigkeit, der Jesus wurde als "Gottessohn" tituliert, aber er war offenbar noch kein richtiger Gott, darum konnte der Teufel versuchen, ihn in Versuchung zu führen. Nach katholischer Lehre ist der katholische Gott jedoch ein Gott in drei Personen, Gott Vater, Gott Sohn und Gott Hl. Geist. Dass nun der Teufel eine der drei allmächtigen und allwissenden göttlichen Personen in Versuchung führen könnte, ist ein Widerspruch in sich. Wozu noch anzumerken ist, der Teufel wurde von Gott geschaffen, der war ja vorher hauptberuflich ein Engel gewesen, der antigöttliche Aufruhr gemacht hatte und deshalb in die Hölle geworfen wurde - was bis heute gesellschaftspolitisch ein wichtiger Aspekt der Christenlehre ist: sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, ist teuflisch...

Aber das nur nebenbei. Was meint der Herr Bischof von Wien dazu? Er schreibt z.B.: "Jesus beginnt sein öffentliches Wirken mit einer intensiven Wüstenzeit. Vierzig Tage treibt es ihn um in der Wüste beim Toten Meer. Die Tiefe der Erfahrung, die er in dieser Zeit völligen Fastens macht, können wir kaum erahnen."
Was soll ein allwissender Drittelgott durch völliges Fasten für eine Erfahrung machen? Ein so vollkommener Gott wie der Christengott braucht doch nix zum Essen und wissen tut er sowieso alles!

Aber halten wir uns nicht mit den inneren biblischen Widersprüchen auf, wie heißt heute das Schönborn-Resümee? "Jesus hat die Versuchungen überwunden. Drei Mal hat er dem Versucher einfach ein Wort der Bibel entgegengehalten: Jedes dieser Worte ist voller Leben. 'Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.' Wir brauchen das tägliche Brot. Ebenso aber leben wir vom Miteinander mit Gott und dem Nächsten. 'Gott allein sollst du dienen.' Wer Gott dient, wird ein freier Mensch, frei von sich selber und frei für die anderen. 'Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen.' Vertraue Gott! Misstraue ihm nicht. Er will dir Gutes, nicht Böses. Die Wüstenerfahrung Jesu kann uns helfen, Orientierung zu finden, wenn wir selber durch eine Wüste gehen. Dann kann die Wüste sogar zu blühen beginnen."

Ja der Mensch lebt nicht nur vom Brot alleine: aber ohne Nahrung lebt er gar nicht. Einem Gott muss schon längere Zeiten niemand mehr dienen, davon befreite uns die Religionsfreiheit. Und Göttertests gehen mangels Göttern sowieso immer negativ aus. Amen.


283. Wort zum Sonntag, den 7. Februar 2016

Lk 5,1-11: In jener Zeit, als Jesus am Ufer des Sees Genesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.

Es ist immer wieder schauerlich, wenn in den christlichen Sonntagspredigten solche makabere Bibelstellen behandelt werden, in denen das Christenvolk als folgsame Schafherde oder als zu fangende Fische deklariert wird. Diese tierische Abwertung der Menschen darf den Predigern natürlich nicht auffallen, kein Pfarrer wird verkünden, der Herr Jesus stelle perverse Vergleiche an.

Was soll diese Parole: "Von jetzt an wirst du Menschen fangen." Was machen Menschen mit gefangenen Fischen? Sie verwerten sie! Was machen Kirchen mit eingefangenen Menschen? Sie verwerten sie auch! Heutzutage funktioniert diese vollständige Verwertung in einer religiösen Fischfabrik allerdings durchgängig nur noch in Sekten und in Gebieten, wo Religionen entweder überhaupt die Herrschaft innehaben oder wo Religionsfreiheit eine Randerscheinung und religiöse Zugehörigkeit und Unterwerfung immer noch Tradition ist.

Österreich ist inzwischen ein säkulares Land, hier fängt auch die katholische Kirche nimmer so viele Fische, dass das Boot randvoll wäre, im Gegenteil, es springen sogar die selbst gezüchteten Fische immer mehr über Bord und die noch an Bord sind, scheren sich immer weniger um die Befehle der kirchlichen Fischfänger, denn deren Boote sind längst leckgeschlagen und halten sich nur mehr schwer über Wasser.

Aber auf solche Gedanken darf ein Herr Bischof und Kardinal klarerweise nicht einmal ansatzweise kommen. Was predigt heute der Herr Schönborn, was meint er zum Fischfang?

Er beschäftigt sich mit dem "Vertrauen", er schreibt einleitend:
"Mich beeindruckt am heutigen Evangelium immer neu das Wort des Petrus: 'Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.' Er ist Fischer von Beruf. Petrus und seine Kollegen haben gerade eine völlig erfolglose Nacht hinter sich: 'Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.' Sie wissen, dass jetzt, da es heller Tag ist, erst recht kein guter Fischfang zu erwarten ist. Sie wissen, dass Jesus keine Ahnung vom Beruf des Fischers hat. Er ist gelernter Zimmermann und hat bisher nie am See gelebt. Was soll also seine Aufforderung, noch einmal zum Fischen hinauszufahren, noch einmal die Netze auszuwerfen? Eigentlich völlig unsinnig! Es widerspricht aller Erfahrung. Wieso sagt Simon Petrus dann doch zu Jesus: 'Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen?' Petrus vertraut! Um das geht es! Im Vertrauen auf Jesus macht er etwas, was ihm normalerweise als ganz unvernünftig erscheinen muss."

Dass die gefangenen Fische ein Synonym für christlich gefangene und verwertete Menschen sind, findet keine Erwähnung. Und fischen geht ja der ganze katholische Verein in Europa nicht mehr, denn man weiß dort, wenn man seine Netze auswerfen täte, also die berühmte "Neuevangelisierung" startete, dann würde man maximal ein paar psychische Sprotten (um beim biblischen Fischvergleich zu bleiben) erwischen und sich öffentlich lächerlich machen. Wir haben nämlich die Religionsfreiheit und diese Religionsfreiheit entwickelt sich zunehmend in die Freiheit von Religion, die Menschen sind keine Schafe mehr und keine Fische. Pech gehabt!

Schönborn freut sich noch mehrere Absätze über das Vertrauen zum Jesus und schließt mit:
"Das Vertrauen wächst durch gute Erfahrungen. Deshalb konnten sie, Petrus und die anderen, damals den Schritt wagen, der ihr Leben für immer bestimmen sollte: 'Sie ließen alles zurück und folgten ihm nach'."

Dann ist es aber ganz was Dummes, dass heute immer weniger so ein Vertrauen haben, alles zurücklassen und dem Jesus nachfolgen. Kaum jemand wird heute katholischer Priester, sogar die zölibatlosen Protestanten jammern schon über zuwenig Priesternachwuchs, die geistlichen Orden sind defakto Altersheime für Mönche und Nonnen und wenn wirklich wer alles für seinen Gott zurücklässt, dann ist er bei einer Sekte oder ein Jihadist mit Sprengstoffgürtel. Amen!


282. Wort zum Sonntag, den 31. Jänner 2016

Lukas 4,21-30: In jener Zeit begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

Vor zweitausend Jahren gab es keine Medien, was in Kafarnaum passierte, wusste man in Nazareth nicht. Wenn wer erzählte, der Jesus hätte in Kafarnaum Wunder getätigt, konnte man es nicht nachprüfen. Die beiden Orte lagen etwa vier Tagesreisen auseinander und dass jemand von Nazareth nach Kafarnaum kam, passierte alle heiligen Zeiten:

(Google-earth-Screenshot mit ergänzter Beschriftung)

Wenn der Jesus zu Fuß über den See Genezareth ging, dann konnten seine Jünger das überall erzählen, weil es war außer ihnen ja niemand dabei gewesen, aber die Wunder, die er in Kafarnaum getätigt hätte, die konnte man in Kafarnaum nicht erzählen, weil dort wusste niemand davon, aber in Nazareth ging das!

Und hier trat nun jedoch der "hic Rhodos, hic salta"-Effekt ein. In einer Fabel erzählt Äsop von einem Angeber, der behauptet, er hätte auf Rhodos großartige Leistungen beim Weitsprung erreicht, der dann aufgefordert wird, an Ort und Stelle diese Leistungen vorzuführen: "hier ist Rhodos, hier springe!"

Wenn der Jesus in seiner Heimatstadt Gerüchte über seine anderweitigen Wundertaten verbreiten lässt, dann braucht er eine Ausrede, warum er in Nazareth keine Wunder tätigt, er hatte ja schließlich woanders auch keine getätigt. Denn in Nazareth kennt man ihn als Sohn des Zimmermanns Josef und lässt sich nicht so leicht irgendwelche G'schichterln drucken. Darum erfand er die sprichwörtlich gewordene Ausrede, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt: seine Vorläuferpropheten hatten schließlich denselben Schmäh angewandt.

Was meint der Herr Kardinal Schönborn zum heutigen Evangelium? Thema ist die Vertreibung des angeblichen Wunderheilers aus Nazareth, dass der Jesus nur jeweils dort Wunder getan hätte, wo er gerade nicht war, entlarvte ihn vor seinen ehemaligen Mitbürgern als Schwindler und sie wollen ihn deshalb möglicherweise verdreschen.

Darüber ist Schönborn bestürzt und meint:
"Und Jesus fügt ein Sprichwort an: 'Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.' Kein Wunder, dass daraufhin die Stimmung kippt. Die Begeisterung schlägt plötzlich in Hass um. Aus den freudigen Mitbürgern werden mordbereite Feinde. Wie ist das möglich? Und hat das mit Religion zu tun? Ich glaube, viele der Explosionen an Gewalt in unserer heutigen Welt haben sehr wenig mit Religion zu tun. Und sehr viel mit enttäuschten Erwartungen. Und damit, dass in jedem Menschenherzen die Gewalttätigkeit wie ein schlafendes Raubtier lauert. (..) Jesus ging damals mitten durch die gewaltbereite Menge weg. Keiner wagte es, ihn anzurühren. Ich glaube, das lag daran, dass Jesus eine große Ruhe, einen tiefen Frieden ausstrahlte. Darauf kommt es auch heute an!"

Aha, dann hat er doch noch ein "Wunder" getan: seine Mitbürger stürzten ihn nicht vom Berg. Dass sie tatsächlich die Absicht dazu gehabt hätten, steht ja auch bloß in der Bibel und nicht in einem Polizeiprotokoll aus Nazareth. Aber bei Schönborn ist das ein Beweis, dass Gewalt nicht aus der Religion kommt. All die furchtbaren katholischen Gewalttätigkeiten waren dann wohl auch bloß zwischenmenschliche Missverständnisse...


281. Wort zum Sonntag, den 24. Jänner 2016

Lk 1,1-4 / 4,14-21: Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.
(Kapitel 4) Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Das heutige Evangelium setzt sich aus zwei verschiedenen Kapiteln zusammen. Zuerst kommen vier Verse vom Beginn, Lukas lobt sich da selber als zuverlässiger Aufschreiber des überlieferten Geschehens. Was natürlich für den Schönborn ein klarer Beweise der biblischen Wahrheit ist! Wenn's der Evangelist selber sagt, muss es ja wahr sein. Das erinnert ein bisschen an einen alten jüdischen Witz: zwei Juden unterhalten sich über einen Rabbiner, der eine erzählt, der Rabbiner habe ihm gesagt, Gott würde persönlich mit ihm reden. Der andere bezweifelt das und meint, der Rabbiner würde wohl lügen. Worauf der andere den klaren Wahrheitsbeweis erbringt, denn Gott würde doch nicht mit einem Rabbiner reden, der lügt!

Aber das nur nebenbei. Weiter geht's beim heutigen Lukas dann im vierten Kapitel, dort lässt der Lukas den Jesus verkünden, dass er der angekündigte Messias sei. "Messias" bedeutet nämlich "Gesalbter", auf griechisch heißt das "Christos", lateinisiert "Christus". Dass er sogar der Sohn von Altgott Jehova wäre, sagt er noch nicht, das wurde erst später erfunden.

Schönborn vertritt eine besonders merkwürdige Position zu Lukas, er schreibt allen Ernstes: "Lukas gehörte nicht zu denen, die Jesus noch persönlich gekannt haben. Er ist der einzige der vier Evangelisten, der erst nach Jesu Weggang dazugekommen ist."

Der Herr Bischof müsste eigentlich wissen, dass das Markus-Evangelium anonym verfasst wurde, die Bezeichnung "Markus" eine spätere Zuschreibung ist, dass das Matthäus-Evangelium erst im 2. Jahrhundert diesen Namensbezug auf einen angeblichen Jesus-Apostel bekam und das Johannes-Evangelium mit "Evangelium nach Johannes" getitelt wird und erste Fundstücke aus dem 2. Jahrhundert stammen, der Inhalt von den anderen Evangelien deutlich abweicht. Und vom Evangelisten Lukas wurde lange behauptet, er wäre ein Begleiter von Paulus gewesen, aber in seinem ganzen Evangelium kommt kein einziger Bezug auf paulinische Lehransichten vor. Die drei Evangelien von Markus (nach mehrheitlicher Ansicht der Forscher um 70 entstanden), Matthäus (zwischen 80 und 90), Lukas (ebenfalls) beruhen wahrscheinlich auf einen verschollenen älteren Text, den die drei jeweils kannten und mit diversen Ausschmückungen, Abänderungen und Ergänzungen verwendeten, das Johannes-Evangelium ist eine anfangs des 2. Jahrhunderts entstandene Neudichtung. Es gibt aus der Lebenszeit eines Jeschua ben Josef, lateinisiert "Jesus", keinerlei christliche Originaldokumente oder Zeitzeugenberichte, in zeitgenössischen neutralen Quellen wird dieser Jesus nirgendwo erwähnt.

Für'n Schönborn wäre ein wahres Zeugnis aber offenbar wichtig, weil er schließt heute mit einer ausführlichen Selbsttäuschung zu diesem Thema: "Für mich war das lange eine kritische Frage, die mich umgetrieben hat: Begegne ich wirklich Jesus, wenn ich die Evangelien lese? Spricht Jesus zu mir, wenn ich seine Worte höre? Sind es seine Worte, die da überliefert werden? Heute habe ich die Gewissheit, dass es wirklich so ist. Was Lukas mir von Jesus berichtet, ist zuverlässig. Ich kann darauf vertrauen, und deshalb kann ich auf dieses Wort, das Evangelium, in meinem Leben bauen. Deshalb passiert bis heute das, was Jesus bei ihm zuhause, in Nazareth, am Sabbat in der Synagoge sagte: Heute erfüllt sich dieses Wort, das ihr gehört habt. Heute noch spricht Jesus zu uns, wie damals. Lukas, dem treuen Berichterstatter, sei es gedankt!"

Ja, lieber Herr Kardinal, so kann man sich täuschen und sein Leben an einem Sagenbuch aufbauen! Bei den alten Griechen hätten Sie bestimmt an die dortigen Göttersagen geglaubt und bei den alten Germanen an Wotan. So dienen Sie Ihr ganzes Leben einer im römischen Reich manifestierten Religion, die sich nahöstlicher Göttersagen und derer Interpretation bedient. Dem Herrn Kant sind Sie nie näher getreten, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, haben Sie nicht gewagt...


280. Wort zum Sonntag, den 17. Jänner 2016

Joh 2,1-11: In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

Diese Geschichte ist bei Johannes das erste Jesuswunder, ein Wunder, das sonst nur noch Weinpanscher vollbringen könnten. Die Geschichte kommt alleine im Evangelium des Johannes vor, das erst im 2. Jahrhundert verfasst wurde und darum keine Gefahr mehr bestand, dass irgendwelche Zeitzeugen gegen dieses alkoholische Wunder zeugten.

Schönborn verweist auf anderwärtige Brotwunder vom Jesus und freut sich, dass sein Gott auch ein Wunder mit bestem Wein getätigt hätte. Wein hat in der Form von Messwein schließlich hohe christliche Bedeutung, Messwein durften die Priester in den USA sogar während der Zeit der Prohibition saufen.

Dann schreibt der Herr Bischof über das heutige Kana und erklärt schließlich, warum ihn das heutige Wunder so beeindruckt:
"Ich nenne einige Punkte, die mir persönlich hilfreich sind. Zuerst die Tatsache, dass Jesus so ganz am Leben der Menschen teilnimmt. Er war gerne zu Gast bei Festen und hat selber oft zum Essen eingeladen. Wegen dieser Freude am Feste-Feiern wurde er ja auch von den Frommen kritisiert. Jesus hat aber auch ein Auge und ein Herz für die Nöte der Menschen. Hier, in Kana, war es seine Mutter, die ihn darauf hinweist. Ich denke, Maria sieht auch heute, wo es uns Menschen schlechtgeht. Sie bittet auch jetzt Jesus, uns aus aller Not zu helfen. Wie sie damals den Dienern sagte, ermutigt sie auch uns: Was er, Jesus, euch sagt, das tut!"

Also wenn's wem schlecht geht, weil er nix zum Saufen hat, dann betet er und die Caritas bringt ihm Wein? Aber das hat natürlich einen Haken, weil womöglich müssen die Durstigen vorher was tun, was der Jesus sagt und die Caritas prüft sie diesbezüglich ab!

Nach diesem Unsinnabsatz der Schlussabsatz vom Schönborn: "Das Wunder von Kana ist die Wandlung von Wasser in Wein. Ich sehe das als Zeichen, durch das Jesus allen Generationen zeigen will, worum es ihm geht. In jeder Messe geschieht das Wunder von Kana. Brot und Wein werden gewandelt, werden Leib und Blut Jesu. Und irgendwie wird immer ein Stück von uns selber mitverwandelt. Wer mit Jesus geht, wer ihm glaubt und vertraut, erlebt das an sich selber."

Das soll er einmal probieren, der Herr Kardinal, sein Messwasser in Messwein zu verwandeln! Weil dass sein Messwein sich ins Blut Christi verwandelt, das wird sich schwerlich medizinisch belegen lassen können, der Messwein und die Hostien werden in nichts anders verwandelt, sie bleiben das, was der Winzer und der Bäcker geliefert haben, das Wort "Hostie" kommt übrigens vom lateinischen Wort "hostia" und das bedeutet "Opfertier", Katholiken sind jedoch keine Kannibalen, sie verspeisen keine Götterleiber und kein Götterblut, nicht einmal alle Christenfraktionen verlangen den Glauben an solche Phantastereien! Amen!


279. Wort zum Sonntag, den 10. Jänner 2016

Lk 3,15-16.21-22: In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Heute ist das Evangelium wieder einmal gekürzt, es fehlen die Verse 17-20, was steht dort: 17 Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. 18 Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt. 19 Johannes tadelte auch den Tetrarchen Herodes wegen (der Sache mit) Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen all der anderen Schandtaten, die er verübt hatte. 20 Deshalb ließ Herodes Johannes ins Gefängnis werfen und lud so noch mehr Schuld auf sich.

Der Vers 17 wurde gestrichen, weil der in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts neuerschaffene Jesus darf ja niemanden mehr ins ewige Feuer werfen, der muss barmherzig alle Menschen lieben! Man hat wohl bemerkt, dass ein Gott, der Sünder ewig im Feuer foltert, moralisch weit tiefer stünde als etwa ein Herr Hitler, weil der hat Juden, Kommunisten und andere Untermenschen "nur" zeitlich begrenzt gefoltert und sie dann "bloß" umgebracht und deren Leichen im Krematorium verbrannt, der Jesus hingeben lässt das Feuer nicht erlöschen in dem die Verdammten ewig geröstet werden, das darf er jetzt nimmer, nun ist er ein braver Gott!

Aber das wieder einmal nur nebenbei. Der Prediger Johannes der Täufer wird beim jüdischen Historiker Josephus Flavius wegen seiner Kritik an Herodes bezüglich dessen o.a. Ehe mit der Frau seines Bruders erwähnt, während Flavius über den Prediger Jesus nichts geschrieben hat (Jesus tauchte dort erst in späteren Abschriften seiner Aufzeichnungen auf). Darum ist der Johannes eine wichtige Figur, die in der christlichen Bibel immer erniedrigt wird, um den Jesus zu erhöhen, Lukas erlaubt dem Johannes nicht einmal dem Jesus die Schuhe aufzubinden. Dafür darf sich der göttliche Jesusvater heute im Wege des Hl. Geistes, der dritten Falte des Christengottes, über die zweite Falte öffentlich freuen.

Aber auch das nur nebenbei. Was meint der Herr Kardinal heute zum Evangelium, was erfreut ihn? Nu eigentlich nix, weil er kritisiert die kriegerische Situation der damaligen Zeit, römische Unterdrückung, jüdischer Widerstand. Den Prediger Johannes sieht Schönborn sozusagen als dritte Gruppe: "Er predigte weder die Revolution noch den Kompromiss. Weder erwartete er einen gewalttätigen Umsturz noch stimmte er der Anpassung an die herrschenden Umstände zu. Sein Weg war die Umkehr. Sein Anliegen die Änderung des eigenen Lebens. Er wusste um die Lage seines Volkes, wie es litt und unterdrückt wurde. Den Ausweg aus der Not sah er freilich nicht in einer äußeren Revolution, sondern in der persönlichen Bekehrung. Und dazu forderte er mit großem Mut auf."

Johannes kritisierte auch den jüdischen Herrscher Herodes und wurde gemäß Josephus Flavius deswegen hingerichtet. Obwohl die heute präsentierte Fassung des Evangeliums den Herodes gar nicht erwähnt, geht Schönborn darauf ein: "Er wagte es, dem König Herodes offen entgegenzutreten und ihm zu sagen: Du hast nicht das Recht, die Frau deines Bruders dir zur Frau zu nehmen. Herodes und vor allem Herodias, die Frau seines Bruders, ließen sich diese offene Kritik nicht gefallen. Sie kostete Johannes schließlich das Leben."

Und was ist der Schluss daraus beim Wiener Bischof? "Jesus sucht seinen Platz nicht bei den radikalen religiösen Fanatikern. Auch nicht bei angepassten Anhängern des Zeitgeistes. Er mischt sich einfach und bescheiden unter das Volk. Wie einer von ihnen lässt er sich taufen, das heißt untertauchen im Jordan, wie ein Sünder unter Sündern, wie einer von uns. Er ist einer von uns geworden. Keinen von uns verachtet er. Allen will er Bruder sein, Freund und Helfer. Gott zeigt ihm und uns, dass das der Weg ist, der Seinem Willen entspricht: Du bist mein geliebter Sohn! Auf diesen Weg lädt Jesus ein. Wer ihn mit Jesus geht, verändert die Welt. Weil er zuerst sich selber verändert."

Dass der liebe Jesus Sünder laut dem wegzensierten Vers 17 ewig foltern wollte, darauf braucht Schönborn gar nicht eingehen, Jesus und Schönborn sind wieder einmal ganz voller Liebe und Grießschmarrn und man könnte das vielleicht mit Hansi Hinterseer in der Hauptrolle verfilmen, Titelvorschlag: "Da wo der Schönborn auf das Glück vom Jesus wartet", amen.


278. Wort zum Feiertag am 6. Jänner 2016

Mt 2,1-12: Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Zur obigen Bibelstelle wurde eh schon über die protestantische Sonntagspredigt in der Kronenzeitung vom 3.1. auf der Info "Die Weisen aus dem Morgenland" Stellung bezogen. Also kann hier gleich zu Schönborns Predigt was gesagt werden.

Was sagt der Schönborn? Er zweifelt natürlich keine Sekunde daran, dass in der Bibel lauter Wahrheiten stehen und es seine heiligen drei Könige auch außerhalb des Reliquienscheins im Kölnerdom gegeben hätte. Auf den Text des Evangeliums geht er direkt gar nicht ein, sondern stellt die These auf, drei persische Weise hätten sich dem jüdischen Messias anschließen wollen.

Außer ein paar Knochen unbekannter Herkunft, mit denen ein gewitzter Reliquienhändler irgendwann irgendwen anschmierte, hat es von den weisen Morgenländern auf Erden nie was gegeben.

Die Juden hatten sich bekanntlich seinerzeit diesem angeblichen Messias, der erst nach seinem Tode als solcher präsentiert wurde, fast gar nicht angeschlossen, weil solche angebliche Messiasse rannten ja dauernd durch die Gegend. Aber ein großer Teil der Welt wurde in den folgenden Jahrhunderten weit überwiegend durch Lug, Betrug und vor allem mit Gewalt dem katholischen Messiasreich ungeordnet. Und ganz angebracht haben wir es immer noch nicht, aber es wird nimmer lange dauern bis in unseren Gegenden die katholische Kirche mit anderen Sekten wetteifern kann.

Also was meint der Schönborn? Er schließt mit: "Mich bewegt an dieser Geschichte die Bereitschaft, von einer anderen Religion etwas zu lernen. Diese Gelehrten aus Persien waren offen für das, was sie auch aus anderen Glaubensrichtungen bekommen können. Sonst wären sie nicht bereit gewesen, aufzubrechen und die Mühe der Suche auf sich zu nehmen. Besonders beeindruckt mich jedes Jahr die tiefe, große Freude, die sie empfanden, als sie 'ihren' Stern wieder sahen, der sie nach Bethlehem führte. Sie erlebten das Glück, auf ihrem Weg von Gott geführt zu werden. Das Fest der 'Heiligen Drei Könige', der Sterndeuter aus dem Osten, der Weisen aus Persien, ist ein schöner Anlass, zu hoffen und zu beten, dass die Gläubigen verschiedener Religionen einander in Freude und gegenseitiger Ehrfurcht begegnen können. Jesus, das Kind von Bethlehem, lädt dazu ein!"

Dazu die Realität: die drei weisen Perser waren ein Fake und der Heiligen-drei-König-Feiertag kündigt das Ende der Weihnachtsferien an. Sonst hat das ganze keine Bedeutung. Amen.


277. Wort zum Sonntag, den 3. Jänner 2016

Joh 1,1-18: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Le-ben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, al-len, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Wil-len des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahr-heit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Ge-setz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Heute wird es hier ganz kurz, weil meine Ausführungen zum Evangelium und zu Bischof Schönborns Predigt unter dem Titel "Niemand hat Gott je gesehen" zu lang sind. Darum bitte auf der Niemand hat Gott je gesehen-PDF weiterlesen!


276. Wort zum Feiertag am 1. Jänner 2016

Lk 2,16-21: Die Hirten eilten hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.

In den Versen Lukas 2, 8 bis 15 hatten Engeln den Hirten die Sachlage erklärt, erstaunlicherweise erzählen sie die Geschichte anscheinend auch der Maria und diese musste sonderbarerweise darüber nachdenken, obwohl sie ja seit der "Verkündigung" über den Vorgang informiert gewesen sein müsste. Aber das nur nebenbei!

Wofür verwendet der Herr Schönborn das heutige Evangelium? Er berühmt die heilige Patchworkfamilie! Denn das Jesuskind stammt ja laut Bibel nicht aus der Verbindung von Josef und Maria und der Kindesvater - bekannt im Christentum als Gottvater - ist nicht mit der Gottesmutter Maria verheiratet, der Jesus ein außereheliches Kind.

Obwohl diese Familie nicht den katholischen Familienvorschriften entspricht, wird sie "heilige Familie" genannt. Und Schönborn wird dazu sogar volkstümlich: "Jesus, Maria und Josef - diese drei Namen werden heute genannt. Ich sehe darin so etwas wie ein Jahresprogramm für 2016. Und einen besonderen Segen. Denn diese drei Namen galten im Volksmund immer schon als segensreich."

Ja, diese drei Namen kannte ich tatsächlich schon als kleines Kind aus volkstümlichen Dialektmündern: "Jessasmarandjosef!" ist ein Ausruf der Bestürzung! Aber das verstößt gegen den 2. Paragraphen der zehn Gebote, "Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren"! Und der Herr Kardinal sieht in den drei Namen auch keinen Ausruf der Bestürzung, weil "Jesus, Maria und Josef: diese drei Namen stehen für Versöhnung." Aber - Jessasmarandjosef - es herrscht trotzdem keine Versöhnung in vielen Weltteilen, der Wiener Bischof plagt sich und fragt sich: "Wird es im neuen Jahr endlich Frieden im Nahen Osten geben? Oder werden weiter Hunderttausende durch endlosen Terror und Krieg in die Flucht getrieben? Was werden die Großen und Mächtigen tun, um die Waffen niederzulegen und ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen? Was kann jeder Einzelne im eigenen Umfeld tun, um Versöhnung zu fördern?"

Ja, das war immer die christliche Problemlösung, was kann jeder Einzelne in seinem Umfeld tun? Seid alle freundlich zu allen und der Weltfriede wird ausbrechen! Bisher ist er trotzdem nicht ausgebrochen. Was irgendwie damit zusammenhängt, dass die göttlichste Nation der Welt immer noch auf geopolitischer Machttour ist, the one nation under god ist der große Schadensstifter und die EU ihr Komplize. Ohne US-Streben nach vollständiger Weltherrschaft wäre die Welt deutlicher friedlicher, es gäbe nicht einmal den IS! Aber die USA sind von den entwickelten Staaten ja der allerchristlichste und das schädigt die ganze Welt!

So! Wie lautet der heutige Schönborn-Schlussspruch? "Was erhoffe, was erbitte ich mir? Wem vertraue ich mein neues Jahr an? Mich beeindruckt, wie sehr Papst Franziskus dem heiligen Josef vertraut, dem treuen Beschützer seiner kleinen Familie. Viele Menschen vertrauen auf die mütterliche Hilfe Marias, der Mutter Jesu. Diese drei Namen, Jesus, Maria, Josef, sind eine gute, sichere Adresse, um einander Segen und 'Prosit Neujahr' zu wünschen."

Aha und mit Jessasmarandjosef wird das Jahr 2016 bewältigt! Warum ist man da nicht schon früher drauf gekommen?!


275. Wort zum Sonntag, den 27. Dezember 2015

Lk 2,41-52: Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

Dem Jesus seine Familie hatte also vergessen, dass er der Sohn Gottes ist und wenn er dann sagt, er müsse in dem sein, was seinem Vater gehört, verstehen sie ihn nicht. Hier der Lukas-Text zu "Maria Verkündigung" am 25. März, neun Monate vor "Christi Geburt", Lk 1,27-38: "Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel."

Und knapp 13 Jahre später weiß die Maria nix mehr davon und versteht nicht, worüber ihr Sohn Jesus redet? Ja, die Bibeltexte sind nur unzureichend redigiert worden, solche Widersprüche sind immer wieder drinnen!

Aber was lehrt uns heute der Herr Bischof von Wien? Er titelt seine Predigt mit "Auf die Suche nach Jesus gehen…".
Er erwähnt dann die in der Bibel zu findenden "Brüder und Schwestern Jesu", auch so ein Fehler wie oben, weil eine von Gott zwecks Gottessohnaufzucht befruchtete Jungfrau, die auch nach der Geburt immer noch Jungfrau war und auch 2000 Jahre später immer noch als Jungfrau verehrt wird, konnte keine weiteren Kinder haben. Man hätte also seinerzeit den Text bearbeiten müssen, so muss der Herr Kardinal eben regelmäßig die Geschwister in eine "nähere Verwandtschaft" umwandeln.

Aber das nur nebenbei. Was ist nun los mit der Jesussuche? Sie kommt erst im letzten Absatz vor, wo er zur Jesussuche von Maria und Josef schreibt: "Für Eltern gibt es keine schlimmere Sorge, als ihr Kind zu verlieren. Für mich ist die Angst der Eltern Jesu auch ein Bild für eine ganz tiefe Sorge: dass auch ich Jesus verlieren könnte. Schlimmer als alle menschlichen Verluste wäre es, Jesus nicht mehr zu finden. Es bewegt mich, mir Josef und Maria vorzustellen, wie sie voll Angst ihren Jesus suchen. So aus ganzem Herzen auf die Suche nach Jesus gehen! Und dann die Freude erleben, Jesus zu finden! An das muss ich heute, am Fest der Heiligen Familie, besonders denken."

Ja, es wäre ein echtes Problem für einen Kardinal, wenn er seinen Jesus nimmer findet und ihm damit bewusst wäre, dass er sein ganzes Leben einer Chimäre gewidmet hat! Wobei es natürlich führende Kleriker gibt, die wissen, dass das so ist! Wenn sie nicht arbeitslos werden wollen, müssen sie dann überzeugend heucheln, aber das können sie ja, weil das Heucheln ist ein katholisches Grundelement, das lernt man schon beim Theologiestudium! Ich hab das auch seinerzeit im Religionsunterricht lernen müssen, aber ich hasse seither Heuchelei und bin für die freie Meinungsäußerung. Und mit einer freien Meinungsäußerung schließe ich meine heutigen Sonntagsworte: weil es keine Götter gibt, gibt es auch keine Gottessöhne, amen!


274. Wort zum Donnerstag, den 24. Dezember 2015

Lukas 2,1-14: In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

Der arme Jesus wurde nicht in einer Geburtsklinik zur Welt gebracht, sondern in einem Stall! Da hat sein Vater, der alte Jehova, sich zuwenig um Maria, seine Liebste, gekümmert! Dafür würde er heute vom Jugendamt zur Verantwortung gezogen. Gut, dass die Maria wenigstens Windelns mitgehabt hat! Die Ursache, dass der Kaiser Augustus die Leute zum Eintragen in ihre Herkunftsstadt trieb, ist unbekannt und völlig sinnlos. Wenn heute wer in Graz geboren ist und in Salzburg wohnt, muss er sich auch nicht an das Finanzamt in seiner Geburtsstadt wenden und bei den Römern wird das auch nicht so kompliziert gewesen sein.

Aber da aus dem Jesus von seinen Jüngern nachträglich der Messias gemacht worden war, brauchte der Jesus eine Abkunft aus der Stadt Davids, weil es bei einem Propheten geschrieben steht (Micha 5, 1 "Aber du, Betlehem-Efrata, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll"). Darum hat Augustus diese Anordnung geben müssen, so einfach ist das zu erklären! Und danach mussten die drei nach Ägypten flüchten, weil ein anderer Prophet hatte einen Gottessohn aus Ägypten anreisen lassen (Hosea 11, 1 "Als Israel jung war, gewann ich es lieb, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen").

Und was dichtet der Wiener Bischof Schönborn heute dazu? Na klar, es geht um Barmherzigkeit! Und das passt ja 2015 herrlich: "Herbergsuche heute: Meist wird da an die vielen Flüchtlinge unserer Tage erinnert. Der Vergleich ist ja naheliegend: Ist noch Platz für sie? Ist das Boot schon voll, wie manche sagen? Ist Österreich als Gastland überfordert? Sicher ist es gerade an Weihnachten besonders angebracht, an die vielen Menschen zu denken, die jetzt einsam, heimatlos, obdachlos sind. Dazu gehören die Flüchtlinge, aber auch viele andere Menschen bei uns. Wie ist ihnen an Weihnachten zumute?"

Und wie ist jetzt vielen Österreichern zumute, weil es heuer so einen Asylantenansturm gab? Und zwei Drittel der europäischen Staaten achteten streng darauf, dass der Kelch an ihnen vorbeiginge und in Österreich, Deutschland und Schweden blieb die Hauptlast hängen, weil die deutsche Bundeskanzlerin den Nahen Osten zur Herbergsuche aufgefordert hatte.

Allerdings ist Schönborn vorsichtiger als die Merkel, seine katholische Kirche in Österreich hatte sich ja auch nicht zur Flüchtlingsunterbringung gedrängt, sondern musste gedrängt werden. Der Herr Kardinal schließt seine Weihnachtspredigt jedenfalls achtsam: "Gott selbst sucht einen Platz bei uns Menschen! Er selber klopft an die Tür. Er bittet um Einlass. Und wird so oft abgewiesen. Braucht Gott Quartier bei uns? Ist er nicht überall? Ist nicht alles sein Eigentum? Und wie sieht die Herbergsuche Gottes aus? Woran ist zu erkennen, dass es Gott selber ist, der um Aufnahme bittet?"

Also im katholischen Polen hat die katholische Regierung z.B. beschlossen, das nicht zu erkennen. Und warum sollte der allmächtige Katholikengott auch eine Herberge suchen müssen? Und falls er doch sucht? Nu, die drei Falten von seinem Katholikengott, die würde der Herr Schönborn doch leicht in seinem Bischofspalais unterbringen! Das wäre doch ein vergleichsweise ganz kleinwinziges Problem!


273. Wort zum Sonntag, den 20. Dezember 2015

Lukas 1,39-45: Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

Das vor Freude hüpfende Kind im Leibe ist der nachmalige Johannes der Täufer, er wird in den Evangelien häufig als Wegbereiter des Jesus strapaziert. Was wohl damit zusammenhängt, dass er im Gegensatz zu Jesus beim jüdischen Historiker Josephus Flavius eine echte Erwähnung in den Antiquitates Judaicae hat und nicht eine spätere Hinzufügung. Was zur Vermutung führen kann, der Jesus sei sozusagen eine Weiterführung des Johannes. Dem Jesus wurde Johannes als Vorläufer und Ankündiger zugeordnet und der Jesus musste einen spektakuläreren Tod sterben und dazu auch noch auferstehen. In der jüdischen und römischen Geschichtsschreibung kommt das nirgendwo vor, aber die Jesus-Story hatte leider durch das furchtbare Dreikaiseredikt von 380 (zwangsweise Einführung des Christentums als römische Staatsreligion) entsetzliche Folgen für die Welt: das Christentum warf die Menschheit zumindest um tausend Jahre zurück - egal ob nun der Jesus real oder eine Reklamefiktion war.

Was macht heute der Schönborn? Nu, was wird er machen? Er hüpft auch vor Freude, weil am 25.12. wird ihm wie jedes Jahr sein Gott geboren. So, das genügt für heute und in einer Woche haben wir den jährlichen religiösen Weihnachtszirkus eh überstanden. Das Fest der Wintersonnenwende haben unsere Vorfahren schon vor Jahrtausenden gefeiert, dieses Fest wurde zwangsverchristianisiert, unsereiner feiert zwar deswegen auch nicht unbedingt die Wintersonnenwende (die ist ja schon von morgen auf übermorgen), aber möglicherweise an den Feiertagen ein säkulares Familienfest. Amen.


272. Wort zum Sonntag, den 13. Dezember 2015

Lk 3,10-18: In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Das ist heute wieder einmal eine gefährliche Stelle mit einem unbarmherzigen Jesus. Er trennt sein Publikum in Weizen und Spreu, der gute Weizen kommt in die (himmlische) Scheune, die böse Spreu ins nie erlöschende (Höllen)feuer. Politisch korrekt ist so ein Text sicherlich nicht. Auch Atheisten sind katholisch betrachtet bestimmt kein Weizen, sondern zu verbrennende Spreu. Die Nazis haben seinerzeit ein ähnliches Wertesystem vertreten, dort war das Deutschvolk der Weizen und das Volk der Juden und andere Menschengruppen die Spreu. Diese Spreu vergaste man und verbrannte die Leichen. Im Vergleich erscheint der biblisch-christlichen Umgang mit Spreu somit unendlich bösartiger! Weil dort wird die Spreu nicht vergast, sondern kommt ins nie erlöschende Feuer in der ewigen christlichen Folterhölle.

Der hier angestellte Vergleich ist natürlich real nicht möglich: die Vergasung von Juden und anderen als untermenschlich deklarierte Spreu hat es wirklich gegeben, die christliche Hölle ist aber bloß das Hirngespinst grauenhaft sadistischer religiöser Narren. Man hat dieses Problem inzwischen in den Christenkirchen auch bemerkt, das ewige Höllenfeuer bereitet heute den Predigern der Christenlehre erkennbar weniger Freude als früher. Hier wieder einmal die auf dieser Site so gerne verwendete Beschreibung des Fegefeuers durch den katholischen Prediger Abraham a Santa Clara:

und die Hölle war bestimmt noch weit schlimmer!

Ja, damals war die auf diese fürchterliche Art verbreitete Gottesfurcht die Grundlage der christlichen Herrschaft über die Masse der Menschen! Ewig im Höllenfeuer brennen zu müssen, das war eine ganz schlechte Option, da war man lieber christlich!

Wie kratzt der Schönborn heute die Kurve in Sachen Höllenfeuer? Nu, er geht zuerst einmal tatsächlich auf den Bibeltext ein und schreibt: "Johannes war gewiss, dass eine Zeit der Prüfung bevorsteht. Eine Zeit, in der sich zeigt, was standhält und was untergeht. Eine Zeit, in der 'die Spreu vom Weizen getrennt wird'. Und diese Zeit liegt nicht irgendwo in der Zukunft. Sie ist bereits da: 'Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen'." Dabei kommen ihm allerdings die Bibelstellen durcheinander, weil das obige Zitat von den umgehauenen Bäumen steht bei Mt 3,10 und nicht bei Lukas 3,10ff.

Dann rettet sich Schönborn in die moralischen Appelle des Johannes und stellt dazu einen Gegenwartsbezug her, der immerhin zeigt, dass der Herr Bischof sich wahrzunehmen traut, was unsere politischen Flaschenköpfe sich nimmer zu sagen trauen: "Heute ist eine ähnliche Situation. Sorgen und Ängste nehmen zu. Die Unsicherheit wächst. Die Zukunft ist ungewiss. Vieles kommt zusammen, das den Horizont verdüstert. Die zunehmende Arbeitslosigkeit, der abnehmende Wohlstand, die großen Flüchtlingszahlen, unsere niedrigen Geburtszahlen, der Rückgang des Christentums, der Vormarsch des Islam, die wachsende Unsicherheit, die Veränderung des Klimas, der drohende Terror…"

Dass die arbeitende Bevölkerung heute weniger Realeinkommen hat als vor zwanzig Jahren, sagt kein Politiker, die Flüchtlingsströme werden von den Regierenden dem Volke als Möglichkeit zum Begehen von guten Taten angeboten und den Vormarsch des Islam zu fürchten, ist Rassismus.

Aber dann legt Schönborn die Latte für seine Christen in Richtung Barmherzigkeit, schließlich wurde ja gerade ein barmherziges heiliges katholisches Jahr ausgerufen. Er schreibt, "es ist Zeit, uns selber die Frage zu stellen: 'Was sollen wir also tun?' So ernst die Worte des Johannes waren, so einfach sind seine Antworten: Du kannst etwas tun! Es ist gar nicht so kompliziert! Du kannst nicht die ganze Welt verändern. Aber du kannst dein Verhalten ändern. Und damit ein kleines Stück der Welt!"

Es geht also nicht um gesellschaftliche und politische Verhältnisse und deren Veränderung zum Besseren, sondern um gutmenschliche Einzelwesen. Verteilt Almosen, dann wird die Welt besser. Die Welt ist allerdings in der Vergangenheit dadurch besser geworden, dass statt Almosen Rechte erreicht wurden, Rechte, die heute im Neoliberalismus ständig angegriffen werden, neoliberale Reformen bedeuten immer und ausnahmslos: für Milliardäre, Konzerne und die Finanzwirtschaft wird es noch besser und für die arbeitende Bevölkerung schlechter. Aber das interessiert natürlich einen katholischen Kirchenfürsten, dessen Institution weltweit in Geld schwimmt, nicht.

Zum Thema Weizen und Spreu, zum Verbrennen im nie erlöschenden Feuer kommt der Herr Kardinal nicht mehr zurück. Weil was soll er dazu konkret sagen, da könnte er sich bloß selber den Mund verbrennen, wenn er die Verdammungsdrohungen seines Gottes interpretierte. Oh Ihr Heuchler und Pharisäer!


271. Wort zum Feiertag Maria Empfängnis am 8. 12. 2015

Genesis 3,9-15.20: Nachdem Adam von Baum gegessen hatte, rief Gott, der Herr, ihm zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen. Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse. Adam nannte seine Frau Eva - Leben -, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.

Hier zeigt die Bibel die Grundlage der Religionen elementar auf: vom Baum der Erkenntnis zu essen, ist die entscheidende menschliche Sünde! Laut 1. Mose 2,17 hatte der Verbotsbefehl gelautet, "doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben". Gestorben sind natürlich die Leute auch vorher, schließlich ist der Mensch ja nicht entstanden, weil ihn ein Gott aus Lehm geformt, ihm Leben eingehaucht hat und dann aus einer seiner Rippen eine Frau für ihn gebastelt hat, die biblische Schöpfungsgeschichte zeigt ja nur die berühmte Tatsache: Götter sind immer genauso dumm und unwissend wie die jeweiligen Götterschöpfer. Man braucht sich dazu ja nur die obigen Zeilen voll heiliger Einfalt durchlesen.

Dazu noch ein uralter Witz: Der Katechet fragt in der Schule den kleinen Maxl, mit welchen Worten Jesus das Sakrament der Ehe eingesetzt habe, der kleine Maxl antwortet, "Jesus hat das Sakrament der Ehe mit den Worten eingesetzt: Feindschaft will ich setzen zwischen Dir und Deinem Weibe".

Kardinal Schönborn predigt heute nicht direkt zu diesen Zeilen aus der biblischen Schöpfungsgeschichte, sondern nimmt wieder einmal seinen allbarmherzigen Jesus zur Brust. Dazu gibt es zuviel zu sagen, darum wird hier gar nichts geschrieben, sondern auf die PDF mit dem schönen Titel "Kirchliche Selbstruinierung" verwiesen!


Wegen der Länge der Dateien werden diese regelmäßig geteilt

Die Sonntagsworte von Juli 2010 bis Juni 2011 sind auf sonntag1_30.html zu finden, von Juli 2011 bis Februar 2012 auf sonntag31_60.html, von Februar bis September 2012 auf sonntag61_90.html, von September 2012 bis März 2013 auf sonntag91_120.html, von März bis Oktober 2013 auf sonntag121_150.html, von Oktober 2013 bis Mai 2014 auf sonntag151_180.html, von Mai bis November 2014 auf sonntag181_210.html, von Ende November 2014 bis Mai 2015 auf sonntag211_240.html, von Mai 2014 bis Ende 2015 auf sonntag241_270.html.

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